Arterielle Durchblutungsstörungen sind in den allermeisten Fällen Folge einer fortschreitenden Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Die Arteriosklerose ist eine komplexe Erkrankung der Blutgefäße und die Hauptursache für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie entsteht, wenn sich über Jahre Cholesterin, Fettsäuren sowie andere Bestandteile aus dem Blut in der mittleren und inneren Schicht der Gefäßwand einlagern beziehungsweise festsetzen. Es kommt dabei jedoch darauf an, an welche Proteine das Cholesterin gebunden ist - abhängig davon wird zwischen HDL- und LDL-Cholesterin unterschieden. Negative Auswirkungen hat vor allem ein erhöhter Wert des LDL-Cholesterins. In der Folge verdickt sich die Gefäßwand und immer weniger sauerstoffreiches Blut kann hindurchfließen. Gleichzeitig nimmt die Elastizität der Gefäßwand durch die Plaques ab. Reißen diese auf, kann die Blutgerinnung zur Bildung von Blutpfropfen (Thromben) führen.
Was ist Arteriosklerose?
Arteriosklerose ist ein Sammelbegriff für krankhafte Veränderungen der Arterien. Sie wird auch Gefäßverkalkung oder Arterienverkalkung genannt, da bestimmte Gefäße, die Arterien, fest und unelastisch werden („verkalken“). Zu vergleichen ist dies beispielsweise mit einer verkalkten Wasserleitung. Neben Fetten und fettähnlichen Substanzen (Lipiden), wie dem LDL-Cholesterin, enthalten diese auch andere Bestandteile wie zum Beispiel weiße Blutkörperchen. Die Entstehung der Gefäßverkalkung entsteht in mehreren Schritten. Voraussetzung ist eine Schädigung und chronische Belastung der Gefäßinnenwand. Dies geschieht zum Beispiel durch Giftstoffe, die in Zigaretten vorkommen und großen Mengen an LDL-Cholesterin.
Ursachen und Entstehung der Arteriosklerose
Die Arteriosklerose entsteht als Reaktion auf eine Schädigung der an das Blut angrenzenden inneren Schicht der Arterienwand. Ursache einer Arteriosklerose ist eine Schädigung der Gefäßwände. Wie diese Gefäßschädigungen entstehen, ist nicht genau bekannt. Bestimmte Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen und erhöhte Blutfette scheinen jedoch dazu beizutragen. Auch ein Zusammenhang mit Infektionen oder chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Rheuma wird diskutiert. Durch die Schädigung der Zellschicht der Gefäßinnenwand vermehren sich Muskelzellen aus der mittleren Schicht der Gefäßwand und wandern in die innerste Wandschicht ein. Außerdem führt die Einlagerung von Fett zur Bildung von Schaumzellen in der innersten und mittleren Schicht.
Das gängige Erklärungsmodell für die Krankheitsentstehung (Pathogenese) der Atherosklerose wird „Response-to-injury“-Theorie genannt. Demnach fördert die Verletzung der inneren Schicht der Blutgefäße (Intima) die Einlagerung von Cholesterol (vor allem LDL-Cholesterin „Low Density Lipoprotein“, auch LDL genannt) und Zellbestandteilen. LDL-Cholesterin oxidiert, was eine Entzündungsreaktion auslöst. Monozyten, die zu den weißen Blutkörperchen gehören, werden auf den Plan gerufen. Sie wandeln sich zu Fresszellen (Makrophagen) um, die in die Gefäßwand wandern und dort so viel LDL wie möglich aufnehmen. Dabei schwellen die Immunzellen zu fettreichen Schaumzellen an, die sich als wachsende „Fettstreifen“ (Fatty Streaks) in der Arterienwand ablagern. Diese Fatty Streaks können sich zu atherosklerotischen Plaques entwickeln. Die Arterienwand wird dicker und härter, der Durchmesser des Blutgefäßes (Lumen) kleiner. Gleichzeitig schütten die Makrophagen Wachstumsfaktoren aus, die glatte Muskelzellen innerhalb der Gefäßwand anregen, sich zu vermehren. Die Muskelzellen wandern dann zu den Plaques und bedecken diese mit einer festen Schicht, wodurch die Blutgefäße noch enger werden.
