Fortschrittliche Epilepsiebehandlung in der Neurologischen Klinik des Uniklinikums Erlangen

Das Epilepsiezentrum der Neurologischen Klinik des Uniklinikums Erlangen zählt zu den führenden Einrichtungen in Deutschland und bietet umfassende Diagnostik und Therapie für Epilepsie und andere Anfallserkrankungen. Als Zentrum der höchsten Versorgungsstufe (Grad-IV-Zentrum) verfügt es über modernste Verfahren und ein interdisziplinäres Team, um Patienten jeden Alters eine optimale Behandlung zu gewährleisten.

Erstkontakt und Überweisung

Der erste Kontakt der Patienten mit dem Zentrum findet in der Regel in der Neurologischen Hochschulambulanz statt. Patienten aus dem gesamten Bundesgebiet, hauptsächlich aus Bayern, suchen hier Hilfe. Die Sprechzeiten sind täglich von Montag bis Freitag nach vorheriger Anmeldung. Viele Patienten werden von niedergelassenen Ärzten oder anderen Kliniken überwiesen, da ihre Epilepsie schwer behandelbar ist oder Nebenwirkungen von Medikamenten aufgetreten sind. Manchmal ist auch unklar, ob überhaupt eine Epilepsie vorliegt, da unklare Bewusstlosigkeiten auch andere Ursachen haben können.

Diagnostisches Spektrum

In den letzten Jahren wurden die diagnostischen Möglichkeiten bei Epilepsien erheblich verbessert. Dies ermöglicht eine bessere Abgrenzung von Epilepsie gegenüber nicht-epileptischen Anfällen. Die Untersuchungsverfahren können sehr aufwändig sein, um die genaue Ursache und Art der Anfälle zu bestimmen.

Das Zentrum bietet ein breites Spektrum an diagnostischen Verfahren, darunter:

  • EEG (Elektroenzephalographie): zur Messung der Hirnaktivität und Identifizierung epileptischer Potenziale.
  • Video-EEG-Monitoring: zur Aufzeichnung von Anfällen und gleichzeitigen Beobachtung des Patienten.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): zur Darstellung von Hirnstrukturen und Identifizierung von Ursachen wie Tumoren oder Fehlbildungen.
  • Nuklearmedizinische Verfahren: zur Beurteilung der Hirnfunktion und Identifizierung epileptogener Zonen.
  • Neuropsychologische Untersuchungen: zur Beurteilung von kognitiven Beeinträchtigungen im Zusammenhang mit der Epilepsie.
  • Genetische Untersuchungen: zur Identifizierung genetischer Ursachen der Epilepsie.

Therapieangebote

Der Behandlungsschwerpunkt des Epilepsiezentrums liegt auf der Diagnose und Therapie schwerbehandelbarer Epilepsien. Es werden modernste und fundierte Verfahren vorgehalten, um eine optimale Anfallskontrolle und Verbesserung der Lebensqualität zu erreichen.

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Die Therapieangebote umfassen:

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie ist die häufigste Behandlungsform bei Epilepsie. Ziel ist es, mit einem oder mehreren Antiepileptika Anfallsfreiheit zu erreichen. Die Auswahl des geeigneten Medikaments erfolgt individuell und unter Berücksichtigung von Anfallsart, Begleiterkrankungen und möglichen Nebenwirkungen. Neue Antiepileptika und Medikamenten-Studien werden im Zentrum angeboten, um auch bei schwer behandelbaren Epilepsien eine bessere Anfallskontrolle zu erzielen.

Operative Therapie

Wenn eine medikamentöse Therapie nicht ausreichend wirksam ist, kann eine operative Behandlung in Erwägung gezogen werden. Das Epilepsiezentrum arbeitet eng mit der Neurochirurgischen Klinik des Uniklinikums Erlangen zusammen, um eine umfassende präoperative Epilepsiediagnostik und Epilepsiechirurgie anzubieten.

