Epileptische Anfälle sind kurze Störungen der elektrochemischen Signalübertragung im Gehirn. Epilepsie ist ein erhöhtes Risiko für solche Anfälle. Umgangssprachlich wird sie als "Fallsucht" oder "Krampfleiden" bezeichnet. Es ist wichtig, die verschiedenen Formen und Ursachen epileptischer Anfälle zu kennen, um angemessen reagieren und vorbeugen zu können.
Formen epileptischer Anfälle
Epileptische Anfälle können in verschiedenen Formen auftreten. Mediziner unterscheiden fokale und generalisierte Anfälle.
Fokaler Anfall
Ein fokaler Epilepsie-Anfall tritt in einem umschriebenen Teil des Gehirns auf. Die Symptome hängen von der Funktion des entsprechenden Hirnbereichs ab.
Motorische Symptome
Bei einem fokalen Anfall treten beispielsweise oft motorische Symptome auf, also solche, welche die Bewegung (Motorik) betreffen. So zuckt zum Beispiel plötzlich ein Arm (klonischer Anfall) oder verkrampft beziehungsweise versteift sich (tonischer Anfall). Bei manchen Patienten lässt plötzlich die Muskelspannung in einer Körperregion nach (atonischer Anfall), etwa im Bereich der Nackenmuskulatur. Dann sinkt das Kinn abrupt zur Brust, oder der Kopf fällt zur Seite.
Sensorische Symptome
Ein fokaler Anfall beginnt aber auch manchmal mit sensorischen Symptomen. Das sind Symptome, die Sinneseindrücke betreffen. Viele Patienten verspüren etwa Missempfindungen wie zum Beispiel ein Kribbeln, Brennen, Kälte- oder Wärmegefühl in einem Körperteil. Auch Halluzinationen sind möglich: Der Patient nimmt etwa vermeintliche Geräusche, Stimme, Gerüche oder Geschmäcker wahr. Auch optische Halluzinationen kommen vor. Die Patienten "sehen" dann Lichtblitze oder auch ganze Szenen.
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Schwindel und Angstgefühle
Manchmal geht der fokale Anfall mit Schwindel oder Angstgefühlen einher.
Einfacher oder komplexer fokaler Anfall
Bleibt der Patient während des fokalen Epilepsie-Anfalls bei vollem Bewusstsein, handelt es sich um einen sogenannten einfachen fokalen Anfall. Dagegen wird ein komplexer fokaler Anfall von einer mehr oder weniger ausgeprägten Bewusstseinsstörung begleitet. Die Betroffenen sind zum Beispiel benommen, wirken abwesend oder verwirrt. Auf Störung von außen reagieren sie oftmals unwillig oder sogar aggressiv. Ansonsten treten im Prinzip die gleichen Symptome auf wie bei einem einfachen fokalen Anfall.
Automatismen
Bei einem komplexen fokalen Anfall zeigen die Patienten typischerweise sogenannte Automatismen. Das sind unbewusste (automatisch ablaufende) und oft rhythmische Bewegungsabläufe wie zum Beispiel:
- Kaubewegungen
- Schmatzen
- Rhythmisches Öffnen und Schließen der Fäuste
- Scharren mit den Füßen
- Nesteln oder Zupfen der Kleidung
Solche Automatismen treten zum Teil auch bei einfachen fokalen Anfällen auf. Besonders typisch sind sie aber für komplexe fokale Anfälle.
Dauer der Anfälle
Die Dauer von komplexen fokalen Anfällen erstreckt sich in der Regel über einige Minuten bis zu einer Viertelstunde. Der Patient erinnert sich anschließend an den Anfall selbst nicht mehr (Gedächtnislücke).
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Übergang von fokal zu generalisiert
Ein fokaler Anfall generalisiert sich manchmal im weiteren Verlauf, das heißt: Das "Gewitter im Kopf", das zuerst nur ein begrenztes Hirnareal betrifft, greift auf das gesamte Gehirn über. Das wird von Medizinern als sekundär generalisierter Anfall bezeichnet.
