Vegetatives Nervensystem, flache Atmung und ihre Ursachen

Körper und Psyche stehen in einer engen Wechselwirkung zueinander. Der körperliche Zustand kann die Psyche beeinflussen und umgekehrt. Psychische Belastungen können körperliche Reaktionen hervorrufen oder verstärken. Funktionelle Beschwerden wie Herzrasen oder Kopfschmerzen können zu mehr Stress führen, der wiederum die Anspannung erhöht. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen dem vegetativen Nervensystem, flacher Atmung und deren vielfältigen Ursachen.

Einführung in die Psychosomatik

Psychosomatische Schmerzen sind keine eingebildeten Beschwerden, auch wenn sie sich nicht vollständig körperlich erklären lassen. Bei allen Erkrankungen wirken Körper und Psyche aufeinander ein. Die psychische Verfassung kann das Ausbrechen, die Symptome und den Verlauf sogenannter organischer Erkrankungen beeinflussen. Auch bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen und Traumata treten häufig begleitende körperliche Symptome auf.

Ursachen und Auswirkungen psychosomatischer Beschwerden

Psychische Belastungen, etwa durch private oder berufliche Konflikte, können körperliche Reaktionen hervorrufen oder verstärken. Oftmals können Ärzte keine organische Ursache für diese Schmerzen finden. Funktionelle Beschwerden wie Herzrasen oder Kopfschmerzen führen zu mehr Stress, der wiederum die Anspannung erhöht. Die körperlichen Signale bleiben bestehen oder verstärken sich sogar, was zu Angst und Selbstbeobachtung führt.

Viele Betroffene haben bereits einen langen Leidensweg hinter sich, bis Beschwerden und Schmerzen als psychosomatisch diagnostiziert werden. Die Diagnose ist nicht einfach, da psychosomatische Leiden unterschiedlichste Symptome verursachen können. Die Schmerzen können in einer oder mehreren Körperregionen auftreten, zum Beispiel im Rücken, entlang der Wirbelsäule oder im Nacken- und Kopfbereich. In manchen Fällen sind die Beschwerden nur temporär und verschwinden wieder von selbst, zum Beispiel wenn eine stressige Situation überstanden ist. In anderen Fällen sind die Schmerzen für Betroffene quälend und ein ständiger Begleiter im Alltag. Viele Betroffene befürchten, eventuell doch an einer schweren Erkrankung zu leiden.

Der Einfluss von Muskelverspannungen und Bewegungsmangel

Erhöhte muskulär-fasziale Spannungen können einen großen Einfluss auf die Entstehung von Schmerzen haben. Im Alltag nutzen viele Menschen nur einen kleinen Teil ihrer Bewegungsmöglichkeiten. Das Arbeiten im Büro ist ein gutes Beispiel: Die meisten Menschen nehmen dabei eine schmerzfördernde Körperhaltung ein. Häufiges Sitzen hat einen Einfluss auf die Durchblutung, den Stoffwechsel und das Immunsystem.

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Behandlung psychosomatischer Schmerzen

Eine gezielte Behandlung kann oft erst beginnen, wenn die Symptome tatsächlich als psychosomatisch diagnostiziert werden. Wenn psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen zugrunde liegen, ist eine Psychotherapie ratsam. Die Beschwerden können auch in der Hausarztpraxis oder von entsprechenden fachärztlichen Praxen betreut werden, zum Beispiel einer Kardiologin oder einem Kardiologen bei Herzbeschwerden. Manchmal reicht es, Betroffenen nachvollziehbar zu erklären, dass die Beschwerden nicht auf eine funktionelle Störung zurückgehen. Falls erforderlich, können auch zeitlich begrenzt Medikamente, vor allem sogenannte Psychopharmaka, zur Symptomlinderung angewendet werden.

Soziale und körperliche Aktivität sind bei psychosomatischen Schmerzen oft besonders wirksam. Vor allem, wenn Betroffene sich aufgrund der Beschwerden isoliert haben, können alltägliche Aktivitäten, Sport und Kontakt zu Freunden heilend sein.