Die Epilepsiechirurgie umfasst verschiedene Methoden:

  • Resektionsverfahren: Hierbei wird epileptogenes Gewebe aus dem Gehirn entfernt, um Anfallsfreiheit zu erreichen. Dies ist jedoch nur möglich, wenn der epileptische Herd genau eingrenzbar ist und nicht in funktionell bedeutsamen Hirnarealen liegt. Um eine funktionserhaltende Epilepsiechirurgie zu planen, wird die Neuronavigation einschließlich MEG und intraoperativem MRT eingesetzt. Während der Operation wird das Ausmaß der Gewebsentfernung durch EEG-Ableitungen am offenen Gehirn (Elektrocorticographie, ECOG) festgelegt (Tailored Resections).
  • Diskonnektionsverfahren: Diese Verfahren kommen zum Einsatz, wenn eine Resektion nicht möglich ist. Sie unterbrechen die Ausbreitung der epileptischen Erregung im Gehirn durch gezielte Durchtrennung von Nervenbahnen. Dazu gehören die Multiple Subpiale Transsektion (MST) und die Callosotomie (Balkendurchtrennung).
  • Vagusnervstimulation (VNS): Bei der Vagusnervstimulation wird ein kleiner Generator unter das Schlüsselbein implantiert, der den Vagusnerv im Halsbereich stimuliert. Dies kann die Anfallshäufigkeit reduzieren und die Lebensqualität verbessern.
  • Bestrahlungstherapie: In bestimmten Fällen kann eine Bestrahlungstherapie zur Behandlung von Epilepsien eingesetzt werden.

Weitere Therapieformen

  • Vagus-Nerv-Stimulation: Eine weitere Therapieoption ist die Vagus-Nerv-Stimulation.
  • Medikamenten-Studien: Das Zentrum bietet Zugang zu Medikamenten-Studien, um neue Therapieansätze zu erproben.

Spezialsprechstunden

Das Epilepsiezentrum bietet verschiedene Spezialsprechstunden an, um den Bedürfnissen unterschiedlicher Patientengruppen gerecht zu werden:

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  • Privatsprechstunde (Prof. Dr. J.): Für Patienten mit idiopathischem Parkinson-Syndrom, atypischen Parkinson-Syndromen (MSA, PSP, CBD), Chorea Huntington, Spastischer Spinalparalyse (HSP), Ataxie, Restless-legs-Syndrom, M.
  • Altersepilepsie-Sprechstunde: Für Seniorinnen und Senioren mit Epilepsie. Hier werden die besonderen Probleme der Diagnostik und Therapie im höheren Lebensalter berücksichtigt, wie z.B. die Unterscheidung von nicht-epileptischen Anfällen und mögliche Begleiterscheinungen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenprobleme, Stoffwechselstörungen oder Osteoporose.
  • Sprechstunde für Kinder und Jugendliche: Für Kinder und Jugendliche mit Epilepsie in allen Altersstufen. Hier werden frühkindliche Epilepsiesyndrome, fokale und generalisierte Epilepsien, Epilepsien mit therapieschwierigem Verlauf, Epilepsien mit Komorbiditäten (Teilleistungsstörungen, Intelligenzminderung, Verhaltensstörungen), Epilepsie bei Tuberöser Sklerose und seltene Epilepsien behandelt.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mehrerer Fachdisziplinen ist ein wesentlicher Bestandteil des Behandlungskonzepts im Epilepsiezentrum. Neurologen, Neurochirurgen, Neuroradiologen, Neuropsychologen, Nuklearmediziner und Neuropathologen arbeiten eng zusammen, um eine optimale Versorgung der Patienten zu gewährleisten. Die Entscheidung über die Anwendung epilepsiechirurgischer Therapieverfahren wird in einer interdisziplinären Konferenz sorgfältig abgewogen.

Forschung und Innovation

Als universitäre Einrichtung legt das Epilepsiezentrum großen Wert auf Forschung und Innovation. Es werden zahlreiche nationale und internationale Kontakte und Kooperationen gepflegt, um die Diagnostik und Therapie von Epilepsien kontinuierlich zu verbessern. Mitunter kann das Zentrum modernste Technik nutzen, über die noch keine andere Klinik verfügt, beispielsweise durch die enge Zusammenarbeit mit Siemens Medizintechnik in Erlangen.

Bürgervorlesung

Um die Öffentlichkeit über neue Entwicklungen in der Epilepsiebehandlung zu informieren, veranstaltet das Uniklinikum Erlangen regelmäßig Bürgervorlesungen. Experten aus den Bereichen Neurologie, Neurochirurgie und Neuropädiatrie referieren über aktuelle Themen und beantworten Fragen der Zuhörer.

Weitere neurologische Schwerpunkte der Neurologischen Klinik

Die Neurologische Klinik des Uniklinikums Erlangen bietet neben dem Epilepsiezentrum weitere herausragende Einrichtungen:

  • Spezialstation für Schlaganfalltherapie (Stroke Unit): Eine der größten Einrichtungen dieser Art in Deutschland.
  • Neurologische Intensivstation: Zur Behandlung schwerstkranker Patientinnen und Patienten.
  • Telemedizinisches Schlaganfallnetzwerk (STENO): Koordiniert von der Klinik.

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