Migräne und Schlaganfall sind zwei unterschiedliche neurologische Erkrankungen, die jedoch ähnliche Symptome aufweisen können, was zu Verwirrung und Besorgnis führen kann. Dieser Artikel soll die Unterschiede zwischen Migräne und Schlaganfall aufzeigen, insbesondere im Hinblick auf die Symptome, Risikofaktoren und die Notwendigkeit einer raschen Diagnose und Behandlung.
Was ist Migräne?
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch starke, meist einseitige Kopfschmerzen auszeichnet. Frauen sind dreimal häufiger betroffen als Männer. Zu den Begleitsymptomen gehören Lichtscheu, Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit und Erbrechen.
Migräne mit Aura
Etwa 15 % der Migränepatienten erleben eine Aura, die durch neurologische Symptome wie visuelle Störungen (z. B. Gesichtsfeldausfälle, Flimmern, Zickzacklinien), Sensibilitätsstörungen (z. B. Kribbeln, Taubheitsgefühle), Gleichgewichtsstörungen oder Sprachstörungen gekennzeichnet ist. Die Aura entsteht durch eine sich langsam über die Hirnoberfläche ausbreitende Erregungswelle, die die Funktion der Nervenzellen stört. Die Symptome entwickeln sich typischerweise langsam über 15 bis 60 Minuten und bilden sich anschließend wieder zurück.
Ursachen und Risikofaktoren der Migräne
Früher ging man davon aus, dass Entzündungsvorgänge an den Hirngefäßen und Veränderungen der Gefäßweite eine wesentliche Rolle in der Pathophysiologie der Migräne darstellen. Mittlerweile hat man jedoch erkannt, dass schmerzauslösende Neurotransmitter, insbesondere CGRP, eine entscheidende Rolle spielen. Diese Botenstoffe werden im Kerngebiet der Drillingsnerven (N. trigeminus) im Gehirn und an seinen Endungen an der Hirnhaut und den Gefäßen ausgeschüttet.
Die Genetik spielt ebenfalls eine Rolle bei der Entstehung von Migräne. Etwa zwei Drittel der Migränepatienten haben weitere betroffene Familienmitglieder. Bei der Migräne mit Aura scheint die Genetik eine größere Rolle zu spielen als bei der Migräne ohne Aura.
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Triggerfaktoren und Verlauf der Migräne
Es gibt verschiedene Triggerfaktoren, die eine Migräneattacke auslösen können, wie z. B. Rotwein, Schlafmangel, Auslassen von Mahlzeiten, Stress oder bestimmte Wetterbedingungen. Viele Patienten erleben auch sogenannte Vorsymptome wie Heißhunger, Gähnen oder Gereiztheit.
Ein Migräneanfall dauert in der Regel zwischen vier und 72 Stunden. Bei Kindern können die Anfälle jedoch auch kürzer sein (zwei Stunden). Die meisten Anfälle treten zwischen dem 20. und 45. Lebensjahr auf. Danach wird die Migräne tendenziell seltener und kann sogar ganz verschwinden.
Was ist ein Schlaganfall?
Ein Schlaganfall (Apoplex) ist eine plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn, die entweder durch einen Verschluss eines Blutgefäßes (ischämischer Schlaganfall) oder durch eine Blutung im Gehirn (hämorrhagischer Schlaganfall) verursacht wird. Durch die mangelnde Sauerstoffversorgung sterben Nervenzellen ab, was zu neurologischen Ausfällen führen kann.
Symptome eines Schlaganfalls
Die Symptome eines Schlaganfalls treten plötzlich auf und können je nach betroffenem Hirnareal unterschiedlich sein. Typische Symptome sind:
- Halbseitenlähmung
- Hängende Gesichtshälfte
- Sprachstörungen (z. B. verwaschene Sprache, Schwierigkeiten, Wörter zu finden)
- Sehstörungen (z. B. plötzliche Blindheit auf einem Auge, Doppelbilder)
- Gleichgewichtsstörungen
- Starke Kopfschmerzen (insbesondere bei hämorrhagischem Schlaganfall)
Risikofaktoren für einen Schlaganfall
Zu den wichtigsten Risikofaktoren für einen Schlaganfall gehören:
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- Hoher Blutdruck (Hypertonie)
- Hohes Cholesterin
- Diabetes mellitus
- Herzerkrankungen (z. B. Vorhofflimmern)
- Rauchen
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
- Alter
Schlaganfall bei jungen Menschen
Obwohl das Schlaganfallrisiko mit dem Alter steigt, können auch junge Menschen einen Schlaganfall erleiden. Rund 15 % der Schlaganfälle in Deutschland ereignen sich bei Personen unter 55 Jahren. Bei jungen Menschen spielen neben den traditionellen Risikofaktoren auch andere Faktoren eine Rolle, wie z. B.:
- Migräne
- Krebserkrankungen
- HIV-Infektion
- Hepatitis
- Thromboseneigung
- Autoimmunerkrankungen
- Herzklappenfehler
- Nierenversagen
- Hormonelle Risikofaktoren (z. B. Einnahme oraler Kontrazeptiva, Schwangerschaft)
Eine Studie aus dem Jahr 2023 zeigte, dass Migräne bei jungen Menschen ein wichtiger Risikofaktor für einen Schlaganfall ist, insbesondere bei Frauen unter 35 Jahren.
