Naturheilverfahren sind traditionelle Konzepte, die sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt haben. Alte Heilmethoden dienen als Grundlage der heutigen Schulmedizin. Die Naturmedizin der frühen Jahre wurde aber im Laufe der Zeit nicht vergessen, sondern insbesondere als unterstützende Maßnahme geschätzt. Bei Naturheilverfahren steht der Patient im Mittelpunkt, die Genesung wird durch die Kraft der Natur unterstützt und bewirkt. Der Begriff Naturheilverfahren bezeichnet heute viele verschiedene Heilmethoden, welche die Selbstheilungskräfte des Menschen aktivieren. Die entsprechenden therapeutischen Maßnahmen basieren auf Stoffen aus der Natur, auch Naturheilmittel genannt. Das Naturheilverfahren steht aber nicht im Gegensatz zur klassischen Schulmedizin.
Die Rolle des vegetativen Nervensystems
Das vegetative oder autonome Nervensystem ist ein unbewusst ablaufender Steuerungsmechanismus, dessen Zentrale im Hypothalamus sitzt und der den gesamten Organismus im Sinne einer Automatik steuert. Genauso wie eine automatische Heizung die Temperatur in einem Normalbereich regelt, der zu Wohlbefinden und Gesundheit führt, genauso sorgt das Vegetativum innerhalb unseres Körpers für einen harmonischen Ablauf unserer wichtigsten Körpervorgänge. Praktisch alle willentlich nicht beeinflussbaren Funktionen werden durch das Vegetativum gesteuert, angefangen vom Herzschlag über die Darmtätigkeit bis zur Hautdurchblutung.
Grundsätzlich kann man sich das Vegetativum wie eine Automatik vorstellen, die zwei extrem gegensätzliche Pole hat: den Sympathikus und den Parasympathikus (auch „Vagus“ genannt). Unser Alltagsleben schwankt zwischen der Tagesaktivität des Sympathikus und der Nachtaktivität des Parasympathikus. Zu den wichtigsten Eigenschaften des Sympathikus zählen: beschleunigter Herzschlag, hoher Blutdruck, verstärkter Stoffwechsel, feuchte und blasse Haut, innere Angespanntheit und Unruhe.
Bei Gesundheit pendelt das Vegetativum in harmonischer Weise zwischen Sympathikus und Parasympathikus hin und her, ohne in Extreme zu verfallen. Wir fühlen uns dabei wohl und haben ein Gefühl von Gesundheit und Lebensfreude. Wenn das Vegetativum dagegen in einem der Extremzustände verharrt, vergleichbar mit einer automatischen Heizung, die entweder zu stark heizt oder zu stark kühlt, beginnen wir uns unwohl zu fühlen. Zum Unwohlsein kommen mit der Zeit gestörte Körperfunktionen und irgendwann ernsthafte Krankheiten. Gesundheit und Wohlbefinden hängen deshalb unmittelbar vom richtigen Funktionieren des Vegetativums ab.
Wenn wir zu lange gestresst worden sind (Burnout) oder zu wenig Anforderungen von der Außenwelt bekommen, werden wir träge und geraten in Passivität und Erschlaffungen, die sich irgendwann in ihr Gegenteil verkehren - nämlich in Verkrampfungen. Bei Parasympathikotonie beobachtet man träge Müdigkeit und Erschöpfung, Desinteresse und Schlafbedürfnis, aber auch Verkrampfungen - etwa des Darms mit Verstopfung oder der Kopf- und Nackenmuskeln in Form von Spannungskopfschmerzen. Man erkennt solche Menschen an engen Pupillen (Miosis) und einer eher trockenen Haut, einem müden und verkrampft wirkenden Aussehen und an bestimmten Symptomen wie Gallenkoliken, Neigung zu Magengeschwüren, Verstopfung, niedrigem Blutdruck, langsamem Puls und dergleichen.