Die gängigsten Ursachen für die Entstehung einer Arteriosklerose sind daher das Rauchen und eine fett- und cholesterinreiche Ernährung. Hierbei sind nicht unbedingt einige Eier pro Woche gefährlich, auch wenn diese in Mengen ebenfalls zur Gefäßverkalkung beitragen können. Relevanter ist der häufige Verzehr von Fertiggerichten, fettigen Backwaren, Fast Food und fettreichen Snacks, wie zum Beispiel Kartoffelchips. Durch die andauernde Belastung wird die Gefäßwand empfindlicher und durchlässiger. Cholesterinmoleküle können sich in der Wand ablagern. Dies erzeugt eine Entzündungsreaktion. Entzündungszellen des Körpers wandern in die Gefäßwandstelle ein und versuchen, die Entzündung zu bekämpfen. Durch die ständige Ablagerung von weiterem Cholesterin kommen sie jedoch nicht hinterher. Zusätzlich schädigt die immense Aufnahme von Cholesterin die Zellen, sodass sie absterben und ebenfalls in der Gefäßwand verbleiben. Durch diesen Prozess entsteht in der Gefäßwand ein immer größer werdender Berg von Cholesterin, abgestorbenen Zellen und entstehendem Bindegewebe - die sogenannte Plaque. Diese wächst in das Gefäß ein und verengt den Durchmesser, sodass das Blut Schwierigkeiten hat, die Stelle zu passieren. In der Folge kann die Plaque so groß werden, dass sie das gesamte Gefäß verschließt. Möglich ist auch, dass die Plaque aufbricht und Bruchstücke das Gefäß entlanggespült werden. An einer Engstelle der Arterie können sie schließlich hängenbleiben und das Gefäß dort verschließen. Der dahinterliegende Abschnitt erhält kein Blut und somit keinen Sauerstoff mehr und beginnt abzusterben.
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Risikofaktoren für Arteriosklerose
Bis heute sind zwar vermutlich noch nicht alle Ursachen für eine Arteriosklerose genau bekannt, es gibt jedoch vier wesentliche Faktoren, die das Erkrankungsrisiko entscheidend beeinflussen:
- Erhöhter Cholesterinspiegel
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Hoher Blutdruck
- Nikotin
Von Bedeutung sind ferner genetische Faktoren (wobei z. B. Menschen, in deren Familien gehäuft Todesfälle infolge von Herzinfarkten oder Schlaganfällen bzw. Erkrankungen der peripheren Blutgefäße auftreten, sollten einerseits auf eine gesunde Lebensführung achten bzw. Risikofaktoren vermeiden und andererseits zumindest vom 50.
Es gibt bestimmte körperliche Gegebenheiten und Lebensgewohnheiten, die das Risiko für eine Atherosklerose erhöhen. Ältere Menschen leiden häufiger an Arterienverkalkung. Sie betrifft auch mehr Männer als Frauen. Den Grund sehen Experten in den weiblichen Hormonen, vornehmlich Östrogen, das einen schützenden Einfluss haben soll. Männer entwickeln die Arteriosklerose auch früher. Überdies spielt das Erbgut eine Rolle (genetische Veranlagung). Leiden nahe Verwandte (Männer unter 55 Jahren, Frauen unter 65 Jahren) an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung durch Arteriosklerose, ist auch das Risiko für den Betreffenden erhöht. Vererbbare Fettstoffwechselstörungen, aber auch die geographische Herkunft beeinflussen ebenfalls das Arteriosklerose-Risiko.
Alter, Geschlecht und Erbgut kann man nicht verändern. Doch auch der Lebensstil hat Einfluss auf das Arteriosklerose-Risiko. Ernährung, Bewegungsmangel, Rauchen oder Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes fördern die Krankheitsentstehung in allen Altersgruppen:
- Hohe LDL-Cholesterinwerte begünstigen die Plaquebildung.
- Bluthochdruck schädigt direkt die Gefäßinnenwände. Herrscht im Blutgefäßsystem dauerhaft ein zu hoher Druck, belastet er täglich die Gefäßwände. Diese Beanspruchung verursacht mikroskopisch kleine Verletzungen, an denen sich unter anderem Fette wie Cholesterin ablagern können.
- Eine Ernährung reich an gesättigten Fettsäuren, etwa in tierischen Lebensmitteln, fördert hohe LDL-Cholesterinwerte und Übergewicht - beide Faktoren erhöhen das Arteriosklerose-Risiko.
- Rauchen begünstigt Durchblutungsstörungen, kann Blutgefäße schädigen und den Blutdruck sowie die Cholesterinwerte erhöhen. Es ist heute zweifelsfrei erwiesen, dass Rauchen einer der aggressivsten Risikofaktoren für die Entstehung einer Arteriosklerose ist. Außerdem tragen Stoffe aus Tabakrauch zur Bildung sogenannter instabiler Plaques bei. Das sind Ablagerungen in den Arterien, die aufbrechen können.
