Epilepsie bei Katzen: Diagnose und Behandlung in der Tierklinik

Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen bei Katzen. In der Tierklinik Hofheim wird seit Juni 2012 eine Spezialsprechstunde für Hunde und Katzen angeboten, die unter Anfallsgeschehen leiden. Da diese Patienten besonders stressanfällig sind, liegen die Termine zu Zeiten, in denen möglichst wenig Publikumsverkehr herrscht. Aufgrund der sehr komplexen Therapie ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Haustierarzt von großer Wichtigkeit. Hierfür bieten wir eine spezielle Epilepsiesprechstunde an.

Was ist Epilepsie?

Epilepsie ist die häufigste neurologische Erkrankung bei Hund und Katze. Ungefähr 1% aller Hunde sind betroffen. Durch eine übermäßige, elektrische Aktivität im Gehirn werden sogenannte epileptiforme Anfälle ausgelöst. Diese können sich ganz unterschiedlich präsentieren.

Das Gehirn besteht aus einem Netzwerk von Nervenzellen die permanent aktiv sind. Elektrische Strömungen werden entsprechend der jeweiligen Funktionsabläufe zwischen funktionellen Hirnabschnitten hin- und hergeleitet. Nach der Ausführung einer Aktion wird der elektrische Befehl unterbrochen oder zumindestens eingedämmt. Eine plötzliche elektrische Entladungen vieler Nervenzellen ohne eine ausreichende Kontrolle, die in jedem Gehirn von nahezu allen Tieren auftreten kann, sind die Auslöser von epileptischen Anfällen. Ein Anfall allein ist noch keine epileptische Erkrankung, die einer Behandlung bedarf.

Das Wort Epilepsie stammt aus dem aus dem Griechischen und bedeutet „ergriffen“ oder „überwältigt werden“. Dies beschreibt einerseits die „Entrücktheit“, ein Verhalten der sinnliche Abwesenheit, das Starren in die Leere und die Unbeantwortung von Ansprache. Die Tiere können dabei Urin verlieren oder Anfangen zu Speicheln. Die Pupillen sind erweitert und die Augen weit geöffnet. Diese Anzeichen sind Ausdruck einer Erregungskonzentration in einem abgrenzbaren Teil des Gehirns, der Aufmerksamkeit und Konzentration, und vegetative Prozesse steuert. Die Pupillen sind massive vergrößert und die Augen werden oft weit aufgerissen. Aktiviert die elektrische Erregung ein Areal, das für die Kontrolle von Muskelbewegungen verantwortlich ist, kann es zu Zuckungen einzelner Muskeln des Gesichts oder der Gliedmaßen kommen. Breitet sich die Erregung ungebremst über das ganze Gehirn aus kommt es zu einem generalisierten Anfall. Der gesamte Körper zeigt ungebremste Muskelaktivität, die sich entweder tonisch darstellt, also in fest gespannter Muskelaktivität, oder in rhythmischen Zuckungen aller Gliedmaßen, des Kopfes und der Gesichtsmuskulatur. Die Tiere sind nicht bei Bewußtsein und bekommen weder von ihrer Umgebung, noch von ihrem Anfall, oder von ihrer Bezugsperson etwas mit. In der Regel wird Urin und Kot abgesetzt und die Tiere speicheln stark.

Formen von epileptischen Anfällen

Es gibt unterschiedliche Formen von Krampfanfällen. Bei sogenannten fokalen Anfällen handelt es sich um die mildeste Form, bei der nur eine der beiden Hirnhälften betroffen ist. Dazu kann z.B. lediglich das Zucken mit dem Mundwinkel oder Fliegenschnappen zählen. Die schwerste Form stellen generalisierte Anfälle dar. Dabei verliert das Tier i.d.R. das Bewusstsein und fällt häufig unter Krämpfen zu Boden. Auch der unbewusste Verlust von Harn und Kot sowie übermäßiges Speicheln können auftreten.

