Bupropion, besser bekannt unter dem Markennamen Wellbutrin, ist ein Medikament, das ursprünglich zur Behandlung von Depressionen entwickelt wurde. Es findet aber auch Anwendung bei der Raucherentwöhnung und zunehmend auch im sogenannten "Off-Label-Use" bei der Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Erwachsenen. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkweise von Bupropion, seine Anwendung bei ADHS, mögliche Nebenwirkungen und gibt einen Überblick über Erfahrungen von Anwendern.
Was ist Bupropion?
Bupropion ist ein Medikament, das in den USA seit 1989 zur Behandlung von Depressionen eingesetzt wird. Später wurde entdeckt, dass es auch den Ausstieg aus der Tabakabhängigkeit unterstützt. Es wirkt auf bestimmte Botenstoffe im Gehirn, die Aufmerksamkeit, Antrieb und Motivation beeinflussen.
Wirkmechanismus von Bupropion
Im Gegensatz zu vielen anderen Antidepressiva beeinflusst Bupropion nicht den Neurotransmitter Serotonin. Stattdessen hemmt es die Wiederaufnahme von Dopamin und Noradrenalin. Neurotransmitter stellen eine chemische Verbindung zwischen zwei Nervenzellen her. Nach der Signalübertragung wird der Neurotransmitter in der Regel wieder in die Nervenzelle aufgenommen. Wird die Wiederaufnahme durch einen Wirkstoff gehemmt, verstärkt sich die Wirkung des Neurotransmitters.
Bupropion agiert als Dopamin- und Noradrenalinwiederaufnahmehemmer und wirkt als selektiver OCT2-Inhibitor unter therapeutischen Spiegeln. Es hemmt die neuronale Wiederaufnahme von Katecholaminen (Noradrenalin und Dopamin) durch Blockade der für die Aufnahme zuständigen Transporter der präsynaptischen Nervenzellen. Durch diese Wiederaufnahmehemmung (Reuptake-Inhibition) erhöht sich die Konzentration der Botenstoffe und ihre Wirkung hält länger an.
Der Mechanismus der antidepressiven Wirkung von Bupropion ist nicht vollständig bekannt.
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Pharmakokinetik
Bupropion wird nahezu vollständig aufgenommen, wobei die Bioverfügbarkeit durch den First-Pass-Metabolismus auf 5 bis 20 % verringert wird. Die Bioverfügbarkeit von Bupropion mit verzögerter Wirkstofffreisetzung (SR) ähnelt der von sofort wirksamem Bupropion (IR), während die von Bupropion mit verlängerter (ER) Wirkstofffreisetzung etwas niedriger ist.
Bupropion ist als Wirkstoff selbst wirksam und wird zu Hydroxybupropion, Threohydrobupropion und Erythrohydrobupropion metabolisiert. Alle sind potente Noradrenalinwiederaufnahmehemmer. Hydroxybupropion z. B. Bupropion wird primär durch CYP2B6 in Hydroxybupropion umgewandelt. CYP1A2, CYP2A6, CYP2C9, CYP2C19, CYP2D6, CYP2E1 und CYP 3A4 tragen gering zur Umwandlung bei. Bupropion wird durch Carbonylreduktasen zu den aktiven Metaboliten Threohydrobupropion und Erythrohydrobupropion abgebaut. Threohydrobupropion und (R)-Hydroxybupropion erreichen Plasmaspiegel, die deutlich höher sind als die von Bupropion selbst.
Während Wellbutrin XR eine so lange Wirkdauer hat, dass eine einmalige Einnahme am Tag ausreicht, ist Zyban mit einer kürzeren Retardierung für eine zweimalige Einnahme am Tag gedacht.
Bupropion bei ADHS
Bei Erwachsenen mit ADHS wird Bupropion häufig dann angewendet, wenn klassische Stimulanzien wie Methylphenidat oder Amphetamine nicht vertragen werden oder nicht eingesetzt werden können. Da Bupropion für ADHS nicht offiziell zugelassen ist, erfolgt die Behandlung im sogenannten Off-Label-Use, also außerhalb der regulären Zulassung, jedoch auf Grundlage klinischer Erfahrungen und wissenschaftlicher Studien.
