Neuromuskuläre Erkrankungen stellen eine heterogene Gruppe von Krankheitsbildern dar, die durch eine Störung der Funktion von Muskeln, Nerven oder der Verbindung zwischen beiden (neuromuskuläre Endplatte) gekennzeichnet sind. Diese Störungen können vielfältige Ursachen haben, darunter genetische Defekte, Autoimmunreaktionen, Infektionen oder toxische Einflüsse. Die Symptome reichen von Muskelschwäche und -atrophie bis hin zu Koordinationsstörungen und Lähmungen. Die Behandlung von neuromuskulären Erkrankungen ist oft komplex und erfordert einen multidisziplinären Ansatz, der sowohl supportive Maßnahmen als auch medikamentöse Therapien umfasst.
Duchenne-Muskeldystrophie (DMD): Eine genetisch bedingte neuromuskuläre Erkrankung
Die Duchenne-Muskeldystrophie (DMD) ist eine seltene, X-chromosomal-rezessiv vererbte neuromuskuläre Erkrankung, die hauptsächlich Jungen betrifft. Sie wurde im 19. Jahrhundert von Guillaume-Benjamin Duchenne beschrieben. Ursache der DMD sind Mutationen im Dystrophin-Gen, das für das gleichnamige Strukturprotein Dystrophin codiert. Dystrophin ist ein wichtiger Bestandteil des Dystrophin-assoziierten Proteinkomplexes (DAPC), der die Muskelzellen stabilisiert und vor Schäden schützt.
Pathophysiologie der DMD
Fehlt Dystrophin aufgrund einer Mutation, bricht der DAPC zusammen. Dies führt dazu, dass die Muskelfasern anfälliger für Schäden sind. Zudem erhöht sich die Konzentration von Histon-Deacetylasen (HDAC) in den Muskelzellen, was die Aktivierung wichtiger Gene blockiert, die für die Muskelreparatur notwendig sind. Im Laufe der Zeit sterben die Muskelzellen ab und werden durch Narben- und Fettgewebe ersetzt.
Symptome und Verlauf der DMD
Mit dem Fortschreiten der Erkrankung verschlimmert sich die Muskelschwäche, was zu Schwierigkeiten beim Gehen und schließlich zum Verlust der Gehfähigkeit führt. Betroffene benötigen zunehmend Unterstützung im Alltag und sind auf Hilfsmittel wie Rollstühle angewiesen. Im weiteren Verlauf können auch die Atemmuskulatur und das Herz betroffen sein, was zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen kann.
Therapie der DMD
Die Therapie der DMD zielt darauf ab, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
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Supportive und symptomatische Maßnahmen
Zur Basistherapie gehören supportive und symptomatische Maßnahmen wie Physiotherapie, Ergotherapie und логопедии. Physiotherapie hilft, die Muskelkraft und Beweglichkeit zu erhalten und Kontrakturen vorzubeugen. Ergotherapie unterstützt die Betroffenen bei der Bewältigung des Alltags und логопедии kann bei Schluck- und Sprachstörungen helfen.
Medikamentöse Therapie
Neben nicht-medikamentösen Verfahren kommen auch Medikamente zum Einsatz, insbesondere Glucocorticoide wie Prednison oder Deflazacort. Glucocorticoide wirken entzündungshemmend und können den Muskelabbau verlangsamen. Allerdings sind sie mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden, wie Gewichtszunahme, Osteoporose und иммуносупрессия.
Givinostat: Ein neuer HDAC-Inhibitor
Mit Givinostat steht seit kurzem ein weiterer Wirkstoff zur Behandlung der DMD zur Verfügung. Givinostat ist ein HDAC-Inhibitor, der die erhöhte HDAC-Aktivität in den Muskelzellen reduziert und so die Aktivierung wichtiger Gene für die Muskelreparatur fördert. Studien haben gezeigt, dass Givinostat den Muskelabbau verlangsamen und die Muskelkraft verbessern kann.
Spinale Muskelatrophie (SMA): Eine weitere genetisch bedingte neuromuskuläre Erkrankung
Die spinale Muskelatrophie (SMA) ist eine seltene, autosomal-rezessiv vererbte neuromuskuläre Erkrankung, die durch den Verlust von Motoneuronen im Rückenmark gekennzeichnet ist. Motoneurone sind Nervenzellen, die für die Steuerung der Muskelbewegung verantwortlich sind. Durch den Verlust von Motoneuronen kommt es zu Muskelschwäche und -atrophie.
Ursachen und Pathophysiologie der SMA
Ursache der SMA sind Mutationen im SMN1-Gen (survival motor neuron 1) auf Chromosom 5q. Das SMN1-Gen codiert für das SMN-Protein, das für das Überleben und die Funktion der Motoneurone essentiell ist. Durch die Mutation im SMN1-Gen kommt es zu einem Mangel an SMN-Protein, was zum Absterben der Motoneurone führt.