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Dauer von epileptischen Anfällen

Epileptische Anfälle können nur wenige Sekunden, einige Minuten oder aber auch mehrere Stunden dauern.

Es handelt sich um einen Notfall, der sofort in der Klinik vorgestellt werden muss, wenn:

  • der Krampfanfall länger als 5 Minuten andauert (Status epilepticus)
  • mehr als 2 Anfälle innerhalb von 24 Stunden auftreten (Cluster/Serienanfälle)

Unter einem "Status epilepticus" versteht man Anfallsaktivität, die nicht wie üblich von selbst aufhört. Ohne tierärztliche Hilfe ist dies ein lebensbedrohlicher Zustand. Die ständige Muskelkontraktion führt zu einer Überbelastung des Körpers. Die Abfallprodukte des Muskestoffwechsel kann die Niere schädigen. Ein massiver Ausstoß von Adrenalin steigert zunächst den Blutdruck führt zu erhöhter Herzaktivität, was schließlich in einem Überlastungs-Herzstillstand münden kann.

Ablauf von epileptischen Anfällen

In der Regel verläuft ein epileptischer Anfall in 3 Phasen:

  • Vor dem Anfall (präiktal, „Aura“): Verhaltensänderungen, z.B. Unruhe, Verwirrtheit, Speicheln, besondere Anhänglichkeit
  • Während dem Anfall (iktal): Versteifung der Muskulatur, zu Boden fallen, Rudern, paddelnde Bewegungen, Speicheln, Zittern, Lautäußerungen, Verlust von Harn/Kot
  • Nach dem Anfall (postiktal): Verhaltensänderungen, z.B. Unruhe, Drangwandern, Blindheit

Ein epileptischer Anfall folgt meistens einer gewissen Dramaturgie. Bevor die Nervenzellen sich so massiv entladen, dass ein Anfall ausgelöst wird, kommt es bereits zu Störungen der normalen Hirnfunktion, die von den betroffenen Tieren bemerkt wird. Die Tiere können nervös sein, die Nähe des Besitzers suchen, ängstlich sein und gewohntes Verhalten verändern. Das Gehirn macht im Prinzip nach einem Anfall das was man mit einem fehlerhaften Computer machen würde - Ausschalten und neu Starten. Nach einem Anfall kann eines oder mehrere Gehrinareale ausgeschaltet werden. Das äußert sich in Desorientiertheit, Abwesenheit, ja sogar in Blindheit und gelähmten Gliedmaßen. Bitte achten Sie darauf ihrem Hund oder ihrer Katze nach einem Anfall erst einmal Zeit zu geben sich zu erholen. Viele Tiere reagieren aggressiv, entweder während oder auch nach einem Anfall.

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Differentialdiagnosen: Wann ist es keine Epilepsie?

Bei Herzerkrankungen kann es dazu kommen, daß das Gehirn zeitweise nicht genug Sauerstoff bekommt. Diesen Effekt kennt man von den Schwindelgefühlen nachdem man länger in der Hocke sitzt und plötzlich rasch aufsteht. Hier sackt das Blut plötzlich in dies Beine und ist nicht in ausreichender Menge im Gehirn. Ein solche „Synkope“ kann zu einem Bewußtseinsverlusst führen. Die Tiere können in der Erholungsphase mit den Gliedmaßen rudern und strampeln, da sie zwar schon wieder aufstehen möchten, aber nicht so weit erholt sind, daß das schon möglich ist. Ein wichtiger Unterschied zum epileptischen Anfall besteht in der fehlenden langsamen Erholung nach einem Anfall. Nach einer Herzattacke sind die Tiere in der Regel sehr schnell wieder ganz normal. Speicheln, Urin und Kotabsatz werden ebenfalls nicht beobachtet.

Epilepsie-artige Bewegungen mit Hinfallen, Rudern der Gliemaßen und Lautäußerungen werden auch bei einer Schwindelattacke (akutes Vestibularsyndrom) beobachtet. Hier kommt es zu einer Fehlfunktion des Gleichgewichtsorgans. Die Tiere fallen hin und können nur mit fremder Hilfe wieder aufstehen. Diese Attacke dauert oft sehr lang.

