Schlaganfall Sofortmaßnahmen: Was Ersthelfer wissen müssen

Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall, bei dem jede Sekunde zählt. Umso wichtiger ist es, dass Ersthelfer die Symptome erkennen und schnell handeln, um die Folgen für den Betroffenen so gering wie möglich zu halten. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Sofortmaßnahmen zusammen, die ein Ersthelfer bei Verdacht auf Schlaganfall ergreifen sollte.

Schlaganfall erkennen: Symptome und FAST-Test

Ein Schlaganfall (Apoplexie) kann durch einen Hirninfarkt (Gefäßverschluss) oder eine Hirnblutung verursacht werden. In beiden Fällen wird das Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Die Symptome können plötzlich auftreten und vielfältig sein, darunter:

  • Plötzliche, sehr starke Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Sehbeeinträchtigungen
  • Lähmungen oder Taubheitsgefühle, oft einseitig
  • Sprach- und Verständnisstörungen
  • Bewusstlosigkeit

Der sogenannte FAST-Test kann helfen, einen Schlaganfall-Verdacht zu überprüfen:

  • Face (Gesicht): Bitten Sie die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab?
  • Arms (Arme): Bitten Sie die Person, beide Arme nach vorne zu strecken und die Handflächen nach oben zu drehen. Kann die Person die Arme gleichmäßig anheben oder sinkt ein Arm ab?
  • Speech (Sprache): Lassen Sie die Person einen einfachen Satz nachsprechen. Spricht die Person undeutlich, verwaschen oder kann sie den Satz nicht wiederholen?
  • Time (Zeit): Wenn eines dieser Symptome auftritt, wählen Sie sofort den Notruf 112.

Auch wenn die Beschwerden nur kurzzeitig auftreten und wieder verschwinden (transitorische ischämische Attacke, TIA), sollte sofort der Notruf gewählt werden, da ein erhöhtes Risiko für einen erneuten Schlaganfall besteht.

Erste Hilfe Maßnahmen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes

Nachdem der Notruf abgesetzt wurde, können folgende Erste-Hilfe-Maßnahmen ergriffen werden:

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  • Nicht allein lassen: Lassen Sie den Betroffenen nach Möglichkeit nicht allein und signalisieren Sie, dass Hilfe unterwegs ist.
  • Beruhigen: Beruhigen Sie die Person und sprechen Sie ihr Mut zu. Aufregung und Unruhe sollten vermieden werden.
  • Kleidung lockern: Lockern Sie beengende Kleidung (z.B. Krawatte, Gürtel), um die Atmung zu erleichtern.
  • Oberkörper hochlagern (bei Bewusstsein): Wenn die Person bei Bewusstsein ist, lagern Sie den Oberkörper leicht erhöht. Dies kann die Atmung erleichtern.
  • Stabile Seitenlage (bei Bewusstlosigkeit): Wenn die Person bewusstlos ist, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage, um die Atemwege freizuhalten. In diesem Fall sollte der Oberkörper nicht erhöht werden.
  • Nichts zu Essen oder Trinken geben: Geben Sie dem Betroffenen nichts zu essen oder zu trinken, da Schluckstörungen auftreten können.
  • Vitalfunktionen überwachen: Überwachen Sie Atmung und Puls des Betroffenen.
  • Wiederbelebungsmaßnahmen (falls erforderlich): Wenn die Person nicht mehr atmet, beginnen Sie sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen (Herzdruckmassage und Beatmung).

Lebensrettende Sofortmaßnahmen

Bei einer bewusstlosen Person muss zunächst geprüft werden, ob sie noch regelmäßig atmet. Ist dies nicht der Fall, ist eine Herz-Lungen-Wiederbelebung erforderlich.

  • Herzdruckmassage: Drücken Sie 30 Mal kräftig und schnell (ca. 100-120 Mal pro Minute) auf die Mitte des Brustkorbs. Um den richtigen Rhythmus zu finden, kann man innerlich den Refrain des Songs "Staying Alive" von den Bee Gees summen.
  • Beatmung: Nach 30maliger Herzdruckmassage folgen zwei Mund-zu-Mund-Beatmungen.
  • Wechsel: Setzen Sie die Herzdruckmassage und Beatmung im Wechsel fort, bis die Rettungskräfte eintreffen oder die Person wieder atmet.

In vielen öffentlichen Gebäuden sind AED-Geräte (Automatisierter Externer Defibrillator) vorhanden. Diese Geräte können durch gezielte Stromstöße Herzrhythmusstörungen beheben. Die Anwendung ist einfach und wird durch Sprachanweisungen erklärt.

Blutungen stillen

Wenn die Person atmet, aber stark blutet, sollten Sie versuchen, die Blutung zu stillen.

  • Handschuhe tragen: Verwenden Sie Einmalhandschuhe aus dem Verbandskasten, um sich vor Infektionen zu schützen.
  • Druckverband anlegen: Decken Sie die Wunde mit einer sterilen Wundauflage ab und fixieren Sie diese mit einem Verband. Legen Sie ein Druckpolster auf den Verband und umwickeln Sie es fest.
  • Körperteil hochlagern: Lagern Sie den verletzten Körperteil hoch, um den Blutverlust zu reduzieren.

Unfallstelle absichern

Bei einem Verkehrsunfall ist es wichtig, die Unfallstelle abzusichern, bevor Erste Hilfe geleistet wird.

  • Warnblinker einschalten: Schalten Sie den Warnblinker des Fahrzeugs ein.
  • Warnweste anziehen: Ziehen Sie eine Warnweste an.
  • Warndreieck aufstellen: Stellen Sie das Warndreieck in ausreichender Entfernung zum Unfallort auf (innerorts 50 Meter, außerorts 100 Meter, Autobahn 200-400 Meter).

Der Rettungsgriff

In bestimmten Situationen kann es notwendig sein, Verletzte aus einem Fahrzeug zu bergen, beispielsweise wenn das Fahrzeug brennt oder Benzin ausläuft. Der Rettungsgriff (Rautekgriff) ermöglicht es, eine Person schonend aus dem Fahrzeug zu ziehen.

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Notruf wählen

Wählen Sie den Notruf 112 und beantworten Sie die folgenden Fragen:

  • Wo ist der Unfall geschehen? (Genaue Ortsangabe, Kilometerangabe auf der Autobahn)
  • Was ist passiert? (Art des Unfalls, Anzahl der beteiligten Fahrzeuge)
  • Wie viele Verletzte gibt es?
  • Welche Art von Verletzungen haben die Personen?
  • Warten Sie auf Rückfragen der Notrufzentrale.

Weitere wichtige Hinweise

  • Erste-Hilfe-Kenntnisse auffrischen: Es ist ratsam, die Erste-Hilfe-Kenntnisse regelmäßig (alle 2-3 Jahre) aufzufrischen, um im Notfall richtig handeln zu können.
  • Notfallinformationen im Smartphone hinterlegen: Hinterlegen Sie im Smartphone (unter "Notfallpass" oder "Notfallinformationen") wichtige Gesundheitsdaten wie Blutgruppe, Medikamente, Allergien und Vorerkrankungen. Dies erleichtert dem Rettungsdienst die Arbeit.
  • Sicherheit geht vor: Achten Sie bei allen Maßnahmen auf Ihre eigene Sicherheit.

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