Urlaub mit Demenzkranken planen: Ein umfassender Leitfaden

Die Diagnose Demenz in der Familie wirft viele Fragen auf, besonders wenn es um die Planung gemeinsamer Aktivitäten wie Urlaube geht. Doch ein Urlaub mit einem demenzkranken Angehörigen ist durchaus möglich und kann eine wertvolle Erfahrung für alle Beteiligten sein. Er kann das Selbstwertgefühl des Betroffenen steigern, die Beziehung stärken und neue, gemeinsame Erinnerungen schaffen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Leitfaden, der von der Vorbereitung bis zur Durchführung alle wichtigen Aspekte berücksichtigt und aufzeigt, wie ein solcher Urlaub zu einer positiven Erfahrung für alle werden kann.

Ist ein Urlaub mit Demenz überhaupt möglich?

Oftmals zögern Angehörige, einen Urlaub mit einem Demenzkranken zu planen, da sie die damit verbundenen Herausforderungen scheuen. Doch gerade im frühen und mittleren Stadium der Erkrankung ist ein gemeinsamer Urlaub oft noch gut möglich. Wichtig ist, dass der Betroffene grundsätzlich mit einem Ortswechsel und Veränderungen im Tagesablauf zurechtkommt. Ein gemeinsamer Urlaub kann Betroffenen das Gefühl geben, auch mit der Diagnose Demenz noch schöne Dinge erleben zu können und Familien enger zusammenschweißen.

Wann ist ein gemeinsames Verreisen möglich, wann nicht?

Vor allem im frühen und mittleren Stadium einer Erkrankung bietet es sich laut der AFI an, gemeinsam in den Urlaub zu fahren. Voraussetzung: Der Patient oder die Patientin kommt gut mit einem Ortswechsel und Veränderungen im Tagesablauf klar. Wie Angehörige das feststellen können? Die Demenz-Experten geben den Tipp, erst einmal einen gemeinsamen Tagesausflug zu unternehmen. Vorteil dieses Tests: Bedeutet der fremde Ort für die Mutter oder den Opa zu viel Stress, ist der Rückweg in die gewohnte Umgebung nur kurz.

Die richtige Vorbereitung: Das A und O für einen gelungenen Urlaub

Eine gute Planung ist vor jeder Reise wichtig. Reist ein Angehöriger mit Demenz mit, ist sie aber noch viel wichtiger. Schließlich ist jeder Urlaub ein Ortswechsel - und das kann enormen Stress für Betroffene bedeuten. Muss es aber nicht.

Schritt 1: Die Wahl des Reiseziels

Bei der Auswahl des Reiseziels sollten die Bedürfnisse und Vorlieben des Demenzkranken im Vordergrund stehen. Bisherige Urlaube und persönliche Vorlieben können als Orientierung dienen. Was hat der oder dem Betroffenen früher schon Spaß gemacht? Was haben Sie gern unternommen? Wo hat es Ihnen gefallen? Ob in den Campingurlaub oder zum Wandern in die Berge - entscheidend ist, wo Sie sich wohlfühlen und gut zurechtkommen.

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  • Vertrautes bevorzugen: Im frühen Stadium sind Orte günstig, die der Erkrankte von früher kennt. Bei früheren Familienurlauben ging es in die Toskana oder zum Camping an der Nordsee? Es kann der AFI zufolge sinnvoll sein, sich auf der Suche nach dem passenden Ziel an früheren Reisen zu orientieren. Schließlich gibt Gewohntes Sicherheit.
  • Reizüberflutung vermeiden: Menschenmassen und riesige Ferienanlagen bringen viel Unruhe. Kleine, klar strukturierte Anlagen und übersichtliche Ferienhäuser, die eine Abgrenzung haben, erleichtern die Orientierung.
  • Anreise und Urlaubsdauer berücksichtigen: In fortgeschrittenerem Stadium ist es wichtig, dass die Anfahrt einfach und die Urlaubsdauer überschaubar ist. Je nachdem, wie weit fortgeschritten die Erkrankung ist, sollte darauf geachtet werden, dass die Anreise nicht zu lang und damit für alle Beteiligten nicht zu anstrengend wird.
  • Klima: Südliche Länder sind an sich kein Problem, denn wer früher große Hitze ausgehalten hat, schafft das auch mit Demenz.