Eine dreiteilige Behandlungsmethode zur Senkung zu hoher Spannungen in Muskeln und Faszien kann helfen, die oft für Schmerzen verantwortlich sind:

  • Dehnübungen: Sie bekämpfen die Ursachen der Beschwerden und beugen ihnen vor. Dadurch können die über Jahre entstandenen Spannungen in der Muskulatur und den Faszien sinken.
  • Faszien-Rollmassage: Sie regt den Flüssigkeitsaustausch und die Durchblutung im Gewebe an und macht die Faszien wieder geschmeidig.
  • Osteopressur: Hierbei drücken zertifizierte Therapeuten gezielt auf Rezeptoren in der Knochenhaut. Der Druck normalisiert die muskulär-faszialen Spannungen im Gewebe und kann Schmerzen und Missempfindungen dadurch stark reduzieren. Oft ist der Effekt schon nach der ersten Behandlung spürbar.

Psychosomatische Rückenschmerzen

Ein typischer Bereich, an dem psychosomatische Schmerzen empfunden werden, ist der Rücken. Obwohl körperlich alles in Ordnung ist, werden manche Betroffene die Schmerzen einfach nicht mehr los. Stress kann den Muskeltonus erhöhen.

Schlafstörungen bei chronischen Lungenerkrankungen

Der Schlaf ist charakterisiert durch eine rhythmische Abfolge verschiedener Schlafstadien: Leicht-, Tief- und Traumschlafphasen. Traumschlaf und auch Leichtschlaf sind auch schon beim Gesunden besonders anfällig für Störungen der Regulation von Atmung und Kreislauf. Bei Patienten mit COPD und Lungenemphysem kann der Schlaf durch Atemwegssymptome wie Husten, Auswurf und Luftnot erheblich gestört sein. Störende Einflüsse der typischen, meist chronisch genommenen COPD-Medikamente, aber auch von depressiven Verstimmungszuständen können hinzukommen.

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Verschiedene Ursachen führen bei Patienten mit COPD und Lungenemphysem häufig zu einem gestörten Schlaf:

  • Eine tageszeitlich abhängige Veränderung der Aktivität des vegetativen Nervensystems (Zunahme des Vagotonus) kann zu einer Verengung der Atemwege (Atemwegsobstruktion) führen, besonders ausgeprägt im Schlaf. Die Zunahme der Atemwegsobstruktion kann zu Luftnot- und Hustenanfällen und damit auch zu Weckreaktionen führen, wodurch wiederum der Schlaf erheblich gestört wird.
  • Durch die Atemwegsobstruktion kann es gleichzeitig aber auch zu einer Zunahme des Rückflusses von Magensäure in die Speiseröhre (gastro-ösophagealer Reflux) kommen, der wiederum auch zu Weckreaktionen führt oder aber zu einer Zunahme der Atemwegsobstruktion.
  • Fast alle Medikamente, die zur Behandlung der COPD angewandt werden, sind in der Lage, den Schlaf zu stören. Ganz besonders trifft dies für Theophyllin wie auch für die ß2-Sympathomimetika zu. Auch kann eine systemische Kortisontherapie zu erheblichen Schlafstörungen führen.
  • Eine im Rahmen der Grunderkrankung u.U. auftretende Depressionsneigung kann ebenfalls zu Schlafstörungen führen.

Im Schlaf wird typischerweise die Liegeposition eingenommen. Hierdurch kommt es bereits zu einer Abnahme der Lungenvolumina und manchmal auch zu einer Zunahme des gastro-ösophagealen Refluxes. Bei starker Übergewichtigkeit ist dieser Effekt besonders ausgeprägt, da die Bauchweichteile den Brustkorb zusätzlich einengen. Auch führt die Liegendposition nicht selten zu einer Zunahme des Widerstandes der oberen Atemwege, da auch hier die Halsweichteile den Gesetzen der Schwerkraft folgen, wodurch eine zusätzliche Einengung der Schlundregion hervorgerufen wird.

