Wenn mit zunehmendem Alter die Beine unter Belastung beim Stehen oder Gehen müde werden, kann es sich um eine sogenannte Spinalkanalstenose handeln. Die Spinalkanalstenose ist eine Erkrankung der Wirbelsäule. Eine Wirbelkanalverengung zählt zu den häufigsten Erkrankungen der Wirbelsäule im Alter. Eine Wirbelkanalverengung im Lendenwirbelsäulenbereich hat Auswirkungen auf die Beine, die denen einer Durchblutungsstörung ähneln.
Was ist eine Spinalkanalstenose?
Bei dieser Erkrankung wird aufgrund von degenerativen Veränderungen der Wirbelkanal, in dem die Nerven laufen, im Laufe der Jahre langsam immer enger. Im Inneren der Wirbelsäule befindet sich der Wirbelkanal (Spinalkanal), in dem die Nerven wie in einem Rohr geschützt verlaufen. Der Spinalkanal umschließt und schützt das sehr empfindliche Rückenmark und die von diesem abgehenden Rückenmarksnerven, die zudem von Wasser umgeben sind. Bei einer Spinalkanalverengung (Stenose) kommt es zu einer Einengung mit einer Kompression und Druck auf die Nerven innerhalb des Wirbelkanals.
Auf jeder Etage der Wirbelsäule treten Spinalnerven aus dem Wirbelkanal aus, werden zu peripheren Nerven und ziehen von hier in die Beine. Durch den Spinalkanal verlaufen Nerven und Blutgefäße entlang der Wirbelsäule.
Die Spinalkanalstenose kann an allen Abschnitten der Wirbelsäule auftreten. Grundsätzlich kann sich der Wirbelkanal an jeder Stelle verengen. Die erworbene Spinalkanalstenose tritt vor allem an der Lendenwirbelsäule (Spinalkanalstenose LWS) und an der Halswirbelsäule (Spinalkanalstenose HWS) auf. Die Verengung kann aber auch auf Höhe des Nackens an der Halswirbelsäule (HWS) auftreten. Mediziner und Medizinerinnen sprechen dann von einer lumbalen Spinalkanalstenose. Bei der zervikalen Spinalkanalstenose wird der Wirbelkanal im Bereich der Halswirbelsäule eingeengt, seltener auch im Brustwirbelsäulenbereich. Da die Brustwirbelsäule durch den Brustkorb gestützt wird, treten solche Veränderungen dort seltner auf.
Ursachen einer Spinalkanalstenose
Die häufigste Ursache der spinalen Stenose ist der Verschleiß der Bandscheiben, der Wirbelgelenke und der Bandstrukturen. Mit zunehmendem Alter kommt es häufiger zu Verengungen des Wirbelkanals. Durch Alterungsprozesse und Verschleiß wird der Wirbelkanal enger. Die Nerven haben nicht mehr genügend Platz und werden eingeklemmt. Dabei handelt es sich um typische Alterungsprozesse des Gewebes, denen jeder Mensch unterliegt. In seltenen Fällen führen angeborene Engen des Wirbelkanals zu Beschwerden.
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In der Regel führen Arthrosen der Wirbelgelenke und Verdickungen von Bändern, aber auch Vorwölbungen der Bandscheibe im Wirbelkanal zu der Verengung des Nervenkanals. Durch altersbedingten Verschleiß werden die Bandscheiben zwischen den Wirbelkörpern flacher und breiter. Durch die größere Beweglichkeit der Wirbelkörper entstehen in den kleinen Gelenken Knochenwucherungen, die den Spinalkanal immer weiter einengen und Druck auf die Nervenfasern im Spinalkanal ausüben können. Wird der Druck zu groß, kann das zu heftigen Schmerzen führen.
Der Spinalkanal verengt sich bei Betroffenen meist im Laufe des Lebens. Verschleißerscheinungen oder degenerative Prozesse der Wirbelsäule sind die häufigsten Ursachen. Mit zunehmendem Alter und Belastungen verdicken die Wirbelgelenke und Bänder zwischen den Wirbelkörpern, manchmal bilden sich auch Verknöcherungen an den Wirbelkörpern oder es kommt vielleicht noch ein Bandscheibenvorfall dazu. Alles zusammen führt dann dazu, dass der Wirbelkanal sich über ein kurze oder längere Strecke verengt. Ist die Lendenwirbelsäule betroffen, werden die Rückenmarksnevern eingeengt, im Bereich der Halswirbelsäule das empfindliche Rückenmark.