Schritt 2: Die Unterkunft

Auch die Wahl der Unterkunft sollte gut überlegt sein. Pflegehotels sind eine Möglichkeit, wenn Wert auf eine Unterkunft gelegt wird, die besonders auf die Bedürfnisse von Pflegebedürftigen eingeht.

  • Barrierefreiheit: Achten Sie auf Barrierefreiheit in der Unterkunft, um die Bewegungsfreiheit des Betroffenen zu gewährleisten.
  • Übersichtlichkeit: Kleine, übersichtliche Anlagen erleichtern die Orientierung. Das hilft auch dem Mitreisenden, denn sonst muss er den Demenzkranken ständig begleiten; das ist keine Erholung.
  • Rückzugsort: Ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung mit Abgrenzung bietet einen geschützten Raum und ermöglicht Rückzugsmöglichkeiten.

Schritt 3: Die Reiseapotheke

Neben den üblichen Medikamenten sollte die Reiseapotheke auch auf die speziellen Bedürfnisse des Demenzkranken abgestimmt sein.

  • Medikamente: Stellen Sie sicher, dass ausreichend Medikamente für die gesamte Reise vorhanden sind.
  • Notfallmedikation: Klären Sie mit dem Arzt ab, ob eine Notfallmedikation erforderlich ist.
  • Beruhigungsmittel: In Absprache mit dem Arzt können auch pflanzliche Beruhigungsmittel hilfreich sein.

Schritt 4: Die Kommunikation vorbereiten

  • Identifikation: Es ist wichtig, dass die Person immer zu identifizieren ist und die Hoteladresse oder Telefonnummer eines Helfers bei sich hat. Am besten in der Landes­spra­che.
  • Handy-Ortung: Vor allem für bewegungsfreu­dige Patienten ist die Handy-Ortung sehr hilfreich. Das erfordert ein GPS-fähiges Handy und ein Anwendungs­programm, das käuflich zu erwerben ist. Dieses Gerät muss der Patient eingeschaltet bei sich tragen. Die Ortung funktioniert auch im Ausland.
  • Informationsschild: Im Restaurant verhalten sich Demenzkranke manchmal ungewöhnlich und außerhalb der Norm. Eine erprobte Lösung: Der Angehörige hat ein Schildchen dabei, das er über den Tisch reichen kann. Darauf steht: Mein Partner ist an Demenz erkrankt, wir bitten um Verständnis. Das klappt auch in der U-Bahn oder in anderen Situationen, in denen sich ein Erkrankter auffällig verhält.

Schritt 5: Den Urlaub gestalten

  • Routinen beibehalten: Menschen mit Demenz brauchen Routinen, um sich ruhig und sicher zu fühlen. Versuchen Sie daher, gewohnte Abläufe wie Duschen, Anziehen oder Mahlzeiten auch auf Reisen beizubehalten.
  • Vertrautes mitnehmen: Packen Sie ruhig ein paar Kleinigkeiten von zuhause in die Reisetasche: Die Lieblingstasse, der Kissenbezug oder Familienfotos können in der fremden Umgebung zu vertrauten Ankerpunkten werden.
  • Nicht zu viel vornehmen: Urlaubstage sehen ganz anders aus als der Alltag, klar. Bestimmte Abläufe sollten Familien auf Reisen aber beibehalten, wenn ein Mitglied mit Demenz dabei ist. Vermeiden Sie aufwändige Sightseeing-Touren, die zur Reizüberflutung führen können.
  • Flexibel bleiben: Mit Demenz gleicht kein Tag dem anderen. Wichtig ist, bei Schwierigkeiten möglichst souverän zu bleiben. Zum Beispiel dann, wenn die ungewohnte Umgebung und neue Abläufe doch mehr Stress bereiten, als Sie dachten. Selbst wenn gesundheitliche Probleme auftauchen oder Sie vorzeitig nach Hause fahren müssen: Es zählt, dass Sie es gemeinsam versucht haben.