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Bei Menschen, bei denen im Gegensatz dazu der vegetative Pol des Sympathikus dauerhaft überreagiert, fällt das Aufgedrehte, Nervöse und Angespannte auf. Bei Fehlsteuerungen des vegetativen Nervensystems sprach man früher von „vegetativer Dystonie“, heute von autonomer Dysregulation oder von somatoformen Beschwerden. Wenn der Arzt bei seinen Untersuchungen nichts gefunden hat, bekommt der Patient den Stempel der autonomen Dysregulation aufgedrückt. Weil dabei ärztlicherseits stereotyp seelische Beschwerden vermutet werden, werden dem Patienten bei anhaltenden Beschwerden Psychotherapie sowie allgemein eine Normalisierung der Lebensweise empfohlen, das heißt Sport, keine Genussgifte, frühes Zubettgehen und Entspannungsübungen.
Die Mehrzahl aller Patienten kommt durch solche ärztlichen Empfehlungen in noch größere Bedrängnis, denn viele Menschen fühlen sich nicht richtig diagnostiziert und deshalb in eine falsche Richtung gedrängt. Aus der Sicht der naturheilkundlichen Diagnostik, die sich in meiner Praxis bewährt hat, haben Patienten mit ihrer Verärgerung in vielen Fällen recht, weil gängige Therapieempfehlungen oftmals an den wahren Ursachen der vegetativen Dystonie vorbeizielen. An allererster Stelle stehen unbewusste seelische Konflikte, von denen der Patient in der Regel nichts spürt und die sich ausschließlich durch psychoenergetische Blockierungen bemerkbar machen. Weil er nichts davon bewusst wahrnimmt, hält er eine psychische Verursachung seiner Beschwerden für falsch.
Die Mehrzahl solcher Konflikte sind tief unbewusst und kaum zu verbalisieren, was die Abneigung der meisten Patienten gegenüber einer konventionellen Gesprächs-Psychotherapie verständlich macht. Mit dem Testsystem der „Psychosomatischen Energetik“ gelingt es innerhalb weniger Minuten, das gestörte Chakra und den zugrundeliegenden Konflikt zu finden. Mit bestimmten homöopathischen Komplexen („Emotional- und Chakra-Mitteln“) können solche Chakra-Blockaden und Konflikte innerhalb einiger Monate aufgelöst werden. Erstaunlicherweise ist erst dann der Großteil der Patienten in der Lage, über den seelischen Hintergrund ihrer Krankheit nachzudenken.
Naturheilkundliche Diagnostik
Neben den üblichen schulmedizinischen Check-ups und Laboruntersuchungen führen wir zusätzliche naturheilkundliche Diagnostik durch.
Herzfrequenzvariabilitätsmessung (HRV)
Mithilfe der HRV kann die Regulationsfähigkeit des vegetativen Nervensystems gemessen und Dysregulationen aufgedeckt werden. Bis es zu einer Erschöpfung kommt, lief der Körper wochen-, monate- oder sogar jahrelang auf Hochtouren. Das vegetative Nervensystem wird dadurch in seiner Regulationsfähigkeit geschwächt, eine Entspannung durch den Parasympathikus tritt häufig nicht mehr ein. Patienten berichten von Schlafstörungen, Herzrasen, Unruhezuständen, Angespanntheit und mangelnder Regenerationsfähigkeit.
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Erweiterte Mikronährstoffanalyse
Ist der Organismus überwiegend durch den Sympathikus gesteuert, laufen alle Stoffwechselprozesse auf Hochtouren. Das bedeutet, dass ein erhöhter Bedarf an bestimmten Vitaminen und Mikronährstoffen besteht. Die zusätzlich benötigte Menge an Mikronährstoffen ist über die Ernährung oft nicht zu decken, auch weil Menschen in stressigen Situationen dazu neigen, nicht ausgewogen zu essen oder die Anspannung am Abend mit alkoholischen Getränken zu lösen versuchen. Das wiederum kann den Schlaf beeinträchtigen, der gerade in Stresssituationen für die Regeneration des Organismus wichtig ist.