Generalisierter Anfall
Bei generalisierten Epilepsie-Anfällen feuern praktisch alle Nervenzellen im Gehirn kurzzeitig synchron: Sie entladen sich exzessiv. Das bedeutet nicht, dass ein generalisierter Anfall zwangsläufig schwerer ausfällt als ein fokaler. Allerdings werden generalisierte Anfälle häufiger von Bewusstlosigkeit begleitet.
Motorische Anfallsformen
Generalisierte Krampfanfälle äußern sich in unterschiedlicher Form. Oft treten motorische Attacken unterschiedlicher Art auf. Dazu zählen zum Beispiel tonische, klonische und atonische Anfälle, wie sie auch bei fokaler Epilepsie möglich sind. Bei der generalisierten Krankheitsform sind sie allerdings ausgedehnter.
Verkrampfen und Versteifen
So verkrampfen und versteifen sich etwa bei einem generalisierten tonischen Anfall potenziell alle Gliedmaßen. Das Bewusstsein des Patienten ist dabei oft - aber nicht zwingend - getrübt.
Nachlassende Muskelspannung
Bei einem atonischen Anfall lässt plötzlich allgemein die Muskelspannung nach, etwa in den Beinen. Passiert das während des Gehens, knicken womöglich die Beine abrupt ein - der Patient stürzt.
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Langsam zuckende Gliedmaßen
Bei einem ausgedehnten klonischen Anfall fangen große Muskelgruppen (etwa in Armen oder Beinen) plötzlich an, langsam zu zucken. Während des Anfalls sind die Betroffenen meist bewusstlos.
Schnelle Zuckungen
Dagegen kommt es bei einem myoklonischen Anfall zu plötzlichen, schnellen Zuckungen einzelner Muskelgruppen. Der Patient bleibt dabei meist bei Bewusstsein.
Grand-Mal-Anfall
Die bekannteste Anfallsform ist der sogenannte generalisierte tonisch-klonische Krampfanfall ("Grand Mal" = "großer Anfall"). Er verläuft in zwei typischen Phasen:
- Tonische Phase: In der tonischen Phase ist der ganze Körper steif, die Arme und Beine sind meist gestreckt. Der Patient befindet sich in tiefer Bewusstlosigkeit. Die Atmung fällt kurzzeitig aus. Gemeinsam mit der erhöhten Muskelspannung führt dies eventuell zu einem Sauerstoffmangel. Das erkennt man an einer leicht bläulichen Verfärbung von Haut und Schleimhäuten (zum Beispiel Lippen). Mediziner nennen dies Zyanose.
- Klonische Phase: Nach zehn bis 30 Sekunden folgt die klonische Phase mit unkontrollierten Zuckungen in Armen und Beinen. Das ist die Phase, in der Patienten sich manchmal auf die Zunge beißen. Gelegentlich geht unwillkürlich Harn und (seltener) Stuhl ab. Die klonische Phase dauert im Allgemeinen nur wenige Minuten an.
Nach dem Grand-Mal-Anfall kommen die Patienten wieder zu Bewusstsein, aber nur kurz: Sie fallen bald in einen tiefen Schlaf, aus dem sie sich kaum wecken lassen. Nach dem Aufwachen erinnern sie sich an den epileptischen Anfall selbst nicht mehr, tragen aber meist einen Muskelkater davon.
Absencen (Petit Mal)
Einige Epilepsie-Patienten erleben auch generalisierte Anfälle in ihrer mildesten Ausprägung - als sogenannte Absence. Darunter versteht man eine abrupte, sekundenlange Bewusstseinsstörung: Das Bewusstsein macht gewissermaßen kurz Pause, sodass der Betroffene seiner Umgebung keinerlei Aufmerksamkeit schenkt. Dabei verliert er jedoch nicht das Bewusstsein. Eine Absence wird auch als "Petit Mal" ("kleiner Anfall") bezeichnet.
Mediziner unterscheiden verschiedene Arten von Absencen. Da gibt es zum einen die typischen Absencen: Der Patient hält plötzlich unwillkürlich in seiner Aktivität (essen, gehen, spielen et cetera) inne. Sein Blick wird starr und leer, das Gesicht wirkt ausdruckslos. Nach einigen Sekunden setzt er seine Aktivität wieder fort, als wäre nichts gewesen. Viele Patienten wissen selbst gar nicht, dass sie gerade einen Absence-Anfall hatten.
