Mit zunehmendem Alter treten häufig Veränderungen im Sehvermögen auf. Während einige dieser Veränderungen Teil des normalen Alterungsprozesses sind, können andere auf ernsthafte Augenerkrankungen hinweisen, die eine rechtzeitige Behandlung erfordern. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen für die Verschlechterung des Sehnervs im Alter, die damit verbundenen Symptome und die verfügbaren Behandlungsoptionen.
Einführung
Das Auge ist ein komplexes Sinnesorgan, das uns den Zugang zur Welt ermöglicht. Der Sehnerv spielt eine zentrale Rolle bei der Übertragung visueller Informationen vom Auge zum Gehirn. Zahlreiche Erkrankungen können den Sehnerv schädigen und zu einer Verschlechterung des Sehvermögens führen. Es ist wichtig, die Ursachen und Symptome dieser Erkrankungen zu kennen, um frühzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen oder verhindern zu können.
Häufige Ursachen für Sehnervverschlechterung im Alter
Mehrere Augenerkrankungen, die vor allem im Alter auftreten, können zu einer Verschlechterung des Sehnervs führen. Zu den häufigsten gehören:
Glaukom (Grüner Star)
Das Glaukom, auch als Grüner Star bekannt, ist eine der häufigsten Ursachen für Erblindung weltweit. Es handelt sich um eine Erkrankung des Sehnervs, die durch einen fortschreitenden Verlust von Nervenfasern gekennzeichnet ist. Dies führt zu Gesichtsfeldausfällen, die vom Patienten oft erst in einem späten Stadium bemerkt werden.
Ursachen und Risikofaktoren
Lange galt ein erhöhter Augeninnendruck als Hauptparameter für die Entstehung und das Fortschreiten eines Glaukoms. Der Augeninnendruck resultiert aus dem Verhältnis zwischen der Produktion und dem Abfluss des Kammerwassers im Auge. Ein normaler Augeninnendruck liegt zwischen 10 und 21 mmHg. Das Risiko für die Entstehung eines Glaukoms steigt mit erhöhten Augeninnendruckwerten. Es gibt jedoch auch Patienten, die trotz normaler Augeninnendruckwerte glaukomatöse Schäden aufweisen (Normaldruckglaukom).
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Neben dem Augeninnendruck steigt das Risiko, an einem Glaukom zu erkranken, mit dem Lebensalter deutlich an. Das Risiko für eine Glaukomerkrankung ist für einen 80-Jährigen bis zu achtmal höher als für einen 40-Jährigen. Weitere Risikofaktoren sind eine familiäre Vorbelastung (Glaukomrisiko ist doppelt so hoch, wenn ein Elternteil erkrankt ist, und um den Faktor 4 erhöht, wenn Geschwister betroffen sind), Migräne, niedriger Blutdruck und Durchblutungsstörungen (insbesondere beim Normaldruckglaukom).
Symptome und Diagnose
Die Erkrankung verläuft chronisch und ist normalerweise schmerzlos. Nur bei sehr hohem Augeninnendruck können Stirnkopfschmerz und bunte Ringe (Halos) um Lichtquellen ein Hinweis auf ein Glaukom sein. Der Patient bemerkt den fortgeschrittenen Gesichtsfeldausfall leider erst im späten Stadium (Orientierungsprobleme im Raum, Tunnelblick).
Deshalb ist eine Voruntersuchung etwa ab dem 40. Lebensjahr sinnvoll. Bei bekanntem Glaukom in der Familie ist eine frühere Untersuchung empfehlenswert. Bei anatomisch kurzen Augen (stärkere Weitsichtigkeit) kann es auch plötzlich zu einem hohen Augeninnendruckanstieg kommen (Glaukomanfall). Der Patient bemerkt eine meist einseitige Sehverschlechterung (Schleiersehen), ein gerötetes Auge, Schmerzen oder Übelkeit und Kopfschmerzen.
Besteht im Zuge einer Routineuntersuchung der Verdacht auf Grünen Star, werden umfangreiche Tests durchgeführt. Diese beinhalten eine Messung des Augendrucks, eine Beurteilung des Sehnervs, einen Gesichtsfeldtest, eine Gonioskopie (Untersuchung des Kammerwinkels) und eine Messung der Hornhaut.