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Einteilung der SMA
Je nach Manifestationsalter und Schweregrad der Erkrankung wird die SMA in verschiedene Typen eingeteilt:
- SMA Typ 0: Die schwerste Form der SMA, die sich bereits im Mutterleib oder kurz nach der Geburt manifestiert. Betroffene Babys zeigen eine ausgeprägte Muskelschwäche und Hypotonie und versterben meist innerhalb des ersten Lebensjahres.
- SMA Typ I (Werdnig-Hoffmann-Krankheit): Die häufigste und schwerste Form der SMA, die sich im ersten Lebenshalbjahr manifestiert. Betroffene Kinder können nicht sitzen oder den Kopf halten und haben Schwierigkeiten beim Atmen und Schlucken. Die Lebenserwartung ist deutlich reduziert.
- SMA Typ II (Dubowitz-Syndrom): Eine intermediäre Form der SMA, die sich im Alter von 6 bis 18 Monaten manifestiert. Betroffene Kinder können sitzen, aber nicht ohne Hilfe gehen. Die Lebenserwartung ist variabel, aber oft verkürzt.
- SMA Typ III (Kugelberg-Welander-Krankheit): Eine mildere Form der SMA, die sich nach dem ersten Lebensjahr manifestiert. Betroffene Kinder können gehen, haben aber Schwierigkeiten beim Laufen und Treppensteigen. Die Lebenserwartung ist in der Regel нормальная.
- SMA Typ IV: Eine sehr seltene Form der SMA, die sich erst im Erwachsenenalter manifestiert. Die Symptome sind meist mild und прогрессируют медленно.
Therapie der SMA
Die Therapie der SMA hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Es stehen mittlerweile mehrere Medikamente zur Verfügung, die den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen können.
Nusinersen (Spinraza®)
Nusinersen ist ein Antisense-Oligonukleotid, das die Produktion von funktionsfähigem SMN-Protein aus dem SMN2-Gen erhöht. Das SMN2-Gen ist eine Kopie des SMN1-Gens, produziert aber normalerweise nur geringe Mengen an funktionsfähigem SMN-Protein. Nusinersen wird intrathekal (in den Liquorraum des Rückenmarks) verabreicht. Studien haben gezeigt, dass Nusinersen die motorischen Fähigkeiten verbessern und das Überleben verlängern kann.
Risdiplam (Evrysdi®)
Risdiplam ist ein orales Medikament, das ebenfalls die Produktion von funktionsfähigem SMN-Protein aus dem SMN2-Gen erhöht. Risdiplam hat den Vorteil, dass es zu Hause eingenommen werden kann und keine Lumbalpunktion erforderlich ist. Studien haben gezeigt, dass Risdiplam die motorischen Fähigkeiten verbessern und das Überleben verlängern kann.
Onasemnogen-Abeparvovec (Zolgensma®)
Onasemnogen-Abeparvovec ist eine Gentherapie, bei der eine funktionierende Kopie des SMN1-Gens in die Zellen des Körpers eingeschleust wird. Onasemnogen-Abeparvovec wird einmalig intravenös verabreicht. Studien haben gezeigt, dass Onasemnogen-Abeparvovec die motorischen Fähigkeiten verbessern und das Überleben verlängern kann.
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Weitere Therapieansätze bei SMA
Neben den genannten Medikamenten spielen auch supportive Maßnahmen eine wichtige Rolle in der Behandlung der SMA. Dazu gehören Physiotherapie, Ergotherapie, логопедии und die Versorgung mit Hilfsmitteln wie Rollstühlen und Beatmungsgeräten.
Serotonin-Syndrom und grippeähnliche Symptome
Das Serotonin-Syndrom ist eine potenziell lebensbedrohliche Arzneimittelreaktion, die durch eine Überstimulation von Serotoninrezeptoren im Gehirn verursacht wird. Es kann durch die Einnahme von serotonergen Medikamenten oder durch die Kombination verschiedener Medikamente, die den Serotoninspiegel erhöhen, ausgelöst werden.
Symptome des Serotonin-Syndroms
Die Symptome des Serotonin-Syndroms sind vielfältig und können von milden grippeähnlichen Beschwerden bis hin zu schweren neurologischen und kardiovaskulären Komplikationen reichen. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Vegetative Beschwerden: Fieber, Schüttelfrost, erhöhter Puls und Blutdruck, schnelle Atmung, starkes Schwitzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen
- Neuromuskuläre Symptome: Zittern, Muskelzuckungen, erhöhte Muskelspannung, Muskelkrämpfe, übertriebene Reflexe
- Psychische Auswirkungen: Unruhe, Nervosität, Halluzinationen, Bewusstseins- und Aufmerksamkeitsstörungen, gesteigerte Stimmung, Koordinationsstörungen
Therapie des Serotonin-Syndroms
Die Therapie des Serotonin-Syndroms richtet sich nach dem Schweregrad der Symptome. In leichten Fällen reicht es oft aus, die auslösenden Medikamente abzusetzen und die Symptome symptomatisch zu behandeln. In schweren Fällen kann eine intensivmedizinische Behandlung erforderlich sein, um die Vitalfunktionen zu stabilisieren und Komplikationen vorzubeugen.
