Die neurologische Rehabilitation ist ein spezialisierter Bereich der medizinischen Rehabilitation, der sich auf die Behandlung von Patient*innen mit Erkrankungen oder Verletzungen des Nervensystems konzentriert. Ziel ist es, die Selbstständigkeit und Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Voraussetzungen, Ziele, Phasen und Behandlungsmethoden der neurologischen Reha.
Einführung in die neurologische Rehabilitation
Nach schweren neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall oder Hirnblutung stellt der Weg zurück in einen möglichst beschwerdefreien und selbstständigen Alltag eine große Herausforderung dar. Die neurologische Reha setzt hier an und zielt darauf ab, neurologische Ausfälle, Lähmungen und weitere Folgeschäden nach Schlaganfällen, Hirnblutungen oder anderen Erkrankungen des Nervensystems zu behandeln oder zu lindern.
Definition: Was bedeutet neurologische Reha?
Die neurologische Reha unterstützt Patient*innen mit neurologischen Erkrankungen oder Schädigungen des Nervensystems im Rahmen einer Anschlussbehandlung oder eines Heilverfahrens. Neben der Verbesserung der motorischen und kognitiven Funktionen ist ein zentrales Ziel die Wiederherstellung der Selbstständigkeit.
Grundlegende Voraussetzungen für eine neurologische Reha
Um eine neurologische Reha in Anspruch nehmen zu können, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein:
Rehabilitationsbedarf
Es muss eine Einschränkung der Selbstständigkeit, Mobilität oder Alltagsbewältigung vorliegen. Die Reha-Bedürftigkeit wird von einem Facharzt festgestellt und ist ein sozialmedizinischer Begriff, der im SGB IX definiert ist. Eine Reha-Bedürftigkeit liegt vor, wenn die gesellschaftliche Teilhabe eines Betroffenen aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigungen eingeschränkt ist und diese durch rehabilitative Maßnahmen beseitigt, verbessert oder zumindest eine Verschlechterung verhindert werden können.
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Rehabilitationsfähigkeit
Die Patientinnen müssen aktiv an den Therapien teilnehmen können und eine ausreichende Belastbarkeit aufweisen. Reha-Fähigkeit liegt vor, wenn eine Person keine akute Erkrankung mehr hat und sie an dem Rehabilitationsprogramm aktiv teilnehmen kann. Sie muss in einem gewissen Rahmen körperlich und mental belastbar sein, Bewusstsein haben und mit den Therapeutinnen kooperieren können.
Rehabilitationsprognose
Durch gezielte Maßnahmen muss eine Verbesserung des Gesundheitszustandes oder eine Stabilisierung zu erwarten sein. Die Erfolgsaussichten der Rehabilitation sollten positiv und die Ziele in einem realistischen Zeitrahmen erreichbar sein.
Ärztliche Verordnung
Eine neurologische Reha wird von Ärzt*innen verordnet und erfordert eine medizinische Einschätzung. Eine Reha muss medizinisch notwendig sein und benötigt eine ärztliche Empfehlung.
Kostenübernahme
Die Genehmigung erfolgt durch Krankenkassen, Rentenversicherungsträger oder andere Kostenträger.
Welche neurologischen Erkrankungen unterstützt die Neuro-Reha?
Die Behandlung in einer neurologischen Klinik oder Rehaklinik wird nach verschiedenen Erkrankungen verordnet. Dazu gehören:
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- Schlaganfall (Apoplex)
- Hirnblutung
- Schädel-Hirn-Trauma
- Entzündliche Erkrankungen des Nervensystems (z.B. Multiple Sklerose, Enzephalitis, Meningitis)
- Hypoxische Hirnschädigung (z.B. infolge eines Herzstillstands)
- Erkrankungen der Nerven und Muskeln
Ziele der neurologischen Reha
Das wichtigste Ziel der neurologischen Reha ist es, Patient*innen dabei zu unterstützen, wieder am öffentlichen und sozialen Leben teilzunehmen und ihren Alltag mit größtmöglicher Selbstständigkeit zu bewältigen. Weitere Ziele sind:
- Förderung der Selbstständigkeit durch gezielte Maßnahmen zur Wiederherstellung grundlegender Fähigkeiten.