Eine solche einfache typische Absence geht manchmal mit Begleiterscheinungen einher. Dazu gehören zum Beispiel leichte, beidseitige Muskelzuckungen, etwa im Gesicht oder in den Armen. Manchmal wird aufgrund plötzlicher Muskelanspannung der Kopf nach hinten gezogen und der Blick nach oben gerichtet (Sternguckerzeichen). In solchen Fällen spricht man von komplexer typischer Absence.
Andere Epilepsie-Patienten zeigen eine sogenannte atypische Absence. Die Begleiterscheinungen sind hier noch viel deutlicher als bei einer komplexen typischen Absence. Der Anfall beginnt und endet aber nicht so abrupt. Außerdem treten atypische Absencen eventuell immer häufiger hintereinander auf. Das geht manchmal so weit, dass schließlich ein Absence-Anfall in den nächsten übergeht. Dann sprechen Mediziner vom Absence-Status. Er ist gefährlich und erfordert unbedingt eine Behandlung.
Fokal zu bilateral tonisch-klonisch
Das sind Anfälle, die fokal (in einer Gehirnhälfte) beginnen, die sich dann aber zu einem tonisch-klonischen Anfall (siehe oben bei den generalisiert beginnenden Anfällen, früher Grand-Mal-Anfall) in beiden Gehirnhälften (= bilateral) weiterentwickeln.
Ursachen von Epilepsie
Epilepsie kann u.a. genetisch, krankheitsbedingt, eine Unfallfolge oder auch unbekannter Ursache sein.
- Schädel-Hirn-Trauma (z.B.
- Komplikationen in der Schwangerschaft und bei der Geburt, z.B.
- Durchblutungsstörung (z.B.
- Akute Krankheit (z.B.
Es gibt verschiedene Ursachen für epileptische Anfälle. Man unterscheidet zwischen unprovozierten und provozierten Anfällen. Von den unprovozierten Anfällen sind die sog. akut-symptomatischen Anfälle zu unterscheiden, z.B. Fieberkrämpfe bei Kindern, Anfälle wegen Unterzuckerung (Näheres unter Diabetes > Symptome - Behandlung - Hilfen) oder Natriummangel (z.B. durch Erbrechen oder Durchfall), einer Vergiftung (z.B. durch Kokain), Alkoholentzug oder wegen akuter Hirnschäden, z.B. Anfälle durch Schlafentzug zählen als unprovozierte Anfälle, weil dabei der Schlafentzug nur Anfallsauslöser ist, nicht der Grund für den Anfall. Mind. 1 unprovozierter Anfall (oder Reflexanfall) und ein Rückfallrisiko wie nach 2 unprovozierten Anfällen (mindestens 60%) innerhalb der nächsten 10 JahreoderDiagnose eines Epilepsie-Syndroms. Ein Epilepsie-Syndrom ist eine Krankheit mit dafür typischen epileptischen Anfällen und anderen typischen Merkmalen.
Reflexepilepsie
Daneben gibt es die sehr seltene Reflexepilepsie. Dabei lösen normale Alltagssituationen epileptische Anfälle aus, z.B. flackerndes Licht, eine bestimmte Musik, warmes Wasser, Lesen oder Essen (sog.
Psychogene nichtepileptische Anfälle (PNEA)
Epilepsieähnliche Anfälle mit psychischen Ursachen werden oft mit epileptischen Anfällen verwechselt und können auch zusätzlich zu einer Epilepsie vorkommen. Psychosomatische Anfälle sind weder vorgetäuscht noch eingebildet. Mögliche Ursachen sind z.B. traumatische Erlebnisse oder belastende Lebensumstände, aber sie können auch ohne solche Umstände auftreten. Gegen PNEA helfen Psychoedukation (= Aufklärung über PNEA) und, wenn das nicht reicht, Psychotherapie, Antiepileptika sind hier wirkungslos. Die Abgrenzung ist wichtig für die Therapie und Verwechslungen können gefährlich sein. Bei häufigen Anfällen kann ein Langzeit-EEG die Hirnströme während des Anfalls messen und so bei der Abgrenzung helfen. Anfall-Videos und Berichte von Angehörigen können wertvolle Hinweise über die Anfallsart liefern.