Behandlung
Bei der Behandlung eines Grünen Stars ist das Ziel, den Augeninnendruck zu senken, um den Sehnerv zu schützen. Dies kann durch Medikamente, meistens Augentropfen, geschehen oder durch einen operativen Eingriff erreicht werden. Die Behandlung eines Glaukoms dient der Erhaltung der noch vorhandenen Sehkraft. Der bereits erlittene Verlust kann mit der Behandlung leider nicht wiederhergestellt werden.
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Altersbedingte Makuladegeneration (AMD)
Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist der häufigste Grund für einen irreversiblen Sehverlust bei Menschen in Industrieländern. Betroffen sind vor allem ältere Menschen über 60 Jahre. Die AMD betrifft die Makula, den zentralen Bereich der Netzhaut, der für scharfes Sehen und die Wahrnehmung von Details entscheidend ist.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Hauptursache der AMD ist der natürliche Alterungsprozess, der zu Veränderungen in der Netzhaut führt. Weitere Risikofaktoren sind:
- genetische Faktoren
- Rauchen
- Herzkreislauferkrankungen
- Bluthochdruck
- Adipositas
- zu viel Sonneneinstrahlung
- Mangel an Omega-3-Fettsäuren
Formen der AMD
Man unterscheidet zwei Formen der Erkrankung:
- Trockene AMD (nicht-exsudative AMD): Bei dieser Form kommt es zur Ablagerung von Stoffwechselprodukten (Drusen) zwischen Netzhaut und Aderhaut. Diese Ablagerungen führen dazu, dass die Netzhaut an der Stelle nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden kann. Die für das scharfe Sehen zuständigen Zellen in der Makula stellen zunehmend ihre Funktion ein und sterben ab. Der Sehverlust schreitet langsam voran, über viele Monate bis Jahre.
- Feuchte AMD (exsudative AMD): Das Absterben der Netzhautzellen führt zu reaktiven Prozessen, bei denen Botenstoffe ausgeschüttet werden, die zur schnellen Bildung neuer Blutgefäße führen. Diese neuen Blutgefäße sind jedoch von schlechter Qualität, ihnen fehlt die richtige Ummantelung und sie sind häufig undicht. Dadurch kann Flüssigkeit aus dem Blut austreten und die ohnehin schon geschädigte Makula wird nun auch noch "geflutet", zum anderen können die Gefäße reißen und es kommt zu einer Blutung unterhalb der Netzhaut. Oft nimmt die Erkrankung einen akuten Verlauf und der Sehverlust der Betroffenen schreitet rasch voran bis hin zur Erblindung.
Symptome und Diagnose
Das Hauptsymptom der Makuladegeneration ist die Verschlechterung des Sehens im zentralen Bereich des Sichtfelds. Das kann als unscharfer, verschwommener oder grauer Fleck wahrgenommen werden. Mit der Zeit wird dieser Fleck meist größer. Auch kann es Betroffenen zunehmend schwerer fallen, Gesichter zu erkennen oder zu lesen. Ein weiteres mögliches Symptom sind sogenannte Metamorphopsien, verzerrte Wahrnehmungen von Umwelt und Raum, bei denen gerade Linien gekrümmt erscheinen. Dieses Symptom tritt vor allem bei großen Drusen und bei der feuchten AMD auf. Oft sind beide Augen von der Erkrankung betroffen, jedoch meist unterschiedlich vorangeschritten. Das Sehen im Rand-Bereich des wahrgenommenen Bildes (peripheres Gesichtsfeld) ist in der Regel bei der Erkrankung nicht beeinträchtigt.
Zur frühen Erkennung der Netzhauterkrankung sowie im weiteren Verlauf können Betroffene den sogenannten Amsler-Gitter-Test nutzen. Außerdem empfehlen der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA) und die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) in ihrer Leitlinie zur altersabhängigen Makuladegeneration eine vorsorgliche Untersuchung der Makula ab dem 55. Lebensjahr.
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Um festzustellen, ob eine Makuladegeneration vorliegt, untersuchen Augenärzte und -ärztinnen den Augenhintergrund in einer Ophthalmoskopie. Dabei können sie erkennen, ob Drusen vorliegen, aber auch, ob es bereits zum Absterben von Netzhautzellen oder zur Gefäßneubildung gekommen ist. Um die Diagnose einer feuchten Makuladegeneration sicher stellen zu können, nehmen Ärzte und Ärztinnen zusätzlich in der Regel eine Fluoreszenz-Angiografie vor. Dabei wird ein Farbstoff in die Blutbahn injiziert, der die Gefäße der Netzhaut anfärbt und Gefäßneubildungen genau sichtbar macht. Um die einzelnen Schichten der Netzhaut darzustellen und so zum Beispiel Flüssigkeitseinlagerungen oder einen Geweberückgang zu sehen, kann auch eine Optische Kohärenztomografie (OTC) eingesetzt werden.
