Unsere Füße tragen uns tagtäglich durch das Leben und sind ein Wunderwerk der Natur aus Knochen, Sehnen und Muskeln. Sie tragen die gesamte Last unseres Körpers und gewährleisten unsere Mobilität. Schmerzen im Fuß können vielfältige Ursachen haben und jedes der Grundgewebe betreffen. Ein häufiges Problem ist das Morton Neurom, auch Morton Neuralgie oder Morton Syndrom genannt. Dieses Krankheitsbild verursacht starke Mittelfußschmerzen, die das Bewegen des betroffenen Fußes fast unmöglich machen können.
Was ist ein Morton Neurom?
Das Morton Neurom ist eine schmerzhafte Verdickung einer Nervenhülle im Mittelfuß, meist zwischen der dritten und vierten Zehe. Diese Verdickung übt Druck auf den Nerv aus und verursacht Schmerzen. Der US-amerikanische Chirurg Thomas G. Morton beschrieb die Morton Neuralgie als Erster, wodurch sie ihren Namen erhielt. Ein Neurom ist eine reaktive Hyperplasie von Nervengewebe, was bedeutet, dass Nervengewebe und umgebendes Bindegewebe aufgrund von übermäßiger oder ungünstiger Belastung zur Bildung neuer Zellen angeregt werden.
Anatomie und Funktion des Fußes
Der Fuß besteht aus vielen kleinen Knochen, die gemeinsam mit Muskeln und Bändern Beweglichkeit und Stabilität gewährleisten. Zwischen den Knochen verlaufen Nerven, die den Fuß sensibel und motorisch versorgen. Diese Nerven bestehen aus Nervenfasern, die jeweils von Nervenzellen gebildet werden. Bei der Morton Neuralgie sind typischerweise die Nervenfasern zwischen dem dritten und vierten Mittelfußgelenk betroffen, was Mittelfußschmerzen auslösen kann.
Der Mittelfuß besteht aus fünf Mittelfußknochen. Die große Zehe wird medizinisch als erste, die kleine Zehe als fünfte Zehe bezeichnet. Insgesamt bestehen unsere Füße aus jeweils 28 Knochen, einschließlich zwei Sesambeinen. Die Mittelfußnerven werden auch als Interdigitalnerven bezeichnet. Dabei handelt es sich um Nervenäste, die zwischen den Mittelfußknochen an der Fußsohle bis in die Zehen und Zehenzwischenräume verlaufen. Auf Höhe der Mittelfußknochen teilen sich diese Nerven in die Interdigitalnerven auf. Die Mittelfußknochenköpfchen sind mit einem Band, dem Ligamentum intermetatarsale, verbunden. Die Fußsohle ist die Unterseite des Fußes und ein Fettpolster, das Stöße dämpfen kann. Zwischen den Muskeln und der Haut spannt sich die Plantaraponeurose aus Bindegewebe, die das Längsgewölbe im Fuß stabilisiert und mit der Haut der Fußsohle verwachsen ist. Die Oberseite des Mittelfußes wird als Fußrücken bezeichnet. Jeder Fuß hat ein Längsgewölbe und ein Quergewölbe, die von Sehnen, Bändern und Muskeln gebildet werden, die an den Fußknochen ansetzen.
Ursachen der Morton Neuralgie
Hauptursache der Morton Neuralgie ist ein durch übermäßige Belastung entstandenes Neurom. Chronische mechanische Reize, wie sie beim Laufen auf den Fuß ausgeübt werden, können eine falsche Belastung verursachen. Ein weiterer Risikofaktor sind bereits vorliegende Deformitäten des Fußes, wie der Spreizfuß in Verbindung mit einem Hallux valgus. Das Hauptproblem besteht darin, dass im Mittelfuß nicht genügend Platz für die Vergrößerung des Gewebes vorhanden ist.
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- Überlastung des Vorfußes: Vermeiden Sie eine Überlastung des Vorfußes.
- Spreizfuß: Der Spreizfuß ist der wichtigste und häufigste Auslöser einer Überlastung beim Morton Neurom.
- Falsches Schuhwerk: Zu enge Schuhe oder Schuhe mit hohen Absätzen können die Entstehung eines Morton Neuroms begünstigen.
- Verminderte Beweglichkeit im oberen Sprunggelenk: Dies kann ebenfalls ein Morton Neurom auslösen.
- Einseitige Belastungen: Sie können dazu führen, dass Muskeln und Faszien hohe Spannungen aufbauen.
- Übergewicht: Vermeiden Sie Übergewicht.
- Fehlstellungen: Behandeln Sie Deformitäten des Mittelfußes frühzeitig.
