Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die eine spezialisierte und umfassende Betreuung der Betroffenen erfordert. Eine Schlüsselrolle in der Versorgung von Menschen mit Parkinson spielen dabei Parkinson-Nurses. Diese spezialisierten Pflegekräfte sind in vielen Ländern bereits seit Jahrzehnten etabliert und gewinnen auch in Deutschland zunehmend an Bedeutung.
Was ist eine Parkinson-Nurse?
Eine Parkinson-Nurse ist eine spezialisierte Krankenpflegekraft, die sich auf die Betreuung von Patienten mit der Parkinson-Krankheit konzentriert. Sie arbeitet eng mit Ärzten, Therapeuten und anderen Gesundheitsdienstleistern zusammen, um eine umfassende Versorgung und Unterstützung für Parkinson-Patienten zu gewährleisten. Parkinson-Nurses sind speziell ausgebildete Pflegekräfte, die über fundiertes Wissen und praktische Fähigkeiten im Umgang mit den komplexen Bedürfnissen von Parkinson-Patienten und ihren Angehörigen verfügen.
Parkinson-Nurses agieren an der Schnittstelle von Betroffenen, Angehörigen, sozialen Hilfsdiensten, Kliniken und niedergelassenen Medizinern. Sie nehmen eine zentrale Rolle in der Versorgungskette ein.
Historische Entwicklung
Spezialisierte Pflegekräfte für Menschen mit Parkinson, sogenannte Parkinson-Nurses, gibt es bereits seit über 60 Jahren in Ländern wie England, den USA und den skandinavischen Ländern. In Deutschland begannen erste Projekte und Fortbildungen im Jahr 2007, organisiert unter anderem durch die Deutsche Parkinson-Vereinigung (dPV) und die Deutsche Parkinson-Gesellschaft (DPG). Trotz dieser Initiativen ist die Anzahl der Parkinson-Nurses in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern wie den USA oder Großbritannien noch gering.
Aufgaben einer Parkinson-Nurse
Die Aufgaben einer Parkinson-Nurse sind vielfältig und an die individuellen Bedürfnisse der Patienten angepasst. Sie umfassen unter anderem:
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- Betreuung von Patienten mit tiefer Hirnstimulation oder Medikamentenpumpen: Parkinson-Nurses sind in der Lage, diese komplexen Therapien zu überwachen und die Patienten im Umgang damit zu schulen.
- Demenzpflege: Viele Parkinson-Patienten entwickeln im Laufe der Erkrankung eine Demenz. Parkinson-Nurses sind speziell geschult, um diese Patienten und ihre Angehörigen zu unterstützen.
- Sozialmedizinische und psychologische Beratung und Betreuung: Parkinson-Nurses beraten Patienten und Angehörige zu sozialen und psychologischen Aspekten der Erkrankung und vermitteln bei Bedarf weitere Hilfsangebote.
- Symptommanagement: Die Parkinson Nurse unterstützt den Patienten bei der Bewältigung der verschiedenen Parkinson-Symptome wie Tremor, Steifheit, Gangstörungen und Problemen mit der Feinmotorik.
- Medikationsmanagement: Die Parkinson Nurse überwacht und verwaltet die Medikation des Patienten.
- Schulung und Information: Die Parkinson Nurse bietet Schulungen und Informationen sowohl für den Patienten als auch für dessen Angehörige an.
- Emotionale Unterstützung: Die Parkinson Nurse bietet emotionalen und psychosozialen Beistand für den Patienten und seine Familie.
- Koordination der Versorgung: Die Parkinson Nurse arbeitet mit anderen Gesundheitsdienstleistern zusammen, um eine koordinierte und ganzheitliche Pflege sicherzustellen.
- Erstellung individueller Behandlungspläne: Basierend auf der Beurteilung entwickelt die Parkinson Nurse gemeinsam mit dem behandelnden Arzt einen individuellen Behandlungsplan für den Patienten. Dies kann z.B. die Anpassung der Medikation, die Durchführung von Therapien oder die Vermittlung von Selbsthilfegruppen umfassen.