Neben den alterbedingten Abnutzungen gibt es auch andere seltene Ursachen für eine Spinalkanalstenoste:
- Unfälle oder Stürze, die mit Wirbelsäulenverletzungen einhergehen
- infektionsbedingte Entzündungen an den Knochen, des Knochenmarks oder der Bandscheiben
- Stoffwechselerkrankungen, die beispielsweise die Stabilität der Wirbelkörper beeinflussen
- chronisch-entzündliche Gelenkerkrankungen
- Knochenerkrankungen, die die Knochen instabiler werden lassen
Symptome einer Spinalkanalstenose
Die Symptome einer Spinalkanalstenose können unterschiedlich sein. Eine leichte Verengung des Wirbelkanals verursacht in der Regel keine Symptome. Erst wenn die Verengung weit fortgeschritten ist, kommt es zu Beschwerden. Die Art der Beschwerden bei einer Spinalkanalstenose hängt davon ab, ob die Verengung in der Lendenwirbelsäule oder der Halswirbelsäule vorliegt.
Bei einer Wirbelkanalverengung an der Lendenwirbelsäule (LWS) treten die Beschwerden in den Beinen in der Regel unter Belastung beim Stehen und Gehen auf, wohingegen die Betroffenen in Ruhe weitgehend beschwerdefrei sein. Die Beine fühlen sich beim Gehen schwer und müde an, eine Gangunsicherheit kann auftreten. Außerdem nehmen die Betroffene häufig eine gebückte und nach vorne geneigte Haltung ein (zum Beispiel Abstützen auf dem Einkaufswagen), da hierdurch der enge Wirbelkanal leicht aufgeweitet wird.
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Die wichtigsten Symptome einer Spinalkanalstenose sind belastungsabhängige Rückenschmerzen und Beinschmerzen hauptsächlich beim Gehen, Stehen und aufrechten Sitzen. Ein typisches Phänomen ist, dass Schmerzen beim Zurückbeugen auftreten und die Symptome nachlassen, sobald der Rumpf nach vorn kippt und so die Wirbelsäule gedehnt wird.
Betroffene sind in Ruhe weitgehend beschwerdefrei, klagen allerdings typischerweise über ausstrahlende Schmerzen im Gesäß und in den Beinen unter Belastung beim Stehen und Gehen. Die Gehstrecke ist zunehmend eingeschränkt, häufig einhergehend auch mit einer Gangunsicherheit. Taubheits- und/oder Kribbelgefühle können ebenfalls begleitend vorliegen. Unter Entlastung (Sitzen, Liegen) kommt es zu einer Beschwerdelinderung. Die Betroffenen müssen beim Gehen immer häufiger Pausen einlegen (sogenannte „Schaufensterkrankheit“).
Ein Bein oder beide Beine fangen beim Gehen an zu schmerzen und die Strecken, die der Betroffene zurücklegen kann, werden kürzer. In schweren Fällen können Muskelschwächen in den Beinen und Empfindungsstörungen auftreten. Das wiederholte Stehenbleiben, dem die „Schaufensterkrankheit“ ihren Namen verdankt, sorgt für eine kurzzeitige Verbesserung. Typisch ist die Besserung der Symptome bei einer Gangpause und vorn übergeneigter Haltung, da dies eine Aufrichtung der Lendenwirbelsäule und damit Erweiterung des Wirbelkanals bewirkt. Neben den geschilderten Beschwerden können auch Kreuzschmerzen auftreten, welche mit einer morgendlichen Rückensteifigkeit einhergehen.
Die Beschwerden einer Spinalkanalstenose treten vor allem beim langsamen Gehen oder im Stehen auf. Denn dabei verstärkt sich die natürliche Vorwärtskrümmung der Wirbelsäule im unteren Rücken (das Hohlkreuz) und der Druck auf die Verengung nimmt zu. Das bedeutet aber nicht, dass Gehen oder Stehen schädlich sind.