Schon bei am Tage noch normale Blutgaswerte aufweisenden Patienten mit COPD treten in mehr als 30% krankhafte nächtliche Sauerstoffabfälle auf, die aber nicht ihre Ursache in einer Schlafapnoe haben, sondern durch die beschriebenen schlaftypischen Veränderungen der Atmung bedingt sind. Am häufigsten ereignen sich diese Sauerstoffabfälle im Traum-Schlaf (REM-Schlaf). Sie sind meistens bedingt durch eine starke Abflachung der Atmung (eine sog. Hypoventilation), wodurch es gleichzeitig auch zu einem Anstieg des CO2-Wertes im Blut kommt.

Als klinische Auswirkungen werden eine Verschlechterung der Schlaf- und Lebensqualität, aber auch die Förderung eines Lungenhochdrucks oder sogar eine erhöhte Sterblichkeit diskutiert. Letzteres scheint aber nur bei denjenigen COPD-Patienten eine wesentliche Bedeutung zu haben, die zusätzlich unter einer Schlafapnoe evtl. in Kombination mit einer Übergewichtigkeit leiden.

Diagnostik und Therapie von Schlafstörungen bei COPD

Hat ein COPD-Patient Schlafstörungen, ist er tagsüber müde oder wacht er regelmäßig morgens mit Kopfschmerzen auf, so ist eine genaue Untersuchung des Schlafs notwendig. Ist die COPD noch nicht optimal therapiert, so ist dies zu allererst anzustreben. Hierzu zählt ggf. auch der Einsatz antidepressiv wirksamer Substanzen, der aber nur nach genauer fachärztlicher Untersuchung und Abwägung aller Vor- und Nachteile erfolgen sollte. Andererseits sollten aber auch die vom Patienten genommenen Medikamente im Hinblick auf eine mögliche Auslösung von Schlafstörungen überprüft und ggfs. umgestellt werden.

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Spezielle Schlaffragebögen lassen dann weiterhin abschätzen, wie ausgeprägt z.B. die Tagesmüdigkeit des Betreffenden ist. Durch eine in der Regel zunächst ambulant durchführbare Messung der Atmung im Schlaf kann dann entschieden werden, ob eine Schlaflaboruntersuchung (eine sog. Polysomnographie) erforderlich ist. Auch sollten sich COPD-Patienten, die tagsüber schon grenzwertige Blutgaswerte aufweisen, einer ambulanten Messung der Atmung im Schlaf unterziehen, um frühzeitig zu entscheiden, ob weitere Therapiemaßnahmen wie eine nächtliche Sauerstofftherapie oder eine Beatmungstherapie erforderlich sind.

Die Schlaflaboruntersuchung dient dann der Feststellung von Art und Schwere der vorliegenden schlafbezogenen Atmungsstörung. Die Polysomnographie wird aber bei COPD-Patienten meistens noch durch eine kontinuierliche Messung der CO2-Werte im Blut über eine durch die Haut wirksame Messsonde (sog. Transcutane Messung) erweitert.

Wird dann eine Sauerstoffunterversorgung des Patienten im Schlaf oder sogar eine krankhafte Erhöhung des CO2-Wertes festgestellt, so können entweder eine Sauerstofftherapie und/oder eine Masken-Beatmungstherapie erforderlich werden. Eine Sauerstoffgabe im Schlaf kann bei COPD-Patienten zu einer Verbesserung des Schlafprofils führen. Hierbei muss aber auch der CO2-Wert im Blut genau überwacht werden, der nämlich durch eine Sauerstoffgabe weiter ansteigen kann. In diesem Fall kann u.U. anstelle einer nächtlichen Sauerstoffgabe auch eine Maskenbeatmung erforderlich werden, da nur diese die im Schlaf bei COPD-Patienten auftretende Atemabflachung beeinflussen kann.