Typen der Epilepsie

Man kann Epilepsie - nach ihrer Ursache - grob in 2 Typen unterscheiden.

  • Die idiopathische Epilepsie ist das, was man im Allgemeinen unter Epilepsie versteht - es kann keine zugrunde liegende Ursache gefunden werden. Inzwischen nimmt man an - bzw. konnte bei einigen Rassen sogar schon nachweisen - dass es sich hierbei um eine genetische, also häufig vererbte, Erkrankung handelt. Die idiopathische Epilepsie tritt meistens erstmals zwischen dem 1 und 6 Lebensjahr auf. Manche Rassen, z.B. der Golden Retriever, sind besonders häufig betroffen.
  • Die strukturelle oder symptomatische Epilepsie liegt vor, wenn den Anfällen eine andere Erkrankung zugrunde liegt. Dazu zählen z.B. Erkrankungen anderer Organe wie Niere oder Leber, angeborene Missbildungen, Infektionen, Gehirntumore oder Vergiftungen.

Ein epileptischer Anfall entsteht dann wenn das Gleichgewicht zwischen elektrischer Erregung und Eindämmung dieser Erregung verschoben wird. Dieses Ungleichgewicht kann durch eine Ursache im Gehirn oder außerhalb des Gehirns verursacht werden. Innere Ursachen liegen in Erkrankungen anderer Organe des Körpers, die zu Störungen im Stoffwechsel der Tiere führen. Lebererkrankungen und Gefäßmissbildungen der Leber (sog. portosystemischer Shunt) können zu einer Überflutung des Gehirns mit körpereigenen Giftstoffen (Ammoniak) führen, die sonst in der Leber abgebaut würden. Abweichungen des Blutspiegels von Körpersalzen wie Kalzium und Kalium, die sich bei Nieren- oder Nebennierkrankungen, sowie bei Erkrankungen der Nebenschilddrüse einstellen, können ebenfalls zu Krampfanfällen führen. In der unmittelbaren Umwelt unserer Haustiere findet man eine Fülle von Giften, die das Gleichgewicht der Nervenfunktion stören und Anfälle auslösen können. Von Zahnpasta und Kaugummis über Frostschutzmittel, bis hin zu Pflanzeschutzmitteln auf Feldern, oder im Schneckenkorn und Insektenvertilgungsmittel aus dem eigenen Garten können Anfällen hervorrufen.

Veränderungen der normalen Struktur des Gehirnes und seiner funktionellen Komponenten können epileptische Anfälle hervorrufen. Je nach Alter der Tiere kommen unterschiedliche Hirnveränderungen in Frage. Jungtiere haben oftmals eine Missbildung des Gehirns. Virus-Infektionen und andere bakterielle oder parasitäre Erreger können das Gehirn befallen. Junge ausgewachsene Tiere können Gehirn-Entzündungen ausbilden, die ohne eine Infektion durch Überreaktionen des Immunsystems entstehen (immunvermittelte Enzephalitiden). Blutungen und Hirninfarkte rufen bei älteren Tieren Anfälle hervor. Seltene in der Regeln angeborene Stoffwechselstörungen der Gehirnzellen können zur Degeneration von Neuronen führen.

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Sind alle Ursachen für eine sekundäre oder reaktive Epilepsie ausgeschlossen, kommt man zu der Diagnose “primäre” oder “idiopathische Epilepsie”. Hierbei geht man von einer Schädigung einzelner Nervenzellen aus, die auf die normalen Signale einer Eindämmung der elektrischen Aktivität nicht reagieren, oder selbstständig aktiv sind und eigenständig elektrische Impulse auslösen und verbreiten.

