Rückenschmerzen können das Leben erheblich beeinträchtigen und die Lebensqualität mindern. Eine häufige Ursache hierfür ist die Spinalkanalstenose, eine Verengung des Rückenmarkkanals. Etwa 40 Prozent der Bevölkerung über 50 Jahre sind davon betroffen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Spinalkanalstenose, insbesondere die operativen Behandlungsmöglichkeiten und die spezialisierten Ärzte, die diese Eingriffe durchführen.
Was ist eine Spinalkanalstenose?
Die Spinalkanalstenose ist eine Verengung des Wirbelkanals, in dem das Rückenmark und die Nerven verlaufen. Dieser Kanal erstreckt sich von der Halswirbelsäule über die Brust- und Lendenwirbelsäule bis zum Kreuzbein. Die Verengung kann angeboren sein, entsteht jedoch meist durch altersbedingte Abnutzungserscheinungen der Bandscheiben und Veränderungen an den Wirbelkörpern.
Ursachen
- Degenerative Veränderungen: Mit zunehmendem Alter verlieren die Bandscheiben an Höhe und Elastizität, was zu einer höheren Belastung der Wirbelkörper führt. Der Körper reagiert darauf mit Knochenumbau, wodurch Wirbelsporne entstehen, die in den Spinalkanal hineinragen.
- Bandscheibenvorwölbungen und -vorfälle: Abgenutzte Bandscheiben können sich vorwölben oder reißen, wodurch Bandscheibengewebe in den Spinalkanal gelangt und auf die Nerven drückt.
- Verdickung der Bänder: Die Bänder entlang der Wirbelsäule können sich im Laufe der Zeit verdicken und den Spinalkanal zusätzlich einengen.
- Wirbelgleiten (Spondylolisthesis): Eine Instabilität der Wirbelsäule kann dazu führen, dass Wirbelkörper gegeneinander verschoben werden und den Spinalkanal einengen.
- Angeborene Stenose: In seltenen Fällen ist der Spinalkanal von Geburt an zu eng angelegt.
Symptome
Die Symptome einer Spinalkanalstenose variieren je nach Lage und Schweregrad der Verengung. Häufige Beschwerden sind:
- Rückenschmerzen: Oft im unteren Rückenbereich, die bis in die Beine ausstrahlen können.
- Beinschmerzen (Claudicatio spinalis): Belastungsabhängige Schmerzen in den Beinen, die zu einer Einschränkung der Gehstrecke führen. Hinsetzen oder Vorbeugen des Oberkörpers bringt in der Regel Erleichterung.
- Taubheitsgefühl und Kribbeln: In den Beinen, Füßen, Armen oder Händen.
- Schwäche: In den Beinen oder Armen.
- Gangunsicherheit: Schwierigkeiten beim Gehen oder Stehen über längere Zeiträume.
- Feinmotorische Störungen: Besonders bei einer Stenose im Halswirbelbereich.
- In schweren Fällen: Kontrollverlust über Darm und Blase oder Störungen der Sexualfunktion.
Diagnose
Zur Diagnose einer Spinalkanalstenose werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt:
- Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte und untersucht die Beweglichkeit, Sensibilität und Reflexe des Patienten.
- Neurologische Untersuchung: Um die Funktion der Nerven zu überprüfen. Ein Beispiel für einen klinischen Test, der häufig zur Untersuchung von Spinalkanalstenosen im unteren Rücken zum Einsatz kommt, ist der Lasègue-Test.
- Bildgebende Verfahren:
- Magnetresonanztomographie (MRT): Der Goldstandard zur Darstellung von Weichteilen wie Rückenmark, Nerven und Bandscheiben.
- Computertomographie (CT): Kann bei Kontraindikationen für eine MRT oder zur Beurteilung der knöchernen Strukturen eingesetzt werden.
- Elektrophysiologische Untersuchung: Zur exakteren Beurteilung der Funktion von Rückenmark und Spinalnerven.
Konservative Behandlung
In vielen Fällen kann eine Spinalkanalstenose zunächst konservativ behandelt werden. Ziel ist es, die Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern. Zu den konservativen Maßnahmen gehören:
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- Physiotherapie: Spezielle Übungen zur Stärkung der Rückenmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Korrektur von Fehlhaltungen.
- Schmerzmedikation: Schmerzmittel wie Paracetamol oder nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen. In einigen Fällen können auch stärkere Schmerzmittel oder Kortikosteroide-Injektionen notwendig sein.
