Herzrhythmusstörungen: Die Rolle des Nervus Vagus und alternative Auslöser

Herzrasen, das plötzlich und ohne erkennbaren Grund auftritt, kann beängstigend sein. Oftmals steckt eine anfallsartige Vorhoftachykardie dahinter, die in der Regel harmlos ist. In diesem Artikel werden wir untersuchen, wie der Nervus vagus bei Herzrhythmusstörungen eine Rolle spielen kann und welche anderen Faktoren ebenfalls eine Rolle spielen können. Es werden sowohl gutartige als auch potenziell gefährliche Ursachen von Herzrasen und die entsprechenden Selbsthilfemaßnahmen sowie medizinischen Behandlungen beleuchtet.

Anfallsartiges Herzrasen und der Nervus Vagus

Anfallsartiges Herzrasen, auch paroxysmale supraventrikuläre Tachykardie genannt, betrifft oft gesunde Menschen. Typisch ist ein plötzlicher Beginn und ein abruptes Ende. In vielen Fällen können Betroffene das Herzrasen durch sogenannte vagale Manöver selbst beenden. Diese Manöver aktivieren den Nervus vagus, der einen bremsenden Einfluss auf den AV-Knoten hat.

Vagus-Manöver zur Selbstbehandlung

Der Vagusnerv, ein Teil des vegetativen Nervensystems, ist für die Abbremsung der Herzerregungen verantwortlich. Durch verschiedene Manöver lässt sich dieser Nerv aktivieren:

  • Valsalva-Manöver: Tief einatmen, Nase zuhalten und pressen. Besonders effizient ist das Valsalva-Manöver gegen einen Widerstand, beispielsweise ein Blasröhrchen.
  • Kaltes Wasser: Schnell kaltes, kohlensäurehaltiges Wasser trinken oder Eis bzw. einen kalten Waschlappen auf Stirn und/oder Brust legen. Auch das Gesicht und die Hände eiskalt waschen kann helfen.
  • Karotissinus-Massage: Im Liegen mit Mittel- und Zeigefinger den Puls der Halsschlagader im linken Kieferwinkel leicht massieren. Wichtig: Immer nur eine Seite massieren und vorher Verkalkungen im Bereich der Halsschlagader ausschließen lassen.

Im Anschluss an diese Manöver kann es hilfreich sein, sich auf den Boden zu legen und die Beine in 45° anzuwinkeln, um die Erfolgsquote zu erhöhen. Die Erfolgsquote von vagalen Manövern liegt bei etwa 40%.

Wann ist ein Arztbesuch erforderlich?

Sollten die Anfälle häufiger auftreten, ist es ratsam, den Hausarzt zu informieren. Wenn einfache Maßnahmen nicht ausreichen, wird er gegebenenfalls einen Kardiologen hinzuziehen. Ein EKG-Ausdruck der Rhythmusstörung kann bei der Diagnose helfen. In manchen Fällen kann der Kardiologe eine "Pill-in-the-pocket"-Therapie erklären, bei der im Bedarfsfall eine Tablette Propafenon oder Flecainid eingenommen wird.

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Sollten alle Versuche, die Tachykardie zu beenden, erfolglos bleiben, ist ein Arztbesuch unumgänglich. Bei harmlosen Herzrasen kann man die Notaufnahme möglicherweise noch selbst erreichen, ansonsten sollte ein Notarzt gerufen werden.

Vorhofflimmern und andere Ursachen von Herzrhythmusstörungen

Neben der anfallsartigen Vorhoftachykardie gibt es weitere Ursachen für Herzrhythmusstörungen, darunter Vorhofflimmern.

Vorhofflimmern

Vorhofflimmern ist die häufigste behandlungsbedürftige Herzrhythmusstörung. Es kann sich unterschiedlich präsentieren:

  • Paroxysmales Vorhofflimmern: Eine Episode von Vorhofflimmern endet spontan.
  • Persistierendes Vorhofflimmern: Die Episode endet nicht selbstständig, kann aber durch eine Kardioversion (medikamentös oder elektrisch) in den Sinusrhythmus überführt werden.
  • Permanentes Vorhofflimmern: Das Vorhofflimmern ist akzeptiert und dauerhaft.

Mögliche Auslöser für Vorhofflimmern

  • Stress: Zeitdruck und psychische Belastungen können Vorhofflimmern auslösen oder verstärken.
  • Strukturelle Veränderungen des Herzmuskels: Bei älteren Menschen können Veränderungen des Herzmuskels zu Vorhofflimmern führen.
  • Unmittelbare Auslöser: Bei jüngeren Menschen können Alkoholkonsum oder Stress Vorhofflimmern auslösen.
  • Weitere Faktoren: Langjähriger Bluthochdruck, Herzschwäche, koronare Herzkrankheit, Diabetes mellitus, Schilddrüsenerkrankungen, hohes Alter und übermäßiger Alkoholkonsum können das Risiko für Vorhofflimmern erhöhen.
  • Vagal induziertes Vorhofflimmern: Eine Steigerung der Aktivität des Nervus vagus in der Nacht kann zu einer Verlangsamung des Herzschlages und Vorhofflimmern führen.
  • Schlafapnoesyndrom: Nächtliche Phasen der Hypopnoe und Apnoe können die Sauerstoffsättigung senken und den Schlaf fragmentieren, was Vorhofflimmern begünstigen kann.
  • Gastroösophageale Refluxerkrankung: Der Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre kann das vegetative Nervensystem beeinflussen und Herzrhythmusstörungen fördern.
  • Abendliche Ernährungsgewohnheiten: Vermehrter Alkoholkonsum am Abend kann Vorhofflimmern begünstigen.