Diagnose einer Epilepsie

Um Ihrem Tier die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen ist es unerlässlich, die Ursache und damit Form der Epilepsie zu kennen. Besonders wichtig für den Tierarzt ist immer das Gespräch mit Ihnen als Besitzer, gefolgt von einer gründlichen allgemeinen und neurologischen Untersuchung. Dokumentieren Sie genau, wann Ihr Tier Anfälle hat, wie lange diese dauern, wie sie ablaufen und was sie vorher und hinterher beobachtet haben (Anfallstagebuch). Videoaufnahmen sind dabei für den Tierarzt sehr hilfreich. Häufig wird er nach einer gründlichen Untersuchung schon einen Verdacht haben, ob es sich eher um eine idiopathische oder strukturelle Epilepsie handelt.

Leider gibt es keinen Test um eine Epilepsie zu beweisen, sondern man muss die möglichen Ursachen, die einen Anfall auslösen können Schritt für Schritt ausschließen. Durch ein intensives Gespräch muss geklärt werden, wie sich die epileptischen Anfälle klinisch darstellen, in welchen Abständen sie auftreten, und wie lange sie dauern. Auslösende Faktoren in der Vergangenheit oder der Gegenwart müssen systematisch erkundet werden. Nicht zuletzt muss sicher sein, dass es sich überhaupt um einen epileptischen Anfall handelt und nicht um eine Störung des Gleichgewichts, - der Herztätigkeit. Oder eine andere Erkrankung vorliegt. Liegt der auslösende Faktor für die Epilepsie im Gehirn selbst, ist häufig auch die Funktion anderer Systeme des Nervensystems geschädigt.

Das weitere Vorgehen hängt von den Symptomen des Patienten ab. Zur Abklärung einer Epilepsie gehören Blutuntersuchungen (großes Blutbild, Organwerte, ggf. Funktionstests), Bildgebung (i.d.R. CT oder MRT, ggf. auch Ultraschall) und eine Untersuchung des Hirnwassers. Erst wenn alle diese Untersuchungen abgeschlossen sind, kann man die Diagnose einer idiopathischen Epilepsie stellen (Ausschlussdiagnose). Eine Blutuntersuchung kann die wichtigsten Hinweise auf einen Organschaden und andere Störungen des Körperstoffwechsels liefern. Neben den Standardtests muss die Funktion der Leber (Ammonikatest) aus einer Blutprobe umgehend nach Entnahme überprüft werden.

Im Rahmen dieser Sprechstunde kann die Erstabklärung durchgeführt werden, wenn das Anfallsgeschehen erst seit kurzer Zeit besteht und bislang keine Therapie erfolgt ist. Die Untersuchung beinhaltet die Aufnahme eines ausführlichen Vorberichtes (Besprechung der bisher beobachteten Anfälle, Informationen über Wurfgeschwister und Elterntiere usw.) und eine eingehende allgemeine und neurologische Untersuchung. Wenn noch nicht erfolgt, werden über eine Blutuntersuchung alle relevanten Parameter geprüft, um eine Stoffwechselstörung als Anfallsursache auszuschließen. Aufgrund der apparativen Möglichkeiten unserer Klinik findet diese Untersuchung sofort im Haus statt, so dass die Befunde direkt im persönlichen Gespräch erörtert werden können. Je nach Befund können anschließend oder in einem zweiten Termin weitere Untersuchungen in Narkose erfolgen (Kernspintomographie des Gehirns, Punktion und Untersuchung der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit). Sind diese Abklärungen bereits erfolgt, so bietet die Sprechstunde außerdem die Möglichkeit einer ausführlichen Beratung bezüglich der Therapiemöglichkeiten abhängig von der Diagnose.

Neurologische Untersuchung

Neben einer ausführlichen Anamnese prüfen wir Reflexe, Bewegungsabläufe und Koordination.

Um Gehirn und Rückenmark mit bildgebenden Verfahren zu untersuchen, führen wir entweder eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) durch. Die CT eignet sich besonders gut für Veränderungen an den Knochen wie zum Beispiel der Wirbelsäule, während die MRT sehr gut Weichteile wie das Gehirn oder das Rückenmark darstellt.