- Erhöhte Blutzuckerwerte durch Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) schädigen die Gefäße (Angiopathie).
- Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) sind ebenfalls mit einem höheren Risiko für Atherosklerose verbunden.
- Mangelnde Bewegung kann den Blutdruck steigen lassen, den Cholesterinstoffwechsel verschlechtern und Übergewicht sowie Diabetes fördern.
- Hohe Menge an Triglyceriden (Neutralfetten) im Blut können das Atherosklerose-Risiko erhöhen.
- Chronischer Stress kann entzündliche Prozesse im Körper anregen und Blutgefäße verengen.
- Rheumatoide Arthritis („Gelenkrheuma“) und andere chronische Entzündungen oder Autoimmunerkrankungen können die Plaque-Bildung anregen.
- Schlafapnoe (obstruktives Schlafapnoe-Syndrom) fördert unbehandelt weitere Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes und steht in Zusammenhang mit Schlaganfall und Herzinfarkt.
- Östrogen hat einen schützenden Einfluss auf die Gefäßwände. Östrogenmangel nach der Menopause (Zeitpunkt der letzten Regelblutung während der Wechseljahre) erhöht das Herz-Kreislauf-Risiko von Frauen.
- Alkohol kann den Herzmuskel schädigen und weitere Atherosklerose-Risikofaktoren fördern.
Im Unterschied zur Atherosklerose spielt bei der Entstehung von Mediasklerose der Lebensstil eine geringere Rolle. Zu den Hauptrisikofaktoren gehören ein höheres Lebensalter, Diabetes mellitus sowie eine chronische Niereninsuffizienz.
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Symptome und Folgen der Arteriosklerose
Arteriosklerose ist selbst nicht schmerzhaft und von außen weder zu sehen noch zu tasten. Das macht die Krankheit so tückisch. Die Gefäßverkalkung ist ein schleichender Prozess und kann mitunter über mehrere Jahre hinweg unbemerkt bleiben. Meist verursacht Arteriosklerose über lange Zeit keine Symptome. Erst wenn der Blutfluss behindert oder unterbrochen ist, treten Beschwerden auf. Die Symptome können sehr unterschiedlich sein, je nachdem, in welchem Teil des Körpers die Blutversorgung beeinträchtigt ist. Schlimmstenfalls kann es zu einem Gefäßverschluss kommen, der zum Tod führt.
Häufig sind mehrere Organe von einer arteriellen Durchblutungsstörung betroffen. Schlaganfall und Herzinfarkt sind die bekanntesten Folgen einer solchen Durchblutungsstörung, denn empfindliche Organe wie Herz und Gehirn benötigen viel Sauerstoff; Sauerstoffmangel ist hier besonders schädlich. Aber auch die Extremitäten sind in Gefahr.
Im fortgeschrittenen Stadium der Arterienverkalkung verliert die Gefäßwand ihre natürliche Elastizität. Wenn Plaques einreißen, kann sich ein Blutgerinnsel (geronnenes Blut innerhalb eines Blutgefäßes) bilden. Neben dieser Ausprägungsform sind die Halsschlagader, die Hirnarterien sowie die Herzkranzgefäße besonders häufig von der Arterienverkalkung betroffen.
Wie sich Arteriosklerose äußert, hängt davon ab, in welchen Gefäßen die Ablagerungen entstanden sind und in welchen Organen oder Körperregionen es dadurch zu einer Minderdurchblutung kommt.
Mögliche Folgeerkrankungen und ihre Symptome:
- Koronare Herzkrankheit (KHK): Verengen sich die Gefäße im Bereich des Herzens immer weiter, kommt es zu einer Minderversorgung des Herzmuskels: Die Herzmuskelzellen erhalten zu wenig oder gar keinen Sauerstoff sowie Nährstoffe, wodurch sie sogar absterben können. Hat sich die Verkalkung im Bereich des Herzens gebildet, kann eine koronare Herzkrankheit (KHK) entstehen. Sie geht unter anderem mit Kurzatmigkeit und Brustenge (Angina pectoris) einher. So machen sich verengte Herzkranzgefäße bei körperlicher Anstrengung häufig durch ein Engegefühl oder Schmerzen in der Brust bemerkbar (Angina pectoris). Die koronare Herzkrankheit der durch Arteriosklerose verengten Herzkranzgefäße und damit einer Minderdurchblutung der Herzmuskulatur. Ist ein Herzkranzgefäß gänzlich verstopft, kommt es zu einem Herzinfarkt.