Wir führen eine Vollblutmineralanalyse durch, die die intrazellulären Mineralstoffe Natrium, Kalium, Kalzium, Magnesium, Kupfer, Zink und Selen enthält. Zusätzlich dazu bestimmen wir folgende Parameter im Serum: Vitamin D, B-Vitamine, Coenzym Q10, Carnitin, belastende Schwermetalle, oxidiertes LDL, Homa-Index, Lipoprotein A, Fettsäureprofil mit Omega-3-Index und Omega6/Omega3-Quotient, Morgen-Cortisol, ACTH, TSH, fT3, fT4, sowie Schilddrüsenantikörper, Zonulin im Serum, Histamin im Serum. Häufig zeigen sich bei erschöpften Patienten Mängel oder Normwerte im unteren Bereich, die keinesfalls ausreichen, um in Belastungssituationen den Körper ausreichend zu versorgen.
Neurostressprofil
Im Neurostressprofil wird ein Cortisol-Tagesprofil aus dem Speichel (3 Messungen zu den Zeitpunkten 8h, 13h, 20h) bestimmt, das einen Anhalt für die Cortisolausschüttung über den Tag und die notwendige Absenkung zur Nacht gibt. Zusätzlich wird über den 2. Morgenurin die Menge von Serotonin, Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin bestimmt sowie die Verhältnisse von Adrenalin/Noradrenalin und Serotonin/Dopamin. Häufig zeigt sich hier bereits die Erschöpfung der Neurotransmitter in Form eines Serotoninmangels sowie der Katecholamine über Adrenalinmangel an. Diese Ergebnisse geben weitere Hinweise auf eine Erschöpfung. Hat man den Verdacht einer Nebennierenrindeninsuffizienz ist die Bestimmung des 24h-Cortisol im Urin ergänzend notwendig.
Mikrobiomanalyse
In Stresssituationen kann die Mikrobiota ins Ungleichgewicht geraten, Nährstoffe können nicht ausreichend vom Organismus aufgenommen werden. Liegen bei den Patienten Mikronährstoffmängel vor, die über die Ernährungsgewohnheiten oder trotz bestehender Mikronährstoffsubstitution nicht erklärbar sind, kann eine Mikrobiomanalyse sinnvoll sein, um eine enterale Dysbiose oder ein Leaky-gut-Syndrom auszuschließen. Auch bei neu auftretenden Allergien, Infektanfälligkeit oder Verdauungsstörungen ist eine Mikrobiomanalyse empfehlenswert.
Therapieansätze
Die Therapie erfolgt multimodal. Neben der Behandlung der körperlichen Beschwerden und der Substitution von Mikronährstoffen, liegt ein Schwerpunkt auf der Beratung zu Lebensstilfaktoren: Ernährungsberatung, Anleitung zur Entspannung, Weiterleitung an kooperierende Coaches, Einbindung in unseren praxisinternen Achtsamkeitskurs sowie die umfassende Aufklärung über die Entstehung und den Umgang mit den vorhandenen Beschwerden bis hin zur Sportlerberatung. Zum vegetativen Ausgleich und zur Schmerzreduktion setzen wir häufig Akupunktur ein. In regelmäßigen, engmaschigen Kontrollterminen in der Anfangsphase können wir den Patienten individuell und professionell begleiten.
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Naturheilkundliche Verfahren
Naturheilverfahren sind therapeutische Maßnahmen, die die Selbstheilungskräfte und Regenerationsprozesse mithilfe natürlicher Ressourcen anregen. Das Ziel dieser Behandlungen ist es, sanfte Unterstützung zu leisten und den Körper wieder in eine natürliche Balance zu bringen. Auf diese Weise sollen nicht nur erkennbare Symptome gelindert werden, sondern eventuell tieferliegende Ursachen oder verborgene Faktoren mitbehandelt werden. Dabei sind Naturheilverfahren nicht als Gegensatz zur Schulmedizin zu verstehen, sondern werden in unserer Praxis ergänzend dazu eingesetzt - für eine sinnvolle Kombination und individuelle, ganzheitliche Herangehensweise.