Auslöser
Auslöser wie z.B.
Ähnlich wie bei einer Migräne kann es vorkommen, dass bestimmte Symptome einen Anfall ankündigen: die sog. Prodromi (von lateinisch "Vorboten") sind Vorboten eines Anfalls, wie, z.B. Reizbarkeit, Appetitlosigkeit oder Niedergeschlagenheit. Auren (von lateinisch "Hauch") sind bewusst erlebte nicht motorische fokale Anfälle , z.B. mit verzerrter Wahrnehmung, Angstgefühlen, depressiver Stimmung oder unangenehmen körperlichen Gefühlen. Auren erkennen meistens nur die Betroffenen selbst und sie sind schwer zu beschreiben.
Lichtempfindliche Epilepsie (photosensitive Epilepsie)
Manche Menschen sind empfindlich gegenüber Lichtblitzen oder -flimmern oder bestimmten geometrischen Formen und Mustern, leiden möglicherweise unter einer bislang nicht erkannten Epilepsie und können deswegen beim Spielen von Videospielen oder beim Betrachten von Videoinhalten einen epileptischen Anfall erleiden. Wenn bei dir beim Spielen von Videospielen oder beim Betrachten von Videoinhalten mit Lichtblitzen oder -flimmern oder sonstigen Lichtreizen eines der folgenden Gesundheitsprobleme oder Symptome auftritt, musst du DAS SPIELEN SOFORT BEENDEN und einen Arzt aufsuchen:
- Augenschmerzen
- Sehstörungen
- Migräne
- Muskelzucken
- Krämpfe, unwillkürliche Bewegungen
- Ohnmacht
- Bewusstseinsverlust
- Verwirrung, Orientierungsverlust
Ferner MUSST DU DAS SPIEL SOFORT BEENDEN, wenn eines der folgenden Symptome bei dir auftritt:
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Übelkeit
- Müdigkeit
- Symptome ähnlich denen der Reisekrankheit
- Beschwerden oder Schmerzen jeglicher Art beim Spielen, beispielsweise an Augen, Ohren, Händen, Armen oder Füßen.
Wenn die Beschwerden anhalten, suche einen Arzt auf.
Umgang mit Produkten bei lichtempfindlicher Epilepsie
- Benutze das Gerät nur in gut beleuchteter Umgebung und achte auf einen ausreichenden Abstand zum TV-Bildschirm.
- Benutze das Produkt nicht übermäßig lang. Wir empfehlen grundsätzlich, das System nicht übermäßig lang zu nutzen und pro Stunde 15 Minuten Spielpause zu machen.
- Spiele möglichst nicht, wenn du müde bist.
- Benutze das Produkt keinesfalls weiter, wenn du ermüdest oder wenn beim Verwenden des Controllers ein unangenehmes Gefühl oder Schmerzen in den Händen oder Armen auftreten. Die Funktion lässt sich unter [Einstellungen] auf der Startseite ein- bzw. ausschalten.
Sicherheitshinweis für das VR-Headset
- Lies vor der Verwendung die Gesundheits- und Sicherheitswarnungen in der Bedienungsanleitung zum VR-Headset. Befolge alle Anweisungen für die Einrichtung und Verwendung genau.
- Das VR-Headset ist nicht für Kinder unter 12 Jahren geeignet.
- Überprüfe vor dem Gebrauch deine Umgebung und beseitige Hindernisse. Sorge dafür, dass während der Verwendung keine Haustiere, Kinder oder Hindernisse in den Bereich gelangen.
- Bei manchen Menschen können beim Betrachten von Virtual-Reality-Inhalten Kinetose (mit Symptomen ähnlich der Reisekrankheit), Übelkeit, Orientierungsverlust, Sehstörungen und andere Beschwerden auftreten. Sollten bei dir solche Symptome auftreten, beende die Nutzung sofort und nimm das VR-Headset ab.