Im Anschluss an die MRT oder CT, wird sehr häufig eine Probe der Gehirnflüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) punktiert und sofort untersucht. Dabei suchen wir vor allem nach Zeichen einer Entzündung, aber manchmal auch nach Tumorzellen. Bei Verdacht auf eine Erkrankung der peripheren Nerven empfehlen wir die Durchführung von Elektrodiagnostik um dies zu bestätigen und genauer zu charakterisieren. Eine Muskel- und Nervbiopsie, welche in einem Speziallabor untersucht wird, gibt uns oft eine genauere Aussage über die Art der Muskel- oder Nervenerkrankung.

Behandlung der Epilepsie

Handelt es sich um eine strukturelle Epilepsie wird die Grunderkrankung behandelt, welche die Anfälle auslöst. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, erst eine Diagnose zu stellen. Bei sekundären Epilepsien muss die auslösende Grundursache beseitugt werden. Entfernt man einen Hirntumor so tritt die Epilepsie danach in der Regel nicht mehr auf.

Bei einer idiopathischen Epilepsie erfolgt i.d.R. die Therapie mit antikonvulsiven (antiepileptischen) Medikamenten. Nicht jede Epilepsie muss aber behandelt werden. Mit der Therapie sollte begonnen werden, wenn das Tier mehr als 2 Anfälle in 6 Monaten gezeigt hat oder ein Cluster oder Status aufgetreten ist (Notfall!). Wichtig ist: Epilepsie ist NICHT heilbar. Das Tier wird i.d.R. lebenslang behandelt werden müssen. Dennoch ist die Lebenserwartung eines Epileptikers nicht eingeschränkt. Ist ihr Tier an einer primären Epilepsie erkrankt müssen Medikamente die elektrische Aktivität im Gehirn dämpfen. DIESE MÜSSEN LEBENSLANG EINGENOMMEN WERDEN UND DÜRFEN NICHT EIGENSTÄNDIG ABGESETZT WERDEN! Genau wie bei Menschen is das Ziel einer antiepileptischen Therapie, daß ihr Tier nicht häufiger als einmal im Monat einen Anfall bekommt. Rund 75% der Tiere sprechen hervorragend auf ein antiepileptisches Medikament an und können ein relativ uneingeschränktes, normales Leben führen. Von den restlichen 25 % sind wiederum ca. Bei einem geringen Prozentsatz der Tier kann es schon zu Beginn oder im Laufe der Behandlung zu einer Therapieresistenz kommen. Das heißt, trotz optimaler Therapie hat das Tier viele Anfälle. Insbesondere Patientenbesitzer, deren Tiere sich therapieresistent zeigen, können hier intensiv beraten werden. Da heutzutage verschiedene neuere Medikamente zur Verfügung stehen, können wir verschiedene Alternativen aufzeigen, um eine bessere Anfallskontrolle zu ermöglichen.

Zur Verfügung stehen in Deutschland lediglich 3 Medikamente, die im Folgenden kurz vorgestellt werden:

  • Phenobarbital ist meistens die erste Wahl. Es wird i.d.R. zweimal täglich verabreicht. Nicht geeignet ist Phenobarbital bei Erkrankungen der Leber. Aus diesem Grund zählt zur Überwachung eines Epileptikers auch die regelmäßige Kontrolle der Organwerte. Phenobarbital braucht 2 Wochen, um seinen Wirkspiegel zu erreichen. Von da an sollte dieser Spiegel regelmäßig im Blut kontrolliert werden, um das Tier optimal einzustellen (so viel wie nötig, so wenig wie möglich).
  • Imepitoin (Pexion) ist ein noch relativ neues Medikament, welches extra für Hunde entwickelt wurde. Es hat nur wenig Nebenwirkungen, ist aber nicht wirksam bei Clusteranfällen. Imepitoin wird nicht im Blut kontrolliert, die Einstellung erfolgt also rein nach Kontrolle der Anfallshäufigkeit.
  • Kaliumbromid ist das 3. zugelassene Medikament. Auch wenn es zur Einzeltherapie zugelassen ist, wird es meistens als Zusatz (Add-on) genutzt, wenn ein Medikament alleine nicht wirksam genug war. Kaliumbromid braucht ca. 3 Monate um einen stabilen Spiegel zu erreichen. Dieser sollte - wie auch bei Phenobarbital - regelmäßig kontrolliert werden. Bei Tieren, die mit Kaliumbromid behandelt werden, ist es wichtig auf einen gleichbleibenden Salzgehalt im Futter zu achten, da Schwankungen bei der täglichen Salzaufnahme Anfälle auslösen können.