- Schlaganfall: Eine verschlossene Halsschlagader oder Hirnarterie führt zu einem Schlaganfall. Bei einem kompletten Verschluss einer größeren Arterie wird das dahinter gelegene Nervengewebe nicht mehr mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt - es kommt zum Hirninfarkt, also zum Schlaganfall. Bei einem vorübergehenden Verschluss durch ein kleines Gerinnsel, das sich von selbst wieder auflöst, sprechen Ärzte von einer Transitorischen Ischämischen Attacke (TIA). Dabei verschwinden die Symptome innerhalb weniger Minuten oder gar Sekunden wieder, sodass viele Betroffene die TIA nicht ernst nehmen. Trotzdem kann sie aber ein Vorbote eines schweren Schlaganfalls in den nächsten Stunden oder Tagen sein, der sich bei schneller Behandlung oft noch verhindern lässt. Deshalb sollte auch nach einer TIA sofort der Notarzt gerufen werden. Durchblutungsstörungen des Gehirns können einen ischämischen Schlaganfall (Hirninfarkt) auslösen. Ischämisch bedeutet, dass der Hirninfarkt auf eine plötzliche Minderdurchblutung von Nervenzellen zurückzuführen ist (im Gegensatz zum hämorrhagischen Schlaganfall, der durch eine Einblutung ausgelöst wird).
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK): Eine Verengung der Beingefäße führt zur peripheren Arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK). Diese wird oft auch als Schaufensterkrankheit bezeichnet, da die Beinmuskulatur durch die verengten Gefäße so schlecht mit Blut versorgt wird, dass sie bereits nach wenigen Schritten schmerzt. Die Betroffenen bleiben dann häufig, wie bei einem Schaufensterbummel, alle paar Meter stehen, um abzuwarten, bis der Schmerz wieder nachlässt. Sind Arterien in der unteren Extremität betroffen, macht sich dies als sogenannte periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) oder Schaufensterkrankheit bemerkbar - Schmerzen beim Gehen sind eine Folge.
- Nierenerkrankungen: Auch in den Gefäßen der Nieren kann eine Arteriosklerose entstehen. Das kann zu Bluthochdruck, Nierenschwäche oder Nierenversagen führen. Auch Nierenschwäche oder Nierenversagen können auf Arteriosklerose zurückgehen, wenn es dadurch zum Verschluss einer Nierenarterien gekommen ist.
Diagnose der Arteriosklerose
Bei einem Verdacht auf eine Arteriosklerose fragen Ärztinnen und Ärzte zunächst nach einer Schmerzsymptomatik, also Lokalisation, Art und Intensität eines Schmerzes, ob er nur unter Belastung oder auch in Ruhe auftritt. Anschließend erfolgt eine gründliche klinische Untersuchung, da eine Arteriosklerose meist in mehreren Körperregionen zugleich auftritt, zum Beispiel in den Herzkranzgefäßen, in den Hals-, Bein- oder Nierenarterien.
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Neben dem Abtasten des Pulses im direkten Seitenvergleich gehört dazu auch das Abtasten und ggf. das Abhorchen der Halsschlagadern, der Bauchschlagader (Aorta), der Nieren-, Becken- und Oberschenkelarterien mit dem Stethoskop, da hier bei einer Arteriosklerose mitunter Geräusche zu hören sind. Zusätzlich wird der Blutdruck an beiden Seiten gemessen, da eine ungewöhnlich große Differenz auf eine Arteriosklerose der Schlüsselbeinarterie hinweist.
Ein erhöhter Cholesterinwert ist mit einem erhöhten Risiko für Arteriosklerose verbunden und kann auf eine bereits bestehende Arteriosklerose hindeuten. Allerdings lässt sich anhand der Cholesterinwerte eine Arteriosklerose noch nicht eindeutig diagnostizieren. Sie können nur einen ersten Hinweis liefern. Zur weiteren Abklärung bestimmen Ärztinnen und Ärzte außerdem Blutwerte wie den Blutzucker und setzen bildgebende Verfahren ein, zum Beispiel Ultraschall, Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT).
Messung der Cholesterinwerte
Es werden drei verschiedene Cholesterinwerte bestimmt:
- LDL-Cholesterin
- HDL-Cholesterin
- Gesamtcholesterin: Es gibt an, wie viel Cholesterin sich insgesamt im Blutkreislauf befindet. Ein hoher Gesamtcholesterinwert ist eher ungünstig.