Wenn man den Oberkörper nach vorne beugt, lassen die Beschwerden nach, weil dadurch mehr Platz zwischen den unteren Wirbeln entsteht. Oft reicht es, sich ein kleines Stück nach vorne zu beugen. So kann es beispielsweise helfen, sich kurz hinzusetzen oder mit den Unterarmen auf ein Geländer oder den Einkaufswagen zu stützen. Um sich stärker nach vorne zu beugen, kann man sich auch im Stehen mit den Händen auf den Knien abstützen und dabei die Knie etwas beugen. Wer es bis in die Hocke schafft, kann auch das ausprobieren.
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Flottes Spazierengehen, schnelles Gehen auf einem Laufband oder Bergaufgehen sind oft weiterhin gut möglich, weil sich der Oberkörper dabei automatisch nach vorne neigt. Bergabgehen kann das Hohlkreuz hingegen verstärken - und damit eventuell auch die Beschwerden. Wer damit Probleme hat, kann bei einer Wanderung zum Beispiel bergauf zu Fuß gehen und bergab mit der Bahn fahren.
Wirbelkanalverengungen der Halswirbelsäule können durch Rückenmark- und Nervenwurzelkompression zu fortschreitenden inkompletten Querschnittsymptomen führen, die mit Gefühlsstörungen und Lähmungen sowie Feinmotorikstörungen von Armen und Beinen einhergehen.
Symptome bei Spinalkanalstenose LWS (Lendenwirbelsäule): Patienten und Patientinnen verspüren oft chronische Schmerzen im unteren Rücken, die in das Gesäß oder die Beine ausstrahlen. Die Beschwerden treten in der Regel unter Belastung auf, zum Beispiel beim Gehen. Besserung tritt ein, wenn Betroffene stehten bleiben und sich nach vorne beugen oder setzen. Unter Belastung können auch Gefühlsstörungen und Lähmungen in den Beinen auftreten. Weil die Gehstrecke, die ohne Schmerzen bewältigt werden kann, durch das Auftreten der Beschwerden deutlich verkürzt ist, spricht man auch von der spinalen Schaufensterkrankheit. Hintergrund ist, dass das Rückenmark in der Regel nur bis zum ersten Lendenwirbelkörper reicht, sodass im Bereich der Lendenwirbelsäulel in der Regel „nur“ die Rückenmarksnerven eingeengt werden, die unter anderem zu den Beinen ziehen. Durch die Einengung sind in den Nerven die Versorgungungswege eingeschnürt. Müssen sie arbeiten, kommt es zu einem Mangel. Durch das Vorbeugen wird der Raum im Wirbelkanal etwas weiter und die Nährstoffe können wieder durch die Nerven fließen.
Symptome bei Spinalkanalstenose HWS (Halswirbelsäule): Bei der Halswirbelsäule kann eine Wirbelkanalenge dazu führen, dass die Nervenwurzeln, die aus dem Rückenmark herausgehen, eingeengt werden. Dann kommt es zu Schmerzen in Schulter oder Arm. Drücken Knochenvorsprünge auf das empfindliche Rückenmark, wird dieses geschädigt. Weil die Lageinformationen der Beine nicht mehr zum Gehirn gelangt, wird das Gehen unsicher, was sich erst einmal besonders bei Dunkelheit bemerkbar macht. Zudem kann man zunehmend schlechter das Gleichgewicht halten. Die Hände werden ungeschickt, was sich zum Beispiel beim Knöpfen von Hemden zeigt. Die Beeinträchtigungen können irgendwann so weit gehen, dass Arme und Beine kaum mehr bewegt werden kann.
Chronische Schmerzen im Nackenbereich: Dies ist oft das erste Anzeichen einer Spinalkanalstenose im Bereich der Halswirbelsäule. Ausstrahlende Schmerzen und Gefühlsstörungen: Typisch ist, dass die Schmerzen von der Halswirbelsäule in die Schultern, Arme.