- Verbesserung motorischer und kognitiver Funktionen durch Therapie zur Wiederherstellung von Beweglichkeit, Koordination und Denkprozessen.
- Wiedererlangung der Kommunikationsfähigkeit durch Behandlung von Sprachstörungen.
- Schmerzreduktion und Symptomlinderung durch Maßnahmen zur Behandlung von Folgebeschwerden neurologischer Erkrankungen.
- Individuelle Therapieplanung zur Anpassung der Reha-Maßnahmen an die persönlichen Bedürfnisse und Fortschritte der Patient*innen.
- Unterstützung bei der beruflichen und sozialen Wiedereingliederung zur Vorbereitung auf den Wiedereinstieg in das Berufsleben oder soziale Aktivitäten.
Phasen der neurologischen Reha
Die neurologische Rehabilitation ist in mehrere Phasen unterteilt, die sich nach dem Schweregrad der Erkrankung und dem individuellen Rehabilitationsbedarf richten:
Phase A - Akutbehandlung
Erste medizinische Versorgung im Krankenhaus oder auf einer Intensivstation, um lebensbedrohliche Zustände zu stabilisieren. Abhängig vom gesundheitlichen Zustand der Patient*innen werden sie auf einer Stroke Unit, Intensivstation oder Normalstation im Krankenhaus betreut.
Phase B - Frührehabilitation
Intensive medizinische und therapeutische Betreuung für schwer betroffene Patientinnen, die noch auf umfassende Unterstützung angewiesen sind. Patientinnen wechseln in der Regel direkt von der neurologischen Frühreha (Phase B) in die Phase C. Ein Aufenthalt in der Frührehabilitation dauert durchschnittlich etwa 25 Tage.
Phase C - Weiterführende Rehabilitation
Patient*innen können aktiv an Therapien teilnehmen, um ihre Selbstständigkeit wiederzuerlangen. In Phase C benötigen betroffene Personen nicht mehr so viel Unterstützung wie in Phase B. Sie sind in der Lage, selbst an der Therapie mitzuwirken und lernen (teilweise mit Hilfsmitteln) wieder mobil zu werden. Gleichzeitig müssen sie weiterhin medizinisch unterstützt und pflegerisch betreut werden.
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Phase D - Medizinische Rehabilitation (Anschlussrehabilitation)
Fokus auf die Rückkehr in den Alltag oder ins Berufsleben durch gezielte Therapieprogramme. In Phase D ist es das Ziel, Betroffene zu einem möglichst selbständigen Leben zu befähigen und bestehende Behinderungen und Fehlhaltungen zu verringern. Patientinnen werden darauf vorbereitet, in ihren Alltag und ggf. den Beruf zurückzukehren. Wenn nötig, werden individuelle Hilfsmittel (z. B. Rollator, Gehstock) angepasst und trainiert. Mit Phase D endet die rein medizinische Rehabilitation. Voraussetzung ist, dass die Patientinnen ausreichend mobil und selbstständig sind und keine bzw. nur wenig pflegerische Hilfe benötigen.
Phase E - Nachsorge und berufliche Wiedereingliederung
Ambulante oder teilstationäre Maßnahmen zur langfristigen Stabilisierung und Integration. Die Phase der Nachsorge und beruflichen Reha ermöglicht den Übergang von der medizinischen Rehabilitation zurück zur Erwerbstätigkeit. Dabei bietet sie speziell Unterstützung und Begleitung, um den Erfolg der medizinischen Rehabilitation langfristig zu sichern. In Phase E steht besonders im Fokus, wie Menschen wieder am Arbeitsleben teilnehmen können. Dazu können beispielsweise auch Umschulungen gehören.