Behandlung
Eine Makuladegeneration kann nicht geheilt werden, aber ihr Voranschreiten kann verlangsamt werden. Deshalb ist es besonders wichtig, die Erkrankung so früh wie möglich zu erkennen. Die Therapie der trockenen und der feuchten Form unterscheidet sich deutlich.
- Feuchte AMD: Bei der feuchten Makuladegeneration können sogenannte VEGF-Inhibitoren per Spritze in den Glaskörper des Auges eingebracht werden (intravitreale operative Medikamentenapplikation, IVOM). Dabei handelt es sich um Substanzen, die den Wachstumsfaktor VEGF (englisch: vascular endothelial growth factor) blockieren. Er ist verantwortlich für die rasche Neubildung unreifer Blutgefäße bei der feuchten AMD. Durch diese Therapie kann das Gefäßwachstum gestoppt werden. Die Therapie mit VEGF-Inhibitoren gilt als etablierter Therapiestandard bei der feuchten AMD. Wirkstoffe sind zum Beispiel Ranibizumab, Aflibercept, Brolucizumab oder Faricimab. Zunächst erfolgt die Gabe drei Mal alle vier Wochen. Dann können die Intervalle verlängert werden oder die Therapie bei Ausbleiben neuer Gefäßbildungen pausiert werden. Eine Studie aus dem Jahr 2019 konnte zeigen, dass bei über 70 Prozent der behandelten Augen die Sehschärfe durch die Therapie stabil bleibt.
- Trockene AMD: Bei der trockenen Makuladegeneration gibt es keine vergleichbare medikamentöse Therapie.
Sowohl bei der trockenen als auch bei der feuchten AMD können Sehhilfen hilfreich sein. Besonders eignen sich professionell angepasste Lesehilfen - wie Lupenbrillen und Fernrohrbrillen, aber auch Lupen. Durch sie wird das Bild auf der Netzhaut deutlich vergrößert und fällt auf die noch nicht geschädigten Randbereiche um die Makula herum. So können Erkrankte dann wieder sehen - und zum Beispiel lesen, schreiben oder Fernsehen schauen. Je stärker die Vergrößerung ist, desto kleiner ist jedoch auch der sichtbare Bildausschnitt. Deshalb bedarf der Umgang mit solchen Sehhilfen einiger Übung, Geduld und Geschick. Zusätzlich können Sprachcomputer oder Bildschirmlesegeräte hilfreich sein.
Grauer Star (Katarakt)
Der Graue Star, auch Katarakt genannt, ist eine häufige Augenerkrankung, die insbesondere ältere Menschen betrifft. Es handelt sich hierbei um eine Trübung der Augenlinse, welche die Sehkraft beeinträchtigt und zu einem schmerzlosen Verlust des Sehvermögens führen kann.
Ursachen und Risikofaktoren
Der Hauptgrund für die Entstehung des Grauen Stars liegt im natürlichen Alterungsprozess. Mit den Jahren verändert sich die Struktur der Augenlinse, wodurch sie trüber wird. Verschiedene Faktoren können das Risiko einer Erkrankung jedoch erhöhen:
- Augenverletzungen
- bestimmte Medikamente
- Diabetes
- unausgewogene Ernährung
- Rauchen
- Belastung durch Sonneneinstrahlung
- Alkoholkonsum
- Hitze aus Infrarotquellen
Symptome und Diagnose
Die Symptome des Grauen Stars entwickeln sich schleichend über mehrere Jahre hinweg und können das Sehvermögen in unterschiedlichen Ausprägungen beeinträchtigen. Zu den häufigsten Symptomen gehören unter anderem:
- Probleme beim Unterscheiden von Hell- und Dunkelkontrasten, zum Beispiel beim Lesen
- verschwommenes Sehen, wie der Blick durch einen Schleier
- auffallend niedriges Sehvermögen bei schwachem Licht
- veränderte Farbwahrnehmung
- Blendungsempfindlichkeit
- Erscheinungen von Lichthöfen und Sternchen um Lichter herum (Blendung)
- selten auch das Doppeltsehen (Geisterbilder)
Die Diagnose des Grauen Stars erfolgt durch einen Augenarzt oder eine Augenärztin. Mit einem Ophthalmoskop - ein in der Hand gehaltenes Vergrößerungsglas - kann die Netzhaut untersucht werden. Mittels einer Spaltlampe lässt sich, im Falle einer Erkrankung, zusätzlich die Platzierung und das Ausmaß identifizieren.
