Was hilft bei ständigen Nervenschmerzen Behandlung?

Nervenschmerzen, auch neuropathische Schmerzen genannt, können das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Sie unterscheiden sich von anderen Schmerzarten, die durch Gewebeschädigung entstehen, und erfordern daher oft spezielle Behandlungsansätze. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Therapiemöglichkeiten von Nervenschmerzen, um Betroffenen einen umfassenden Überblick zu geben und ihnen bei der Suche nach geeigneten Hilfsangeboten zu unterstützen.

Ursachen und Entstehung von Nervenschmerzen

Nervenschmerzen entstehen durch Schädigungen oder Fehlfunktionen im Nervensystem. Diese können verschiedene Ursachen haben:

  • Diabetes: Die diabetische Neuropathie ist eine häufige Folgeerkrankung von Diabetes, bei der erhöhte Blutzuckerwerte die Nerven schädigen. Jeder dritte bis vierte Diabetiker entwickelt im Laufe seiner Erkrankung Nervenschäden.
  • Infektionen: Virale Erkrankungen wie Gürtelrose (Herpes Zoster) können Nervenentzündungen und -schmerzen verursachen. Die im Körper schlummernden Windpocken-Viren werden reaktiviert und lösen die Erkrankung aus.
  • Verletzungen: Nervenreizungen oder -schäden infolge von Verletzungen, Operationen oder Unfällen können neuropathische Schmerzen verursachen. Ein Beispiel ist das komplexe regionale Schmerzsyndrom (Morbus Sudeck).
  • Stoffwechselstörungen: Alkoholmissbrauch oder andere Stoffwechselstörungen können ebenfalls zu Nervenschäden und Polyneuropathie führen.
  • Tumore: Tumorerkrankungen können das Nervensystem beeinträchtigen und Nervenschmerzen verursachen. Auch die Chemotherapie kann Nervenschädigungen zur Folge haben.
  • Multiple Sklerose (MS): Bei MS kann es zu einer zentralen Neuropathie kommen, die vom Gehirn ausgeht.
  • Eingeklemmte Nerven: Nervenschmerzen können durch eingeklemmte, gereizte oder entzündete Nerven entstehen, wie bei der Ischiasneuralgie. Auch ein verengter Spinalkanal kann neuropathische Schmerzen verursachen.
  • Trigeminusneuralgie: Die Trigeminusneuralgie ist oft durch eine Kompression des Trigeminusnervs durch ein benachbartes Blutgefäß verursacht.

In vielen Fällen verselbstständigen sich chronische Schmerzen und bestehen weiter, obwohl der ursprüngliche Auslöser nicht mehr vorhanden ist. Es kann ein "Schmerzgedächtnis" entstehen, bei dem Nerven empfindlicher werden und Schmerzreize schneller weiterleiten.

Symptome von Nervenschmerzen

Nervenschmerzen äußern sich vielfältig und werden von Betroffenen unterschiedlich wahrgenommen. Typische Symptome sind:

  • Plötzliche Schmerzattacken: Einschießende, blitzartige Schmerzen, die plötzlich auftreten.
  • Brennende Schmerzen: Ein brennendes, stechendes Gefühl im betroffenen Bereich.
  • Schmerzen bei Berührung: Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen oder Druck (Allodynie).
  • Extreme Empfindlichkeit gegenüber Wärme oder Kälte: Bereits geringe Temperaturunterschiede können Schmerzen auslösen.
  • Kribbeln und Taubheitsgefühle: Ein Gefühl von Kribbeln, Ameisenlaufen oder Taubheit im betroffenen Bereich.
  • Elektrisierende Schmerzen: Schmerzen, die sich wie Stromschläge anfühlen.
  • Veränderte Schmerzwahrnehmung: Schon harmlose Reize können Schmerzen auslösen.
  • Schlafstörungen: Die Schmerzen treten häufig bei Ruhe oder in der Nacht auf und stören den Schlaf.
  • Psychische Belastung: Chronische Schmerzen können zu Ängsten, Depressionen und sozialem Rückzug führen.

Die Schmerzen können in verschiedenen Körperbereichen auftreten, je nachdem welcher Nerv betroffen ist. Häufige Lokalisationen sind:

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  • Rücken: Bandscheibenvorfälle oder das Piriformis-Syndrom können Nervenschmerzen im Rücken verursachen.
  • Gesicht: Die Trigeminusneuralgie verursacht starke Schmerzen im Gesicht.
  • Füße: Die diabetische Polyneuropathie kann zu Schmerzen in den Füßen führen.
  • Beine: Ischiasneuralgie verursacht Schmerzen, die ins Bein ausstrahlen.
  • Rumpf: Nervenschmerzen nach einer Gürtelrose treten häufig am Rumpf auf.

Diagnose von Nervenschmerzen

Die Diagnose von Nervenschmerzen erfordert eine sorgfältige Anamnese und körperliche Untersuchung. Der Arzt wird gezielte Fragen stellen, um die Art, Intensität und Lokalisation der Schmerzen zu erfassen. Wichtig ist auch, mögliche Auslöser und Begleitsymptome zu identifizieren.

Zur Diagnose können folgende Untersuchungen eingesetzt werden:

  • Neurologische Untersuchung: Beurteilung der Hautsensibilität, Reflexe und Nervenfunktion.
  • Quantitativ Sensorische Testung (QST): Testung der Hautsensibilität auf Wärme, Kälte, Druck, Vibration, Berührung und stumpfe Nadelreize.
  • Nervenleitgeschwindigkeitsmessung: Messung der Geschwindigkeit, mit der Nerven Signale weiterleiten.
  • Bildgebende Verfahren: Röntgen, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) können Nervenschädigungen sichtbar machen.
  • Schmerztagebuch: Dokumentation der Schmerzen, um Muster und Auslöser zu erkennen.