Therapieansätze bei Vorhofflimmern

Die Therapie orientiert sich nach Möglichkeit an den ursächlichen Triggerfaktoren. Darüber hinaus ist eine blutverdünnende Therapie nach individueller Risikoanalyse notwendig.

Psychokardiologie: Der Zusammenhang zwischen Psyche und Herz

Die Wechselwirkung zwischen psychischen Belastungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Vorhofflimmern wird in der Forschung und in der klinischen Behandlung zunehmend wichtiger. Psychische Faktoren wie Stress, Angst und Depressionen können das Auftreten von Vorhofflimmern fördern.

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Auswirkungen von Stress auf das Herz

  • Psychische Belastungen können zu Kompensationsmechanismen wie Rauchen, Übergewicht, übermäßigem Alkoholkonsum oder ungesunder Ernährung führen.
  • Psychischer Stress kann zu einem erhöhten Blutdruck führen, einem der Hauptrisikofaktoren für Vorhofflimmern.
  • Chronischer Stress kann zu Schädigungen des Endothels (Gefäßinnenhaut) führen und das Risiko für Erkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt erhöhen.

Therapieansätze zur Reduktion von psychischem Stress

  • Entspannungsübungen wie Atemübungen, progressive Muskelentspannung oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und das Auftreten von Vorhofflimmer-Episoden zu reduzieren.
  • Beta-Blocker können die Reaktion des autonomen Nervensystems auf psychischen Stress dämpfen und somit das Auftreten von Vorhofflimmern reduzieren.
  • Eine Stimulation des Vagusnervs kann das Auftreten von Vorhofflimmern reduzieren.

Ganzheitlicher Behandlungsansatz

Neben Basismaßnahmen wie ausreichender körperlicher Aktivität, gesunder Ernährung und Gewichtsreduktion sollten auch psychische Faktoren erfasst und in die Therapie einbezogen werden. Psychotherapeutische Gespräche können helfen, mehr Entspannung im Hinblick auf die Erkrankung zu schaffen.

Weitere Ursachen für Herzrasen

Neben Vorhofflimmern und anfallsartiger Vorhoftachykardie gibt es weitere Ursachen für Herzrasen:

  • Körperliche Anstrengung: Sport oder andere körperliche Aktivitäten können den Herzschlag beschleunigen.
  • Psychische Faktoren: Starke Angst, Anspannung oder Freude können Herzrasen auslösen.
  • Fieber: Erhöhte Körpertemperatur kann den Herzschlag beschleunigen.
  • Medikamente, Drogen, Vergiftungen: Bestimmte Substanzen können Herzrasen verursachen.
  • Störungen des Stoffwechsels: Eine Schilddrüsenüberfunktion kann Herzrasen auslösen.
  • Hormonveränderungen: Hormonelle Veränderungen, beispielsweise in den Wechseljahren, können Herzrasen verursachen.
  • Herzkrankheiten: Herzschwäche und andere Herzerkrankungen können Herzrasen begünstigen.
  • Posturales Tachykardiesyndrom (POTS): Kann als Folge einer COVID-19-Erkrankung auftreten.
  • Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW-Syndrom): Eine angeborene Herzerkrankung, die Herzrasen verursachen kann.

Wann sollte man bei Herzrasen einen Arzt aufsuchen?

Generell sollten Betroffene in jedem Fall ärztlichen Rat suchen, wenn Herzrasen wiederholt auftritt - auch wenn es von selbst wieder verschwindet. Womöglich steckt eine Herzerkrankung dahinter, die eine Behandlung erfordert. In folgenden Fällen sollte sofort der Notarzt gerufen werden:

  • Bei anhaltender Tachykardie (sie hört nicht von selbst auf, auch nicht durch Techniken wie Luft anhalten mithilfe des Vasalva-Manövers oder ein Glas Wasser trinken).
  • Bei Bewusstlosigkeit und Kreislaufstillstand.
  • Bei zusätzlich auftretender Atemnot, Kurzatmigkeit, starken Brustschmerzen oder Engegefühl in der Brust.
  • Eine Kammertachykardie ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der sofortige ärztliche Hilfe erfordert.

Selbsthilfe-Maßnahmen bei gutartigem Herzrasen

Wenn das Herzrasen gutartig ist, keine gefährliche Herzerkrankung dahinter steckt und die Beschwerden nicht stark sind, können bestimmte Selbsthilfe-Maßnahmen den Herzschlag normalisieren:

  • Schnell ein kaltes Glas Wasser trinken.
  • Die Luft anhalten mit Hilfe des Vasalva-Manövers.
  • Sich sehr kaltes Wasser ins Gesicht spritzen.

Diese Techniken regen verschiedene Nerven an (vor allem den Vagus-Nerv). Das wiederum verlangsamt die Erregungsweiterleitung im Herzen kurzfristig oder unterbricht sie, sodass das Herzjagen letztendlich stoppt.

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Medizinische Behandlungsmöglichkeiten bei Herzrhythmusstörungen

Je nach Ursache und Schweregrad der Herzrhythmusstörung stehen verschiedene medizinische Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung:

  • Medikamente: Antiarrhythmika beeinflussen die Erregungsbildung oder -weiterleitung und können das Auftreten eines zu schnellen Herzschlags verhindern. Betablocker können die Reaktion des autonomen Nervensystems auf psychischen Stress dämpfen.
  • Defibrillator: Er wird implantiert, erkennt gefährliche Herzrhythmusstörungen und beendet sie durch elektrische Stimulation.
  • Katheterablation: Ärztinnen oder Ärzte veröden Herzmuskelzellen in dem Bereich, wo das Herzrasen ausgelöst wurde.
  • Elektrische Kardioversion: Ein elektrischer Impuls bringt das Herz wieder in den richtigen Rhythmus.

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