Diagnose einer Spinalkanalstenose
Die Symptome einer Spinalkanalverengung sind vielfältig und können auch auf andere Erkrankungen der Wirbelsäule hinweisen. Richtungsweisend für die Diagnose sind die geschilderten Beschwerden der Patient:innen. Im Anschluss folgt die körperliche Untersuchung, in deren Rahmen sich Schmerzen provozieren lassen. Dazu wird der Rumpf vorsichtig nach hinten gebeugt.
Zu Beginn jeder Diagnose steht das ausführliche Gespräch mit Ihnen. Anschließend führen wir eine sorgfältige körperliche Untersuchung durch. Das genaue Ausmaß sowie die Anzahl und Lokalisation der Spinalkanalverengungen sollte dann mit bildgebenden Verfahren wie der Kernspintomografie (= Magnetresonanztomografie, MRT) weiter abgeklärt werden. Eine Verengung des Wirbelkanals lässt sich am besten mit der Magnetresonanztomografie (MRT) feststellen. Dieses Verfahren stellt den Spinalkanal und das darin verlaufende Rückenmark und die Nervenwurzeln dar. In einzelnen Fällen ergänzen wir die Diagnostik durch eine neurologische Untersuchung und ergänzend ebenfalls durch sog. elektrophysiologische Untersuchungen, die sog. Elektromyografie (EMG). Dabei wird die Stromleitgeschwindigkeit in den Nerven gemessen. Daraus können wir Rückschlüsse auf die Nervenaktivität ziehen.
Betroffene sollten ihre Beschwerden ihrer Hausärztin oder ihrem Hausarzt schildern. Da die Beschwerden nicht immer ganz spezifisch für eine Wirbelkanalseinengung sind, muss diese beziehungsweise dieser genauer nachfragen, wann die Beschwerden auftreten und wann sie sich bessern. Es folgt eine körperliche Untersuchung, bei der unter anderem die Muskelkraft, die Gefühlswahrnehmung, die Reflexe, die Geschicklichkeit der Hände und das Gleichgewicht untersucht werden. Gegebenenfalls werden Betroffene auch zur weiteren Abklärung zu anderen Fachärzten und Fachärztinnen (Neurologie, Orthopädie, Neurochirurgie) überwiesen. Falls notwendig, erfolgt dann die Überweisung in eine radiologische Praxis, um dort zum Beispiel eine Kernspintomographie durchzuführen. Manchmal ist diese nicht möglich, zum Beispiel bei Patientinnen oder Patienten mit Herzschrittmacher, dann kann auf eine Computertomographie ausgewichen werden. Die Kernspintomographie gaukelt manchmal auch durch sogenannte Teilvolumenartefakte eine größere Einengung vor, sodass zusätzlich zur Kernspintomographie eine Computertomographie erfolgt. In der können Knochen besser untersucht werden. Bildgebende Untersuchungen machen aber nur dann Sinn, wenn auch typische Beschwerden bestehen. Denn bei vielen Menschen vor allem im höheren Lebensalter sieht man auch Verengungen im Wirbelkanal, ohne dass sie Beschwerden haben.
Behandlungsmöglichkeiten einer Spinalkanalstenose
Die Behandlung hängt vom Schweregrad der Stenose ab. Bei leichten Beschwerden wird versucht die Wirbelsäule zu entlasten, die Beschwerden zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern.
Bei einer Spinalkanalstenose im Bereich der Lendenwirbelsäule sollte, sofern keine höhergradige Lähmung oder eine Störung der Blasenentleerung oder Mastdarmentleerung besteht, immer zuerst der Versuch einer konservativen Behandlung mit Krankengymnastik und Medikamenten erfolgen.