Psychosomatische Atembeschwerden

Psychosomatische Atembeschwerden liegen dann vor, wenn seelische Belastungen die Atmung unbewusst beeinflussen - etwa durch Stress, Angst oder innere Anspannung. Das vegetative Nervensystem reagiert auf emotionale Reize mit körperlichen Veränderungen: Der Atem wird flach, hektisch oder blockiert. Diese Veränderungen werden als bedrohlich empfunden und können zusätzliche Angst hervorrufen - ein Teufelskreis entsteht. Viele Betroffene wissen nicht, dass ihre Symptome auch Ausdruck innerer Überforderung oder ungelöster Konflikte sein können.

Auch wenn keine organische Erkrankung festgestellt wurde, lassen sich psychosomatisch bedingte Atembeschwerden gezielt behandeln. In der Therapie geht es darum, den Körper wieder als verlässliche Ressource zu erleben. Durch Methoden wie Atemtherapie, achtsamkeitsbasierte Verfahren, körperorientierte Psychotherapie oder begleitende Gespräche lernen Betroffene, ihr Atemmuster bewusst zu regulieren und innere Anspannung zu reduzieren. Ziel ist nicht nur die Linderung der Symptome, sondern ein neuer Umgang mit Stress und Emotionen - als Grundlage für mehr Selbstwirksamkeit und ein stabiles Lebensgefühl.

Mögliche Therapieverfahren bei Atembeschwerden sind:

  • Psychotherapie: In Gesprächen und Übungen wird gemeinsam an der Verarbeitung psychischer Belastungen gearbeitet.
  • Atemtherapie: Sie hilft, Stress zu reduzieren und die Verbindung zwischen Körper und Geist durch bewusste Atmung zu stärken.
  • Körperpsychotherapie: Sie hilft, Blockaden zu lösen, Stress abzubauen und durch sanfte Übungen Entspannung zu finden.
  • Achtsamkeitsbasierte Therapie: Mit Übungen zur bewussten Wahrnehmung wird innere Ruhe und Resilienz gestärkt.
  • Entspannungsverfahren: Techniken wie Atemübungen oder Meditation lösen Anspannung und reduzieren Stress.

Psychischer Stress zählt zu den häufigsten Auslösern funktioneller Atembeschwerden. In Stresssituationen reagiert der Körper mit einer „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion, die unter anderem zu flacher, schneller Atmung oder sogar Atemblockaden führen kann.

In der psychosomatischen Therapie werden Atembeschwerden als Ausdruck innerer Belastungen betrachtet. Die Behandlung erfolgt daher ganzheitlich: In Einzel- und Gruppentherapien werden emotionale Hintergründe beleuchtet und ungünstige Verhaltensmuster erkannt. Ergänzend kommen körperbezogene Verfahren wie Atemtherapie, achtsamkeitsbasierte Techniken oder körperorientierte Psychotherapie zum Einsatz. Auch Entspannungsverfahren und kreative Therapieformen (z. B. Musik- oder Kunsttherapie) unterstützen den Zugang zu Gefühlen, die sich möglicherweise über die Atmung Ausdruck verschafft haben. Entscheidend ist ein individueller Behandlungsplan, der auf die persönliche Geschichte und die aktuellen Symptome abgestimmt ist.

Wenn wiederholt Atemprobleme auftreten, für die keine ausreichende körperliche Ursache festgestellt wurde, und sich zusätzlich psychische Belastungen wie Angst, Erschöpfung oder Schlafstörungen zeigen, ist eine psychosomatische Behandlung empfehlenswert.

Atmung als Verbindung von Körper und Seele

Wie wir atmen hat einen großen Einfluss auf unseren Körper und dessen Reaktionen. Außerdem können wir Empfindungen durch unsere Atmung regulieren. Die Atmung verbindet also unseren Körper mit unserer Seele. Die menschliche Atmung ist ein enorm feiner Messfühler. Schon kleinste Veränderungen des körperlichen oder geistigen Zustands zeigen sich anhand dessen. Zum Beispiel atmen wir flach wenn wir Angst haben und gehetzt wenn wir unter Stress stehen. Der Grund dahinter ist, dass die Atmung zum vegetativen Nervensystem gehört. Das bedeutet unsere Atemfrequenz ist mit unserer Herzschlagfrequenz verknüpft.