Wann wird Bupropion bei ADHS eingesetzt?
Bupropion wird vor allem dann eingesetzt, wenn Stimulanzien wie Methylphenidat oder Lisdexamfetamin nicht geeignet sind oder nicht ausreichend wirken. Es ist auch eine gute Wahl für Menschen, die zusätzlich unter Depressionen, Antriebslosigkeit oder Schlafstörungen leiden, da es gleichzeitig eine stimmungsaufhellende Wirkung besitzt. Darüber hinaus wird es häufig bei Patientinnen und Patienten verwendet, die mit dem Rauchen aufhören möchten, da es auch in dieser Indikation zugelassen ist.
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Bupropion kann im Einzelfall eine hilfreiche Ergänzung neben der Medikation mit Stimulanzien darstellen. Beim kombinationsmedikativen Einsatz gegen ADHS ist eine sehr viel niedrigere Dosierung erforderlich als es bei einem Einsatz als Antidepressivum üblich wäre. Bei ADHS mit komorbider Depression kann Bupropion möglicherweise hilfreich sein. Bupropion wirkt (noch) stärker aktivierend / antriebssteigernd als Nortryptilin und ist damit bei schwererer Symptomatik von ADHS-I (ohne Hyperaktivität) angezeigt.
Wirksamkeit von Bupropion bei ADHS
Bupropion kann bei einem Teil der Erwachsenen mit ADHS die Aufmerksamkeit verbessern, die Impulsivität verringern und depressive Verstimmungen lindern. Im Vergleich zu Stimulanzien ist die Wirkung meist etwas schwächer, dafür aber gleichmäßiger und ohne Aktivierung oder Abhängigkeitspotenzial. Viele Patientinnen und Patienten berichten über eine allmähliche Verbesserung der Konzentration, der Belastbarkeit und der emotionalen Stabilität.
Eine ältere kleine prospektive Studie berichtete bei 14 von 19 Probanden eine moderate bis spürbare Verbesserungen der ADHS-Symptomatik. 10 Probanden setzten nach dem Test die Behandlung mit Bupropion fort. Das sollte vor dem Hintergrund betrachtet werden, dass der Vergleich noch MAO-Inhibitoren einbezog und dass seit 1990 eine erhebliche Weiterentwicklung der Stimulanzienmedikation (Retardierung und neue Wirkstoffe wie Lisdexamfetamin) erfolgte. Bupropion wurde 2005 als bei ca. Zwei Studien an 30 bzw. 47 Erwachsenen mit AD(HS) mit 300 mg bzw.
Zusammenfassend: Bupropion kann in höheren Dosen bei ADHS hilfreich wirken, sollte jedoch als Monotherapie erst eingesetzt werden, wenn alle anderen Stimulanzien nicht hilfreich waren.
Dosierung und Einnahme
Die Behandlung beginnt mit einer niedrigen Dosis, meist 150 Milligramm täglich. Nach einigen Tagen wird die Dosis in der Regel auf 300 Milligramm pro Tag gesteigert. Das Medikament wird meist morgens eingenommen, um Schlafstörungen zu vermeiden. Bupropion ist in retardierter Form erhältlich, das heißt, der Wirkstoff wird über den Tag gleichmäßig freigesetzt. Die Tabletten dürfen nicht geteilt, zerdrückt oder zerkaut werden, da dies die Freisetzung verändert. Die Wirkung setzt nicht sofort ein, sondern entwickelt sich über zwei bis vier Wochen. Um eine gleichmäßige Wirkung zu erzielen, ist eine tägliche Einnahme wichtig.
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Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Bei der Einnahme von Bupropion ist Vorsicht bei der Gabe weiterer Medikamente mit CYP2B6-Beeinflussung geboten. Eine gleichzeitige Gabe von CYP2B6-Inhibitoren wie Clopidogrel oder Ticlopidin erhöhte den Bupropionspiegel AUC um 60 % bzw. 90 %. Bupropion wirkt zudem als Inhibitor von CYP2D6, indem es dessen Genexpression verringert. Bei einer gleichzeitigen Gabe von Amphetaminmedikamenten oder Atomoxetin sind diese daher niedriger zu dosieren.