Im Bereich der Halswirbelsäule ist eine konservative Behandlung sinnvoll, wenn keine Störung des Rückenmarks besteht. Treten Gefühlsstörungen im Bereich des Afters auf, eine Blasenentleerungsstörung oder eine höhergradige Lähmung, muss sehr schnell operiert werden. Ebenso ist eine Operation notwendig, wenn eine Schädigung des Rückenmarks besteht. Diese Operationen erfolgen in der Regel durch Neurochirurgen oder Neurochirurginnen. Ziel der Operation ist die Dekompression, also eine Erweiterung des Wirbelkanals. Im Bereich der Lendenwirbelsäule kann dabei von hinten zwischen den Wirbelbögen das verdickte gelbe Band entfernt werden und über diesen Weg von innen Verdickungen der Wirbelgelenke mit einer feinen Stanze entfernt werden. Besteht zusätzlich ein Bandscheibenvorfall, wird dieser entfernt. Im Bereich der Halswirbelsäule wird in der Regel von vorn die Bandscheibe zwischen den betroffenen Wirbelkörpern entfernt und dann die Knochenausziehungen mit einer kleinen Stanze vorsichtig entfernt. Anschließend wird die Bandscheibe in der Regel mit einem kleinen Titan-Cage ersetzt. Wenn es gelingt, mit diesem kleinen Eingriff wieder genügend Platz zu schaffen, erholen sich Patientinnen und Patienten in der Regel sehr schnell.
Muss zu viel von den Wirbelgelenken abgetragen werden oder besteht schon vorher eine Instabilität der Wirbelsäule, die zu der Einengung geführt hat, so wird die Wirbelsäule zusätzlich durch Schrauben und Stäbe beziehungsweise Implantate zwischen den Wirbelkörpern stabilisiert.
Konservative Therapie
Eine medikamentöse Therapie mit Schmerzmitteln als auch krankengymnastische Übungen mit dem Ziel der muskulären Kräftigung sowie Aufrichtung kommen zum Einsatz. Gegen eine Spinalkanalstenose können Übungen helfen.
Fahrradfahren ist bei einer Spinalkanalstenose sehr gut geeignet, weil man sich dabei nach vorne beugt. Und es kann zur Fitness beitragen - ob draußen oder zu Hause auf einem Heimtrainer. In einer Physiotherapie übt man unter Anleitung Haltungsübungen, um ein Hohlkreuz zu vermeiden. Beispielsweise lernt man, das Becken auch im Stehen aufzurichten, ähnlich wie es beim Sitzen passiert. Zudem werden die Muskeln im unteren Rücken mit verschiedenen Übungen entspannt und gedehnt, da Verkürzungen und Verspannungen ein Hohlkreuz verstärken können. Kräftigungsübungen können dazu beitragen, die Beweglichkeit und damit die Selbstständigkeit zu erhalten. Das Ziel ist, die Übungen so gut zu beherrschen, dass man sie in den Alltag einbauen kann.
Auch manuelle und physikalische Therapien können Teil einer Physiotherapie sein. Zu den manuellen Behandlungen gehören bestimmte Handgriffe, mit denen verspannte Muskeln oder blockierte Gelenke gelockert werden sollen.
- Massagen: Verschiedene Massagetechniken werden genutzt, um die Muskeln zu lockern und Verspannungen zu lösen.
- Wärme- und Kälteanwendungen: Hierzu gehören zum Beispiel Wärmepflaster oder -packungen, ein heißes Bad, ein Saunagang oder eine Infrarot-Bestrahlung. Wärme kann bei verspannten Muskeln guttun. Bei Nervenreizungen werden auch Kältepackungen eingesetzt, wie kalte Umschläge oder Gelkissen.
- Ultraschalltherapie: Hierbei wird der untere Rücken mit Schallwellen behandelt, die durch feine Vibrationen Wärme erzeugen und so das Gewebe lockern sollen.
- Akupunktur: Dabei werden an bestimmten Körperstellen feine Nadeln in die Haut gestochen, die Energiebahnen im Körper beeinflussen sollen. Es ist jedoch nicht wissenschaftlich nachgewiesen, dass solche Energiebahnen existieren.
In einer Ergotherapie geht es darum, zu lernen, im Alltag mit Einschränkungen zurechtzukommen. Dabei werden zum Beispiel neue Bewegungsabläufe geübt oder Strategien zur Schmerzlinderung und -bewältigung entwickelt.
Insgesamt ist bislang nicht ausreichend untersucht, wie gut diese Behandlungen die Beschwerden lindern. Was guttut und zumindest eine Zeitlang hilft, ist individuell verschieden. Rückenschmerzen oder in die Beine ausstrahlende Schmerzen (Ischiasbeschwerden) lassen sich mit Medikamenten behandeln. Meist werden entzündungshemmende Schmerzmittel wie Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen empfohlen - sogenannte nicht steroidale Antirheumatika (NSAR). Medikamente werden am besten ergänzend zu anderen Behandlungen eingesetzt.
