Die Neurologische Klinik des Universitätsklinikums Tübingen (UKT) hat sich als ein führendes Zentrum für neurologische Versorgung und Forschung etabliert. Durch die enge Verzahnung von Klinik und Forschung, insbesondere mit dem Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, bietet das UKT eine umfassende und innovative Patientenversorgung auf internationalem Spitzenniveau. Die Klinik zeichnet sich durch ihre Spezialisierung auf verschiedene neurologische Schwerpunkte aus, darunter Epileptologie, neuromuskuläre Erkrankungen, Kopfschmerzsyndrome und neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson.
Struktur und Schwerpunkte der Neurologischen Klinik
Die Neurologische Klinik in Tübingen ist im Rahmen des Department-Systems organisiert und verfügt über 22 Betten sowie 5 Spezialambulanzen. Dies ermöglicht eine spezialisierte Versorgung von Patienten mit unterschiedlichsten neurologischen Erkrankungen. Die Klinik versorgt in enger Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen des Universitätsklinikums Tübingen alle neurologischen Patienten.
Epileptologie
Ein Hauptschwerpunkt der Abteilung ist die Epileptologie. Die Forschungsgruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Holger Lerche untersucht die molekularen Mechanismen krankheitsassoziierter Mutationen in Genen, die neuronale Ionenkanäle kodieren, mit dem Ziel, neue Behandlungsoptionen für Patienten mit medikamentenresistenten epileptischen Anfällen und assoziierten enzephalopathischen Syndromen zu entwickeln. Dabei werden transgene Mausmodelle eingesetzt.
Neuromuskuläre Erkrankungen
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Behandlung neuromuskulärer Erkrankungen. In der neuromuskulären Ambulanz werden Patienten mit angeborenen, erworbenen, entzündlichen und stoffwechselbedingten Myopathien sowie Myasthenien betreut. Die Diagnostik umfasst eine genaue Erhebung der Krankengeschichte, neurologische und elektrophysiologische Untersuchungen sowie ggf. Kernspintomographie oder Muskelbiopsie.
Kopfschmerzsyndrome
Die Klinik bietet spezialisierte Ambulanzen für die Behandlung von Kopfschmerzsyndromen und neuropathischen Schmerzen.
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Neurodegenerative Erkrankungen: Parkinson im Fokus
Ein besonderer Fokus liegt auf neurodegenerativen Erkrankungen, insbesondere der Parkinson-Krankheit. Die Parkinson-Erkrankung ist nach der Alzheimer-Demenz die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Die Häufigkeit der Erkrankung steigt mit dem Lebensalter. Klinisch manifestiert sich die Erkrankung durch Rigor (Steifigkeit), Akinese (Bewegungsarmut), Ruhetremor (Zittern in Ruhe) sowie einer Fallneigung im Krankheitsverlauf. Neben diesen motorischen Charakteristika zeigen sich bei vielen Patienten eine Reihe von nicht-motorischen Begleitsymptomen wie etwa Verstopfung, Riechverlust, Depression, Schlafstörungen. Es besteht jedoch eine außerordentliche Variabilität hinsichtlich Ausprägung und Krankheitsverlauf der einzelnen Symptome.
Diagnostik und Therapie der Parkinson-Krankheit
Für eine differenzierte Therapie ist die Erstellung einer sicheren Diagnose vorrangig. Die Parkinson Erkrankung galt viele Jahre als das Lehrbuch-Beispiel einer sporadischen, nicht-genetischen Erkrankung. Bei einigen Patienten ist jedoch eine familiäre Häufung zu beobachten, was die Beteiligung vererbbarer Faktoren bei der Krankheitsentstehung nahe legt. So haben Angehörige von Parkinsonpatienten gegenüber der Gesamtbevölkerung ein dreifach erhöhtes Risiko, an Parkinson zu erkranken. In den vergangenen 20 Jahren konnten verschiedene Gene gefunden werden, die bei vorliegender Mutation ursächlich für familiäre Formen (autosomal dominant sowie autosomal rezessiv) sind. Obwohl diese selten sind, stellen sie ein einzigartiges Modell dar, die Erkrankung und deren Vorstadien detailliert zu beschreiben. Dies trägt zu einem erhöhten Verständnis der zugrundeliegenden Pathophysiologie sowie der Entwicklung einer validen Frühdiagnostik und zukünftigen neuroprotektiven Therapieansätzen bei. Zudem ist es im Verlauf der letzten 10 Jahre gelungen, Risikogene zu identifizieren, denen als genetische Risikofaktoren sowie auch der unterschiedlichen Ausprägung des klinischen Bildes (Phänotyps) eine wesentliche Rolle zukommt.
Die Therapie der Parkinson Erkrankung besteht neben nicht-medikamentösen Ansätzen (z.B. Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie) in der rein symptomatischen Gabe von Dopaminergika. Neben der Identifizierung genetischer Einflüsse konnten in den vergangenen Jahren durch Erforschung von Proteinfunktionen und Stoffwechselkaskaden wegweisende Erkenntnisse der Pathophysiologie gesammelt und neue Therapiekonzepte eröffnet werden. Daran anknüpfend beginnen nun erste Studien hinsichtlich einer individualisierten Ursachen-spezifischen Therapie (Alpha-Synuklein-fokussierte Impfung, mitochondriale und lysosomale Enhancer) in einzelnen homogenen Subgruppen.Die Lebensqualität als Therapieziel gewinnt zunehmend an Bedeutung.
Forschungsschwerpunkte und Innovationen
Die Forschung am Universitätsklinikum Tübingen konzentriert sich auf die Klassifikation von verschiedenen Patientengruppen anhand klinischer, bildgebender sowie genetischer und molekularer Marker aus dem Blut und Nervenwasser. Dies ist die Basis für die Untersuchung unterschiedlicher Erkrankungsverläufe sowie der Identifizierung möglicher modifizierender Faktoren, deren zugrundeliegender Mechanismen und Vorhersagewert.
Genetisch-assoziierte Formen der Parkinson-Erkrankung
Ein besonderes Augenmerk gilt den genetisch-assoziierten Formen der Erkrankung, wie z.B. Patienten mit Mutationen im GBA und LRRK2 Gen. Zum anderen fokussieren wir auf einen der wichtigsten Meilensteine im Verlauf der Erkrankung: die Parkinson-assoziierte Demenz.
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Andere neurodegenerative Erkrankungen
Neben der Parkinson-Krankheit werden auch andere neurodegenerative Erkrankungen wie die Lewy-Körperchen-Demenz (DLB), die Multisystematrophie (MSA) und das Corticobasale Syndrom (CBS) intensiv erforscht.
Patientenperspektiven und Bewertungen
Die Erfahrungen der Patienten mit der Neurologischen Klinik in Tübingen sind vielfältig. Einige Patienten berichten von einer sehr zufriedenstellenden Behandlung und Betreuung, insbesondere nach schweren Schlaganfällen. Die Erstklassigkeit der Ärzte, des Personals und die technische Spitzenausstattung werden dabei hervorgehoben. Andere Patienten äußern Kritik, insbesondere in Bezug auf die medikamentöse Therapie und das Gefühl, nicht ausreichend in die Behandlungsentscheidungen einbezogen zu werden.
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