Eine verlangsamte Atmung kann bei Angst wie eine Erste-Hilfe wirken: Langsamer atmen verlangsamt den Herzschlag und führt so zu Entspannung. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass die Bauchatmung entspannender wirkt.

Atemtechnik für den Alltag:

  • Zählen Sie beim Einatmen bis vier und beim Ausatmen bis sechs. Zum einen findet Entspannung beim Ausatmen statt, denn der Parasympathikus wird dabei aktiviert. Dieses System sorgt für Entspannung, sodass es sinnvoll ist länger aus- als einzuatmen. Zum anderen trägt das innere Zählen dazu bei, mental abzuschalten und Stress zu lösen.
  • Legen Sie die Hände auf den Bauch und atmen Sie in dem Bauch hinein. Fühlen Sie den Atem unter die Bauchdecke strömen. Durch das Auflegen der Hände fokussieren Sie sich mehr auf sich und lenken sich von anderen Gedanken ab.
  • Atmen Sie bewusst durch die Nase. Nasenatmung entspannt, im Gegensatz zur Mundatmung und fördert das Gedächtnis.

Die Regulierung der Atmung ist ein einfacher Schritt zur Stressbewältigung. Daher ist das bewusste Atmen oder die One-Minute-Meditation Teil des Resilienz Trainings.

Psychogene Atemnot

Bei einer psychogenen Atemnot ist die Ursache ein psychischer Auslöser. Die häufigsten Ursachen sind Stress und angstbesetzte Situationen. Von psychogener Atemnot (Dyspnoe), auch unter der Bezeichnung funktionelle Atemstörung bekannt, spricht man, wenn keine körperlichen, sondern mentale Auslöser das Gefühl hervorrufen, nicht ausreichend Luft zu bekommen. Dennoch stellt die psychogene Atemnot eine nicht weniger ernst zu nehmende Bedrohung dar.

Wer ein sicheres Zeichen dafür sucht, dass eine Atemnot oder Kurzatmigkeit psychisch bedingt ist, sollte auf die Vitalparameter achten. Genauer gesagt: den Peak Flow messen, also die maximale Ausatemgeschwindigkeit.

Obwohl die genauen Mechanismen, die der psychogenen Atemnot zugrunde liegen, nicht vollständig verstanden sind, geht man davon aus, dass Stress und psychische Belastungen zu einer Überstimulation des autonomen Nervensystems führen können.

Die Diagnose einer psychogenen Atemnot ist oft eine Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, dass körperliche Ursachen für die Atembeschwerden sorgfältig untersucht und ausgeschlossen werden müssen.

Medikamente können helfen, insbesondere wenn die psychogene Atemnot im Zusammenhang mit Angststörungen oder Depressionen steht. Es gibt eine große Bandbreite an Atemtechniken und Hilfsmitteln, mit deren Unterstützung die Atmung verändert und die Psyche beruhigt werden kann.

Das Zwerchfell und seine Bedeutung

Das Zwerchfell ist ein 2-5 mm dicker Muskel, der an die Form eines Kuppeldachs erinnert. Es ist der Hauptatemmuskel, und seine einwandfreie Funktion ist damit mindestens genauso wichtig wie die Pumpfähigkeit des Herzens. Ohne die Kontraktionsfähigkeit des Zwerchfells würden wir schlicht und ergreifend ersticken.

Das Zwerchfell hilft durch seine Auf- und Ab-Bewegung, Flüssigkeiten im Körper zu mobilisieren. Es ist ebenfalls ein wesentlicher Modulator der Stimme, weil es den Luftfluss entlang der Stimmbänder steuert.