Bupropion kann mit verschiedenen Medikamenten wechselwirken. Substanzen, die die Krampfschwelle senken, etwa bestimmte Antipsychotika oder Antidepressiva, erhöhen das Risiko für Nebenwirkungen. Alkohol kann die Verträglichkeit beeinträchtigen und sollte möglichst gemieden werden. Auch Medikamente, die über die Leberenzyme CYP2B6 verstoffwechselt werden, können den Bupropion-Spiegel beeinflussen. Deshalb ist es wichtig, dass alle regelmäßig eingenommenen Arzneimittel der Ärztin oder dem Arzt mitgeteilt werden.
Kontraindikationen
Bupropion ist nicht geeignet für Menschen mit Krampfleiden, schweren Essstörungen wie Bulimie oder Anorexie, akuten Entzugszuständen von Alkohol oder Beruhigungsmitteln sowie bei schwerer Leberfunktionsstörung. Auch Personen, die bestimmte andere Medikamente wie MAO-Hemmer einnehmen, dürfen Bupropion nicht verwenden. Vor Beginn der Therapie prüft die Ärztin oder der Arzt sorgfältig, ob Risikofaktoren vorliegen, und entscheidet individuell über die Eignung.
Untersuchungen vor und während der Behandlung
Vor Therapiebeginn wird eine ärztliche Untersuchung durchgeführt, um Risikofaktoren für Krampfanfälle, Bluthochdruck oder psychiatrische Begleiterkrankungen auszuschließen. Während der Behandlung werden Blutdruck, Stimmung und Schlafverhalten regelmäßig kontrolliert. Bei Auftreten ungewöhnlicher Symptome, insbesondere Muskelzuckungen, Bewusstseinsstörungen oder starke Unruhe, sollte sofort ärztlicher Rat eingeholt werden.
Risiken und Nebenwirkungen
Das wichtigste Risiko ist die Möglichkeit von Krampfanfällen, insbesondere bei hoher Dosierung oder zusätzlichen Risikofaktoren. Es sollte das erhöhte Risiko von Krampfanfällen bei höheren Dosen Bupropion berücksichtigt werden. Dieses Risiko ist gering, wenn die Dosierungsempfehlungen eingehalten und mögliche Gegenanzeigen beachtet werden. Bei Auftreten von Schlaflosigkeit, starkem Blutdruckanstieg oder ungewöhnlicher innerer Unruhe sollte die Dosis angepasst oder das Medikament gewechselt werden.
Die häufigsten Nebenwirkungen sind Schlafstörungen, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, Übelkeit und eine gewisse innere Unruhe zu Beginn der Behandlung. Manche Patientinnen und Patienten berichten über leichte Blutdrucksteigerungen oder Herzklopfen. Selten kann es zu Krampfanfällen kommen, insbesondere bei hoher Dosierung oder bei Personen mit bestimmten Risikofaktoren wie Essstörungen oder starkem Alkoholgebrauch. Sehr selten treten psychische Veränderungen, wie Reizbarkeit oder Stimmungsschwankungen, auf. Meist sind die Nebenwirkungen mild und bessern sich nach einigen Wochen.
Allergische Reaktionen (anaphylaktoid oder Spätreaktionen, z.B. Absetznebenwirkungen fanden sich bei 9 % (300 mg SR) bis 11 % (400 mg SR) und sind damit erheblich seltener als bei anderen SSRI. Bupropion SR zeigt kein erhöhtes Risiko von Tagesmüdigkeit.
Drogenscreening
Methylphenidathaltige Arzneimittel können zu einem falsch positiven Laborwert für Amphetamine führen, insbesondere bei Verwendung von Immunoassay-Methoden. Da Bupropion eine Amphetamin-ähnliche chemische Struktur aufweist, beeinflusst es die Untersuchungsmethode, die in einigen Urindrogenschnelltests verwendet wird. Dies kann, insbesondere für Amphetamine, zu falsch positiven Resultaten führen. Ein positives Ergebnis sollte normalerweise durch eine spezifischere Methode bestätigt werden. Während der Behandlung kann ein Urin-Drogentest auf Amphetamin und Methamphetamin positiv ausfallen.
