Verschlechterung nach Schlaganfall: Ursachen und Behandlungsansätze

Ein Schlaganfall ist ein einschneidendes Ereignis, das oft zu langfristigen Beeinträchtigungen führt. Neben den bekannten körperlichen Folgen wie Lähmungen können auch kognitive und psychische Veränderungen auftreten, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Ursachen für eine Verschlechterung nach einem Schlaganfall und stellt verschiedene Behandlungsansätze vor.

Kognitive Einschränkungen nach Schlaganfall

Häufige Folgen einer Hirnschädigung durch Schlaganfall sind Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen. Betroffene benötigen deutlich mehr Zeit für Aufgaben als vor dem Schlaganfall, sind leicht ablenkbar und machen Fehler, wenn sie mehrere Dinge gleichzeitig erledigen müssen. Vor allem neigen sie dazu, schnell zu erschöpfen. Regelmäßige Pausen sind daher essenziell, um völlige Erschöpfung und lange Regenerationszeiten zu vermeiden. Die MediClin Fachklinik Rhein-Ruhr in Essen hat als erste Rehaklinik in Deutschland eine eigene Station für Patienten mit Aufmerksamkeitsstörungen eingerichtet, die sogenannte "Attention Lounge". Dort wird unter anderem Lichttherapie mit einer Beleuchtungsstärke von bis zu 12.000 Lux eingesetzt, um die Konzentrationsfähigkeit zu verbessern, einen normalen Schlaf-/Wachrhythmus zu unterstützen und einen antidepressiven Effekt zu erzielen.

Auch Gedächtnisstörungen treten oft nach einem Schlaganfall auf. Während Betroffene mit starken Gedächtnisstörungen eine neuropsychologische Behandlung benötigen, können Patienten mit leichteren Störungen spezielle Gedächtnisstrategien nutzen. Es kann helfen, neuen Informationen mit besonderer Aufmerksamkeit zu begegnen, sich mehr Zeit zu nehmen und für möglichst geringe Ablenkung zu sorgen. Dinge lassen sich zudem leichter einprägen, wenn sie sowohl bildlich als auch sprachlich erfasst und mit bereits bekanntem Wissen oder Emotionen verknüpft werden. Hilfreich kann es auch sein, sich zur Entlastung Dinge zu notieren, wobei Neuropsychologen von einer "Zettelwirtschaft" abraten und stattdessen zu einer geordneten Ablage raten.

Eine weitere mögliche kognitive Einschränkung nach Schlaganfall ist die Planungsstörung. Betroffene haben Probleme, vorausschauend und problemlösend zu denken, lassen sich leicht ablenken und sind weniger flexibel und spontan. Hier ist es wichtig, dass Betroffene und Angehörige dieses Problem anerkennen. Im Alltag können dann vorgeplante Abläufe helfen, die gemeinsam erstellt werden. Wichtig ist, dass die Pläne immer genug Pausen und Zeitpuffer bieten.

Wiederkehrende Schlaganfälle und Entzündungsreaktionen

Wiederkehrende Schlaganfälle in den Tagen und Wochen nach dem ersten Ereignis sind ein häufiges Problem bei Patienten, bei denen eine Arteriosklerose die Ursache war. Ein internationales Forschungsteam unter Federführung des LMU Klinikums hat herausgefunden, dass aus Zellen freigesetzte Erbsubstanz (DNA) nach dem ersten Ereignis zu einer Entzündungsreaktion im gesamten Körper führt. Diese Entzündung kann die arteriosklerotischen Gefäßablagerungen verschlimmern und damit zu erneuten Gefäßverschlüssen führen - ein Teufelskreis. Die Forschenden schlagen daher vor, die zellfreie DNA durch Medikamente (DNasen) abzubauen.

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Psychische Belastungen und Depressionen

Der Schlaganfall ist ein unvorhersehbares, schwerwiegendes Ereignis, das mit vielfältigen emotionalen Belastungen einhergeht. Die plötzliche Veränderung der Lebenssituation, verbunden mit körperlichen Einschränkungen und dem Verlust von Selbstständigkeit, kann zu erheblichen psychischen Problemen führen.

Ein Drittel aller Schlaganfall-Patienten leidet an einer Depression. Die Symptome der Post-Stroke Depression (PSD) ähneln denen einer klassischen Depression und können Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, Energiemangel, Schlafstörungen, Gewichtsveränderungen, Konzentrationsprobleme, Schuld- und Wertlosigkeitsgefühle sowie körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Magenprobleme umfassen. Die Behandlung der PSD kann Psychotherapie, medikamentöse Ansätze oder eine Kombination aus beidem umfassen.