- Injektionen: Injektion von Depotschmerzmitteln am Nervenwurzelaustritt im Bereich des Spinalkanals. Kortison oder örtliche Betäubungsmittel können in die unmittelbare Nähe der Verengung gespritzt werden.
- Wärmeanwendungen: Warme Bäder, Heizkissen oder warme Kompressen können Muskelverspannungen lösen und Schmerzen lindern.
- Bewegung: Regelmäßige, leichte körperliche Aktivitäten wie Gehen, Schwimmen oder spezielle Übungen zur Stärkung der Rückenmuskulatur können helfen, die Beweglichkeit zu verbessern und Schmerzen zu reduzieren.
- Gewichtsreduktion: Übergewicht kann die Wirbelsäule zusätzlich belasten.
- Korsett: In manchen Fällen kann ein Korsett die Wirbelsäule stabilisieren und Schmerzen lindern.
Operative Behandlung
Wenn die konservativen Behandlungsmethoden nicht ausreichend helfen oder der Schweregrad der Stenose zu hoch ist, kann ein operativer Eingriff erforderlich sein. Ziel der Operation ist es, die Nerven und das Rückenmark zu entlasten und die Schmerzen zu beseitigen.
Wann ist eine Operation notwendig?
- Wenn die konservative Therapie über einen Zeitraum von 12 Wochen keine ausreichende Schmerzlinderung bringt.
- Bei neurologischen Ausfällen wie Lähmungen oder Kontrollverlust über Darm und Blase.
- Bei starker Einschränkung der Lebensqualität durch die Beschwerden.
Operationsverfahren
Es gibt verschiedene operative Verfahren zur Behandlung der Spinalkanalstenose. Die Wahl des Verfahrens hängt von der Lage und dem Ausmaß der Verengung sowie von der Stabilität der Wirbelsäule ab.
- Mikrochirurgische Dekompression (erweiterte interlaminäre Fensterung - eILF): Bei diesem minimalinvasiven Eingriff wird unter Zuhilfenahme eines Operationsmikroskops über einen kleinen Hautschnitt ein Teil des Wirbelbogens entfernt, um den Spinalkanal zu erweitern und die Nerven zu entlasten.
- Laminektomie: Entfernung des gesamten Wirbelbogens, um den Spinalkanal großflächig zu erweitern.
- Laminoplastie: Erweiterung des Spinalkanals durch Aufklappen und Fixieren des Wirbelbogens.
- Fusion (Spondylodese): Versteifung eines oder mehrerer Wirbelsegmente, um die Wirbelsäule zu stabilisieren. Dies kann notwendig sein, wenn die Wirbelsäule instabil ist oder wenn eine größere Dekompression durchgeführt werden muss.
- Bandscheibenersatz (ACDF): Bei einer Stenose im Halswirbelbereich kann die Entfernung einer oder mehrerer Bandscheiben und der Ersatz durch ein Implantat (Cage) oder eine Bandscheibenprothese erforderlich sein.
- Lamifuse: Entlastung des Rückenmarks sowie das Einbringen von stabilisierenden Implantaten über die Rückseite des Halses notwendig sein bei längerstreckiger Schädigung der Halswirbelsäule oder bestimmten Fehlhaltungen (Kyphose).
- Minimalinvasive Verfahren: Dank moderner Technologien können viele Operationen minimalinvasiv durchgeführt werden. Dabei werden kleine Hautschnitte verwendet, was zu weniger Gewebeschäden, geringeren Schmerzen und einer schnelleren Erholung führt.
Spezialisierte Ärzte und Kliniken
Die operative Behandlung der Spinalkanalstenose sollte von erfahrenen Wirbelsäulenchirurgen durchgeführt werden. Diese Spezialisten verfügen über umfassende Kenntnisse der Anatomie und Funktion der Wirbelsäule sowie über Erfahrung mit den verschiedenen Operationstechniken.
- Neurochirurgen: Spezialisten für Operationen an Nerven und Rückenmark.
- Orthopäden mit Schwerpunkt Wirbelsäulenchirurgie: Spezialisten für Erkrankungen und Verletzungen des Bewegungsapparates, einschließlich der Wirbelsäule.
Bei der Wahl einer Klinik für eine Spinalkanalstenose-Operation sollten Patienten auf folgende Kriterien achten:
- Spezialisierung auf Wirbelsäulenchirurgie: Die Klinik sollte über ein erfahrenes Team von Wirbelsäulenchirurgen und eine moderne Ausstattung verfügen.
- Zertifizierung: Eine Zertifizierung durch die Deutsche Wirbelsäulengesellschaft (DWG) oder andere Fachgesellschaften kann ein Hinweis auf die Qualität der Klinik sein.
