Ein Bandscheibenvorfall, insbesondere im Bereich der Halswirbelsäule (HWS), kann erhebliche Schmerzen und Einschränkungen verursachen. In manchen Fällen ist eine Operation unumgänglich. Dieser Artikel beleuchtet die Risiken einer Rückenmark-OP bei Bandscheibenvorfällen, insbesondere im Bereich der Halswirbelsäule, und bietet einen umfassenden Überblick über verschiedene Aspekte des Eingriffs.
Einführung in den Bandscheibenvorfall und seine Behandlung
Ein Bandscheibenvorfall tritt auf, wenn die Bandscheibe, die als Puffer zwischen den Wirbelkörpern dient, ihre Position verlässt oder reißt. Dies kann zu Schmerzen, Schwäche oder Lähmungen führen, wenn die Bandscheibe auf Nerven oder das Rückenmark drückt. Obwohl die meisten Bandscheibenvorfälle konservativ behandelt werden können, ist in einigen Fällen eine Operation erforderlich.
Ursachen und Symptome eines Bandscheibenvorfalls
Ein Bandscheibenvorfall kann verschiedene Ursachen haben, wobei altersbedingter Verschleiß eine wesentliche Rolle spielt. Mit zunehmendem Alter verlieren die Bandscheiben die Fähigkeit, Wasser zu speichern, wodurch sie dünner, rissiger und anfälliger für Verletzungen werden. Weitere Risikofaktoren sind:
- Alter: Am häufigsten tritt er im Alter von 20 bis 40 Jahren auf.
- Belastung: Übergewicht und falsche Hebetechniken können die Bandscheiben zusätzlich belasten.
- Genetische Veranlagung: Eine familiäre Häufung von Bandscheibenvorfällen kann auf eine genetische Komponente hindeuten.
Die Symptome eines Bandscheibenvorfalls können vielfältig sein und hängen davon ab, wo der Vorfall auftritt und welche Nerven betroffen sind. Mögliche Symptome sind:
- Schmerzen: Stechende Schmerzen, die in Arme, Beine oder Füße ausstrahlen können.
- Taubheitsgefühle: Kribbeln und Taubheit in Armen, Fingern, Beinen oder Füßen.
- Schwäche: Muskelschwäche in Armen oder Beinen.
- Lähmungen: In seltenen Fällen können Lähmungserscheinungen auftreten, die ein sofortiges Handeln erfordern.
- Weitere Symptome: Schwindel, Ohrgeräusche oder Sehstörungen können bei einem Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule auftreten.
Konservative Behandlungsmethoden
In den meisten Fällen können Bandscheibenvorfälle erfolgreich konservativ behandelt werden. Ziel ist es, den Kreislauf aus Schmerz und Schonhaltung zu durchbrechen und die Beweglichkeit wiederherzustellen. Zu den konservativen Behandlungsmethoden gehören:
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- Ruhigstellung: Kurzzeitige Ruhigstellung zur Entlastung der Bandscheibe.
- Schmerzmittel: Medikamente zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung. Nicht-steroidale Antiphlogistika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac können helfen, Schmerzen und Entzündungen zu reduzieren. In manchen Fällen werden auch stärkere Schmerzmittel wie Opiate eingesetzt.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Stärkung der Muskulatur und Verbesserung der Beweglichkeit.
- Wärmebehandlung: Wärmeanwendungen zur Lockerung der Muskeln und Förderung der Durchblutung.
- Injektionstherapie: Injektion von schmerzstillenden Medikamenten direkt an die betroffene Nervenwurzel (PRT-Therapie). Die periradikuläre Therapie (PRT) ist eine Injektionstherapie, bei der schmerzstillende Medikamente und Kortison unter radiologischer Kontrolle direkt an die betroffene Nervenwurzel gespritzt werden.
- Peridurale Infiltration: Eine radiologisch gezielte Spritzentherapie mit Schmerzmitteln und Kortison, die bei starken Schmerzen zusätzlich eingesetzt wird.
Wann ist eine Operation notwendig?
Eine Operation wird in Erwägung gezogen, wenn konservative Therapien keine Besserung bringen oder wenn neurologische Ausfälle wie Lähmungen auftreten. Klare Operationsindikationen sind:
- Druck auf Nerven oder Rückenmark: Schäden durch Druck auf Nerven oder Rückenmark, die sich als Muskelschwäche oder Lähmung äußern.
- Keine Besserung nach 6-8 Wochen konservativer Therapie: Anhaltende Beschwerden trotz konservativer Behandlung.
- Akute Lähmungserscheinungen oder Blasen- und Darmstörungen: Diese erfordern ein sofortiges Handeln.
Die Entscheidung für eine Operation sollte immer individuell getroffen werden, unter Berücksichtigung der Einschränkung der Lebensqualität des Patienten.