In niedriger Dosierung sind entzündungshemmende Schmerzmittel in der Apotheke rezeptfrei erhältlich. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Magenbeschwerden wie Bauchschmerzen. Paracetamol ist ebenfalls rezeptfrei erhältlich, hilft bei Rückenbeschwerden aber nicht.
Darüber hinaus gibt es verschreibungspflichtige Arzneimittel, die nur auf Rezept erhältlich sind. Opioide wie Fentanyl, Morphin, Oxycodon und Tramadol sollten sehr zurückhaltend, nur kurzzeitig und unter sorgfältiger ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden. Eine längere Einnahme kann zu Gewöhnung und körperlicher Abhängigkeit führen. Außerdem wirken Opioide bei Rückenschmerzen nicht besser als entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen. Mögliche Nebenwirkungen reichen von Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung bis hin zu Schwindel, Atemproblemen und Blutdruckschwankungen.
Auch von Medikamenten zur Muskelentspannung (Muskelrelaxantien) wird wegen Nebenwirkungen wie Benommenheit, Magen-Darm-Problemen, Schwindel und einem erhöhten Sturzrisiko abgeraten. Außerdem können solche Mittel die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Man sollte sie nicht länger als zwei Wochen einnehmen.
Antiepileptika wie Pregabalin werden normalerweise bei Epilepsie angewendet, sollen aber auch Nervenschmerzen (Neuralgien) lindern. Ob sie bei Ischiasbeschwerden wirken, ist jedoch nicht ausreichend untersucht, und es kommt oft zu Nebenwirkungen wie Benommenheit und Müdigkeit. Auch diese Mittel können die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen.
Antidepressiva werden normalerweise gegen Depressionen eingenommen. Einige dieser Mittel sind auch zur Behandlung von chronischen Schmerzen zugelassen. Entzündungshemmende Medikamente wie Kortison und / oder örtliche Betäubungsmittel können auch in die unmittelbare Umgebung der Verengung gespritzt werden, um eine Nervenreizung zu lindern. Bei der lumbalen Spinalnervenanalgesie (LSPA), auch Wurzelblockade genannt, wird das Medikament direkt an die Austrittsstelle der Nervenwurzel aus dem Wirbelkanal gespritzt. Dadurch wird die gereizte Nervenwurzel betäubt.
Bei der lumbalen Periduralanalgesie werden die Medikamente in den sogenannten Periduralraum gespritzt („peridurale Injektion“). Der Periduralraum umgibt das Rückenmark und die Rückenmarksflüssigkeit im Wirbelkanal. Hier liegen unter anderem die Nervenwurzeln. Es ist unklar, ob wirbelsäulennahe Spritzen helfen.
Verschiedene Hilfsmittel können den Alltag erleichtern. Dazu gehören zum Beispiel Anziehhilfen für Socken, Strümpfe und Hosen. Auf Gehhilfen wie Rollatoren kann man sich stützen und bei Bedarf setzen, wenn man bei einer längeren Gehstrecke eine Pause braucht. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten für Hilfsmittel bis auf einen Eigenanteil, wenn sie ärztlich verordnet und von der Krankenkasse genehmigt wurden.
Manchmal verschreiben Ärztinnen und Ärzte ein Korsett. Es soll Wirbelsäule und Becken aufrichten und so ein ausgeprägtes Hohlkreuz verhindern. Der Einsatz von Korsetts ist umstritten. Sie sollten auf keinen Fall lange oder dauerhaft getragen werden. Denn das kann zum Abbau von Muskeln führen, die dem Oberkörper Stabilität geben, und dadurch die Beschwerden verstärken. Ein Korsett muss von einem Arzt oder einer Ärztin verordnet werden.