Sollten die genannten Medikamente nicht ausreichend wirksam sein oder aus anderen Gründen nicht eingesetzt werden können, darf der Tierarzt Medikamente aus der Humanmedizin umwidmen. Dabei handelt es sich meistens um Levetirazetam. Dieses Medikament hat sehr wenige Nebenwirkungen, ist dafür aber alle 8 Stunden zu verabreichen und zudem recht kostenintensiv. Im Gegensatz zu allen anderen vorgestellten Medikamenten verursacht Levetirazetam keine Abhängigkeit. Es ist deshalb sehr gut geeignet, um durch eine kurzzeitige Zugabe von Levetirazetam Clusteranfälle zu unterbrechen. Außerdem ist es bei strukturellen Epilepsien sehr gut wirksam.

Egal welche Medikamente eingesetzt werden - wichtig ist die gute Überwachung des Epileptikers. Dafür ist Ihr Tierarzt auf Ihre Mitarbeit angewiesen. Dokumentieren Sie Anfälle in Ihrem Anfallstagebuch, geben Sie Medikamente immer genau nach Plan und kommen sie regelmäßig zu den vereinbarten Kontrollen. So können wir unser Ziel erreichen und eine maximale Lebensqualität für Ihren Epileptiker und Sie als Besitzer schaffen.

Medikamentelle Therapie anderer neurologischer Erkrankungen

Viele Erkrankungen können medikamentell behandelt werden. Häufig setzen wir Entzündungshemmer, Antiepileptika oder Schmerzmittel ein.

Leben mit Epilepsie

Das Leben mit einem Epileptiker kann eine Herausforderung sein - schließlich handelt es sich um eine unheilbare Erkrankung, die lebenslang therapiert werden muss. Zudem ist es für Patient und Besitzer jedes Mal eine Stresssituation, wenn Anfälle auftreten.

Auch wenn es schwer fällt - bleiben Sie ruhig. Ihr Tier bekommt i. d. R. nichts von dem Anfall mit, da es nicht bei Bewusstsein ist.

Andere neurologische Erkrankungen und ihre Symptome

Oft sind es sehr unspezifische und wenig offensichtliche Symptome. Doch auch eine Vielzahl sehr massiver Anzeichen kann auf eine neurologische Erkrankung hinweisen: so z. B. Krampfanfälle, Lähmungen, unerklärliche Schwächen oder Verlust des Seh- oder Hörvermögens. Vom zentralen Nervensystem mit Gehirn und Rückenmark über das periphere Nervensystem bis hin zu den blutversorgenden Gefäßen - dies umfasst die Neurologie. Hunde und Katzen mit Krampfanfällen oder Lähmungen kommen daher häufig in meine Tierarztpraxis. Oft sind die Leiden chronisch und bedürfen einer besonderen Zuwendung, zumal Hunde und Katzen sich nur bedingt mitteilen. Die Aufarbeitung neurologischer Erkrankungen bei Hund und Katze bedarf einer gründlichen Besprechung des Vorberichtes (Anamnese). Hierfür steht umfangreiches diagnostisches Gerät in meiner Tierarztpraxis zur Verfügung. Insbesondere die Elektrodiagnostik kann zur Aufklärung vieler neurologischer Krankheiten bei Hund und Katze beitragen. Mit diesem Gerät können wir Gehörtests durchführen, Sehtests, Muskelfunktionsprüfungen (EMG), Nervenfunktionsprüfungen (ENG) sowie Hirnstrommessungen (EEG). Meine elektrodiagnostische Erfahrung gründet sich auf 25 Jahre Praxis. Die Therapie der neurologischen Erkrankungen wird in engem Kontakt mit Ihnen als Tierhalter abgestimmt und wenn nötig angepasst. Sollte ein neurochirurgischer Eingriff erforderlich sein (z.B. In die Betreuung nach Operationen von Hunden und Katzen beziehe ich Sie als Tierhalter soweit als möglich mit ein. In Physiotherapeutische Handgriffe und Techniken, die zu Hause durchführbar sind, werden sie eingewiesen und die entsprechende Nachversorgung regelmäßig besprochen. Bei der Betreuung chronischer Krankheiten (wie z.B.