Wasseranwendungen - Hydrotherapie
Wasseranwendungen sind eine sehr alte und bewährte Therapieform. Schon lange, bevor Pfarrer Kneipp in der kalten Donau seine Tuberkulose auskurierte (so die Überlieferung), behandelten Griechen und Römer in der Antike mit Wasser und feuchten Auflagen. Die Einsatzmöglichkeiten reichen von der kalten Kompresse über Brustwickel und Güsse bis zu Vollbädern mit speziellen Zusätzen. Mit Wasser kombiniert mit Temperaturreizen können sehr viele verschiedene Wirkungen erzielt werden. Im menschlichen Körper ist die Regulation der Temperatur extrem wichtig. Daher setzen kalte Anwendungen wie Güsse, Wickel oder kurze Bäder einen Reiz, der letztlich einen Übungseffekt für das vegetative Nervensystem darstellt und so auch das Immunsystem beeinflusst. Auch Wirkung auf das Bindegewebe und die Muskeln lässt sich erzielen. Bei akuten Problemen werden oft kurzzeitige oder einmalige Anwendungen genutzt, bei chronischen Verfahren ist der Übungseffekt wichtig. Hier sollen die Verfahren über einen längeren Zeitraum genutzt werden. So können z. B. temperaturansteigende Güsse im Nacken oder Lumbalbereich in Verbindung mit Bewegung Schmerzen lindern.
Bewegung
Der aktiven Bewegung wird in der Medizin eine immer größere Bedeutung zugemessen. Bei Schmerzerkrankungen kommt es oft zu zwei verschiedenen Verhaltensmustern: Es gibt Vermeider und Durchhalter. Die Vermeider bewegen sich aus Angst vor Verschlechterung immer weniger, die Durchhalter betreiben auch dann (intensiven) Sport, wenn körperliche Signale ihnen eigentlich zu einer Pause raten. Meditative Bewegungsformen wie Yoga, Tai Chi oder Qigong sind hier sinnvolle Bewegungsformen. Sie wirken zum Beispiel bei Patienten mit Fibromyalgie. Sie sind mit einem achtsamen Umgang mit sich selber verbunden. Das bewusste Wahrnehmen der eigenen Beweglichkeit ist gerade für Schmerzpatienten wichtig.
Ernährung und Fasten
Bei bestimmten chronischen Schmerzerkrankungen sind entzündliche, muskuläre und nervale (die Nerven betreffend) Faktoren maßgeblich. Alle drei Faktoren können über die Ernährung und über das Fasten beeinflusst werden. Die Ernährung kann z.B. ursächlicher Auslöser der Gicht sein oder Übergewicht kann zu einer Zunahme von Gelenkbeschwerden führen. So werden mit einer fleischlastigen Ernährung viele Arachidonsäuren aufgenommen. Diese stellen die Ursprungssubstanz dar, aus denen im Verlauf entzündliche Botenstoffe gebildet werden. Auch ist im Körper das Verhältnis zwischen zwei unterschiedlichen ungesättigten Fettsäuren wichtig. Die Omega-3 Fettsäuren sind meist weniger vorhanden als die meist zu viel vorhandenen Omega-6 Fettsäuren (aus tierischen Produkten und bestimmten Ölen). Ein Ungleichgewicht fördert entzündliche Prozesse im Körper, was bei Schmerzerkrankungen zu mehr Beschwerden führen kann. Eine gesundheitsfördernde Ernährung ist für jeden Patienten individuell zu bestimmen.
Fasten ist ein fester Bestandteil in der Naturheilkunde. Es gibt verschiedene Fastenarten. Oft wird es zwischen 5 und 14 Tagen durchgeführt, nicht als Nulldiät, sondern mit bis zu 500 kcal/Tag in Form von Säften und Suppen. Dem gehen Entlastungstage voraus. Nach dem Fasten wird die Kost schrittweise wieder aufgebaut. Ein Arzt sollte immer zuvor konsultiert werden oder das Fasten sogar begleiten. Nach neusten Forschungsergebnissen gibt es auch Hinweise für eine Art „Aufräumen auf kleinster Ebene = dem Abbau von nicht mehr verwendeten Proteinen“ durch das Fasten.