Sicherheitshinweis für PlayStation®Move-/PlayStation VR2 Sense-Controller
- Halte den Motion-Controller bei Verwendung nie näher als 20 Zentimeter vor dein Gesicht oder deine Augen.
- Beachte bei der Verwendung des Motion- oder PlayStation VR2 Sense-Controllers die nachfolgenden Hinweise. Wenn der Controller eine Person oder einen Gegenstand trifft, kann dies zu Unfällen, Verletzungen oder Fehlfunktionen führen. Achte bei der Verwendung des Controllers auf Folgendes:
- Kontrolliere vor der Verwendung des Controllers, ob um dich herum genügend Platz ist.
- Verwende den Controller nicht mit angeschlossenem USB-Kabel.
- Achte darauf, bei der Verwendung des Controllers die angebrachten Handgelenkschlaufen zu tragen.
- Halte den Controller gut fest, damit er dir nicht aus der Hand rutscht.
Epilepsie auf elektronischen Musikfestivals
Konzerte mit elektronischer Tanzmusik und gewaltigen Lichteffekten seien möglicherweise besonders riskant für junge Menschen mit einer latenten fotosensiblen Epilepsie, scheiben die Internisten und Neurologen. Zu den anfallsprovozierenden Lichtblitzen im 15- bis 25-Hz-Bereich kommen in der Regel noch ohrenbetäubende Elektrobeats, eine ausgeprägte Schlafdeprivation sowie diverse Drogen.
Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall
Bei der ersten Hilfe gilt: Nicht festhalten, keinen Beißkeil oder ähnliches zwischen die Zähne und Verletzungen verhindern. Nach einem Anfall ist es wichtig dabei zu bleiben, bis das Bewusstsein wieder klar ist.
- Betroffene Person auf den Boden legen, um einem Sturz vorzubeugen (ggf.
- Alle Gegenstände entfernen, die zu Verletzungen oder Gefahren führen könnten, z.B.
- Seltsame Körperhaltungen und freie Zuckungen ermöglichen und möglichst Platz dafür schaffen, falls noch nicht geschehen, sonst drohen Verletzungen. Die Muskelspannung bei Krampfanfällen ist so hoch, dass beim Festhalten oder bei Versuchen Körperteile (z.B. Arme, Beine oder Finger) zu bewegen Knochenbrüche und andere Verletzungen sehr wahrscheinlich sind.
- Zungenbisse passieren wenn dann gleich zu Beginn eines Anfalls. Es ist schädlich und sinnlos zu versuchen, sie während des Anfalls zu verhindern.
- Es ist sinnlos und eventuell schädlich zu versuchen einen Anfall zu beeinflussen oder zu beenden, z.B. durch kaltes Wasser oder Schütteln.
- Auf die Uhr schauen und Notfallmedikamente erst nach der ärztlich angegebenen Zeit geben, weil sie erhebliche Nebenwirkungen haben. Normalerweise enden epileptische Anfälle von allein während 2 bis höchstens 3 Minuten. Notfallmedikamente sind dafür da, einen Status epilepticus bzw. eine Anfallsserie zu beenden.
- Dauer und Begleiterscheinungen des Anfalls beobachten. Auf die Augen achten: Sind sie geschlossen, offen, starr oder verdreht?
- 112) rufen - auch, wenn schon ein Notfallmedikament gegeben wurde! Das gilt auch, wenn ein 2.
- Auf einen Anfall folgt in der Regel eine kurze Schlaf- bzw. Erholungsphase. Unbedingt dabeibleiben, bis die betroffene Person wieder vollständig orientiert ist. Dies ist durch einfache Fragen, wie z.B. "Wie heißt du? Wo bist du?
- Wenn möglich den Anfall dokumentieren: Wann ist er passiert? Wie lange hat er gedauert? Wie ist er abgelaufen? Waren die Augen offen, geschlossen, starr oder verdreht?
- Wenn der Mensch vorher noch nie einen epileptischen Anfall hatte, nach dem 3. Anfall einer Anfallsserie (siehe oben) und/oder bei Verletzungen bzw.
