Uhrentest zur Demenzdiagnostik: Anleitung und Bewertung

Der Uhrentest ist ein einfaches und schnelles Testverfahren, das in der Diagnostik von Demenzerkrankungen eingesetzt wird. Er dient der Früherkennung einer Demenz, ist aber als alleiniges Diagnoseinstrument nicht ausreichend und wird daher meist in Kombination mit anderen Demenztests wie dem Mini-Mental-Status-Test (MMST) oder DemTect angewendet. Der Test eignet sich besonders für die Altersgruppe der 65- bis 85-Jährigen.

Grundlagen des Uhrentests

Der Uhrentest gehört zur Gruppe der psychometrischen Tests und kann die Früherkennung einer Demenz unterstützen. Liegt der Verdacht auf Demenz nahe, so ist der Uhrentest ein erstes wichtiges und bekanntes Instrument in der Diagnostik. Er ist einfach, geht schnell und Sie benötigen nur ein Blatt Papier und einen Stift. Der große Vorteil des Uhrentests ist die einfache Durchführung. Denn beim Uhrentest muss die Testperson nur eine Uhr zeichnen und im Anschluss eine Uhrzeit mit dem Stunden- und Minutenzeiger in die skizzierte Uhr eintragen.

Durchführung des Uhrentests

Es gibt verschiedene Varianten des Uhrentests. In Deutschland wird häufig die Vorlage von Shulman (1993) verwendet. Dabei wird die Testperson gebeten, in einen vorgegebenen Kreis die Zahlen "1" bis "12" so einzutragen, wie sie auf dem Ziffernblatt einer Uhr angeordnet sind. Zusätzlich soll sie den Minuten- und Stundenzeiger so einzeichnen, dass sie eine bestimmte Uhrzeit anzeigen (meist 11:10 Uhr). Eine andere Variante ist der Uhrentest nach Sunderland et al. (1989), bei dem die Testperson auch das Ziffernblatt selbst zeichnen muss, also den Kreis.

pflege.de bietet eine kostenlose Vorlage zur Durchführung des Uhrentests an. Die Testperson erhält ein Blatt Papier mit einem großen Kreis darauf. Der Arzt gibt die Anweisung: „Dieser Kreis soll eine Uhr sein." Während die Testperson zeichnet, macht sich der Arzt Notizen: In welcher Reihenfolge geht die Testperson vor? Bereitet ihr das Zeichen Schwierigkeiten? Wo zögert sie? Muss sie häufig Korrekturen vornehmen?

Visuokonstruktion

Im Zusammenhang mit dem Uhrentest fällt oftmals das Wort „Visuokonstruktion“ oder „visuokonstruktive Ausführungsleistung“. Dieses Fremdwort bezeichnet die Fähigkeit, komplexe Formen oder Muster zu erkennen und zu reproduzieren. Diese Fähigkeit nimmt bei Demenzerkrankten bereits früh im Krankheitsverlauf ab.

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Was wird beim Uhrentest getestet?

Mit dem Uhrentest werden verschiedene kognitive Fähigkeiten überprüft:

  • Instruktionsverständnis: Versteht die Testperson die Anweisungen?
  • Ausführungsplanung: Kann die Testperson die Aufgabe planen und strukturieren?
  • Visuelles Gedächtnis: Kann sich die Testperson an das Aussehen einer Uhr erinnern?
  • Visuokonstruktive Ausführung: Ist die Testperson in der Lage, ein komplexes Muster (Ziffernblatt mit Zeitangabe) zu erfassen und zu reproduzieren?

Auswertung des Uhrentests

Bei der Auswertung des Uhrentests wird nicht nur darauf geachtet, ob alle Ziffern und Zeiger an der korrekten Position stehen. Der Untersucher achtet auch darauf, ob die Abstände zwischen den Zahlen annähernd gleich und die Ziffern deutlich lesbar sind. Je fortgeschrittener die Demenz, desto schwieriger gestaltet sich der Uhrentest für die Betroffenen: Die gezeichnete Uhr wird immer unkenntlicher, die Ziffern und Zeiger werden falsch eingezeichnet oder fehlen sogar. Bei schwerer Demenz machen viele Patienten gar keine Versuche mehr, eine Uhr zu zeichnen. Manche schreiben stattdessen Wörter oder ihren Namen auf das Papier.