- Behandlungszahlen: Eine Klinik mit hohen Behandlungszahlen hat in der Regel mehr Erfahrung mit der Behandlung von Spinalkanalstenosen.
- Patientenbewertungen: Bewertungen anderer Patienten können einen Eindruck von der Qualität der Klinik vermitteln.
Einige Kliniken in Deutschland, die sich auf die Behandlung von Spinalkanalstenosen spezialisiert haben, sind:
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- Universitätskliniken: Viele Universitätskliniken verfügen über spezialisierte Wirbelsäulenzentren.
- St. Barbara-Klinik Hamm
- Schön Kliniken: Bieten spezialisierte Wirbelsäulenzentren mit Experten für die exakte Diagnostik und Therapie von Spinalkanalstenosen.
- Wirbelsäulenpraxis Hamburg: Bietet spezialisierte Neurochirurgen mit einem großen Netzwerk an weiteren Ärzten, Krankenhäusern und Diagnostikern.
- RKM740 Interdisziplinäre Facharztklinik in Düsseldorf-Heerdt: Facharztpraxis für Neurochirurgie mit angeschlossenem Klinikbereich.
Risiken und Komplikationen
Wie bei jeder Operation gibt es auch bei der Spinalkanalstenose-Operation Risiken und mögliche Komplikationen. Zu den häufigsten Risiken gehören:
- Infektionen
- Nervenverletzungen
- Blutungen
- Wundheilungsstörungen
- Nachblutungen
- Thrombosen
- Embolien
- Liquorleckage (Austritt von Hirnwasser)
- Instabilität der Wirbelsäule
Heilungsverlauf und Prognose
Die Heilungsdauer nach einer Spinalkanalstenose-Operation variiert je nach Art des Eingriffs und dem individuellen Gesundheitszustand des Patienten. In der Regel können die Patienten bereits am Tag nach der Operation in Begleitung aufstehen. Eine umfassende physiotherapeutische Anleitung erfolgt bereits auf der Station, um eine schnellstmögliche Erholung nach der Operation zu garantieren. Nach ein bis zwei Wochen sind leichte Bürotätigkeiten wieder machbar, lockere Sporteinheiten (Schwimmen, Radfahren) sind bereits nach vier Wochen möglich. Die über lange Zeit eingeengten Nerven benötigen Zeit, um sich zu erholen. Die minimalinvasive Operation bei Spinalkanalstenose bietet Menschen mit großen Beschwerden eine deutliche Schmerzminderung und Verbesserung des Bewegungsvermögens. Leichte Schmerzen können aber auch nach der Therapie vorhanden bleiben, da anderweitig bestehende degenerative Veränderungen der Wirbelsäule vorhanden bleiben. Auch hier können konservative Therapiemaßnahmen und Krankengymnastik unterstützend helfen.
Nachsorge
Nach der Operation ist eine konsequente Nachsorge wichtig, um den Heilungsprozess zu unterstützen und Komplikationen vorzubeugen. Dazu gehören:
- Physiotherapie: Zur Stärkung der Rückenmuskulatur und Verbesserung der Beweglichkeit.
- Schmerzmedikation: Bei Bedarf zur Linderung von Schmerzen.
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen: Beim Arzt, um den Heilungsverlauf zu überwachen.
- Vermeidung von Überlastung: In den ersten Wochen nach der Operation sollte die Wirbelsäule nicht überlastet werden.
- Anschlussheilbehandlung: Sollten aufgrund einer im Vorfeld der Operation lange bestehenden Einengung von Nerven oder Rückenmark noch relevante Restbeschwerden bestehen, kann über den Kliniksozialdienst bereits im Rahmen des stationären Aufenthaltes eine Anschlussheilbehandlung organisiert werden.
Leben mit Spinalkanalstenose
Auch nach einer erfolgreichen Operation ist es wichtig, auf einen gesunden Lebensstil zu achten, um die Wirbelsäule zu schonen und das Risiko eines erneuten Auftretens der Stenose zu minimieren. Dazu gehören:
- Regelmäßige Bewegung: Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Walking sind besonders geeignet.
- Ergonomischer Arbeitsplatz: Achten Sie auf eine gute Körperhaltung beim Sitzen und Stehen.
- Vermeidung von schwerem Heben: Heben Sie schwere Gegenstände aus den Beinen und nicht aus dem Rücken.
- Gesunde Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Kalzium und Vitamin D, um die Knochen zu stärken.
- Gewichtskontrolle: Übergewicht belastet die Wirbelsäule zusätzlich.
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