Generell übernehmen Parkinson Nurses alle Aufgaben, für die behandelnde Ärzte abseits ihrer Sprechstunden nicht die nötige Zeit aufbringen können. Ziel ist es, Betroffenen für möglichst lange Zeit eine realistisch hohe Lebensqualität zu ermöglichen, unter anderem auch indem das Voranschreiten der Erkrankung so gut wie möglich ausgebremst beziehungsweise verlangsamt wird.
Voraussetzungen und Ausbildung zur Parkinson-Nurse
Um Parkinson Nurse zu werden, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Die Bewerber sollen examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerinnen, Medizinische Fachangestellte oder examinierte Altenpflegerinnen sein und ein Minimum von 2 Jahren Berufserfahrung in akut neurologischen Abteilungen oder Parkinson-Fachkliniken haben.
Die Weiterbildung zur Parkinson-Nurse wird einmal im Jahr angeboten. Für den Jahrgang ab Januar 2026 wurden Inhalte und Ablauf der Weiterbildung vollständig überarbeitet. Sie dauert ein Jahr und umfasst Präsenz- und Onlineveranstaltungen sowie eine 14-tägige Hospitation in einer Parkinson-Fachklinik oder -Abteilung. Die Weiterbildung richtet sich an Pflegefachkräfte, die regelmäßig in der Versorgung von Parkinsonpatienten tätig sind.
Die Deutsche Parkinson-Gesellschaft (DPG), die deutsche Parkinson-Vereinigung (dPV) und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) haben ein Fortbildungs-Curriculum entwickelt, das den Standard für Parkinson-Nurses in Deutschland darstellt. Fortbildungsziel: Menschen mit Parkinson und ihre Angehörigen spezialisiert zu betreuen. Spezifische Expertise in verschiedenen Einsatzbereichen, z. B.
Die Struktur und Dauer der Fortbildung können variieren. Die Weiterbildungsinhalte umfassen in der Regel:
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- Pathophysiologie der Parkinson-Krankheit: Verständnis der Ursachen und Mechanismen der Erkrankung.
- Symptommanagement und Therapien: Kenntnisse über verschiedene Aspekte des Symptommanagements wie z.B. die Bewältigung von Tremor, Rigor, Bradykinese (verlangsamte Bewegungen) und anderen motorischen Problemen, nicht-motorische Symptome wie z.B.
- Medikamentöse Therapie: Kenntnisse über die verschiedenen Medikamente zur Behandlung der Parkinson-Krankheit und deren Nebenwirkungen.
- Nicht-medikamentöse Therapie: Kenntnisse über Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und andere nicht-medikamentöse Therapien.
- Psychosoziale Aspekte: Kenntnisse über die psychologischen und sozialen Auswirkungen der Parkinson-Krankheit auf Patienten und Angehörige.
- Ethik und Recht: Kenntnisse über ethische und rechtliche Aspekte im Umgang mit Parkinson-Patienten, z.B.
- Kommunikation und Beratung: Fähigkeiten zur Kommunikation und Beratung von Patienten und Angehörigen.
Wo arbeiten Parkinson-Nurses?
Potenzielle Arbeitgeber für Parkinson Nurses sind:
- Krankenhäuser und Kliniken, insbesondere mit neurologischen Abteilungen
- Spezialisierte Parkinson-Kliniken
- Langzeitpflegeeinrichtungen, Pflegeheime oder betreute Wohnanlagen, die auf die Betreuung von älteren Menschen und Menschen mit neurologischen Erkrankungen spezialisiert sind
- Spezialisierte Parkinson-Zentren, die sich ausschließlich auf die Behandlung und Betreuung von Parkinson-Patienten konzentrieren
- Forschungseinrichtungen, die sich mit der Erforschung der Parkinson-Krankheit und der Entwicklung neuer Behandlungsansätze befassen
Gehaltsperspektiven
Das Gehalt einer Parkinson Nurse kann je nach Bundesland, Region, Arbeitgeber, Erfahrungsniveau und Qualifikation variieren. Es gibt noch keine einheitliche Gehaltsstruktur für Parkinson Nurses. Da die Ausbildung nur in Form einer Fortbildung erfolgt, welche weit weniger umfangreich als eine klassische Weiterbildungen ist, ist ein Gehaltsanstieg durch die Ausübung einer Parkinson Nurse Tätigkeit leider nicht zu erwarten. Als Orientierung, welcher Verdienst in diesem Beruf möglich ist, dient das Gehalt von Krankenschwestern bzw. Fachkrankenschwestern.