- Mangelnde Barfußzeit: Integrieren Sie mehr Barfußzeit in Ihren Alltag.
- Enge Schuhe: Vermeiden Sie das Tragen von engen Schuhen.
Symptome der Morton Neuralgie
Im Zentrum der Symptomatik stehen starke Mittelfußschmerzen, die sich vor allem bei längerer Belastung des betroffenen Fußes bemerkbar machen. Oft wird auch ein Taubheitsgefühl im Fuß und in den Zehen beschrieben, das erst nach dem Ausziehen der Schuhe und einer Fußmassage nachlässt. Je weiter das Morton Neurom fortgeschritten ist, desto intensiver und langanhaltender wird die Symptomatik.
- Mittelfußschmerzen: Brennende oder stechende Schmerzen im Mittelfuß und in den Zehen, die plötzlich einschießen.
- Taubheitsgefühl: Missempfindungen oder Taubheitsgefühle in den Zehen.
- Belastungsschmerzen: Die Beschwerden verschlimmern sich bei Fortschreiten der Krankheit.
- Fremdkörpergefühl: Manche Patienten beschreiben ein Fremdkörpergefühl unter den Zehen.
- Schnappen oder Klicken: Ein schmerzhaftes Schnappen und Klicken beim Gehen und Laufen.
- Ausstrahlung in die Zehen: Die Schmerzen strahlen in die Zehen aus.
- Verbreiterung des Fußes: Der Fuß wird vorne breiter.
Diagnose der Morton Neuralgie
Der wichtigste Pfeiler zur Diagnose ist die klinische Untersuchung durch einen Orthopäden. Dabei wird der Fuß in bestimmte Richtungen bewegt und an verschiedenen Stellen Druck ausgeübt. Wenn die Schmerzen vor allem bei der queren Komprimierung des Fußes oder beim Drücken auf die Unterseite im mittleren Bereich auftreten, liegt der Verdacht auf ein Morton Neurom nahe. In manchen Fällen ist eine MRT-Untersuchung notwendig, um das Vorliegen eines Neuroms darzustellen, obwohl nicht jedes Morton Neurom mit einer MRT erkannt werden kann.
- Klinische Untersuchung: Der Arzt drückt bei der Untersuchung von beiden Seiten auf die Stelle, an der die Morton-Neuralgie vermutet wird (Mulder-Zeichen).
- Röntgenbilder, Ultraschall, Kernspintomographie oder MRT: Sie können im Rahmen der Diagnostik in der Orthopädie näheren Aufschluss geben.
- Betäubung (Lokalanästhesie) des schmerzenden Bereichs mit einer Spritze: Ein weiteres Diagnose-Verfahren.
- Dynamische Pedobarografie und Digitale Volumentomografie des Fußes: Analyse der Fußstatik.
- Hochauflösende Ultraschalluntersuchung: Kann ein großes Morton Neurom oft direkt aufspüren.
Konservative Behandlung der Morton Neuralgie
In aller Regel wird die Morton Neuralgie konservativ behandelt, wobei eine operative Entfernung des Neuroms nur dann durchgeführt wird, wenn sonstige Behandlungsansätze nicht erfolgreich sind. Ziel der konservativen Behandlung ist es, die Belastung des Nervs zu verringern und die Symptome zu lindern.
Physiotherapie und Fußgymnastik
Physiotherapie und speziell auf den Fuß abgestimmte Übungen sind wesentliche Bestandteile der Behandlung. Sie zielen darauf ab, Schmerzen zu reduzieren und die Funktionalität des Fußes zu verbessern. Folgende Übungen zur Stärkung und Flexibilitätssteigerung unterstützen den Fuß dabei, Belastungen besser zu verteilen und den betroffenen Nerv zu entlasten:
- Zehenheben: Stärkt die Muskeln, die die Mittelfußknochen stabilisieren.
- Zehenspreizen: Verbessert die Beweglichkeit und stärkt die kleinen Fußmuskeln.
- Fußrollen: Dehnt und massiert die Plantarfaszie mit einer kleinen Rolle oder einem Ball unter dem Fuß.
- Waden- und Achillessehnendehnungen: Erhöht die Flexibilität und nimmt Druck vom Vorfuß.
Medikamentöse Behandlung
Zur Reduktion der Schmerzen werden vor allem Medikamente direkt in das betroffene Areal injiziert. Häufig wird ein Lokalanästhetikum verwendet, das die Schmerzen gezielt dort bekämpft, wo sie entstehen. Entzündungshemmende Arzneimittel wie Ibuprofen und Kortikosteroidinjektionen können temporär Schmerz und Entzündung lindern.