Behandlung
Der Graue Star kann in der Regel durch eine Operation behandelt werden. Hierbei wird die getrübte Linse entfernt und durch eine klare Kunstlinse ersetzt. Diese Operation wird heute routinemäßig durchgeführt und ist sicher. Die meisten Menschen erleben nach dem Eingriff eine erhebliche Verbesserung ihrer Sehkraft. Eine Brille oder Kontaktlinsen können zusätzlich helfen, die Sehschärfe zu optimieren.
Diabetische Retinopathie
Diabetische Retinopathie ist eine Augenerkrankung, welche im Zuge der Zuckerkrankheit auftreten kann. Bei fast allen an Diabetes Erkrankten kommt es nach mehreren Jahren zu einer Veränderung in der Netzhaut. Unbehandelt kann diese Schwächung zu einem Verlust der Sehfähigkeit führen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Hauptursache für eine diabetische Retinopathie ist ein über längere Zeit erhöhter Blutzuckerspiegel. Dieser kann unter anderem zu Schäden an den Blutgefäßen in der Netzhaut führen, welche das Absondern von Blut und Flüssigkeit in die Netzhaut zur Folge haben können. Personen, welche zusätzlich zu dem Diabetes auch unter Bluthochdruck leiden, haben ein erhöhtes Risiko, eine Diabetische Retinopathie zu entwickeln.
Symptome und Diagnose
Die Erkrankung beeinflusst das Sehvermögen der erkrankten Person zunächst nur leicht. Im weiteren Verlauf können blinde Flecken oder ein verschwommenes Sehen auftreten. Mit der Zeit kann die Erkrankung zu einem Verlust des Sehvermögens bis hin zur Erblindung führen, dies ist aber nicht zwangsläufig der Fall.
Bei Verdacht auf eine diabetische Retinopathie wird klassischerweise eine Augenspiegelung gemacht, also eine Fluoreszenzangiografie. Dafür wird ein Kontrastmittel (Fluoreszin) in den Arm injiziert, um die Strukturen der Blutgefäße im Augenhintergrund sichtbar zu machen. Die Untersuchung wird mit einem sogenannten Ophthalmoskop durchgeführt. Der Apparat reflektiert Licht auf die Netzhaut und erkennt das fluoreszierende Kontrastmittel in den Blutgefäßen bis in die hintere Struktur des Auges. So kann die Augenärztin oder der Augenarzt undichte Blutgefäße oder neu entstandene krankhafte Gefäße erkennen. Jedes Auge wird einzeln durchgetestet und während der Untersuchung werden durchgehend Aufnahmen von der Netzhaut gemacht.
Behandlung
In erster Linie setzt die Behandlung einer diabetischen Retinopathie bei einer besseren Kontrolle des Blutzuckerspiegels und des Blutdrucks an, damit die Krankheit nicht weiter fortschreitet. Im Falle eines deutlichen diabetischen Makulaödem, also einer Flüssigkeitsansammlung im Glaskörperraum des Auges, können entsprechende Medikamente mittels Injektionen direkt eingespritzt werden. Auch eine Lasertherapie kann hilfreich sein, um weitere Verschlechterungen des Krankheitszustands zu stoppen.
