Die Wade, lateinisch Regio suralis, ist der hintere, gewölbte Abschnitt des Unterschenkels. Sie erstreckt sich von der Kniekehle bis zum unteren Drittel des Unterschenkels und wird hauptsächlich von der Wadenmuskulatur geformt. Diese Muskeln ermöglichen uns unter anderem das Laufen, Springen und Balancieren. Eine intakte Nervenversorgung ist für die Funktion und Sensibilität der Wade unerlässlich. Dieser Artikel beleuchtet die anatomische Grundlage der Nervenversorgung der Wade, häufige Erkrankungen und Beschwerden sowie Möglichkeiten der Diagnose und Therapie.
Anatomie der Wadenmuskulatur
Die Wadenmuskulatur besteht hauptsächlich aus zwei Muskeln:
- Musculus gastrocnemius (Wadenmuskel): Dieser Muskel hat zwei Köpfe, die ihren Ursprung am Oberschenkelknochen, oberhalb des Kniegelenks, haben.
- Musculus soleus (Schollenmuskel): Dieser Muskel liegt unterhalb des Musculus gastrocnemius und entspringt an Schienbein (Tibia) und Wadenbein (Fibula).
Gemeinsam bilden diese beiden Muskeln den Musculus triceps surae, der über die Achillessehne am Fersenbein ansetzt. Der Musculus triceps surae ist der stärkste Beuger im oberen Sprunggelenk und spielt eine entscheidende Rolle bei der Plantarflexion (Beugung des Fußes in Richtung der Fußsohle).
Einige Autoren betrachten den Musculus plantaris als eigenständige Einheit, während andere ihn dem Musculus triceps surae zuordnen. Funktionell spielt er beim Menschen eine geringe Rolle. Seine Fasern strahlen in den Musculus soleus und die Achillessehne ein.
Innervation der Wadenmuskulatur
Die Innervation der Wadenmuskulatur erfolgt hauptsächlich über den Nervus tibialis (Schienbeinnerv). Dieser Nerv ist ein Hauptast des Nervus ischiadicus (Ischiasnerv), der aus dem Plexus sacralis (Kreuzgeflecht) entspringt. Der Nervus tibialis teilt sich im weiteren Verlauf in zwei Hauptäste auf, die verschiedene Muskeln innervieren.
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Der Nervus tibialis versorgt folgende Muskeln der Wadenregion mit motorischen Impulsen:
- Musculus gastrocnemius
- Musculus soleus
- Musculus plantaris
- Musculus tibialis posterior
- Musculus flexor digitorum longus
- Musculus flexor hallucis longus
Neben dem Nervus tibialis können auch andere Nerven kleinere Muskeln oder Bereiche der Wade innervieren.
Funktionen der Wade
Die Wade erfüllt mehrere wichtige Funktionen:
- Bewegung des Fußes: Die Wadenmuskulatur ermöglicht die Plantarflexion, also das Strecken des Fußes, wie beim Zehenspitzenstand.
- Aufrechte Körperhaltung: Die Wadenmuskulatur unterstützt das Gleichgewicht und die Stabilität beim Stehen und Gehen.
- Wadenpumpe: Durch die Kontraktion der Wadenmuskulatur wird das Blut in den Venen zurück zum Herzen gepumpt. Diese Funktion ist besonders wichtig für den venösen Rückfluss aus den Beinen.
Häufige Erkrankungen und Beschwerden der Wade
Es gibt vielfältige Ursachen für Schmerzen, Krämpfe oder Funktionsverluste in der Wade. Einige der häufigsten sind:
- Muskelfaserriss: Ein Muskelfaserriss entsteht meist durch Überlastung, Überdehnung oder intensive sportliche Aktivität. Dabei reißen einzelne Muskelfasern, was zu stechenden Schmerzen, Kraftverlust und Schwellungen führt.
- Achillessehnenruptur: Ein Riss der Achillessehne kann durch plötzliche, starke Belastungen oder degenerative Prozesse entstehen. Betroffene können sich nicht mehr auf die Zehenspitzen stellen, und das Gehen ist stark eingeschränkt.
- Tiefe Venenthrombose (Phlebothrombose): Eine Thrombose entsteht durch ein Blutgerinnsel in den tiefen Venen der Wade, das den Blutfluss behindert. Typische Symptome sind ziehende oder drückende Schmerzen, Schwellungen und ein Spannungsgefühl in der Wade.
- Wadenkrämpfe: Wadenkrämpfe sind plötzliche, unwillkürliche Kontraktionen der Wadenmuskulatur. Sie können durch verschiedene Faktoren wie Elektrolytmangel, Überanstrengung, Bewegungsmangel oder Stoffwechselerkrankungen ausgelöst werden.
- Kompartmentsyndrom: Bei einem Kompartmentsyndrom steigt der Druck in einem Muskelkompartiment der Wade, wodurch Nerven und Blutgefäße abgedrückt werden. Dies kann durch Traumata wie Knochenbrüche, Prellungen oder Verbrennungen verursacht werden und führt zu starken Schmerzen, Taubheitsgefühl und Kribbeln.
- Ischialgie: Der Ischiasnerv, der sich in den Schienbeinnerv (Nervus tibialis) und den Wadennerv (Nervus peroneus communis) aufteilt, kann Ursache für Schmerzen sein, die bis in die Wade ausstrahlen.
- S1-Syndrom: Ein Reizzustand oder eine Schädigung der Nervenwurzel S1 kann ebenfalls zu Schmerzen in der Wade führen.