Der geistige Zustand nach Schlaganfall

Der geistige Zustand nach einem Schlaganfall kann sich aus verschiedenen Gründen verändern. Neben den direkten Folgen der Hirnschädigung spielen auch emotionale Belastungen, Medikamentennebenwirkungen und Begleiterkrankungen eine Rolle. So können beispielsweise Schmerzen, soziale Isolation oder finanzielle Sorgen den geistigen Zustand negativ beeinflussen.

Wesensveränderungen nach einem Schlaganfall können entweder durch die geschädigte Hirnregion selbst oder durch Medikamentennebenwirkungen erklärt werden. Alle Medikamente, die eine stimulierende Wirkung haben, können den geistigen Zustand verändern, darunter Dopamin-Präparate, Amantadinsulfat oder Antidepressiva (SSRI).

Nach einem rechtsseitigen Schlaganfall tritt häufig ein Neglect auf, bei dem die Betroffenen die linke Raum- und Körperhälfte schlecht wahrnehmen. Zusätzlich besteht bei einem Neglectsyndrom oft die Krankheitsverkennung (Anosognosie), bei der die Patienten nicht erkennen, dass sie erkrankt sind.

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Rehabilitation und Nachsorge

Die Rehabilitation nach einem Schlaganfall ist entscheidend, um den geistigen Zustand zu verbessern und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen. Eine neurologische Rehabilitation kann helfen, emotionale Belastungen und Depressionen zu reduzieren. Durch neuropsychologische Übungen werden geistige Einschränkungen verbessert. Zusätzlich gibt es in einer strukturierten neurologischen Rehabilitation immer die Möglichkeit zur Psychotherapie oder Unterstützung durch Selbsthilfegruppen.

Das erste Training erfolgt kurz nach dem Schlaganfall im Krankenhaus. Auf Schlaganfall-Stationen arbeiten Neurologen mit intensivmedizinischer Zusatzausbildung, Krankenschwestern und Pfleger mit medizinischen Assistenzberufen wie Krankengymnastik (Physiotherapie), Sprach- und Beschäftigungstherapie (Logopädie, Ergotherapie) zusammen. Mit Hilfe von Krankengymnasten, Sprachtherapeuten und Ergotherapeuten sollen die Patienten die verlorengegangenen alltäglichen Fähigkeiten wie Sprechen, Schlucken, Gehen und Ankleiden wieder erlernen. Je nach Schweregrad der Behinderung wird der Schlaganfall-Patient in einem Rehabilitationszentrum stationär, tagesklinisch oder ambulant weiterbehandelt. Auch eine rein ambulante Versorgung zu Hause ist denkbar, wenn nur einzelne Funktionen, wie zum Beispiel die Sprache, betroffen sind.

Nach der Rehabilitation wird festgestellt, welche Restfunktionsstörungen verbleiben und ob diese zum Beispiel eine permanente Betreuung erforderlich machen. Eine spezielle Form der Nachsorge stellen die Schlaganfall-Lotsen dar, die den Patienten unterstützen, in die gewohnte Lebensumgebung zurückzukehren.

Dr. Christopher J. Schwarzbach betont die Bedeutung einer guten Nachsorge, um das Risiko eines zweiten Schlaganfalls deutlich zu reduzieren. Er war Koordinator der SANO-Studie ("Strukturierte ambulante Nachsorge nach Schlaganfall"), die das Ziel hatte, durch eine strukturierte Nachsorge bei Patienten nach einem Schlaganfall das Risiko für einen erneuten Schlaganfall zu senken und gleichzeitig die Lebensqualität der Patienten zu erhöhen. Die Studie konnte nachweisen, dass durch ein strukturiertes Nachsorge-Programm eine bessere Kontrolle der kardiovaskulären Risikofaktoren erreicht wird, insbesondere beim Rauchen und erhöhten Cholesterinwerten. Tendenziell verbesserten sich auch andere Faktoren wie Bluthochdruck, Bewegungsmangel und Ernährung. Zugleich konnte das Mortalitätsrisiko gesenkt werden.