Beispiele weiterer neurologischer Erkrankungen

  • Bandscheibenvorfälle: Bandscheibenmaterial fällt in den Wirbelkanal vor und drückt auf das Rückenmark, dies führt zu Schmerzen bis hin zu kompletten Lähmungen. Diagnostik: CT oder MRT. Therapie: abhängig vom Schweregrad medikamentell oder operativ. Prognose: meist gut. Leichte Bandscheibenvorfälle können ohne Operation, z. B. durch Physiotherapie und Schmerztherapie, behandelt werden.
  • Otitis media und interna: Entzündung des Mittel- und Innenohres führt häufig zu Gleichgewichtsstörungen. Diagnostik: Otoskopie, Labor, CT oder MRT, ggf. Videootoskopie. Prognose: meist gut.
  • Geriatrisches Vestibulärsyndrom: Plötzliche Gleichgewichtsstörungen beim alten Hund ohne eine nachweisbare Ursache. Diagnostik: Labor, ggf. andere Ursachen ausschließen mit MRT. Therapie: Infusion, Medikamente gegen Übelkeit. Prognose: gut.
  • Neurologische Form von FIP: Virale Infektionserkrankung die zu eitrigen Entzündungen im zentralen Nervensystem führt. Diagnostik: Labor, Liquorpunktion, ggf. MRT, ggf. FIP PCR / Antikörper. Therapie: keine. Prognose: aussichtslos.
  • Portosystemischer Shunt: Ein Blutgefäß, dass durch die Leber gehen sollte, umgeht diese. Dadurch können Nährstoffe nicht richtig verwertet werden und Giftstoffe sammeln sich an. Diagnostik: Labor incl. Leberfunktionstest, Ultraschall, ggf. CT. Therapie: proteinarme Diät, operativer Verschluss des Blutgefäßes. Prognose: vorsichtig bis gut.
  • Granulomatöse oder nekrotisierende Meningoencephalitis: immunbedingte Entzündungen des Gehirns. Diagnostik: Labor, MRT, Liquor. Therapie: Immunsuppressive Medikamente. Prognose: vorsichtig, aber sehr häufig langfristige Verbesserung.
  • Polyradikuloneuritis: immunbedingte, schlaffe Lähmung meist aller Gliedmaßen mit reduzierten Reflexen. Diagnostik: Labor, Röntgen Thorax, Elektrodiagnostik, ggf. Ultraschall, ggf. Muskel- / Nervbiopsie, Liquor. Therapie: Physiotherapie. Prognose: gut.
  • Gehirntumoren: treten vor allem bei älteren Tieren auf. Bestimmte Rassen sind häufiger betroffen. Diagnostik: Röntgen Thorax, Labor, MRT / (CT), ggf. Liquor. Therapie: medikamentell, operativ, Bestrahlung. Prognose: abhängig vom Tumor, vorsichtig bis aussichtslos.
  • Diskospondylitis: Entzündung der Bandscheibe und der benachbarten Wirbelkörper. Diagnostik: Röntgenbild der Wirbelsäule.

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