Moderne Ordnungstherapie
Die Ordnungstherapie ist eine multimodal zusammengesetzte Therapieform basierend auf den Elementen der klassischen Naturheilkunde. Ziel ist es, die Eigenaktivität im Sinne einer gesundheitsorientierten Lebensstilstrukturierung zu fördern. Körperliche und seelische Selbstheilungskräfte sollen gestärkt werden. Vorstellungen einer klassischen „Lebensordnung“ wurden von dem Arzt Maximilian Bircher-Benner und Pfarrer Sebastian Kneipp formuliert. Patienten wird die Ordnungstherapie am Beispiel des Tempels der Gesundheit verdeutlicht: Fünf Säulen tragen das Dach der Gesundheit - es sind die Verhaltensbereiche einer gesundheitsförderlichen Bewegung, Entspannung, Atemtechniken zur Stressbewältigung, Ernährung und Selbsthilfestrategien. Ihr Fundament ist die Achtsamkeit.
Pflanzenheilkunde
Pflanzliche Schmerzmittel können alleine oder begleitend zu den üblichen Schmerzmitteln eingesetzt werden. Konventionelle Schmerzmittel verlieren gerade in der Langzeitanwendung ihre Wirkung. Sie werden häufig nicht gut vertragen und vertragen sich nicht mit anderen Medikamenten. In bestimmten Fällen können pflanzliche Mittel sie ersetzen oder ihre Dosis verringern: Für Brennnesselextrakte gibt es zum Beispiel gute Hinweise, dass sie bei Gelenkverschleiß oder Rheuma wirksam sind. Schmerzlindernd sind auch die Weidenrinde und als Außeranwendung der Kohlwickel bei Knieverschleiß und Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerz.
Ergänzende und ausleitende Verfahren
Naturheilkundlich tätige Therapeuten nutzen neben Akupunktur und manuellen Therapieverfahren auch die Neuraltherapie und die so genannten ausleitenden Verfahren. Seit der Antike wurden diese Methoden zu Heilzwecken genutzt. So finden sich Anwendungsbeispiele für das Schröpfen im ägyptischen Raum, in Arabien und natürlich im westlichen Mittelalter. Die Vorstellung über die Wirkungsweise hat sich im Laufe der Zeit geändert. Diese Verfahren haben in der Schmerztherapie einen festen Stellenwert. Teils, wie die Schröpfkopfmassage können sie vom Patienten eigenständig durchgeführt werden. Nackenschmerzen können sich unter regelmäßiger Therapie mit Schröpfgläsern bessern.
Zu den ausleitenden Verfahren zählen unter anderen:
- Blutegel: Medizinische Blutegel werden im Rahmen von verschiedenen Schmerzerkrankungen eingesetzt wie z. Bsp. Knieverschleiß oder dem Tennisarm. Die Egel bleiben meist 45-60 Minuten an der Bissstelle. Sie geben mit ihrem Speichel über 200 verschiedene Substanzen ab. Diese haben sehr unterschiedliche Wirkungen: Sie sind entzündungshemmend, blutverdünnend, gefäßerweiternd und schmerzlindernd.
- Schröpfen, blutig oder trocken: Mittels einer Flamme oder einer Saugvorrichtung wird ein Unterdruck in einem Glas erzeugt und auf die Haut aufgesetzt. Die Haut und Faszienschichten werden angesaugt und Verklebungen lösen sich. Im behandelten Bereich wird dadurch ein Therapiereiz erzeugt, der auch über das vegetative Nervensystem auf die inneren Organe wirken kann. Die Lockerung der Faszien kann u.a. Nackenschmerzen lindern.
Weitere ergänzende Verfahren:
- Neuraltherapie: Ein örtliches Betäubungsmittel wird in bestimmte Areale gespritzt - das reicht vom Unterspritzen von Hautregionen (Quaddeln) über das Spritzen in Narben und sogenannte Störfelder bis hin zu komplexen Techniken, bei denen besondere Nerven umflutet werden. Neuraltherapie sollte nur von besonders ausgebildeten Ärzten durchgeführt werden.
- Nadelreizmatte: Eine mit stumpfen Nadeln versehene Unterlage (welche die Haut nicht durchdringt), die für einige Zeit unter Becken oder Rücken geschoben wird, intensiviert die Durchblutung und führt zu verschiedenen schmerzlindernden Effekten: Über reflektorische Reaktionen der Head`schen Zonen werden innere Organe angesprochen und das Immunsystem aktiviert. Die veränderte Stoffwechselaktivität und Nervenreizleitung verändern das Schmerzempfinden im Gehirn. Die Technik stammt aus der traditionellen indischen und chinesischen Medizin und ist mit der Akupressur verwandt.