Was ist zu vermeiden?
Die Muskelspannung bei Krampfanfällen ist so hoch, dass beim Festhalten oder bei Versuchen, Körperteile (z.B. Arme, Beine oder Finger) zu bewegen, Knochenbrüche und andere Verletzungen sehr wahrscheinlich sind. Es ist schädlich und sinnlos zu versuchen, Zungenbisse während des Anfalls zu verhindern. Es ist sinnlos und eventuell schädlich, zu versuchen, einen Anfall zu beeinflussen oder zu beenden, z.B. durch kaltes Wasser oder Schütteln.
Diagnose
Gerade bei einem ersten Epilepsieanfall stehen behandelnden Ärzten nur wenige Informationen über die Symptome des Anfalls zur Verfügung. Zwar beinhaltet eine erste körperliche Untersuchung u.a. technische Hilfsmittel wie die Elektroenzephalographie (EEG) und die Magnetresonanztomographie (MRT, besonders bei Kindern), aber es kann ratsam sein, das Gesicht des Betroffenen während des Anfalls zu fotografieren. Besonders die Augen des Betroffenen liefern wichtige Hinweise: Sind die Augen zu Beginn eines Anfalls geschlossen, stehen die Chancen gut, dass es sich nicht um einen epileptischen Anfall handelt. Auch Videoaufnahmen von Anfällen können helfen.
Hilfsmittel und Unterstützung
- Epilepsie-Überwachungsgeräte: Bei einem erkannten Anfall löst das Gerät einen Alarm aus, z.B. bei den Eltern, beim Partner, anderen Angehörigen oder in einer Notrufzentrale. So ist eine sichere Betreuung möglich. Der Anfall wird zudem aufgezeichnet und mit Dauer und Stärke dokumentiert. Epilepsie-Überwachungsgeräte können ärztlich verordnet und von der gesetzlichen Krankenversicherung als Hilfsmittel übernommen werden. Im Hilfsmittelverzeichnis haben sie die Pos.-Nr. 21.46.01 und heißen dort "Überwachungsgeräte für Epilepsiekranke".
- Sturzmelder: Sturzmelder können bei Anfällen mit Bewusstseinsverlust und Sturz helfen. Dieses zweistufige System verhindert Fehlalarme. Voraussetzung dafür ist, dass Patienten über ein Hausnotrufgerät verfügen, damit ein Alarm an Angehörige oder an eine Notrufzentrale abgesetzt werden kann. Haben Betroffene einen Pflegegrad, übernimmt die Pflegekasse auf Antrag den Basispreis für Hausnotrufgeräte mit Kassenzulassung. Die Kosten für Zusatzleistungen (z.B. für einen Hintergrunddienst, der bei Bedarf hilft, wenn der Einsatz des Rettungsdiensts unnötig ist, und für eine Schlüsselhinterlegung) oder für nicht zugelassene Hausnotrufgeräte müssen Pflegebedürftige selbst tragen.
- Epilepsie- und Warnhunde: Im Gegensatz zu anderen Führ- oder Servicehunden wachsen künftige Epilepsiehunde meist beim Patienten und seiner Familie auf und werden dort ausgebildet. Warnhunde haben die Fähigkeit, einen kommenden Anfall zu spüren und warnen dann den Betroffenen, sodass dieser Zeit hat, sich z.B. vor Verletzungen zu schützen. Anzeigehunde lernen, einen tatsächlichen Anfall zu erkennen und dann in vorher geübter Art und Weise zu helfen, z.B.
- Anfallskalender: Einen Anfallskalender verwenden, um ggf. vorhandene Anfallsauslöser zu erkennen und die Behandlung zu verbessern.
Risiken und Vorbeugung
Epileptische Anfälle können zu Verletzungen und sogar zum Tod führen. Außerdem besteht ein gewisses Risiko, bei einem Status epilepticus oder durch SUDEP (siehe unten) zu versterben oder Langzeitschäden davon zu tragen.