Die strukturierte Nachsorge in der SANO-Studie umfasste regelmäßige Nachuntersuchungen (nach 1, 3, 6, 9 und 12 Monaten) durch ein Team, das in enger Abstimmung mit dem Hausarzt des Patienten arbeitete. Es gab ein Behandlungsnetzwerk, an dem auch verschiedene Therapeuten, gesundheitsnahe Dienstleister und weitere Fachärzte beteiligt waren. Sie konnten Therapien anbieten, wenn sich bei den Kontrolluntersuchungen zeigte, dass bestimmte Gefäß-Risikofaktoren immer noch zu hoch waren.

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Schwarzbach hält die Einführung eines Disease Management Programms (DMP) für Schlaganfall-Patienten für wünschenswert, ähnlich wie es für die koronare Herzerkrankung bereits etabliert ist. Die Ergebnisse der SANO-Studie könnten eine gute Grundlage für die Einführung eines DMPs sein.

Was Patienten selbst tun können

Um einen zweiten Schlaganfall zu vermeiden, ist es wichtig, verschriebene Medikamente regelmäßig einzunehmen, Blutdruck und Blutwerte regelmäßig zu kontrollieren und bei Rauchern einen Rauchstopp einzulegen. Auch die Ernährung sollte auf eine mediterrane Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Seefisch umgestellt werden, während der Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch sowie Alkohol eingeschränkt werden sollte. Wichtig ist auch regelmäßige körperliche Aktivität.

Betroffene sollten sich nicht aufgeben und auch in der häuslichen Umgebung das Training aus der Rehabilitation fortführen. Die kontinuierlichen Übungen können dazu beitragen, einen alltäglichen Rhythmus zu etablieren und das Selbstbewusstsein zu stärken. Regelmäßige Bewegung kann Druckgeschwüre, Gelenkversteifungen und Beinvenenthrombosen verhindern und bedeutet Selbstständigkeit im Sinne eines selbstbestimmten Lebens. Die Zusammenkunft mit Menschen, die mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben, hilft bei der seelischen Auseinandersetzung mit der eigenen Erkrankung. Als Betroffener bietet sich die Möglichkeit, sich innerhalb einer Selbsthilfegruppe gegenseitig zu unterstützen und zu motivieren.

Fußheberschwäche als Folgeerscheinung

Eine der häufigsten Folgeerscheinungen nach einem Schlaganfall ist die Fußheberschwäche, die mit einem unrunden Gangbild und einer erhöhten Stolper- und Verletzungsgefahr einhergeht. Bei Patienten mit einer Fußheberschwäche ist die Signalweitergabe vom zentralen Nervensystem an die Bein- und Fußmuskeln gestört, sodass sie den Fuß nicht mehr koordiniert steuern können. In der Folge verliert der Patient die Kontrolle über simple Bewegungen wie das Anheben, Aufsetzen oder Abrollen seines Fußes.

Üblicherweise ist es nicht möglich, einen Fallfuß komplett zu heilen. Krankengymnastik ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie, um die Muskeln zu stärken und die Nervenbahnen zu stimulieren. Sachkundig angefertigte Orthesen geben Halt und sind in einer Vielzahl von Ausführungen erhältlich. Im Gegensatz zu klassischen Orthesen setzt die Funktionelle Elektrostimulation (FES) auf moderne Technik, um die an der Fußhebung beteiligten Muskeln zu animieren.

Neben den klassischen Therapieansätzen sollten Patienten mit einer Fußheberschwäche auch auf zusätzliche Übungen setzen, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen, wie zum Beispiel rhythmische Fußbewegungen im Sitzen oder Stehen, das Aufheben von Gegenständen mit den Zehen oder Dehnübungen an der Wand.

Unterstützung für Angehörige

Auch die Angehörigen der Schlaganfallpatienten haben eine sehr wichtige Bedeutung im Rehabilitationsprozess. Sie begleiten den Patienten über einen manchmal sehr langen Zeitraum. Zu den belastenden Folgen für die Angehörigen zählen die Zunahme emotionaler und praktischer Anforderungen, Veränderungen im familiären Zusammenleben sowie ein fortschreitender Verlust sozialer Kontakte. Aufgrund der erlebten Belastungen kann sich auch der Gesundheitszustand der Angehörigen deutlich verschlechtern, was sich zumeist in erhöhter Depressivität ausdrückt. Angehörige sollten daher sorgfältig auch auf ihr eigenes Wohl achten und Unterstützung annehmen, wann immer es geht. Es gibt eine Reihe von Unterstützungsangeboten wie Selbsthilfegruppen oder Beratungsangebote der Kliniken und Gemeinden.

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