Die Rolle von Neurotransmittern beim Drogenkonsum und der Suchtentwicklung

Drogensuchterkrankungen sind ein komplexes Problem, das Menschen aller Altersstufen und sozialen Schichten betrifft. Obwohl die Sucht nach illegalen Drogen weniger verbreitet ist als Alkohol- oder Nikotinsucht, stellt sie eine erhebliche Gefahr dar. Der Konsum von Drogen kann schnell zu physischer und/oder psychischer Abhängigkeit führen, was gravierende Folgen haben kann, einschließlich sozialer Isolation, körperlichem Verfall und psychischen Begleiterkrankungen.

Das Belohnungssystem und Dopamin

Psychotrope Substanzen beeinflussen die Psyche, indem sie die Wahrnehmung von Stimmung und Situation verändern. Sie aktivieren das Belohnungszentrum im Gehirn, was zu einem Gefühl des Wohlbefindens führt. Hierbei spielt der Neurotransmitter Dopamin eine zentrale Rolle, der als "Glückshormon" bekannt ist. Das durch den Drogenkonsum ausgelöste Stimmungshoch wird im Gehirn gespeichert und bildet das sogenannte "Suchtgedächtnis". Betroffene streben danach, diesen Zustand immer wieder zu erleben.

Abhängigkeitspotenzial verschiedener Drogen

Die Geschwindigkeit, mit der eine Abhängigkeit entsteht, variiert je nach Droge. Heroin gilt als die am schnellsten abhängig machende Droge, während Cannabis und Amphetamine ein mittleres Suchtpotenzial aufweisen. Ecstasy oder LSD haben ein verhältnismäßig niedriges Abhängigkeitspotenzial. Die individuelle Disposition, Vorerkrankungen und andere Faktoren können die Entwicklung einer Drogenabhängigkeit beeinflussen.

Risikogruppen und Konsummuster

Es gibt keine spezifische Risikogruppe, bei der eine Drogenabhängigkeit häufiger auftritt. Unterschiede zeigen sich eher in Bezug auf die konsumierte Droge: Jüngere Menschen bevorzugen Cannabis und "Partydrogen" wie Ecstasy, während ältere Menschen häufiger zu Kokain und anderen "Luxusdrogen" greifen. Viele Menschen nutzen Drogen als Flucht vor Stress, Angst oder Unsicherheit.

Legale und illegale Substanzen

Psychotrope Substanzen sind in verschiedenen Formen erhältlich, wobei einige legal und andere illegal sind. Alkohol und Nikotin sind in Deutschland legal, während Drogen wie Heroin, Amphetamine oder Cannabis dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen. Opioide wirken schmerzunterdrückend, betäubend und euphorisierend, bergen aber ein hohes Suchtrisiko.

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Cannabis als "weiche Droge"

Cannabis wird oft als "weiche Droge" eingestuft, da sich bei längerem Konsum nicht immer eine körperliche Abhängigkeit entwickelt. Der Wirkstoff THC erzeugt entweder Hochstimmung oder Entspannung. Die psychischen und vegetativen Symptome einer Cannabissucht sollten jedoch nicht unterschätzt werden.

Kokain und Amphetamine

Kokain gilt als "Lifestyle- oder Luxusdroge" und wirkt stark aufputschend. Es steigert das Selbstvertrauen, minimiert Angstgefühle und erhöht das Leistungspotenzial. Das Risiko einer physischen Abhängigkeit ist geringer, dafür ist die Wahrscheinlichkeit einer psychischen Abhängigkeit umso größer. Amphetamine wie Ecstasy erhöhen die extrazelluläre Konzentration der "Glückshormone" Dopamin und Noradrenalin.

Legal Highs und Designerdrogen

Um das Betäubungsmittelgesetz zu umgehen, werden immer wieder neue psychoaktive Substanzen auf den Markt gebracht, sogenannte Legal Highs oder Designerdrogen. Da ihre Wirkung und Langzeitfolgen oft unklar sind, ist die Behandlung der Sucht erschwert.

Psychische Abhängigkeit und soziale Folgen

Nach einem Drogenrausch verspüren Betroffene oft innere Leere und greifen erneut zum Suchtmittel, um diese depressive Stimmung zu betäuben. Die psychische Abhängigkeit führt dazu, dass sich Süchtige ohne Drogen nicht mehr wohlfühlen. Drogensüchtige ziehen sich oft aus ihrem Umfeld zurück, was zu Isolation und Verwahrlosung führen kann.

