Neuromuskuläre Sohlen: Definition und Wirkung auf den Körper

Instabile Sprunggelenke, Hohlfüße und das Tarsaltunnelsyndrom sind weit verbreitete Probleme, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Glücklicherweise gibt es eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten, von konservativen Ansätzen wie Physiotherapie und propriozeptivem Training bis hin zu operativen Eingriffen. Eine innovative Option, die in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat, sind neuromuskuläre Sohlen. Dieser Artikel beleuchtet die Definition und Wirkungsweise dieser speziellen Einlegesohlen und zeigt auf, wie sie zur Verbesserung der Körperhaltung, zur Linderung von Schmerzen und zur Förderung gesunder Bewegungsabläufe beitragen können.

Was sind neuromuskuläre Sohlen?

Neuromuskuläre Sohlen, auch sensomotorische Einlagen genannt, sind dünne Einlegesohlen, die durch gezielte Stimulation der Nervenzellen in der Fußsohle wirken. Im Gegensatz zu herkömmlichen orthopädischen Einlagen, die Fehlstellungen passiv ausgleichen, verfolgen neuromuskuläre Sohlen einen aktiven, neurodynamischen Ansatz. Sie sind mit sogenannten Pelotten ausgestattet, die ein individuelles Einlagenrelief bilden. Die durch die Pelotten erzeugten Nervenreizungen senden Impulse an die Muskeln im Fuß, wodurch angespannte Muskeln sich entspannen und erschlaffte Muskeln sich anspannen können.

Wie wirken neuromuskuläre Sohlen?

Der menschliche Körper ist ein komplexes System, in dem alles miteinander verbunden ist. Die Füße spielen dabei eine entscheidende Rolle, da sie das Fundament unseres Körpers bilden. Fehlstellungen der Füße können sich auf die gesamte Körperhaltung auswirken und zu Beschwerden in Knien, Hüften, Rücken und sogar im Kiefergelenk führen.

Neuromuskuläre Sohlen greifen in diese komplexen Zusammenhänge ein, indem sie die vom Gehirn gesteuerte Muskelaktivität beeinflussen. Die Stimulationszonen der Einlegesohlen aktivieren oder entspannen gezielt bestimmte Muskelgruppen, um Bewegungsabläufe zu optimieren. Durch ständige Wiederholungen werden fehlerhafte Bewegungsmuster im Gehirn neu programmiert und durch gesunde Bewegungsmuster ersetzt.

Die sensorischen Impulse der Einlagen wirken im gesamten Körper und beeinflussen die Höhe der Spannung in den verschiedenen Muskeln sowie die Stellung der Gelenke. So können verspannte Muskeln gelöst, Muskelpartien präzise aktiviert und die gesamte Körperhaltung verbessert werden.

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Anwendungsbereiche von neuromuskulären Sohlen

Neuromuskuläre Sohlen können bei einer Vielzahl von Beschwerden eingesetzt werden, darunter:

  • Fußfehlstellungen: Plattfuß, Hohlfuß, Knickfuß, Knick-Senkfuß
  • Neurologische Erkrankungen: Multiple Sklerose, Spastiken, Lähmungen
  • Störungen von Koordination und Bewegungsabläufen
  • Sensomotorische Wahrnehmungsstörungen
  • Knieprobleme und Rückenbeschwerden
  • Fehlstellungen der Zehen
  • Probleme mit Fersensporn
  • Sportartspezifische Probleme: Achillessehnenreizungen, Schienbeinkantensyndrom, Patella-Spitzen-Syndrom

Auch bei Kindern können neuromuskuläre Sohlen eingesetzt werden, um Fehlentwicklungen frühzeitig entgegenzuwirken.

Vorteile von neuromuskulären Sohlen

Gegenüber herkömmlichen orthopädischen Einlagen bieten neuromuskuläre Sohlen eine Reihe von Vorteilen:

  • Aktive Stimulation: Sie wirken aktiv auf die Muskeln und Nerven, anstatt Fehlstellungen nur passiv auszugleichen.
  • Ganzheitlicher Ansatz: Sie berücksichtigen die komplexen Zusammenhänge im Körper und verbessern die gesamte Körperhaltung.
  • Individuelle Anpassung: Sie werden individuell an die Bedürfnisse des Patienten angepasst.
  • Dünnes Design: Sie sind so dünn, dass sie in fast jeden Schuh passen.
  • Lang anhaltende Wirkung: Die Wirkung der Druckpunkte lässt auch nach längerer Tragezeit nicht nach.

Die Rolle der Propriozeption

Ein wichtiger Aspekt der Wirkung von neuromuskulären Sohlen ist die Verbesserung der Propriozeption. Die Propriozeption ist die Tiefenwahrnehmung, also die Fähigkeit, die Position und Bewegung des eigenen Körpers im Raum wahrzunehmen. Sie spielt eine entscheidende Rolle für die Bewegungsabläufe unseres Körpers und arbeitet teilweise unbewusst.

Eine Störung der Propriozeption kann zu Instabilität der Gelenke, Koordinationsproblemen und einem erhöhten Verletzungsrisiko führen. Neuromuskuläre Sohlen tragen dazu bei, die Propriozeption zu verbessern, indem sie die Nervenzellen in der Fußsohle stimulieren und so die Wahrnehmung von Körperbewegung und -lage im Raum fördern.

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Das kybun-Konzept als Beispiel für propriozeptives Training

Ein weiteres Beispiel für propriozeptives Training ist das kybun-Konzept. kybun bietet Schuhe und Matten mit einer weich-elastischen Sohle, die den Fuß zu natürlichen Bewegungen in alle Richtungen zwingt. Dadurch wird die Fußmuskulatur gestärkt und die Koordination verbessert.

Das kybun-Training kann bei instabilen Sprunggelenken, Fußfehlstellungen und anderen Beschwerden eingesetzt werden. Es ist besonders schonend, da die Stöße des harten Bodens absorbiert werden. Am Anfang kann es sich auf der kybun Schuhsohle oder der kybun Matte instabil anfühlen, was jedoch ein Zeichen dafür ist, dass die Füße trainiert werden müssen.

Diagnose und Anpassung von neuromuskulären Sohlen

Die Herstellung von neuromuskulären Sohlen erfordert umfangreiche Fachkenntnisse und eine sorgfältige Analyse der individuellen Bedürfnisse des Patienten. In spezialisierten Sanitätshäusern führen qualifizierte Orthopädietechniker eine Reihe von Untersuchungen durch, um die medizinischen und anatomischen Daten zu erheben, die für die Herstellung der Einlagen erforderlich sind.

Dazu gehören:

  • Ausführliches Anamnesegespräch
  • Digitale Fußscans
  • Fußdruckmessung
  • Digitale Lauf- und Bewegungsanalyse
  • Manuelle Überprüfung der Stellung der Füße, Beine und des Beckens

Anhand dieser Daten werden die Einlagen individuell angefertigt und an die Anatomie und die Beschwerden des Patienten angepasst.

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Eingewöhnung und Kontrolle

Da die Umlernen von Bewegungsabläufen durch die sensomotorischen Impulse für den Körper sehr anstrengend sein kann, sollten die Einlegesohlen zunächst nur stundenweise getragen werden. Die Tragezeit kann dann schrittweise gesteigert werden.

Nach zwei bis vier Wochen sollte im Sanitätshaus eine Kontrolle erfolgen, um die Einlagen bei Bedarf anzupassen.

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