Netzhautablösung
In einem gesunden Auge haftet die Netzhaut an der darunter liegenden Aderhaut. Bei einer möglichen Ablösung wird diese teilweise von ihrer Blutzufuhr getrennt. In diesem Fall muss die Netzhaut schnellstmöglich wieder an die darunter liegende Aderhaut angeheftet werden, die sie Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Netzhaut kann sich ablösen, wenn sie einen Riss erleidet. Bei älteren Menschen kommt dies häufiger vor. Besonders oft betroffen von Netzhautrissen sind Personen, auf die Folgendes zutrifft:
- starke Kurzsichtigkeit
- Augen-OP aufgrund von Grauem Star
- Augenverletzung
- Vernarbung der Netzhaut
- Austrocknen der gelartigen Flüssigkeit vor der Netzhaut
- Ansammlung von Flüssigkeit und Blut hinter der Netzhaut
- Krankheiten, die die Netzhaut beeinflussen (z.B. Diabetes)
- genetische Faktoren
Symptome und Diagnose
Bei einer Netzhautablösung bemerken die betroffenen Personen oftmals eine Zunahme von Glaskörpertrübungen - auch Mouches Volantes genannt - welche sich wie halbdurchsichtige Flecken, Punkte oder fadenartige Strukturen durch das Gesichtsfeld bewegen. Ein weiteres Symptom können auftretende Blitzlichter oder eine verschwommene Sicht sein. Die Sicht kann sich aber auch trüben und wie ein Schleier wirken. Dieser Sehverlust kann sich nach und nach weiter ausbreiten, bis er schließlich das gesamte Sichtfeld einnimmt.
Zur Feststellung einer Netzhautablösung gibt die Augenärztin oder der Augenarzt Augentropfen in das Auge. Diese erweitern die Pupille und ermöglichen so eine Untersuchung der Netzhaut mittels Ophthalmoskops. Sollte diese Methode nicht ausreichen, kann zudem ein Ultraschall verwendet werden, um Aufnahmen von der Hinterseite des Auges zu machen.
Behandlung
In den meisten Fällen wird eine sich ablösende Netzhaut mittels eines chirurgischen Eingriffs behandelt. Die Netzhaut kann je nach Art der Ablösung mit verschiedenen Methoden wieder fixiert werden. Auch Netzhautrisse können mithilfe eines Laser- oder Kälteinstruments wieder geschlossen werden. Nach einer Reparatur der Netzhaut kehrt die Sehkraft in der Regel wieder zurück. Falls diese jedoch mehrere Tage oder Wochen abgelöst war, es zu Blutungen oder Vernarbungen im Auge gekommen ist oder die Makula abgelöst oder verletzt wurde, können die Schäden auch irreparabel sein.
Neuro-ophthalmologische Erkrankungen
Neben den genannten Augenerkrankungen gibt es auch eine Reihe neuro-ophthalmologischer Erkrankungen, die den Sehnerv beeinträchtigen können. Diese Erkrankungen betreffen das Auge, die Pupille, den Nervus opticus (Sehnerv), die extraokulären Muskeln und ihre Nerven. Auch die zentralen Bahnen zur Kontrolle und Integration der Augenbewegungen und des Sehens können betroffen sein.
Zu den häufigsten neuro-ophthalmologischen Erkrankungen gehören:
- Anisokorie: Eine Differenz der Pupillendurchmesser zwischen beiden Augen.
- Anteriore ischämische Optikusneuropathie (AION): Eine plötzliche Sehverschlechterung aufgrund von Ausfall der Blutversorgung des Sehnervs.
- Leber’sche hereditäre Optikusneuropathie: Eine neuro-degenerative Erbkrankheit, die zu einer plötzlichen einseitigen Erblindung führen kann.
- Benigner essentieller Blepharospasmus (BEB): Unkontrollierbares Blinzeln, Zusammenkneifen der Lider und krampfartiger Lidschluss.
- Durchblutungsbedingte (mikrovaskuläre) Augenbewegungsstörung: Plötzlich auftretende Doppelbilder aufgrund einer Durchblutungsstörung der für die Augenbewegung zuständigen Hirnnerven.
- Optikusneuritis: Eine Sehnervenentzündung, die zu einer plötzlichen Sehminderung führen kann.
- Hypophysentumor: Ein Tumor der Hirnanhangsdrüse, der zu Sehstörungen und Gesichtsfeldausfällen führen kann.
- Meningeome: Gutartige Tumore, die den Sehnerven oder die Sehnervenkreuzung komprimieren können.
- Raumforderungen im Gehirn: Hirntumore können zu verschiedensten Augensymptomen führen.
- Schlaganfall (Apoplex): Ein Schlaganfall kann sich isoliert an der Sehrinde manifestieren und zu einem Gesichtsfeldausfall führen.
- Pseudotumor cerebri: Erhöhter Hirndruck ohne klar erkennbare Ursache, der den Sehnerv schädigen kann.