Diagnose und Therapie

Eine zielgerichtete Anamnese unter Zuhilfenahme von psychologischen und medizinischen Tests ist für die Diagnose einer Drogenabhängigkeit unerlässlich. Laut ICD-10 ist die Drogensucht eine Störung von Psyche und Verhalten, die durch psychotrope Substanzen ausgelöst wird. Die Art und Dauer eines Drogenentzugs richten sich nach der konsumierten Substanz und der Therapie. Eine professionelle Betreuung ist maßgeblich für den Erfolg der Therapie.

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Der Weg aus der Sucht

Die Einsicht und Erkenntnis der Drogenabhängigkeit sind die ersten Hürden bei der Bekämpfung der Sucht. Der Weg aus der Abhängigkeit ist schwierig, aber mit kompetenter Unterstützung möglich. Viele Betroffene erleiden Rückfälle, insbesondere wenn keine ausreichende Nachsorge erfolgt. Drogensüchtige sind oft Doppeldiagnose-Patienten, die neben der Abhängigkeit auch an psychischen Störungen leiden.

Nachsorge und Rückfallprävention

Nach dem Klinikaufenthalt ist die Nachsorge wichtig, um die Rehabilitierung und Rückführung in ein normales Leben zu gewährleisten und die Abstinenz langfristig zu stabilisieren. Ziel ist es, Strategien zu entwickeln, um mit Ängsten, Stresssituationen oder anderen unangenehmen Gefühlen angemessen umzugehen.

Neurobiologische Grundlagen der Sucht

Die moderne neurobiologische Forschung hat gemeinsame Prinzipien der Entstehung und Aufrechterhaltung von Sucht aufgezeigt. Drogen bewirken die Ausschüttung von Dopamin im Belohnungssystem des Gehirns, zu dem der Nucleus accumbens, der Hippocampus und die Amygdala gehören. Der N. accumbens ist für die Glücksgefühle verantwortlich, im Hippocampus werden Erinnerungen gespeichert, und die Amygdala erzeugt eine konditionierte Antwort.

Toleranz und Konditionierung

Das Gehirn passt sich an die Dopaminflut an, indem es die Wirkung von Dopamin abschwächt. Das Glücksgefühl wird geringer, und der Abhängige reagiert mit einer höheren Dosis, um den gleichen "Kick" zu verspüren (Toleranz). Die Erinnerungen an die mit dem begehrten Stoff assoziierten Situationen lösen intensives Verlangen aus, das auch nach Jahren der Abstinenz wieder erwachen und zum Rückfall führen kann (Konditionierung).

Sucht in Deutschland: Fakten und Kommentare

Die legalen Drogen Alkohol und Tabak verursachen die größten gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Schäden. In Deutschland gibt es etwa 2 Millionen Alkoholabhängige und 5,6 Millionen Tabakabhängige. Die Zahl der Abhängigen von illegalen Drogen wie Cannabis, Kokain und Amphetaminen wird auf ca. 320.000 geschätzt. Medikamentenabhängigkeit ist vor allem bei älteren Personen verbreitet.

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Die Rolle des Gehirns bei einer Sucht

Die neuere Forschung betrachtet Sucht als körperliche Erkrankung, bei der das Gehirn im Zentrum steht. Fortschritte in den Neurowissenschaften haben Sucht als eine chronische Gehirnerkrankung mit starken genetischen, neuronalen und soziokulturellen Komponenten identifiziert.

Rätselhaftes Dopamin

Dopamin ist ein Neurotransmitter, der für eine Vielzahl von lebensnotwendigen Steuerungs- und Regelungsvorgängen benötigt wird. Drogen aktivieren das Belohnungssystem durch Dopamin deutlich stärker als natürliche Belohnungen. Unser Gehirn speichert, welche Stoffe oder Verhaltensweisen zu einer besonderen Belohnung geführt haben (Suchtgedächtnis).

Folgen für Betroffene

Je häufiger Suchtstoffe als Problemlöser dienen, desto stärker verfestigen sich diese Verhaltensmuster. Suchterkrankte werden immer sensibler für Reize, die mit der Aufnahme bestimmter Suchtstoffe in Verbindung stehen (Trigger). Beim Verzicht auf das Suchtmittel kann es zu Entzugserscheinungen kommen.