Medikamentöse Unterstützung
Ein weiterer effektiver Weg der vegetativen Umstimmung ist medikamentöser Natur. Mein ärztlicher Kollege Dr. med. Ernst Hartmann, der Entdecker des Globalgitternetzes (auch „Hartmann-Gitter“ genannt), entwickelte zur vegetativen Umstimmung in den 1960er Jahren das Polyxan blau® (für Sympathikotonie) und Polyxan gelb® (für Vagotonie). Es handelt sich um homöopathisch aufbereitete Wiesengräser von geopathisch auf- und abbauenden Kraftfeldern. Neuerdings gibt es zwei homöopathische Präparate namens Simvita® (für Sympathikotonie) und Paravita® (für Vagotonie), die ebenfalls hervorragende und schnelle Wirkungen erzielen. Welches der beiden gegenpolar wirkenden Mittel man benötigt, kann man empirisch abschätzen oder anhand der energetischen Testung ermitteln. Wird der Arm des Patienten z. B. Bei akuten Beschwerden werden 10 Tropfen pro Stunde dosiert. Die Dosierung wird auf 3-mal 10 Tropfen pro Tag reduziert, sobald eine Besserung eintritt. Hartmann empfahl 40 Tropfen in ein Glas Wasser zu geben und schluckweise so lange zu trinken (in Abständen von 5 bis 10 Minuten), bis eine spürbare Besserung eintritt. Meist geschieht das innerhalb kurzer Zeit. Sensible Patienten spüren eine Besserung sogar in Minutenschnelle. Indikationen sind praktisch alle akuten Beschwerden, die symptomatisch mit Naturheilmitteln behandelt werden können. Weitere Anwendungsgebiete für Simvita® bzw. Polyxan blau® sind alle länger anhaltenden Formen der Sympathikotonie, angefangen von tachykarden Rhythmusstörungen bis hin zu Nervosität und Angstzuständen. Bei Ängsten empfiehlt sich zusätzlich , ein spezifisch wirkendes homöopathischen Komplexmittel für Angstzustände. Von einer ärztlichen Kollegin erfuhr ich, dass sie sogar eine hypertone Krise mit Simvita® erfolgreich kupieren konnte. Paravita® bzw. Polyxan gelb® eignen sich im Unterschied dazu für länger anhaltende vagotone Zustände, die durch Krämpfe, Schwäche, Übelkeit und eher bradykard/hypotone Kreislaufsituation gekennzeichnet sind.
Weitere Naturheilmittel
- Klosterfrau Melissengeist: Traditionelles pflanzliches Arzneimittel angewendet: Innerlich: Zur Besserung des Allgemeinbefindens (bzw. zur Stärkung oder Kräftigung) bei Belastung von Nerven und Herz-Kreislauf mit innerer Unruhe und Nervosität. Zur Förderung der Schlafbereitschaft. Bei Wetterfühligkeit. Zur Besserung des Befindens bei Unwohlsein, zur Förderung der Funktion von Magen und Darm, insbesondere bei Neigung zu Völlegefühl und Blähungen. Zur Besserung des Befindens bei unkomplizierten Erkältungen und zur Stärkung. Äußerlich: Zur Unterstützung der Hautdurchblutung z. B. bei Muskelkater und Muskelverspannungen.
- Klosterfrau Schmerzfluid: Traditionell zur Förderung der Hautdurchblutung, z. B. zur unterstützenden Behandlung von Zerrungen, Prellungen, Verstauchungen, Muskel- und Gelenkschmerzen.
- Klosterfrau Erkältungs-Balsam: Zur äußeren Anwendung bei Erkältungskrankheiten der Luftwege wie Schnupfen, Husten, Heiserkeit, Verschleimung und Bronchialkatarrh.
- Klosterfrau Hustensaft: Zur Linderung von Hustenreiz bei Erkältungskrankheiten der Atemwege.
- Klosterfrau Franzbranntwein Latschenkiefer: Traditionell zur Förderung der Hautdurchblutung, z. B. zur unterstützenden Behandlung von Zerrungen, Prellungen, Verstauchungen, Muskel- und Gelenkschmerzen.