Phase F - Aktivierende, zustandserhaltende Langzeitpflege
Betreuung von Patientinnen, die langfristig auf Pflege und therapeutische Maßnahmen angewiesen sind. Patientinnen, die trotz intensiver Behandlung und Rehabilitation dauerhaft pflegerisch unterstützt und betreut werden müssen (z. B. nach einem schweren Schädel-Hirn-Trauma) befinden sich in Phase F. Hier liegt der Behandlungsschwerpunkt auf der aktivierenden Langzeitpflege.
Phase G
Gegebenenfalls aktivierende, zustandserhaltende Langzeitpflege.
Therapieangebote in der neurologischen Reha
Der Therapieplan wird individuell auf die neurologische Erkrankung, die Schwere der Schädigung sowie den aktuellen Gesundheitszustand abgestimmt. Das Therapieangebot umfasst unter anderem:
- Physiotherapie: Verbesserung des Bewegungssystems und -verhaltens, Gleichgewichts- und Koordinationstraining, Gangschule, Laufbandtraining, Motomedtherapie.
- Ergotherapie: Alltagsbezogene funktionelle Therapie, ADL-Training, Wasch- und Anziehtraining, Hilfsmittelberatung, Funktionelle Übungsbehandlung der oberen Extremität und des Rumpfes, Kognitives Training, Koordinationstraining.
- Logopädie: Behandlung von Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen. Ziele sind die Verminderung der sprachlichen Symptomatik, die Verbesserung der kommunikativen Kompetenz und die Verminderung von Schluckstörungen.
- Neuropsychologie: Diagnostik und Therapie kognitiver, visueller, emotionaler und Verhaltensveränderungen.
- Physikalische Therapie: Elektrotherapie, Inhalationen, Kryo-Therapie, Massagen, Wärmetherapie.
- Tiergestützte Therapie: Einsatz eines Therapiehundes.
- Ernährungsberatung: Speziell auf Patient*innen mit Schluckstörungen abgestimmt.
- Sozialdienst: Beratung zu Wiedereingliederungsmaßnahmen, Hilfen am Arbeitsplatz und Therapien nach der Rehabilitation.
- Psychologische Betreuung: Unterstützung bei Stress, Konflikten und psychischer Belastung am Arbeitsplatz.
Ambulante vs. stationäre neurologische Reha
Je nach Belastbarkeit, Mobilität und den individuellen Bedürfnissen kann die neurologische Reha sowohl ambulant als auch stationär erfolgen. Eine stationäre Reha ist besonders dann sinnvoll, wenn eine intensive und kontinuierliche ärztliche Überwachung notwendig ist. Können Patient*innen die tägliche Anfahrt zur Reha-Klinik bewältigen und sind abends, nachts und am Wochenende zu Hause ausreichend versorgt, spricht nichts gegen eine ambulante neurologische Reha-Maßnahme.
Wie beantrage ich eine neurologische Reha?
Nach einer Akutbehandlung hilft der Sozialdienst des Krankenhauses beim Reha-Antrag. Ohne vorherigen Krankenhausaufenthalt erfolgt die Antragstellung meist direkt beim Kostenträger.
Die beste Rehaklinik finden
Die beste Rehaklinik für Neurologie hängt von den individuellen Bedürfnissen, der Art der neurologischen Erkrankung und den verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten ab. Patient*innen haben das Recht, sich ihre ambulante oder stationäre Rehaklinik selbst auszusuchen.
Dauer der neurologischen Reha
Die Dauer einer stationären neurologischen Rehabilitation kann je nach Krankheitsbild, Therapiefortschritt und individuellen Bedürfnissen variieren. Eine neurologische Reha dauert in der Regel drei bis vier Wochen, eine Verlängerung ist möglich.
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