Bedeutung von Parkinson-Nurses
Parkinson Nurses sind in der Bundesrepublik noch eine Ausnahme, im angelsächsischen und skandinavischen Raum gibt es den Beruf mit der Spezialisierung auf Morbus Parkinson aber bereits seit mehr als vier Jahrzehnten - sehr zum Wohl der Patienten. Die Notwendigkeit einer Parkinson Nurse entstand auch aus dem Umstand heraus, dass während einer allgemeinen Pflegeausbildung wenig bis gar keine Inhalte über Morbus Parkinson vermittelt werden, obwohl Betroffene zwangsläufig auf eine spezialisierte Betreuung angewiesen sind. Gleichermaßen ist es damit auch Aufgabe der Parkinson Nurse, Angehörige der Betroffenen nicht allein zu lassen.
Parkinson-Nurses nehmen eine zentrale Rolle in der Versorgungskette ein: Sie agieren an der Schnittstelle zwischen Betroffenen, Angehörigen, ärztlichen Fachkräften, Kliniken und sozialen Diensten. Ihr Einsatzgebiet umfasst unter anderem die Betreuung von Betroffenen mit tiefer Hirnstimulation oder Medikamentenpumpen, die Pflege bei Parkinson-bedingter Demenz sowie die sozialmedizinische und psychologische Beratung.
Aktuelle Entwicklungen
Aktuell hat das Parkinsonzentrum der Kliniken Beelitz in Zusammenarbeit mit dem Klinikum Osnabrück die bundesweite Koordination der Organisation und inhaltlichen Ausrichtung der Ausbildung zur Parkinson-Nurse übernommen. Hierbei entsteht ein neues Curriculum, das moderne didaktische Methoden und digitale Medien für die Vermittlung von theoretischem Wissen und praxisrelevanten Skills nutzt. Die weiterhin in Präsenz stattfindenden Lehrveranstaltungen und Hospitationen sollen durch zusätzliche Veranstaltungen im virtuellen Format ergänzt werden.
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Der nächste Kurs beginnt im Januar 2026. Die einjährige Fortbildung umfasst Präsenz- und Onlineveranstaltungen sowie eine zweiwöchige Hospitation in den spezialisierten Parkinson-Fachkliniken oder -Abteilungen in Osnabrück, Beelitz-Heilstätten, München-Schwabing, Bad Segeberg, Ortenau und Kassel sowie der Neurologischen Universitätsklinik in Kiel. Die administrative Betreuung und die Koordination inhaltlicher Aspekte erfolgt durch das Parkinsonzentrum Beelitz-Heilstätten mit Unterstützung durch die neurologische Abteilung des Klinikums Osnabrück (Administration: Nadine Vetter, inhaltliche Koordination: Dr. Thorsten Süß).
Beispiele aus der Praxis
Regina Husar ist Parkinson Nurse im Klinikum Christophsbad und fungiert seit August 2021 als Kontaktperson für alle Parkinson-Patienten und deren Angehörige, aber auch für sämtliche Kollegen innerhalb der Christophsbad Klinikgruppe, die sich mit dem Krankheitsbild befassen. Sie berät Betroffene und deren Angehörige über verschiedenen Formen der Therapie und informiert über Möglichkeiten der medikamentösen Behandlung - insbesondere über die Einstellung spezieller Pumpen und deren Handling.
Im Projekt INSPIRE-PNRM+ arbeiten mehrere Advanced Practice Nurses (APN) mit pflegewissenschaftlichem Masterabschluss in der Versorgung für Patienten und Patientinnen mit Morbus Parkinson. Diese APNs bringen langjährige Berufserfahrungen in verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens mit und haben ihr Fachwissen durch ein Masterstudium in pflegeassoziierten Themenfeldern erweitert. Sie legen ihr Augenmerk auf eine evidenzbasierte, effektive, effiziente und bedarfsgerechte Versorgung und der bestmöglichen Lebensqualität des Betroffenen.