Schritt 6: Hilfe annehmen

  • Betreuungsangebote: Ihnen ist die 1:1 Betreuung im Urlaub doch zu viel? Dann nehmen Sie Hilfe in Anspruch. Mittlerweile gibt es viele Angebote, die speziell auf die Bedürfnisse von Demenz-Patientinnen und -Patienten und ihren Angehörigen zugeschnitten sind.
  • Kurzzeitpflege: Für einen begrenzten Zeitraum von bis zu acht Wochen pro Jahr bieten Pflegeeinrichtungen entsprechende Plätze an, die von der Pflegeversicherung bezuschusst werden. In vielen Einrichtungen sind die Plätze für eine Kurzzeitpflege jedoch rar und die Wartelisten lang. Daher ist es empfehlenswert, frühzeitig Kontakt mit einer geeigneten Pflegeeinrichtung aufzunehmen.
  • Verhinderungspflege: Neben der Kurzzeitpflege steht den Angehörigen noch eine weitere Option zur Verfügung: die Verhinderungspflege. Dabei wird der Betroffene zu Hause tage- oder stundenweise von Angehörigen, Bekannten oder professionellen Pflegekräften betreut.

Spezialisierte Angebote für Demenzkranke und ihre Angehörigen

Mittlerweile gibt es zahlreiche Angebote, die speziell auf die Bedürfnisse von Demenzkranken und ihren Angehörigen zugeschnitten sind.

Reiseveranstalter und -agenturen

Wenn Sie mit Ihrem pflegebedürftigen Angehörigen verreisen möchten, können Sie den Urlaub entweder selbst planen oder auf einen Veranstalter zurückgreifen, der Reisen für Personen mit eingeschränkter Mobilität anbietet. Die Spezialanbieter ermöglichen unter anderem einen Urlaub für Menschen mit Behinderung inklusive Begleitperson. Sie gehen dabei auf individuelle Pflegebedürfnisse und die Barrierefreiheit ein - bei der Anreise, der Unterkunft und der Planung von Ausflügen. Auf dem Infoportal für Reisende mit Servicebedarf erhalten Sie eine Übersicht von Reiseveranstaltern in Deutschland, die einen barrierefreien Urlaub im In- und Ausland planen - auf Wunsch auch mit einer Assistenz vor Ort. Wenn Sie sich eine Reiseberatung wünschen, wenden Sie sich an den Verein „Reisemaulwurf“. Die Mitarbeitenden informieren über erholsame Auszeiten für pflegebedürftige Menschen und pflegende Angehörige - etwa in Form von sogenannten Rollstuhlreisen, über Angebote für Menschen mit Demenz und spezielle Reisen für Senioren oder Seniorinnen.

Bislang gibt es keine spezialisierten Reiseveranstalter oder Kataloge. Man kann sich an die lokalen Alzheimer-Gesellschaften und an Behindertenverbände wenden oder im Internet recherchieren. Manche Kurhäuser oder Pensionen bieten spezielle Ferienwochen für Demenzkranke und ihre Angehörigen an, vor allem in der Nebensaison.

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Betreute Urlaubsangebote

  • Alzheimer Gesellschaften: Die Alzheimer Gesellschaften bieten oftmals betreute Urlaubsangebote für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen an.
  • Pflegeeinrichtungen und Wohlfahrtsverbände: Für Menschen mit schwerer Demenz und deren Partner gibt es verschiedene Ferienangebote von Pflegeeinrichtungen oder Wohlfahrtsverbänden, wo auch die Möglichkeit der Betreuung und Pflege gegeben ist. Das Paar ist beispielsweise zusammen untergebracht, aber der Tagesablauf ist verschieden. Während der Erkrankte betreut wird, hat der Partner Zeit, seinen Interessen nachzugehen. Informationen vermitteln die örtlichen Alzheimer-Gesellschaften und die Wohlfahrtsverbände. Unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt die Pflegekasse über die sogenannte Verhinderungspflege einen Teil der Kosten.