Wichtig zu wissen: Expertinnen und Experten empfehlen, zusätzlich den Lipoprotein(a)-Wert zu bestimmen. Lipoprotein(a) hat eine ähnliche Funktion wie LDL-Cholesterin. Es handelt sich um einen unabhängigen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dieser lässt sich nicht durch eine Ernährungsumstellung beeinflussen und muss ärztlich behandelt werden.
Bewertung der Cholesterinwerte
Wann die Cholesterinwerte als „zu hoch“ angesehen werden, hängt davon ab, welches Gesamtrisiko die jeweilige Person hat, in einem bestimmten Zeitraum eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln. Dieses Risiko wird anhand eines speziellen Punktesystems ermittelt (Score). Je höher der Score ist, umso eher werden die Cholesterinwerte als „zu hoch“ eingestuft. Oft wird von erhöhten Cholesterinwerten (Hypercholesterinämie) gesprochen, wenn der Gesamtcholesterinwert oder das LDL-Cholesterin über dem als günstig definierten Wert liegt. Als ungünstig gilt auch, wenn das HDL-Cholesterin unter diesem Grenzwert liegt.
Cholesterinwerte können in zwei verschiedenen Einheiten angegeben werden: als Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder als Millimol pro Liter (mmol/l). Als günstige Werte für gesunde Personen gelten:
- Gesamtcholesterin: Werte unter 200 mg/dl (5,2 mmol/l)
- LDL-Cholesterin: Werte unter 100 mg/dl (2,6 mmol/l)
- HDL-Cholesterin: Werte über 40 mg/dl (1 mmol/l) für Männer und über 50 mg/dl (1,3 mmol/l) für Frauen
Manche Fachleute kritisieren die Festlegung dieser Grenzwerte, weil sie dazu führt, dass sehr viele Menschen als „krank“ eingestuft werden.
Behandlung und Prävention der Arteriosklerose
Die Therapie der Arteriosklerose hat zunächst das Ziel, das weitere Fortschreiten der Erkrankung abzubremsen. Eine Arteriosklerose ist nicht heilbar, aber wenn noch keine Folgeerkrankungen aufgetreten sind, können Lebensstilveränderungen eine weitere Verschlimmerung oft deutlich verlangsamen. Darüber hinaus kann eine Bewegungstherapie die Bildung sogenannter Kollateralen fördern. Lassen Sie sich regelmäßig hausärztlich behandeln! Lassen Sie Blutdruck, Blutzucker, Fett- und Harnsäurewerte richtig einstellen und regelmäßig kontrollieren. Berichten Sie in der Sprechstunde von Veränderungen und neuen Beschwerden.
Eine Rückbildung von Arteriosklerose, etwa durch spezielle Medikamente, ist bislang nicht möglich. Durch eine gesunde Lebensweise können Patienten aber selbst viel dazu beitragen, dass die Erkrankung nicht weiter fortschreitet. Dazu sollten Sie alle Tipps beachten, die auch zur Vorbeugung empfohlen werden. Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt wird entscheiden, ob neben Medikamenten gegen eventuell bestehende Risikofaktoren wie Bluthochdruck, hohe LDL-Cholesterinwerte, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes eine zusätzliche Medikamenteneinnahme sinnvoll ist - Wirkstoffe, die die Blutgerinnung herabsetzen, können das Risiko für Blutgerinnsel senken.
Arteriosklerose lässt sich noch nicht heilen oder rückgängig machen. Man kann aber ihrer Entstehung vorbeugen oder ihr Voranschreiten verlangsamen. Das Ziel der Behandlung ist, ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf ein möglichst normales Niveau abzusenken. Neben der konsequenten Behandlung von Vorerkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck kommen verschiedene Therapiemaßnahmen infrage.
Vorbeugende Maßnahmen und Lebensstiländerungen:
- Nicht rauchen: Der Konsum von Tabak schlägt sich negativ auf die Gefäße nieder. Verengungen und der Verlust an Elastizität werden beschleunigt und eine Arteriosklerose kann entstehen. Stellen Sie das Rauchen ein! Es ist heute zweifelsfrei erwiesen, dass Rauchen einer der aggressivsten Risikofaktoren für die Entstehung einer Arteriosklerose ist. Hören Sie auf zu rauchen!