Medikamente als Ursache von Muskelschmerzen (Myalgien)
Muskelschmerzen (Myalgien) sind ein häufiges Symptom, das viele Ursachen haben kann. Neben entzündlichen Erkrankungen, Verletzungen und Stoffwechselstörungen können auch bestimmte Medikamente Myalgien verursachen.
Statine
Statine sind eine häufig verschriebene Medikamentengruppe zur Senkung des Cholesterinspiegels. Eine häufige Nebenwirkung von Statinen sind Myalgien. Die Häufigkeit von Statin-assoziierten Myopathien variiert je nach Studie erheblich. Die Pathogenese ist multifaktoriell und umfasst u. a. eine mitochondriale Dysfunktion, Störungen des Energiestoffwechsels und eine erhöhte Empfindlichkeit der Muskulatur gegenüber mechanischer Belastung.
Weitere Medikamente, die Myalgien verursachen können
Neben Statinen können auch andere Medikamente Myalgien verursachen, darunter:
- Fibrate
- Amiodaron
- ATII-Blocker
- Chloroquin
- Colchizin
- Propofol
- Clozapin
- D-Penicillinamin
- Interferon Beta
- Antiretrovirale Medikamente (z.B. Zidovudine)
- Procainamid
- Steroide
- Vincristin
Morbus Pompe: Eine lysosomale Speicherkrankheit mit neuromuskulären Symptomen
Morbus Pompe ist eine seltene, genetisch bedingte lysosomale Speicherkrankheit, die durch einen Mangel an saurer α-Glucosidase (GAA) verursacht wird. GAA ist ein Enzym, das Glykogen zu Glucose abbaut. Durch den Enzymmangel reichert sich Glykogen in den Lysosomen der Zellen an, insbesondere in Muskelzellen, was zu Muskelschwäche und -atrophie führt.
Symptome und Verlauf des Morbus Pompe
Morbus Pompe kann sich in verschiedenen Altersgruppen manifestieren und die Krankheitslast ist sehr unterschiedlich. Die schwerste Form manifestiert sich bereits im Säuglingsalter (IOPD, infantile-onset Pompe Disease) und führt unbehandelt zu Herzversagen und Tod. Spätere Verlaufsformen (late-onset Pompe Disease, LOPD) manifestieren sich im Kindes- oder Erwachsenenalter mit Muskelschwäche, Atemproblemen und других симптомов.
Therapie des Morbus Pompe
Mit Alglucosidase alfa gibt es seit vielen Jahren eine Enzymersatztherapie (ERT). Bei der ERT wird das fehlende Enzym therapeutisch ersetzt. Alglucosidase alfa wird intravenös verabreicht und verbessert die Muskelkraft und Atemfunktion.
Cipaglucosidase alfa: Ein neues Enzymersatztherapeutikum
Cipaglucosidase alfa ist ein neues Enzymersatztherapeutikum zur Behandlung des Morbus Pompe. Es wird in Kombination mit dem Enzymstabilisator Miglustat verabreicht. Cipaglucosidase alfa ist mit bis-phosphorylierten N-Glykanen angereichert, die für eine hochaffine Bindung an Mannose-6-Phosphat-(M6P-)Rezeptoren sorgen. Nach der Bindung wird es in das Lysosom der Zelle aufgenommen, proteolytisch gespalten und in seine reifste und aktivste Form umgewandelt.
Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS)
Die Myalgische Enzephalomyelitis/das Chronische Fatigue-Syndrom (ME/CFS) ist eine komplexe, chronische Multisystemerkrankung, die das Nerven-, Immun- und Energiesystem betrifft. Die genauen Ursachen sind bis heute ungeklärt, jedoch beginnt die Erkrankung bei den meisten Betroffenen nach einer Infektion, was auf ein postvirales Erschöpfungssyndrom hindeutet.
Symptome von ME/CFS
Die Symptomatik von ME/CFS ist komplex und individuell sehr unterschiedlich. Es gibt vier Kernsymptome, die für eine ME/CFS-Diagnose vorliegen müssen:
- Post-Exertionelle Malaise (PEM): Eine unverhältnismäßige Verschlechterung aller Symptome nach körperlicher, geistiger oder emotionaler Anstrengung.
- Debilitierende Fatigue: Eine lähmende, krankhafte Erschöpfung, die neu aufgetreten ist, anhält und sich nicht durch normale Müdigkeit erklären lässt.
- Nicht erholsamer Schlaf: Betroffene fühlen sich auch nach ausreichend Schlaf nicht erholt.
- Kognitive Störungen: Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Wortfindungsstörungen und eine verlangsamte Reaktionsfähigkeit (Brain Fog).
Therapie von ME/CFS
Eine heilende Therapie für ME/CFS gibt es bislang nicht. Ein gutes Symptommanagement kann jedoch die Lebensqualität deutlich verbessern. Die wichtigste Säule der Behandlung ist das sogenannte Pacing oder Energiemanagement. Dabei lernen Betroffene, ihre Aktivitäten so zu steuern, dass sie innerhalb ihrer individuellen Belastungsgrenzen bleiben.
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