Wenn die Beschwerden trotz verschiedener Behandlungen über längere Zeit anhalten und sehr belastend sind, kann es sinnvoll sein, den eigenen Umgang mit den Schmerzen in den Blick zu nehmen. Denn wie jemand Schmerzen empfindet und wie gut es einem Menschen gelingt, mit Schmerzen zurechtzukommen, wird auch von der Psyche beeinflusst. Daher kann es hilfreich sein, sich ungünstige Gedankenmuster oder Verhaltensweisen bewusst zu machen und sie möglichst zu verändern. Eine Verhaltenstherapie kann bei länger anhaltenden oder dauerhaften Schmerzen einen Versuch wert sein und auch mit anderen Behandlungen kombiniert werden. Bei einer multimodalen Schmerztherapie wird man von Fachleuten aus verschiedenen therapeutischen Bereichen betreut, etwa aus der Medizin, Physiotherapie und Psychologie. Sie unterstützen dabei, in Bewegung zu bleiben und mit den Beschwerden umzugehen.
Welche Behandlung bei einer Spinalkanalstenose in der eigenen Situation die beste ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab - beispielsweise der Stärke der Beschwerden, von Begleiterkrankungen sowie persönlichen Wünschen und Erwartungen.
Insgesamt ist keine der genannten Behandlungsmöglichkeiten gut untersucht - vor allem Vergleiche fehlen. Daher ist eine ärztliche Beratung zur Wahl einer passenden Behandlung sinnvoll. Dabei kann es auch darum gehen, welche Behandlungen sich gut kombinieren lassen. So können je nach Art der Beschwerden und den gesundheitlichen Voraussetzungen unterschiedliche Ansätze sinnvoll sein.
Operative Therapie
„Zu einer operativen Therapie raten wir den Patient:innen, wenn starke Schmerzen und Gehbeeinträchtigungen mit Reduktion der Gehstrecke auf wenige hundert Meter zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität führen und konservative Therapiemaßnahmen zu keiner Linderung der Beschwerden führten", sagt Dr. Die alleinige Erweiterung des Spinalkanals wird heutzutage minimalinvasiv-mikrochirurgisch, also unter Zuhilfenahme eines OP-Mikroskops durchgeführt - ohne die Stabilität des Bewegungssegmentes zu gefährden. Nur bei einer ausgeprägten Instabilität wird neben der Druckentlastung (Dekompression) des Bewegungssegmentes eine operative Versteifung der Wirbelsäule notwendig. Dazu werden unter einer Vollnarkose vom Rücken aus die bedrängten Nervenstrukturen entlastet. Zusätzlich wird ein Schrauben-Stab-System in die entsprechenden Wirbelkörper eingebracht. Zur Stabilisierung erfolgt die Ausräumung der Bandscheibe und das Einbringen eines mit eigenem Knochen gefüllten „Korbes“. Die durchschnittliche Operationszeit beträgt für einen solchen Eingriff 150 Minuten. Auch nach dieser Operation dürfen Patient:innen sofort aufstehen. Bei den über 65-Jährigen ist die operative Behandlung einer symptomatischen Spinalkanalstenose der häufigste operative Eingriff an der Wirbelsäule. Er kann auch im hohen Alter risikoarm durchgeführt werden. Die operative Druckentlastung reduziert die Schmerzen und ermöglicht den Patient:innen, wieder längere Gehstrecken zurückzulegen.
Wenn die Beschwerden bei einer Spinalkanalstenose länger andauern und nicht operative Behandlungen die Beschwerden nicht ausreichend lindern, kann eine Operation infrage kommen. Dabei wird der Spinalkanal erweitert, um die betroffenen Nerven zu entlasten. Ob eine Operation die Beschwerden besser lindert als eine konservative Behandlung, ist aber nicht durch Studien nachgewiesen. Wenn die Ärztin oder der Arzt zu einer Operation rät, ist es daher sinnvoll, sich eine zweite ärztliche Meinung einzuholen und erst danach die Entscheidung zu treffen.
Sofortiger ärztlicher Rat ist nötig, wenn Lähmungserscheinungen an den Beinen auftreten oder die Blase oder der Darm nicht mehr richtig funktionieren. Letzteres sind Zeichen des sogenannten Kauda-Syndroms, bei dem Nervenwurzeln im Lendenwirbelbereich über längere Zeit stark gequetscht wurden.
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