- Endokrine Orbitopathie: Eine Autoimmunerkrankung, die zu einem Wachstum der Augenmuskeln und des orbitalen Fettgewebes führt.
Die Behandlung neuro-ophthalmologischer Erkrankungen ist abhängig von der zugrunde liegenden Ursache. Vor jeder Therapie steht deshalb immer die richtige Diagnose.
Weitere Ursachen für Sehverschlechterung
Neben den genannten Augenerkrankungen und neuro-ophthalmologischen Erkrankungen gibt es noch weitere Faktoren, die zu einer Verschlechterung des Sehvermögens im Alter beitragen können:
- Normale Altersveränderungen: Mit dem Alter verliert die Augenlinse ihre Flexibilität, was zu Alterssichtigkeit (Presbyopie) führt. Auch die Anzahl der Fotorezeptoren auf der Netzhaut nimmt ab, was zu Schwierigkeiten bei der Nachtsicht und Konturerkennung führen kann.
- Systemische Erkrankungen: Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Bluthochdruck oder Schilddrüsenerkrankungen können Auswirkungen auf die Sehkraft haben.
- Lebensstilfaktoren: Rauchen, unausgewogene Ernährung und zu viel Sonneneinstrahlung können das Risiko für Augenerkrankungen erhöhen.
- Psychische Faktoren: Stress, erhebliche Anstrengungen oder eine lange, starre Konzentration auf eine Sache können dazu führen, dass die Augenlider weniger schlagen und der Tränenfilm weniger wird, was zu Sehstörungen führen kann. Auch psychische Erkrankungen können ein erhöhtes Maß an Sensibilität für vermeintliche Sehprobleme zeigen.
- Hormonelle Veränderungen: Hormonelle Veränderungen, wie in den Wechseljahren, können die Befeuchtung der Augen beeinflussen und das Tragen von Kontaktlinsen erschweren.
- Allergien: Allergien können zu juckenden, tränenden und roten Augen führen.
- Unerkannte Fehlsichtigkeiten: Unerkannte Fehlsichtigkeiten oder das falsche Tragen von Sehhilfen können Kopfschmerzen verursachen.
Vorsorge und Früherkennung
Regelmäßige Augenuntersuchungen sind entscheidend, um Augenerkrankungen frühzeitig zu erkennen und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen oder zu verhindern. Ab 40 sollten die Sehorgane mindestens alle zwei Jahre untersucht werden. Diabetiker*innen sollten ihre Augen regelmäßig untersuchen lassen, um eine diabetische Retinopathie frühzeitig zu erkennen.
Sollte sich Ihr Gesichtsfeld akut verändern, suchen Sie umgehend eine Ärztin oder einen Arzt auf.
Tipps für gesunde Augen im Alter
Neben regelmäßigen Augenuntersuchungen können Sie auch selbst etwas für die Gesundheit Ihrer Augen tun:
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Omega-3-Fettsäuren kann das Risiko für Augenerkrankungen senken.
- Nicht rauchen: Rauchen erhöht das Risiko für AMD und andere Augenerkrankungen.
- Sonnenschutz: Tragen Sie eine Sonnenbrille mit UV-Schutz, um Ihre Augen vor schädlicher Sonneneinstrahlung zu schützen.
- Regelmäßige Pausen bei Bildschirmarbeit: Machen Sie regelmäßig Pausen bei längerer Bildschirmarbeit, blinzeln Sie nicht vergessen, befeuchten Sie die Raumluft und trinken Sie viel Wasser.
- Individuell angepasste Sehhilfen: Lassen Sie Ihre Augen regelmäßig überprüfen und passen Sie Ihre Sehhilfen gegebenenfalls an.
Neue Behandlungsmöglichkeiten
Lange Zeit wurden viele krankheitsbedingte Sehnervschädigungen als unumkehrbar betrachtet. Heute eröffnen sich für viele Menschen, die aufgrund einer Sehnervschädigung unter Sehverlust leiden, aber bahnbrechend neue Möglichkeiten der Behandlung. So kann z.B. eine Behandlung mit Wechselstrom das Sehvermögen von Menschen mit Funktionsstörungen der Netzhaut, des Sehnervs oder des Gehirns deutlich verbessern. Das SAVIR-Center mit Sitz in Magdeburg ist weltweit die erste und derzeit noch einzige Einrichtung, die sich auf die Wiederherstellung der Sehkraft (visuelle Restitution) spezialisiert hat.