Beispiele für Urlaubsangebote in Deutschland

  • Baden-Württemberg:
    • Alb-Donau-Kreis (Untermarchtal): Demenzbildungsfreizeit in Kooperation mit der Diakonischen Bezirksstelle Ulm/Alb-Donau (ProjektDEMENZ).
    • Alpenvorland (Steingaden/Langau): Auszeit mit Herz - Erholungswochen für Menschen mit Demenz und deren Angehörige im Familienferiendorf Langenargen.
    • Neckar-Alb (Rottenburg am Neckar): Urlaub für Gäste mit Demenz und ihre Angehörigen in einem Gästehaus mit stundenweiser Betreuung.
    • Schwarzwald (Bad Peterstal): Auszeit von der Pflege - mit Ihrem (demenziell) erkrankten Angehörigen im GesundheitsHotel "Das Bad Peterstal".
    • Schwarzwald (Staufen): Urlaub von Zuhause im Bürgerspital mit Nutzung des Tagesbetreuungszentrums.
  • Eifel (Neuerburg): Urlaub für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen im "Freizeit- und Tagungshotel Euvea".
  • Lüneburger Heide: Urlaub im rollstuhlgerecht eingerichteten Heidehotel.
  • Nordseeküste:
    • Butjadingen (Burhave): Betreute Auszeiten für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen in Kooperation mit verschiedenen Partnern.
    • Cuxhaven: Urlaub im Haus Elena mit barrierefreien Ferienwohnungen.
    • Varel-Dangast: Urlaub im integrativen Ferienzentrum der AWO.
  • Ostseeküste:
    • Ostseebad Rerik: Urlaub im Familienferiendorf Rerik mit Betreuung des demenziell erkrankten Partners.

Tipps für den Umgang mit Schwierigkeiten im Urlaub

Auch bei sorgfältiger Planung können im Urlaub Schwierigkeiten auftreten. Wichtig ist, ruhig zu bleiben und flexibel zu reagieren.

  • Orientierungslosigkeit: Wenn es mit der Orien­tierung nicht mehr klappt, verläuft sich der Erkrankte im Hotel oder kommt vom Spaziergang nicht mehr zurück. Daher ist es wichtig, dass die Person immer zu identifizieren ist und die Hoteladresse oder Telefonnummer eines Helfers bei sich hat. Am besten in der Landes­spra­che. Außerdem sollte man das Personal informieren, dass der Gast demenzkrank ist. Das ist in kleinen Betrieben einfacher als in großen Hotels. Die Zimmernummer alleine reicht nicht. Außerdem sollte man das Personal informieren, dass der Gast demenzkrank ist. Das ist in kleinen Betrieben einfacher als in großen Hotels. Wenn der Patient zum Beispiel in die Hotelküche marschiert, ist es wichtig, ruhig zu bleiben und ihn freundlich zu fragen, wohin er möchte. Einfühlsam Hilfe anzubieten, ist die beste Strategie. Schreien oder Schimpfen bedeutet Angriff und erzeugt Stress und Ärger.
  • Ungewöhnliches Verhalten: Im Restaurant verhalten sich Demenzkranke manchmal ungewöhnlich und außerhalb der Norm. Eine erprobte Lösung: Der Angehörige hat ein Schildchen dabei, das er über den Tisch reichen kann. Darauf steht: Mein Partner ist an Demenz erkrankt, wir bitten um Verständnis. Das klappt auch in der U-Bahn oder in anderen Situationen, in denen sich ein Erkrankter auffällig verhält. Natürlich muss man sich mit dem Gast dann einigen, wenn der Demenzkranke zum Beispiel vom fremden Teller gegessen hat. Aber mit dem Kärtchen vermeidet man einen Eklat.

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