- Gesunde Ernährung: Achten Sie auf gesunde, ausgewogene und fettarme Ernährung. Die Umstellung des Lebensstils lohnt sich: Regelmäßiges (Geh-)Training in Verbindung mit ausgewogener Ernährung und den richtigen Medikamenten wird Ihre Lebensqualität deutlich verbessern, die Arteriosklerose aufhalten und Eingriffe hoffentlich unnötig machen. Vermeiden Sie ständigen Stress.
- Regelmäßige Bewegung: Bewegen Sie sich mehr! Insbesondere, wenn eine arterielle Durchblutungsstörung noch nicht so weit fortgeschritten ist, kann regelmäßiges, konsequentes und intensives Gehtraining mehr bewirken als manches Medikament. Durch das regelmäßige Training kann erreicht werden, dass sich die Gefäße, die um das verengte Gefäß herum liegen, erweitern und so mehr sauerstoffreiches Blut in die Muskulatur transportieren können. Dazu müssen Sie allerdings dranbleiben und regelmäßig trainieren. Lassen Sie sich beraten, wie Sie Gefäßsportgruppen finden und wie Sie daran teilnehmen können. Bereits 30 Minuten am Tag reichen dabei aus.
- Gewichtsreduktion: Wenn Sie übergewichtig sind, reduzieren Sie Ihr Gewicht.
- Alkoholkonsum in Maßen: Trinken Sie Alkohol in Maßen.
- Medikamenteneinnahme nach Anweisung: Falls Ihnen Medikamente gegen Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes mellitus verschrieben worden sein sollten, nehmen Sie diese nach Anweisung ein.
- Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen: Nehmen Sie regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wahr.
- Stressbewältigung: Vermeiden Sie ständigen Stress.
Medikamentöse Behandlung:
Reichen Ernährungsumstellung und Bewegung allein nicht aus, um die Cholesterinwerte ausreichend zu senken, können Medikamente zum Einsatz kommen. Für Menschen, die noch nie einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder eine andere Herz-Kreislauf-Erkrankung hatten, ist dafür nur eine Gruppe von Medikamenten gut erprobt: die Statine.
Interventionelle und operative Maßnahmen:
Insbesondere bei einem akuten Gefäßverschluss (Infarkt), besteht zudem die Möglichkeit, sie durch einen Katheter aufzudehnen und durch ein kleines, röhrenförmiges Gitter (Stent) offen zu halten. Entwickelt sie sich trotzdem weiter, müssen die Arterien durch Eingriffe wieder durchgängig gemacht werden - endovaskulär mithilfe eines Katheters oder in einer offenen Operation. Der Arzt kann Ablagerungen zum Teil auch über einen Katheter entfernen. Gegebenenfalls wird ein Bypass gelegt. Wenn die Arteriosklerose bereits weit fortgeschritten ist und Komplikationen wie ein Herzinfarkt drohen, ist meist ein Katheter-Eingriff oder eine Operation am Herzen nötig. Abhängig davon, welche Gefäße verengt und wie stark die Beschwerden sind, kommen unterschiedliche Verfahren infrage: Mit einem Katheter, an dessen Ende sich ein Ballon befindet, können verengte Gefäße aufgedehnt und falls nötig anschließend mit einem röhrenförmigem Metallgitter (Stent) stabilisiert werden. Eine weitere Möglichkeit ist eine Bypass-Operation, bei der die kritische Engstelle entweder mit einem körpereigenen Blutgefäß oder einem künstlichen Schlauch überbrückt wird.
Leben mit Arteriosklerose
Arteriosklerose und ihre Folgen wie die koronare Herzkrankheit sind chronische Erkrankungen - sie bleiben ein Leben lang bestehen. Das muss aber nicht heißen, dass sie das Leben bestimmen. Wer sich mit seiner Erkrankung gut auskennt, kann die Therapie mitgestalten und mögliche Probleme rechtzeitig erkennen. Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen haben manchmal das Gefühl, ihr ganzes Leben sofort ändern zu müssen. Das ist aber meist unrealistisch. Wenn man es langsam angehen lässt, gelingt es besser. Wer Arteriosklerose hat, muss keine Schuldgefühle hegen. Der persönliche Lebensstil ist nur einer von mehreren Faktoren, die eine Arteriosklerose verursachen können.
Lebenserwartung bei Arteriosklerose
Die Lebenserwartung ist bei einer Arteriosklerose im Vergleich zu gesunden Menschen deutlich eingeschränkt, da die Folgeerkrankungen am Herzen und im Gehirn zu den häufigen Todesursachen zählen. Auch wenn Organe im Bauchraum betroffen sind, kann die Lebenserwartung sinken.
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