- Klosterfrau Japanisches Heilpflanzenöl: Innerlich: Zur Einnahme bei Verdauungsbeschwerden, z. B. Völlegefühl und Blähungen; zur Einnahme oder Inhalation bei Erkältungskrankheiten der Atemwege mit zähflüssigem Schleim. Äußerlich: Bei Muskelschmerzen (Myalgien) und nervenschmerzähnlichen (neuralgiformen) Beschwerden.
- Klosterfrau Bronchial-Tropfen: Werden traditionell angewendet zur Unterstützung der Schleimlösung im Bereich der Atemwege.
- Klosterfrau Seda-Plantina: Bei Unruhezuständen und nervös bedingten Einschlafstörungen.
- Franzbranntwein Aktiv Gel Latschenkiefer: Traditionell angewendet zur Unterstützung der Hautdurchblutung.
- Klosterfrau Allergin Globuli/Tabletten/Tropfen: Besserung der Beschwerden bei Heuschnupfen.
Die Rolle der Neuraltherapie
In der Naturheilkunde gibt es viele verschiedene Themenfelder und Behandlungsarten. Ein wichtiges und bekanntes Behandlungsfeld ist die Neuraltherapie, eine Injektionstherapie. Die Neuraltherapie ist eine naturheilkundliche Reflextherapie, bei der indirekt über das vegetative Nervensystem eine Störung oder eine Erkrankung positiv beeinflusst werden kann. Dies wird mit einem lokalen Betäubungsmittel durchgeführt. In der Regel wird das Lokalanästhetikum Procain verwendet. Aber auch andere Lokalanästhetika wie z.B. Die Neuraltherapie ist also der diagnostische und therapeutische Einsatz von Lokalanästhetika. Die ganzheitliche Sichtweise der Neuraltherapie geht davon aus, dass z.B. schadhafte Zähne, chronische Mandel- oder Nasenebenhöhlenentzündungen oder Darmentzündungen sowie Narben als „Störfelder“ oder „Herd“ in Betracht kommen. Das Lokalanästhetika Procain wird auch gerne als Infusionstherapie verwendet. Im Rahmen einer Schmerztherapie bei Bandscheibenvorfällen oder anderen akuten und chronischen Rückenbeschwerden wird es als Infusion intravenös verabreicht.
Bedeutung der Selbstheilungskräfte
Der Naturheilkunde liegt die Vorstellung zugrunde, dass der Organismus Selbstregulationsmöglichkeiten, also ein Selbstheilungspotenzial hat, das geweckt bzw. stimuliert und gestärkt werden kann. Sie benützt dazu Reize. Der Körper reagiert darauf mit einer Antwort: Krafttraining führt zu Muskelwachstum, Ernährungsumstellung zu einer veränderten Darmflora. Akupunktur oder Kaltwasserreize verändern die Durchblutung und wirken so auf das vegetative Nervensystem. Therapeutische Gespräche zielen u.a. auf eine Verhaltensänderung. Die Naturheilkunde nutzt Reize auf sehr vielen Ebenen. Der Stoffwechsel wird durch Ernährung beeinflusst, das vegetative Nervensystem durch Wasser- und Wärmeanwendungen, die Struktur des Bindegewebes (Faszien) reagiert auf Bewegung oder manuelle Therapieverfahren. Ein naturheilkundliches Therapiekonzept versucht die richtigen Reize zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen. Berücksichtigt werden dabei die Konstitution des Patienten, seine individuelle Reaktionslage und seine gesamte Befindlichkeit. Körperliche und geistige Aspekte werden als Einheit gesehen.
Risiken und Nebenwirkungen
Die meisten der verwendeten Verfahren sind auf Ungefährlichkeit und Wirksamkeit überprüft und ihre Wirkung wurde wissenschaftlich nachgewiesen (Evidenz). Wie in jedem medizinischen Bereich gehen spezifische Verfahren mit den ihnen eigenen Wirkungen und Nebenwirkungen einher. Die Naturheilkunde nutzt sehr viele Verfahren, die im Einzelnen mit dem Arzt zu besprechen sind.
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