Herz-Kreislauf-Status
Bei Patienten, für die eine Behandlung mit Stimulanzien in Betracht kommt, sollte eine sorgfältige Anamnese erhoben werden (einschließlich Beurteilung der Familienanamnese auf plötzlichen Herz- oder unerwarteten Tod oder maligne Arrhythmien) und eine körperliche Untersuchung auf bestehende Herzerkrankungen durchgeführt werden.
Suizidgedanken
Depressive Erkrankungen sind mit einem erhöhten Risiko für die Auslösung von Suizidgedanken, selbstschädigendem Verhalten und Suizid (Suizid-bezogene Ereignisse) verbunden. Dieses erhöhte Risiko besteht, bis es zu einer signifikanten Linderung der Symptome kommt.
Fehlgebrauch, Missbrauch und Zweckentfremdung
Patienten sollten sorgfältig hinsichtlich Zweckentfremdung, Missbrauch und Fehlgebrauch von von SNDRI überwacht werden.
Erfahrungen von Anwendern
Die Erfahrungen mit Bupropion bei ADHS sind vielfältig. Einige Anwender berichten von positiven Effekten hinsichtlich Antrieb, Ausgeglichenheit und Konzentration, während andere keine oder nur geringe Verbesserungen feststellen. Einige Erfahrungsberichte deuten darauf hin:
- Positive Erfahrungen: Viele Anwender berichten von einer beruhigenden, ausgleichenden und "sortierenden" Wirkung. Einige erleben eine angstlösende Wirkung und eine verbesserte soziale Interaktion. Es wird auch von einer Steigerung des Antriebs und einer Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit berichtet.
- Negative Erfahrungen: Einige Anwender berichten von Schlafstörungen, innerer Unruhe, Bluthochdruck, Panikattacken und Nervosität. Es gibt auch Berichte über das Gefühl, "ausgebrannt" zu sein. Einige Anwender stellen keine Wirkung fest, weder antidepressiv noch gegen ADHS.
- Dosierung: Die optimale Dosierung scheint individuell unterschiedlich zu sein. Einige Anwender kommen mit niedrigen Dosen (150 mg) gut zurecht, während andere höhere Dosen (300 mg) benötigen. Es gibt auch Berichte darüber, dass höhere Dosen zu unerwünschten Nebenwirkungen führen können.
- Kombination mit anderen Medikamenten: Bupropion wird manchmal in Kombination mit anderen Medikamenten eingesetzt, z.B. mit SSRI-Antidepressiva oder Neuroleptika. Die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sollten jedoch beachtet werden.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Erfahrungen mit Bupropion sehr individuell sein können und von verschiedenen Faktoren abhängen, wie z.B. der individuellen Symptomatik, Begleiterkrankungen und der Verträglichkeit des Medikaments.
Was ist bei der Verordnung zu beachten?
Bupropion ist in Deutschland nicht für ADHS zugelassen und wird daher im sogenannten Off-Label-Use verschrieben. Das bedeutet, dass die Behandlung individuell beurteilt und der Nutzen gegen mögliche Risiken abgewägt wird. Bupropion unterliegt nicht dem Betäubungsmittelgesetz und kann auf einem normalen Rezept verordnet werden.
Alternativen zu Bupropion
Neben Bupropion stehen verschiedene andere Medikamente zur Verfügung. Dazu gehören die Stimulanzien Methylphenidat, Dexamfetamin und Lisdexamfetamin sowie die nicht-stimulierenden Wirkstoffe Atomoxetin und Guanfacin. Die Auswahl richtet sich nach den Symptomen, Begleiterkrankungen und der individuellen Verträglichkeit.
Kostenübernahme
Da es sich bei der ADHS-Behandlung um eine Off-Label-Therapie handelt, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten in der Regel nur nach vorheriger Genehmigung.
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