Multiple Sklerose: Thromboseprophylaxe und Risikomanagement

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), die das Leben der Betroffenen auf vielfältige Weise beeinflussen kann. Der Verlauf der Erkrankung ist individuell sehr unterschiedlich, und die Symptome reichen von leichten Beeinträchtigungen der Beweglichkeit bis hin zu schweren neurologischen Funktionseinschränkungen. Ein wichtiger Aspekt im Management von MS ist die Thromboseprophylaxe, insbesondere im Zusammenhang mit bestimmten Therapien und Reiseaktivitäten.

Multiple Sklerose: Ein Überblick

Was ist Multiple Sklerose?

Multiple Sklerose, abgekürzt MS, ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). Die neurologischen Beschwerden sind auf multiple Entmarkungsherde sowie auf eine diffuse neuronale Zerstörung der weißen und grauen Substanz zurückzuführen. Die genaue Ursache ist trotz intensiver weltweiter Forschung noch nicht entschlüsselt.

Wie beeinflusst Multiple Sklerose das Leben?

Viele Menschen, die die Diagnose MS erhalten, fragen sich, wie die Erkrankung ihr Leben beeinflussen wird und welche Einschränkungen die Multiple Sklerose im Alltag mit sich bringen wird. Eine Standard-Antwort gibt es auf diese Frage allerdings nicht, denn die Erkrankung verursacht individuell unterschiedliche Beschwerden und nimmt bei jedem Menschen einen anderen Verlauf.

Multiple Sklerose im Berufsleben

Viele Menschen mit MS sind trotz ihrer Beschwerden über Jahre hinweg in der Lage, weiter produktiv und ohne Einschränkungen zu arbeiten. Manchmal schränkt Multiple Sklerose die körperliche Leistungsfähigkeit aber auch so weit ein, dass es für die Betroffenen nur noch teilweise oder gar nicht mehr möglich ist, ihren ursprünglichen Beruf auszuüben. Neben körperlicher Behinderung sind abnorme Müdigkeit (Fatigue) und Konzentrationsstörungen häufige Gründe, warum Menschen mit MS vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden.

Reisen mit Multipler Sklerose

Auch wenn Sie Multiple Sklerose haben, müssen Sie nicht auf Reisen verzichten. Wichtig ist aber, dass die Reise nicht mehr Belastung als Erholung bringt. Denn manche Dinge sind mit MS anstrengender, als es im Vorfeld den Anschein hat.

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Thromboserisiko bei Multipler Sklerose

Vor allem MS-Betroffene mit Lähmungen haben ein besonderes Thromboserisiko. Sind längere Reisen mit Auto, Flugzeug oder Bahn geplant, ist es deshalb ratsam, im Vorfeld medizinisch abzuklären, welche Thrombose-Prophylaxe sinnvoll ist.

Ursachen und Risikofaktoren

Bewegungsmangel oder sogar eine vollständige Immobilisation sind Hauptrisikofaktoren für eine Thrombose. Dies liegt daran, dass durch Bewegung die Muskeln an den Beinen kontrahieren und die Venen dabei unterstützen, das Blut zurück zum Herzen zu pumpen.

Vorbeugende Maßnahmen

Durch regelmäßiges Aufstehen und Herumgehen im Flugzeug oder Zug, Bewegungsübungen am Platz, das Tragen von Kompressionsstrümpfen, ausreichender Flüssigkeitszufuhr und/oder dem Spritzen von gerinnungshemmendem Heparin lässt sich der Bildung von Blutgerinnseln - und damit einer Thrombose - vorbeugen.

Medikamentöse Therapie und Thromboserisiko

Einige MS-Medikamente können das Thromboserisiko erhöhen. Nach einer Kortison-Stoßtherapie ist das Thromboserisiko erhöht. Um einer Thrombose vorzubeugen, sollten Sie ausreichend trinken und sich bewegen.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAWs)

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen der verschiedenen MS-Medikamente können im Einzelfall erheblich sein und den Patienten vital gefährden. Deshalb ist ihre Kenntnis nicht nur für Neurologen, sondern auch für die hausärztliche Versorgung essenziell.

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Interferon-Beta

Interferon-β kommt die Rolle des Pioniers der immunmodulatorischen Basistherapien zu. Der Wirkmechanismus der Interferone ist komplex und umfasst eine Hemmung der T-Zell-Aktivierung und -Proliferation, eine Induktion von Apoptose autoreaktiver T-Zellen, die Induktion regulatorischer T-Zellen, eine Modulation der körpereigenen Zytokinproduktion sowie eine Hemmung der leukozytären Migration über die Blut-Hirn-Schranke.

