Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen, die Menschen jeden Alters betreffen kann. Das Urban Krankenhaus in Berlin bietet an seinen Standorten Humboldt-Klinikum in Reinickendorf und Klinikum Am Urban in Kreuzberg umfassende ambulante und stationäre Behandlungen für Patienten mit Epilepsie an. Die Klinik ist Teil des Epilepsie-Zentrums Berlin-Brandenburg (EZBB) und arbeitet eng mit der Charité - Universitätsmedizin Berlin zusammen, um modernste diagnostische und therapeutische Verfahren anzubieten.
Ambulante Epilepsiebehandlung
In den Ambulanzen des Urban Krankenhauses werden täglich fachärztliche Sprechstunden zum Thema Epilepsie angeboten. Das Leistungsspektrum umfasst:
Anamnese und Diagnostik
- Spezifische Anfalls- und Epilepsieanamnese: Eine ausführliche Erhebung der Krankengeschichte ist der erste Schritt, um die Art der Anfälle und die mögliche Ursache der Epilepsie zu bestimmen.
- Routine-EEG: Die Elektroenzephalographie (EEG) misst die elektrische Aktivität des Gehirns und kann Auffälligkeiten aufzeigen, die auf Epilepsie hindeuten.
- Cerebrales MRT (3T) nach Epilepsie-Protokoll: Die Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns ermöglicht eine detaillierte Darstellung der Hirnstrukturen und kann Ursachen für die Epilepsie, wie z.B. Narben oder Tumore, aufdecken. Es wird ein spezielles Epilepsie-Protokoll verwendet, um die Aussagekraft der Untersuchung zu erhöhen.
- Laboruntersuchungen: Blutuntersuchungen können Stoffwechselstörungen oder andere Erkrankungen identifizieren, die mit Epilepsie in Verbindung stehen könnten.
- Genetische Diagnostik: Bei bestimmten Formen der Epilepsie kann eine genetische Untersuchung sinnvoll sein, um die Ursache der Erkrankung zu klären und das Wiederholungsrisiko in der Familie abzuschätzen.
- Ambulantes Langzeit-EEG: Um Anfälle zu dokumentieren, die selten auftreten, kann ein Langzeit-EEG über mehrere Stunden oder Tage ambulant durchgeführt werden.
Therapie
- Medikamentöse Ersteinstellung: Die meisten Epilepsiepatienten können mit Medikamenten (Antiepileptika) anfallsfrei werden. Die Auswahl des geeigneten Medikaments und die richtige Dosierung sind entscheidend für den Erfolg der Behandlung.
- Therapieumstellung bei unzureichender Anfallskontrolle oder Unverträglichkeit der Medikamente: Wenn die Anfälle trotz Medikamenteneinnahme nicht ausreichend kontrolliert werden können oder wenn Nebenwirkungen auftreten, kann eine Umstellung der Therapie erforderlich sein.
- Nicht-medikamentöse Behandlungsansätze: In bestimmten Fällen können nicht-medikamentöse Therapien wie Vagus-Nerv-Stimulation oder extrakranielle subkutane Fokusstimulation in Betracht gezogen werden.
- Vagus-Nerv-Stimulation (VNS): Hierbei wird ein kleines Gerät implantiert, das den Vagusnerv stimuliert und so die Anfallshäufigkeit reduzieren kann.
- Indikationsprüfung für Epilepsiechirurgie: Bei manchen Patienten, bei denen die Anfälle medikamentös nicht ausreichend kontrolliert werden können, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Die Indikation für einen solchen Eingriff muss sorgfältig geprüft werden.
- Angebote zur Teilnahme an Studien mit neuen Medikamenten: Das Urban Krankenhaus bietet seinen Patienten die Möglichkeit, an klinischen Studien mit neuen Antiepileptika teilzunehmen.
Stationäre Epilepsiebehandlung
Im stationären Bereich bietet das Urban Krankenhaus Langzeit-Video-EEG-Untersuchungen im Rahmen einer professionellen Epilepsiediagnostik an.
Langzeit-Video-EEG
- Langzeit-Video-EEG (72 Stunden): Diese Untersuchungsmethode kombiniert die kontinuierliche Aufzeichnung der Hirnströme (EEG) mit einer Videoaufzeichnung des Patienten. So können Anfälle genau dokumentiert und analysiert werden.
- Klärung der Frage, ob es sich bei den beschriebenen Ereignissen um epileptische Anfälle handelt: Nicht alle Anfälle sind epileptisch bedingt. Das Langzeit-Video-EEG kann helfen, die Ursache der Anfälle zu klären.
- Abgrenzung gegenüber anderen paroxysmalen Ereignissen: Es gibt andere Erkrankungen, die ähnliche Symptome wie epileptische Anfälle verursachen können. Das Langzeit-Video-EEG hilft bei der Differentialdiagnose.
Epilepsie bei Kindern und Jugendlichen
Epilepsien kommen bei etwa 1% aller Kinder und Jugendlichen vor. Das Urban Krankenhaus bietet spezielle diagnostische und therapeutische Angebote für diese Patientengruppe an.
Diagnostische Angebote für Kinder und Jugendliche
- Kinderneurologische Untersuchung: Eine umfassende neurologische Untersuchung ist wichtig, um die Art der Epilepsie und mögliche Begleiterkrankungen zu erkennen.
- Elektroenzephalographie (EEG), Langzeit-EEG-Monitoring mit simultaner Videoaufzeichnung: Diese Untersuchungen sind auch bei Kindern und Jugendlichen wichtig, um die Diagnose zu sichern und die Anfallsart zu bestimmen.