Behandlung von Nervenschmerzen

Die Behandlung von Nervenschmerzen zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und die zugrunde liegende Ursache zu behandeln, wenn möglich. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die oft kombiniert werden:

Medikamentöse Therapie

  • Antidepressiva: Medikamente gegen Depressionen können die Schmerzempfindung beeinflussen, auch wenn keine Depression vorliegt. Sie wirken auf die gleiche Trägersubstanz im Schmerzsystem.
  • Antiepileptika: Medikamente gegen Epilepsie werden bei Nervenschmerzen eingesetzt, die durch Nervenschädigungen entstehen. Sie modulieren die Nervenaktivität und blockieren Schmerzsignale.
  • Opioide: Starke Schmerzmittel wie Opioide können bei starken Nervenschmerzen eingesetzt werden, wenn andere Medikamente nicht ausreichend helfen. Aufgrund des Risikos von Nebenwirkungen und Abhängigkeit sollten sie jedoch nur vorübergehend eingenommen werden.
  • Lokale Betäubungsmittel: Lidocain-Pflaster oder -Cremes können örtlich angewendet werden, um die Schmerzentstehung oder -weiterleitung zu verhindern.
  • Capsaicin-Pflaster: Capsaicin, der Wirkstoff aus Chilischoten, kann die Nervenrezeptoren desensibilisieren und die Schmerzen für einige Monate reduzieren.
  • Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR): Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol sollten nur bei akutem Aufflackern der Schmerzsymptome eingenommen werden.

Nicht-medikamentöse Therapie

  • Physiotherapie: Körperliche Aktivität und Bewegungsübungen können die Schmerzen lindern und dieFunktion verbessern.
  • Ergotherapie: Hilft bei der Anpassung des Alltags an die Schmerzen und Einschränkungen.
  • Psychotherapie: Verhaltenstherapie und Training zur Stressbewältigung können helfen, mit den Schmerzen umzugehen und die psychische Belastung zu reduzieren.
  • Entspannungsverfahren: Progressive Muskelrelaxation, autogenes Training oder Meditation können helfen, die Muskeln zu entspannen und Stress abzubauen.
  • Akupunktur: Kann bei einigen Patienten Schmerzlinderung bringen.
  • Manuelle Therapie: Kann Verspannungen lösen und die Beweglichkeit verbessern.
  • Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Stimulation der Nerven mit elektrischen Impulsen zur Schmerzlinderung.
  • Ernährungsberatung: Eine ausgewogene Ernährung kann Entzündungen reduzieren und die Nervenfunktion unterstützen.

Hausmittel und alternative Therapien

Einige Hausmittel und alternative Therapien können unterstützend zur Behandlung von Nervenschmerzen eingesetzt werden:

  • Wärme und Kälte: Wechselbäder oder die Anwendung von Eisbeuteln oder Wärmeauflagen können Schmerzen lindern.
  • Kräuter und Tees: Brennnesseltee, Ingwertee oder Weidenrindetee können entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken.
  • Johanniskrautöl: Kann bei Nervenschmerzen im Rückenbereich Linderung verschaffen.
  • Pfefferminzöl: Wirkt kühlend und krampflösend.
  • Olivenöl: Enthält Oleocanthal, das entzündungshemmend wirkt.
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann helfen, die Symptome zu lindern.
  • Homöopathie: Einige homöopathische Mittel können bei Nervenschmerzen eingesetzt werden.

Invasive Verfahren

  • Nervenblockaden: Injektion von Betäubungsmitteln oder Kortison in die Nähe des betroffenen Nervs zur Schmerzlinderung.
  • Botulinumtoxin-Injektionen: Injektion von Botulinumtoxin zur Blockierung der Nervenaktivität.
  • Operation: In seltenen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Nerv zu entlasten oder zu reparieren. Bei der Trigeminusneuralgie kann eine mikrovaskuläre Dekompression durchgeführt werden, um den Kontakt zwischen Gefäß und Trigeminusnerv zu unterbrechen.

Umgang mit chronischen Nervenschmerzen im Alltag

Chronische Nervenschmerzen erfordern eine langfristige Therapie und einen aktiven Umgang mit der Erkrankung. Folgende Tipps können helfen, den Alltag besser zu bewältigen:

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  • Information: Informieren Sie sich umfassend über Ihre Erkrankung und die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten.
  • Akzeptanz: Akzeptieren Sie, dass die Schmerzen ein Teil Ihres Lebens sind und suchen Sie nach Wegen, damit umzugehen.
  • Selbstmanagement: Lernen Sie, Ihre Schmerzen selbst zu beeinflussen und entwickeln Sie Strategien zur Schmerzbewältigung.
  • Bewegung: Bleiben Sie körperlich aktiv und bewegen Sie sich regelmäßig, um die Schmerzen zu lindern und dieFunktion zu verbessern.
  • Entspannung: Üben Sie Entspannungsverfahren, um Stress abzubauen und die Muskeln zu entspannen.
  • Soziale Kontakte: Pflegen Sie soziale Kontakte und suchen Sie Unterstützung bei Familie, Freunden oder Selbsthilfegruppen.
  • Psychologische Unterstützung: Nehmen Sie psychologische Hilfe in Anspruch, wenn Sie unter Ängsten, Depressionen oder anderen psychischen Problemen leiden.
  • Schmerztagebuch: Führen Sie ein Schmerztagebuch, um Muster und Auslöser zu erkennen und Ihre Behandlung anzupassen.
  • Offene Kommunikation: Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt über Ihre Schmerzen und Ihre Bedürfnisse.

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