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Spezielle Schuhe und Einlagen
Um Fehlstellungen zu korrigieren, eignen sich spezielle Physiotherapie, passende Schuheinlagen und das Tragen entsprechender Schuhe. Speziell angefertigte Schuhe und orthopädische Einlagen können den Druck auf den betroffenen Bereich des Fußes minimieren und die Fußstellung korrigieren, um so die Belastung des Nervs zu reduzieren.
- Orthopädische Einlagen: Sie sollen die Nerven im Mittel- und Vorfuß entlasten.
- Spezielle Schuhe: Schuhe mit breiteren Zehenboxen reduzieren den Druck auf die betroffenen Zehen.
- Vorfußentlastungsschuh: Nach einer Operation wird in der Regel ein spezieller Schuh zur Entlastung des Vorfußes getragen.
Stoßwellentherapie
Die Stoßwellentherapie kann eine effektive Ergänzung darstellen. Sie zielt darauf ab, den Heilungsprozess im Gewebe zu fördern und Schmerzen direkt am Ort des Neuroms zu lindern.
Wärme- und Kälteanwendungen
Kühlen ist vor allem bei akuten Schmerzen und Entzündungen zu empfehlen, um Schwellungen zu verringern und Schmerzen zu lindern. Wärmeanwendungen hingegen eignen sich mehr bei chronischen Beschwerden, um die Durchblutung zu fördern und Muskelverspannungen zu lösen.
Operative Behandlung der Morton Neuralgie
Wenn die konservative Behandlung nicht ausreichend ist, kann eine Operation in Betracht gezogen werden. Es gibt verschiedene operative Verfahren, die je nach Ausprägung des Neuroms und der Begleitumstände in Frage kommen.
- Neurektomie: Entfernung des Nervengeschwulsts über einen Schnitt am Fußrücken.
- Neurolyse/Dekompression: Nervenerhaltende operative Behandlung, die dem Plantarnerven mehr Raum verschafft.
- Osteotomie: Umstellung der Zehenknochen durch eine minimalinvasive Osteotomie.
Risiken und Komplikationen
Wie bei jeder Operation gibt es auch bei der operativen Behandlung der Morton Neuralgie Risiken und mögliche Komplikationen. Dazu gehören unter anderem:
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- Sensibilitätsverlust: Im Bereich des betroffenen Nervs kann es zu einem dauerhaften Sensibilitätsverlust kommen.
- Neurinom: Nach der operativen Entfernung eines Morton Neuroms kann es zur Ausbildung eines Neurinoms kommen.
- Rezidiv: Die Beschwerden können nach der Operation zurückkehren.
Nachbehandlung
Nach einer Operation ist eine konsequente Nachbehandlung wichtig, um den Heilungsprozess zu unterstützen und Komplikationen vorzubeugen. Dazu gehören unter anderem:
- Teilbelastung des Fußes: Für etwa 3 Wochen sollte der Fuß nur teilbelastet werden.
- Vorfußentlastungsschuh: Tragen eines speziellen Vorfußentlastungsschuhs.
- Fußgymnastik: Durchführung von Fußgymnastik zur Stärkung der kleinen Fußmuskeln.
Prävention der Morton Neuralgie
Wie bei allen Krankheiten ist die beste Medizin die Prävention. Wenn Ihnen bekannt sein sollte, dass sie unter einer Deformität des Mittelfußes leiden oder eine solche vermuten, so sollten Sie sich möglichst darum kümmern, dass diese durch orthopädische Expertise beurteilt und entsprechend behandelt wird, bevor es zu Folgekomplikationen kommen kann. Des Weiteren ist es ratsam, einer Belastung des Fußes vorzubeugen. Wenn sie also viel gehen und die Füße stark im Alltag belasten, ob während der Arbeit oder in der Freizeit, dann sollte auf passendes Schuhwerk und regelmäßige Erholungsphasen geachtet werden.
- Geeignetes Schuhwerk: Tragen Sie Schuhe mit ausreichend Platz im Zehenbereich und vermeiden Sie hohe Absätze.
- Regelmäßige Erholungsphasen: Achten Sie auf regelmäßige Erholungsphasen für Ihre Füße, besonders bei starker Belastung.
- Orthopädische Expertise: Lassen Sie Deformitäten des Mittelfußes frühzeitig beurteilen und behandeln.
- Vermeidung von Übergewicht: Reduzieren Sie Übergewicht, um die Belastung auf die Füße zu verringern.
- Dehnen der Wadenmuskulatur: Regelmäßiges Dehnen der Wadenmuskulatur kann helfen, die Belastung des Vorfußes zu reduzieren.