- Untersuchungen zur Abklärung der Ursache:
- Bildgebung (z. B. MRT): Eine MRT des Gehirns kann Ursachen für die Epilepsie aufdecken.
- Molekulargenetik: Bei bestimmten Formen der Epilepsie kann eine genetische Untersuchung sinnvoll sein.
- Neurometabolik: Stoffwechselstörungen können ebenfalls Epilepsie verursachen.
- Entwicklungsdiagnostik: Epilepsie kann sich auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen auswirken. Eine Entwicklungsdiagnostik kann helfen, Defizite zu erkennen und zu behandeln.
- Neuropsychologische Diagnostik: Diese Untersuchung dient der Erfassung möglicher krankheitsspezifischer Beeinträchtigungen (z. B. Aufmerksamkeit, Gedächtnis).
- Kinder- und jugendpsychiatrische Diagnostik: Begleiterkrankungen wie ADHS, Angststörung oder Depressionen können die Behandlung der Epilepsie erschweren.
Behandlungs- und Beratungsangebote für Kinder und Jugendliche
- Medikamentöse Einstellung und regelmäßige Verlaufskontrollen: Die medikamentöse Behandlung ist auch bei Kindern und Jugendlichen die wichtigste Säule der Therapie.
- Ketogene Ernährung: In bestimmten Fällen kann eine ketogene Ernährung, die reich an Fett und arm an Kohlenhydraten ist, die Anfallshäufigkeit reduzieren.
- Vagusnervstimulator: Auch bei Kindern und Jugendlichen kann ein Vagusnervstimulator eingesetzt werden.
- Beratung zum Umgang mit Anfällen und der Epilepsie im Alltag: Die Beratung von Eltern und Kindern ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung.
- Epilepsie-Schulungsprogramm für Eltern und Patientinnen und Patienten („Famoses“): In Schulungen lernen Eltern und Kinder, wie sie mit der Erkrankung umgehen können.
- Psychologische und sozialpädagogische Beratung: Epilepsie kann zu psychischen Problemen führen. Eine psychologische Beratung kann helfen, diese Probleme zu bewältigen.
- Austausch mit betreuenden Institutionen (z. B. Kita, Schule): Der Austausch mit Kita und Schule ist wichtig, um das Kind optimal zu unterstützen.
- Sozialrechtliche Beratung (z. B. Beantragung von Hilfeleistungen): Das Urban Krankenhaus bietet auch sozialrechtliche Beratung an.
Besondere Schwerpunkte
Zu den Schwerpunkten des Urban Krankenhauses gehören die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit:
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- Schwer therapierbaren Epilepsien
- Zusätzlichen Behinderungen, z. B. einer Intelligenzminderung
- Zusätzlichen psychiatrischen Erkrankungen
Zusammenarbeit und Zertifizierung
Das Urban Krankenhaus ist Teil des Epilepsie-Zentrums Berlin-Brandenburg (EZBB) und arbeitet eng mit der Charité - Universitätsmedizin Berlin zusammen. Die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) hat Kriterien zur Zertifizierung von Epilepsiezentren erstellt.
Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS)
Das Urban Krankenhaus legt großen Wert auf die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS). Ziel ist es, Medikationsfehler und damit vermeidbare Risiken für Patientinnen und Patienten bei der Arzneimitteltherapie zu verringern.
Maßnahmen zur Förderung der AMTS
- Aufnahme ins Krankenhaus, inklusive Anamnese: Instrumente und Maßnahmen zur Ermittlung der bisherigen Medikation (Arzneimittelanamnese), der anschließenden klinischen Bewertung und der Umstellung auf die im Krankenhaus verfügbare Medikation (Hausliste), sowie zur Dokumentation, sowohl der ursprünglichen Medikation der Patientin oder des Patienten als auch der für die Krankenhausbehandlung angepassten Medikation.
- Medikationsprozess im Krankenhaus: Instrumente und Maßnahmen zur sicheren Arzneimittelverordnung, z. B. bezüglich Leserlichkeit, Eindeutigkeit und Vollständigkeit der Dokumentation, aber auch bezüglich Anwendungsgebiet, Wirksamkeit, Nutzen-Risiko-Verhältnis, Verträglichkeit (inklusive potentieller Kontraindikationen, Wechselwirkungen u. Ä.) und Ressourcenabwägungen. Außerdem Angaben zur Unterstützung einer zuverlässigen Arzneimittelbestellung, -abgabe und -anwendung bzw. -verabreichung.
- Entlassung: Maßnahmen der Krankenhäuser, die sicherstellen, dass eine strukturierte und sichere Weitergabe von Informationen zur Arzneimitteltherapie an weiterbehandelnde Ärztinnen und Ärzte sowie die angemessene Ausstattung der Patientinnen und Patienten mit Arzneimittelinformationen, Medikationsplan und Medikamenten bzw.
Prävention von Gewalt und Missbrauch
Gemäß § 4 Absatz 2 der Qualitätsmanagement-Richtlinie hat das Urban Krankenhaus die Prävention von und Intervention bei Gewalt und Missbrauch als Teil des einrichtungsinternen Qualitätsmanagements vorgesehen. Ziel ist es, Missbrauch und Gewalt insbesondere gegenüber vulnerablen Patientengruppen, wie beispielsweise Kindern und Jugendlichen oder hilfsbedürftigen Personen, vorzubeugen, zu erkennen, adäquat darauf zu reagieren und auch innerhalb der Einrichtung zu verhindern.
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