Fingolimod

Die Hauptnebenwirkungen von Fingolimod basieren auf der Tatsache, dass S1P-Rezeptoren ubiquitär im Körper exprimiert werden, so unter anderem auch am Herzen. Hier kann es zu Bradykardien und Bradyarrhythmien führen, weswegen bei Erstgabe eine 6-stündige EKG-Überwachung nötig und bei neu auftretenden kardialen Rhythmusstörungen eine weitere Überwachung erforderlich ist.

Dimethylfumarat

Obwohl der exakte Wirkmechanismus von Dimethylfumarat (Tecfidera®) nicht bekannt ist, geht man davon aus, dass es unter anderem antioxidativ wirkt. Es erhöht die Expression von „nuclear factor (erythroid-derived 2)-related factor 2“ (Nrf2), eines Transkriptionsfaktors, der wiederum indirekt über die Aktivierung verschiedener antioxidativer Gene zu einer vermehrten Synthese von Glutathion führt - einem der wichtigsten Antioxidanzien im menschlichen Körper.

Natalizumab

Natalizumab (Tysabri®) ist ein intravenös applizierter humanisierter monoklonaler Anti-VLA4-(„very late antigen 4“-)Antikörper, der zur Eskalationstherapie der RRMS zugelassen ist. Der Wirkstoff hemmt den Übertritt von Lymphozyten über die Blut-Hirn-Schranke ins Gehirn.

Teriflunomid

Bei Teriflunomid (Aubagio®), das seit 2013 zur Behandlung der RRMS zugelassen ist, handelt es sich um den aktiven Metaboliten von Leflunomid, das bereits 1998 in den USA zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis und der Psoriasisarthritis zugelassen worden war.

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Maßnahmen zur Thromboseprophylaxe

Die Thromboseprophylaxe besteht aus mehreren Teilen.

Medikamentöse Prophylaxe

Einen Teil der Prophylaxe stellen Medikamente dar. Sie werden umgangssprachlich auch „Blutverdünner“ genannt. Beispiele für handelsübliche Präparate sind Marcumar, Xarelto oder Clexane. Zur kurzfristigen Thromboseprophylaxe, zum Beispiel nach einer Operation, wird meist Heparin, zum Beispiel Clexane, eingesetzt. Menschen, bei denen längerfristig eine Blutverdünnung notwendig ist, bekommen häufig Tabletten verschrieben.

Kompressionsstrümpfe

Einen weiteren Teil der Thromboseprophylaxe bilden Kompressionsstrümpfe. Hierbei handelt es sich um besonders feste, enge Strümpfe, die mindestens bis unter die Knie angezogen werden. Von unten nach oben üben sie einen bestimmten Druck auf das Bein aus. Dadurch wird der Rückfluss des Blutes aus den Füßen zum Herzen erleichtert und das Blut staut sich weniger in den Beinvenen. Kompressionsstrümpfe sollten bei Vorbeugung einer Thrombose optimalerweise im Sanitätshaus individuell angepasst werden und sitzen wie eine zweite Haut.

Körperliche Bewegung

Eine der wesentlichsten Maßnahmen der Thromboseprophylaxe ist körperliche Bewegung. Bewegungsmangel oder sogar eine vollständige Immobilisation sind Hauptrisikofaktoren für eine Thrombose. Dies liegt daran, dass durch Bewegung die Muskeln an den Beinen kontrahieren und die Venen dabei unterstützen, das Blut zurück zum Herzen zu pumpen.

Umgang mit MS-Schüben

Nach der Diagnosestellung einer Multiplen Sklerose (MS) sollten Sie mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt besprechen, welche typischen Symptome während eines Schubs auftreten können. Ein MS-Schub ist gekennzeichnet durch das Auftreten neurologischer Funktionsstörungen. Das Ziel ist die möglichst vollständige und schnelle Rückbildung der Symptome des Schubs. Die Therapie der Wahl bei einem Schub ist die Gabe von Kortison, also einem Glukokortikoid.

Schwangerschaft und MS-Therapie

Viele immunmodulatorische Therapien sind in der Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert oder nur eingeschränkt zugelassen. Dennoch wird eine Unterbrechung der Schwangerschaft wegen Medikamentenexposition bei Konzeption nicht generell empfohlen, eine intensivierte Ultraschallvorsorge ist jedoch ratsam.

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