Ein Problem, was häufig bei erhöhter Zwerchfellspannung zu beobachten ist, ist das Sodbrennen. Dies kann so weit gehen, dass die Stimmbänder gereizt werden.

Unter Stress reagiert das vegetative Nervensystem und bringt uns evolutionsbedingt in den Kampf- oder Fluchtmodus. Schon ein paar bewusste tiefe Atemzüge helfen dabei, das vegetative Nervensystem zu beruhigen, den Blutdruck, die Herzfrequenz und die allgemeine Muskelspannung zu senken. Ein bewusstes langsames tiefes Ausatmen suggeriert dem Hirn, dass der Körper schläft. Er kann dadurch nicht anders, als sich zu entspannen. Achten Sie bei der bewussten Atmung darauf, langsam und tief zu atmen und doppelt so lange aus- wie einzuatmen. Das Ausatmen führt zum Loslassen - Stressgefühle verschwinden.

Vegetative Dystonie

Eine vegetative Dystonie bedeutet wörtlich eine "fehlregulierte Spannung (Dystonus) des vegetativen Nervensystems". Dieses koordiniert viele wichtige Körperfunktionen, die sich willentlich kaum oder gar nicht beeinflussen lassen - etwa den Herzschlag, die Atmung oder die Verdauung. Entsprechend lassen sich unter dem Überbegriff der vegetativen Dystonie verschiedene Symptome zusammenfassen - von Herz-Kreislauf-Beschwerden und Kopfschmerzen bis zu zitternden Händen und Durchfall.

Man unterteilt das vegetative Nervensystem in zwei funktionelle Gegenspieler:

  • Sympathisches Nervensystem (Sympathikus): Es versetzt den Menschen in Anspannung, Herzschlag und Atmung beschleunigt und den ganzen Körper auf eine Kampf-oder-Flucht-Reaktion einstellt.
  • Parasympathisches Nervensystem (Parasympathikus): Es ist primär für Prozesse der Entspannung und Regeneration zuständig.

Funktioniert das Zusammenspiel zwischen Sympathikus und Parasympathikus nicht richtig, werden die Symptome manchmal als vegetative Dystonie eingeordnet.

Mögliche Symptome einer vegetativen Dystonie sind:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Durchfall
  • Verstopfung
  • Schlafstörungen
  • Krämpfe
  • Vermehrtes Schwitzen
  • Erhöhter oder erniedrigter Pulsschlag
  • Leichtes Zittern der Hände
  • Kribbeln in den Gliedmaßen

Wie eine vegetative Dystonie am besten behandelt wird, hängt von ihrem jeweiligen Auslöser und ihrer Ausprägung ab. Bleibt die körperliche Diagnostik ohne Ergebnis, raten Ärzte häufig dazu, zunächst abzuwarten und den Verlauf der Beschwerden zu beobachten. Ist dies nicht der Fall, empfiehlt der Arzt meist eine Psychotherapie. Mit dieser Unterstützung lernen viele Betroffene, ihre Beschwerden besser einzuordnen und mit ihnen im Alltag umzugehen - dies geschieht zum Beispiel im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie.

Auf einige somatoforme Störungen hat körperliche Bewegung einen positiven Einfluss, also Sport oder Spaziergänge. Einigen Betroffenen helfen Entspannungsübungen wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Tai-Chi oder Yoga.

Medikamente sind in den meisten Fällen nicht notwendig, werden bei großem Leidensdruck aber eingesetzt, um die Symptome zu behandeln. Dazu gehören zum Beispiel Schmerzmedikamente sowie verschiedene moderne Antidepressiva.

Die vegetative Dystonie hat oft keine klar abgrenzbare Ursache. Nicht selten spielen mehrere körperliche, seelische und soziale Umstände eine Rolle. Dazu zählen zum Beispiel permanenter Stress, Trauer, Sorgen und Ängste.

Die Diagnose stellen Mediziner in der Regel dann, wenn keine körperlichen Ursachen zu finden sind.

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