SUDEP (Sudden Unexpected Death in Epilepsy)
SUDEP ist die Abkürzung für "sudden unexpected death in epilepsy". Übersetzt heißt das "plötzlicher unerwarteter Tod bei Epilepsie". Wie auch beim sog. plötzlichen Kindstod können Menschen mit Epilepsie plötzlich und unerwartet versterben. Meistens werden Betroffene morgens tot im Bett gefunden. Die Todesursache lässt sich oft nicht klären. Das passiert zwar nur sehr selten, aber bei Menschen mit Epilepsie häufiger als bei Menschen ohne Epilepsie. Bei tonisch-klonischen Anfällen (Grand-mal-Anfällen) ist das Risiko besonders hoch, besonders wenn diese im Schlaf kommen. Wahrscheinlich lässt sich SUDEP oft verhindern, wenn Betroffene nach einem tonisch-klonischen Anfall nicht allein bleiben. Anwesende können den Menschen nach dem Anfall ansprechen, berühren, rütteln, umdrehen und in die stabile Seitenlage bringen. Bei Atemaussetzern und Herzstillstand können sie einen Notruf absetzen und Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen. Diese Maßnahmen können z.B.
Vorbeugende Maßnahmen
- bestmögliche Behandlung der Epilepsie (z.B.
- Zur Vorbeugung von Hirnhautentzündungen und Gehirnentzündungen und daraus folgenden Epilepsien sind einige Schutzimpfungen möglich, z.B.
- Das Epilepsie-Risiko wird außerdem geringer, wenn Menschen den Konsum von Alkohol und Drogen einschränken, einen gesunden Lebensstil pflegen, der z.B.
- Scharfe Kanten und Gegenstände in der Wohnung sichern bzw.
Umgang mit Risiken
Wenn Sie Epilepsie haben, oder z.B. Ihr Kind, Partner oder Elternteil, wollen Sie vielleicht sehr viel tun, um diese Risiken zu senken. Als Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Epilepsie sollten Sie bedenken: Kinder mit Epilepsie brauchen genau wie andere Kinder auch Freiräume und Zeiten, in denen sie unbeobachtet sein können. Überbehütung und übersteigerte Sicherheitsmaßnahmen können die Entwicklung beeinträchtigen. Als Angehörige von Erwachsenen mit Epilepsie sollten Sie beachten: Erwachsene haben ein Recht darauf, selbstbestimmt mit dem durch Epilepsie erhöhten Risiko umzugehen, solange sie nur sich selbst gefährden. Wer die Risiken einschätzen und verstehen kann, kann sich ggf. in einigen Situationen für mehr Lebensqualität und weniger Sicherheit entscheiden, auch wenn Ihnen das Sorgen bereitet. Umgekehrt kann ein Mensch mit Epilepsie sich mehr Sicherheit von Ihnen wünschen, als Sie geben können oder wollen, und/oder sich von gemeinsamen Aktivitäten stark zurückziehen. In offenen Gesprächen können Sie das Ausmaß der Sicherheitsmaßnahmen besprechen, ggf. Als Mensch mit Epilepsie sollten Sie sich aus mehreren Quellen informieren, welche Risiken in welchem Umfang tatsächlich bestehen, um weder übervorsichtig Ihre Lebensqualität zu sehr einzuschränken, noch fahrlässig Ihre Gesundheit und Ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Angehörigen können Sie offen sagen, dass Sie deren Sorgen - oder Leichtsinn - verstehen, aber über Ihre Sicherheit und Ihre Lebensqualität selbst entscheiden.
Besondere Situationen
- Autofahren: Beim Autofahren mit Epilepsie geht es nicht nur um Ihre eigene Sicherheit, sondern auch um die Sicherheit anderer Menschen.
- Elternschaft: Als Elternteil mit Epilepsie können Anfälle Ihre Kinder gefährden, vor allem wenn diese noch sehr klein sind, z.B. bei einem Sturz mit dem Kind auf dem Arm. Deshalb können Sie eine sog. Elternassistenz beantragen.
- Gefährliche Situationen: Ein epileptischer Anfall kann Betroffene in gefährliche Situationen bringen. Epileptische Anfälle können sogar in der Badewanne zum Ertrinken führen. Beim Rauchen besteht bei einem Anfall Brandgefahr.
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