Behandlung von Suchterkrankungen

Die Therapie einer Suchterkrankung ist abhängig von der Art der Sucht und der Ausprägung. In der Regel wird anfangs eine körperliche Entgiftung durchgeführt. Bei der medizinischen Behandlung einer Drogenabhängigkeit kommen unter Umständen Ersatzstoffe wie Methadon zum Einsatz. Ein wichtiges Ziel der Behandlung ist, neuen Lebensmut zu bekommen und dank neuer Strategien und Verhaltensmustern abstinent zu bleiben. Mögliche Therapien sind Beratung, Entgiftung, Entwöhnung, Psychotherapie, Selbsthilfegruppen und Medikamente.

Was tun bei einem Rückfall?

Ein Rückfall ist kein persönliches Versagen, sondern gehört zum Wesen einer Sucht. Wichtig ist, jeden Rückfall zu bewerten und therapeutisch aufzuarbeiten.

Forschungsergebnisse und neue Erkenntnisse

Ein Forschungsteam aus der Schweiz hat einen Mechanismus im Gehirn von Mäusen entdeckt, der erklären könnte, warum manche Menschen das schädliche Konsumverhalten nicht einstellen können. Allen Drogen mit Suchtpotential ist gemeinsam, dass sie im Gehirn die Aktivität des Neurotransmitters Dopamin beeinflussen.

Die Rolle von Serotonin

Es gibt Hinweise darauf, dass die unterschiedliche Wirksamkeit des Serotonin-(5-HT)-Systems im Gehirn an der Anfälligkeit für Drogensucht beteiligt sein könnte. Kokain bindet an 5-HT-Transporter, um die 5-HT-Wiederaufnahme zu blockieren. Das erhöhte extrazelluläre 5-HT aktiviert 5-HT1B-Rezeptoren und verursacht eine präsynaptische Depression einer Projektion vom orbitofrontalen Kortex zum dorsalen Striatum.

Das Belohnungssystem und seine Ursprünge

Das Belohnungssystem lenkt uns zu den Dingen, die für unser Überleben wichtig sind wie beispielsweise die Nahrungsbeschaffung. Schmackhafte Nahrung, Körperkontakt und Sexualität werden als primäre Verstärker bezeichnet.Die Entdeckung des Belohnungssystems geht zurück auf ein Experiment aus dem Jahre 1954.

Die Wechselwirkung von Dopamin und Endorphinen

Die Botenstoffe Dopamin und Endorphin sind innerhalb des neuronalen Belohnungsnetzwerkes dafür verantwortlich, Glücksgefühle zu erzeugen. Dopamin wird vor allem durch überraschende, positiv assoziierte Reize freigesetzt. Das treibt uns an, bestimmte Handlungen zu vollführen. Endorphine führen zu einem entspannten Wohlgefühl. Drogen wirken mitunter ähnlich wie Botenstoffe oder regen den Körper an, sie vermehrt auszuschütten.

Neuromodulation und Synapsenfunktion

Forscher haben aufgeklärt, wie die "Modulatoren" der Kommunikation zwischen Nervenzellen funktionieren. Der häufigste Botenstoff im Gehirn ist Glutamat. Modulatorische Botenstoffe wie Adrenalin, Dopamin und Serotonin beeinflussen die Signalweiterleitung mit Glutamat und verändern damit unsere Wahrnehmung, unsere Gefühle und unsere Handlungen. Auch alle psychoaktiven Drogen wirken über dieses modulatorische System.

Dopamin und soziale Medien

Dopamin hat die Aufgabe, auf mögliche Belohnungen hinzuweisen, also eine belohnungsankündigende Wirkung. Situationen, die mit Belohnungen einhergehen, werden durch das Dopamin "gelikt" und im Suchtgedächtnis abgespeichert. Soziale Medien nutzen diese Lernmechanismen unseres Gehirns, indem sie immer wieder das Dopaminsystem anstacheln.

Dopamin-Detox und Meditation

Menschen, die zu sich kommen wollen, müssen sich abschotten von äußeren Reizen. Wenn man sich von äußeren Triggern abschottet, dann reagiert das Dopamin nicht andauernd auf äußere Signale. Meditation ist ein Zustand, den Menschen anstreben, um zu ihrem Inneren zu gelangen.

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