Migräne mit Aura vs. Schlaganfall: Die Unterschiede
Obwohl Migräne mit Aura und Schlaganfall ähnliche Symptome aufweisen können, gibt es wichtige Unterschiede, die bei der Unterscheidung helfen können:
- Entwicklungsgeschwindigkeit der Symptome: Bei einer Migräne-Aura entwickeln sich die Symptome langsam über Minuten, während sie bei einem Schlaganfall plötzlich und mit maximaler Intensität auftreten.
- Art der Symptome: Eine Migräne-Aura kann sowohl positive Symptome (z. B. Flimmern, Zickzacklinien, Kribbeln) als auch negative Symptome (z. B. Gesichtsfeldausfälle, Taubheit) umfassen. Bei einem Schlaganfall treten in der Regel nur negative Symptome auf (Ausfallerscheinungen).
- Dauer der Symptome: Die Symptome einer Migräne-Aura dauern in der Regel zwischen 15 und 60 Minuten und bilden sich anschließend vollständig zurück. Schlaganfallsymptome können länger anhalten und bleibende Schäden verursachen.
- Begleitende Kopfschmerzen: Eine Migräne-Aura wird oft von Kopfschmerzen begleitet, während ein Schlaganfall nicht immer mit Kopfschmerzen einhergeht.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Es ist wichtig, bei neu auftretenden oder ungewöhnlichen Symptomen, die auf einen Schlaganfall hindeuten könnten, sofort einen Arzt aufzusuchen. Dies gilt insbesondere, wenn die Symptome plötzlich auftreten, sich schnell verschlimmern oder von anderen Symptomen wie starken Kopfschmerzen, Verwirrtheit oder Bewusstseinsverlust begleitet werden.
Auch bei Migränepatienten mit Aura ist es wichtig, auf Veränderungen in den Symptomen zu achten. Wenn die Aura-Symptome länger als gewöhnlich dauern, sich anders anfühlen oder von neuen neurologischen Symptomen begleitet werden, sollte man ebenfalls einen Arzt aufsuchen, um einen Schlaganfall auszuschließen.
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Der FAST-Test
Ein einfacher Test, der von medizinischen Laien durchgeführt werden kann, um einen Verdacht auf einen Schlaganfall zu überprüfen, ist der FAST-Test:
- F (Face): Bitten Sie die Person zu lächeln. Ist das Gesicht einseitig verzogen?
- A (Arms): Bitten Sie die Person, die Arme nach vorne zu strecken und dabei die Handflächen nach oben zu drehen. Sinkt ein Arm ab oder dreht er sich?
- S (Speech): Ist die Sprache verwaschen oder kann die Person keinen einfachen Satz nachsprechen?
- T (Time): Wenn eines dieser Symptome zutrifft, rufen Sie sofort den Notruf 112.
Migränöser Infarkt
In seltenen Fällen kann es im Rahmen einer schweren Migräneattacke mit Aura zu einem Schlaganfall kommen. Dies wird als migränöser Infarkt bezeichnet. Die genauen Ursachen für einen migränösen Infarkt sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird vermutet, dass eine erhöhte Blutgerinnungsneigung, krampfhafte Verengungen von Blutgefäßen oder ein örtlich verminderter Blutfluss in bestimmten Hirnregionen eine Rolle spielen könnten.
Diagnose und Behandlung eines migränösen Infarkts
Die Diagnose eines migränösen Infarkts wird gestellt, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
- Der Patient hatte schon früher Migräne-Attacken mit Aura.
- Ein oder mehrere Aurasymptome bleiben über 60 Minuten bestehen.
- Eine bildgebende Untersuchung (z. B. MRT) zeigt einen Hirninfarkt in einem bestimmten Areal.
- Die Symptome lassen sich nicht durch eine andere Erkrankung erklären.
Die Behandlung eines migränösen Infarkts zielt darauf ab, die Durchblutung im betroffenen Hirnbereich wiederherzustellen. Dies kann durch die Gabe von Medikamenten zur Auflösung von Blutgerinnseln (Thrombolyse) erfolgen.
Vorbeugende Maßnahmen
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die helfen können, das Risiko für Migräneattacken und Schlaganfälle zu senken:
- Gesunder Lebensstil: Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und der Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum können das Risiko für beide Erkrankungen reduzieren.
- Stressmanagement: Stress ist ein häufiger Triggerfaktor für Migräne. Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen.
- Medikamentöse Prophylaxe: Bei häufigen oder schweren Migräneattacken kann eine medikamentöse Prophylaxe in Betracht gezogen werden.
- Kontrolle der Risikofaktoren: Personen mit Risikofaktoren für einen Schlaganfall (z. B. hoher Blutdruck, Diabetes, Herzerkrankungen) sollten diese regelmäßig kontrollieren und behandeln lassen.
- Vermeidung von Triggerfaktoren: Migränepatienten sollten versuchen, ihre individuellen Triggerfaktoren zu identifizieren und zu vermeiden.