Es gibt verschiedene Skalen zur Bewertung des Uhrentests:

  • Shulman (1993): Die Auswertung erfolgt auf einer Skala von "1" (perfekt) bis "6" (keine Darstellung einer Uhr).
  • Sunderland et al. (1989): Die Auswertung orientiert sich an einer Skala von "10" (korrekte Darstellung) bis "1" (nicht mehr als Uhr erkennbar).
  • Watson: Hier wird jedes Viertel des Ziffernblatts bewertet. In jedem Viertel sollten jeweils die drei richtigen, lesbaren Zahlen zu finden sein. Für jedes Viertel, in dem ein Fehler gemacht wurde, werden Fehler-Punkte gezählt. Für die ersten drei Viertel jeweils ein Punkt, für das letzte Viertel vier Punkte. Bei drei oder mehr Punkten ist eine kognitive Einschränkung naheliegend.

Die Unterscheidungen gehen sehr ins Detail und sind schwer zu bewerten. Sie sollten nur von einer Person mit Erfahrung in der Durchführung solcher Tests gemacht werden. Das Auswertungsverfahren beim Uhrentest nach Watson ist sehr standardisiert.

Minutenzeiger-Phänomen

Ein besonderes Augenmerk gilt dem sogenannten Minutenzeiger-Phänomen. Hierbei werden das Ziffernblatt mit seinen Zahlen und der Stundenzeiger korrekt dargestellt, der Minutenzeiger wird aber fehlerhaft platziert. Dieses Phänomen kann auf eine beginnende Demenz hinweisen.

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Aussagekraft und Grenzen des Uhrentests

Der Uhrentest ist ein nützliches Instrument zur Früherkennung von Demenz, da Störungen der räumlichen Wahrnehmung häufige Symptome bei Demenzerkrankungen sind. Er liefert im Vergleich mit dem Mini-Mental-Status (ein anderer häufig benutzter Demenztest) meist dieselben Ergebnisse. Daher geht man davon aus, dass der Uhrentest verlässlich auf eine bestehende Demenzerkrankung prüft. Allerdings kann der Uhrentest allein keine verlässliche Diagnose liefern. Er sollte immer in Kombination mit anderen Tests und einer ausführlichen ärztlichen Untersuchung durchgeführt werden.

Der Uhrentest wird oft in die Hände von Pflege- und/oder Betreuungskräften gelegt. Auch Angehörige wenden ihn an, um ein Familienmitglied zu „testen“. Das ist alles nicht ganz falsch, darf aber immer nur als ein erster Hinweis auf eine mögliche kognitive Einschränkung gelten und nicht als verlässliche Diagnose einer Demenz. Eine Diagnose kann nur ein Arzt stellen, der dafür ausgebildet ist und Erfahrung hat.

Einflussfaktoren

Bildungsniveau, Muttersprache, psychische Belastungen oder andere Erkrankungen können das Ergebnis beeinflussen. Andere Erkrankungen können ähnliche Symptome hervorrufen wie eine Demenz. Daher ist es unerlässlich, bei einem positiven Befund Laboruntersuchungen und bildgebende Untersuchungen anzuschließen.

Weitere Demenztests

Neben dem Uhrentest gibt es weitere Testverfahren zur Demenzdiagnostik, wie beispielsweise:

  • Mini-Mental-Status-Test (MMST): Ein Schnelltest zur Erfassung kognitiver Störungen. Er hat eine hohe Aussagekraft über die Diagnose Demenz. Gerade bei dem Verdacht auf eine Demenz wird er häufig als Erst-Test angewandt. Darüber hinaus wird er auch genutzt, um den Krankheitsverlauf zu verfolgen. Der Begriff MMSE ist die Abkürzung für den englischen Namen des MMST, nämlich „Mini Mental State Examination“. Der Test wurde 1975 von Marshal F. Folstein entwickelt. Der MMST liefert ein zuverlässiges Bild von der kognitiven Leistungsfähigkeit des Probanden. Auf den Test selbst folgt in der Regel eine körperliche Untersuchung. Der MMST wird häufig in Hausarztpraxen eingesetzt, in denen das Personal oder der Arzt speziell in der Anwendung dieses Tests geschult sind. Wichtig ist dabei, dass sich der Arzt zuvor im Gespräch ein gutes Bild des Patienten machen konnte. Der MMST wird oft auch verwendet, um den Verlauf einer Demenz zu messen. Dafür wird der Test in regelmäßigen Abständen wiederholt.
  • DemTect: Ein weiterer Test zur Demenzfrüherkennung.
  • MoCa-Test: Ein umfassenderer Test zur Beurteilung verschiedener kognitiver Bereiche.

Sie haben individuelle Vor- und Nachteile.

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