Nervenkompressionssyndrome in der Wade und im Fuß
Nervenkompressionssyndrome entstehen, wenn Nerven durch äußeren Druck eingeengt werden. Dies kann verschiedene Ursachen haben, wie z.B.:
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- Knochenbrüche oder Verrenkungen
- Fußfehlstellungen (Spreizfuß, Senkfuß)
- Rheumatoide Arthritis
- Sehnenentzündungen durch Überlastung
- Stoffwechselerkrankungen (Diabetes, Nierenerkrankungen)
Einige spezifische Nervenkompressionssyndrome, die die Wade und den Fuß betreffen können, sind:
- Tarsaltunnelsyndrom: Hier wird der Nervus tibialis im Tarsaltunnel (eine knöcherne Struktur am Innenknöchel) eingeengt. Dies führt zu brennenden Schmerzen und Gefühlsstörungen im Bereich des Innenknöchels, die in Richtung Ferse und Fußsohle ausstrahlen können.
- Morton-Neuralgie (Morton-Metatarsalgie): An den Nervenendästen, die die Zehen versorgen, kann es durch äußeren Druck zu Nervenauftreibungen kommen, die brennende Schmerzen im Bereich der vorderen Fußsohle verursachen.
- Kompressionssyndrom des Baxter-Nervs: Die Kompression des Nervus calcaneus inferior (Baxter-Nerv) kann zu Fersenschmerzen führen, die denen einer Plantarfasziitis ähneln.
- Peroneuslähmung: Eine Kompression oder Schädigung des Nervus peroneus (Wadennerv) in Höhe des Wadenbeinköpfchens kann zu einer Schwäche der Fuß- und Zehenhebermuskulatur führen, was einen Steppergang verursacht.
Diagnose von Wadenerkrankungen und Nervenkompressionssyndromen
Die Diagnose von Wadenerkrankungen und Nervenkompressionssyndromen umfasst in der Regel:
- Anamnese (Krankengeschichte): Der Arzt erfragt die genauen Beschwerden, deren Beginn und Verlauf sowie mögliche Auslöser.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Wade und den Fuß auf Schwellungen, Druckschmerzhaftigkeit, Bewegungseinschränkungen und neurologische Ausfälle.
- Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen, Ultraschalluntersuchungen oder MRT-Aufnahmen können helfen, Knochenbrüche, Weichteilveränderungen oder Nervenkompressionen darzustellen.
- Elektrophysiologische Untersuchungen (Nervenleitgeschwindigkeitsmessung): Diese Untersuchungen können die Funktion der Nerven beurteilen und helfen, Nervenkompressionssyndrome zu diagnostizieren.
- Diagnostische Injektionen: Die Injektion eines Lokalanästhetikums in den Bereich eines verdächtigen Nervs kann helfen, die Schmerzursache zu identifizieren.
Therapie von Wadenerkrankungen und Nervenkompressionssyndromen
Die Therapie richtet sich nach der Ursache der Beschwerden. Mögliche Behandlungsansätze sind:
- Konservative Therapie:
- Ruhe und Entlastung: Vermeidung von Aktivitäten, die die Beschwerden verschlimmern.
- Kühlung: Kühlung der Wade bei akuten Verletzungen oder Entzündungen.
- Kompression: Anlegen eines Kompressionsverbandes bei Schwellungen.
- Schmerzmittel und Entzündungshemmer: Einnahme von Medikamenten zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Stärkung der Muskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Förderung der Heilung.
- Orthopädische Hilfsmittel: Einlagen, Bandagen oder Schienen zur Unterstützung des Fußes und zur Entlastung der Nerven.
- Injektionen: Injektionen von Lokalanästhetika oder Kortikosteroiden zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung.
- Elektrotherapie, Ultraschall, pulsierende Magnetfeldtherapie, Akupunktur: Diese physikalischen Therapien können zur Schmerzlinderung und Förderung der Heilung eingesetzt werden.
- Operative Therapie:
- Dekompression des Nervs: Bei Nervenkompressionssyndromen kann eine Operation erforderlich sein, um den Druck auf den Nerv zu entlasten.
- Entfernung von Raumforderungen: Ganglien oder Tumoren, die auf Nerven drücken, können operativ entfernt werden.
- Sehnenverlagerung: In einigen Fällen kann eine Sehnenverlagerung erforderlich sein, um die Funktion des Fußes wiederherzustellen.
Prävention von Wadenerkrankungen und Nervenkompressionssyndromen
Einige Maßnahmen können helfen, Wadenerkrankungen und Nervenkompressionssyndromen vorzubeugen:
- Geeignetes Schuhwerk: Tragen Sie Schuhe, die ausreichend Unterstützung bieten und gut passen.
- Regelmäßige Fußübungen: Stärken Sie die Fußmuskulatur durch gezielte Übungen.
- Vermeidung von Überlastung: Achten Sie auf angemessene Pausen bei längeren Belastungen.
- Gewichtsmanagement: Übergewicht kann die Füße und Waden zusätzlich belasten.
- Vermeidung von langem Knien oder Hocken: Diese Positionen können den Nervus peroneus komprimieren.
- Ausgleich von Elektrolytmängeln: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Flüssigkeitszufuhr.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Bei anhaltenden Schmerzen, Taubheit, Kribbeln oder Schwäche in der Wade oder im Fuß sollte ein Arzt aufgesucht werden. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können helfen, dauerhafte Schäden zu vermeiden.
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