Operationsmethoden bei Bandscheibenvorfall
Es gibt verschiedene operative Verfahren zur Behandlung von Bandscheibenvorfällen. Die Wahl der Methode hängt von der Art und Lokalisation des Vorfalls sowie von den individuellen Bedürfnissen des Patienten ab.
Offene Operation
Bei der offenen Operation wird ein größerer Schnitt gemacht, um Zugang zur Wirbelsäule zu erhalten. Diese Methode wird heute seltener angewendet, da sie mit einem höheren Risiko für Komplikationen verbunden ist.
Mikrochirurgische Diskektomie
Die mikrochirurgische Diskektomie ist eine minimal-invasive Technik, bei der ein Operationsmikroskop verwendet wird, um den Bandscheibenvorfall zu entfernen. Durch kleine Schnitte werden die Operationsinstrumente eingeführt, was das Risiko von Narbenbildung reduziert.
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- Ablauf: Unter Vollnarkose wird ein kleiner Hautschnitt über dem betroffenen Bandscheibenbereich gesetzt. Die Rückenmuskulatur wird vorsichtig zur Seite geschoben und ein Teil des Ligamentum flavum eingeschnitten, um Zugang zum Wirbelkanal zu erhalten. Unter mikroskopischer Sicht wird das vorgefallene Bandscheibengewebe gelöst und mit einer Fasszange entfernt. Größere Defekte im Faserring können mikrochirurgisch genäht werden.
- Vorteile: Minimal-invasiver Eingriff, geringeres Risiko für Narbenbildung.
- Mögliche Komplikationen: Verletzung des Spinalnervs, Gefühls- und Bewegungsstörungen, Funktionsstörungen von Blase und Darm, Infektionen, Wundheilungsstörungen, Nachblutungen, "Failed back surgery syndrome".
Endoskopische Diskektomie
Die endoskopische Diskektomie ist eine weitere minimal-invasive Technik, bei der ein Endoskop verwendet wird, um den Bandscheibenvorfall zu entfernen. Über kleine Hautschnitte werden Videosysteme und Mikroinstrumente eingeführt.
- Ablauf: Unter lokaler Betäubung werden ein oder zwei kleine Metallröhrchen unter Röntgenkontrolle in den Bandscheibenraum vorgeschoben. Durch diese Arbeitshülsen werden Instrumente und ein Endoskop eingeführt. Der Chirurg entfernt gezielt Bandscheibengewebe, das auf einen Nerv drückt.
- Vorteile: Minimal-invasiver Eingriff, geringere Komplikationsrate.
- Nachteile: Nicht für alle Patienten geeignet, höhere Rückfallquote im Vergleich zur mikrochirurgischen Diskektomie.
- Mögliche Komplikationen: Verletzung von Nerven, Gefühls- und Bewegungsstörungen, Funktionsstörungen von Blase und Darm, Infektionen, Wundheilungsstörungen, Nachblutungen.
Sequestrotomie
Bei der Sequestrotomie wird nur der in den Wirbelkanal hervorgetretene Teil der Bandscheibe entfernt, während der Rest der Bandscheibe erhalten bleibt.
Diskektomie mit Implantat
Bei der Diskektomie wird die gesamte beschädigte Bandscheibe entfernt und durch ein Bandscheibenimplantat ersetzt. Es gibt verschiedene Arten von Implantaten, darunter:
- Cage-Implantate: Feste Implantate aus Titan oder Kunststoff, die die Wirbelsäule stabilisieren.
- Bandscheibenprothesen: Künstliche Bandscheiben, die die natürlichen Bewegungsabläufe erhalten.
Die Wahl des Implantats hängt von der Ursache der Beschwerden ab. Bei einer Einklemmung von Nerven wird oft eine Bandscheibenprothese verwendet, um die Beweglichkeit zu erhalten.
Spezialverfahren: Perkutane endoskopische Vorfallentfernung von vorne
Ein Spezialverfahren ist die perkutane endoskopische Vorfallentfernung von vorne, die beispielsweise bei Apex-Spine praktiziert wird. Dabei wird der Vorfall über ein Endoskop entfernt, das von vorne unter Ultraschallsicht und radiologischer Kontrolle eingebracht wird. Dies erfolgt meist in Teilnarkose.
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Risiken einer Rückenmark-OP bei Bandscheibenvorfall
Wie bei jeder Operation gibt es auch bei einer Rückenmark-OP Risiken. Es ist wichtig zu betonen, dass die Risiken in der Regel gering sind und die Vorteile des Eingriffs in den meisten Fällen überwiegen. Zu den möglichen Risiken gehören:
- Allgemeine OP-Risiken:
- Infektionen: Infektionen an der Operationsstelle können auftreten, sind aber selten (ca. 5,7 %).
- Blutungen: Nachblutungen können auftreten und erfordern möglicherweise eine erneute Operation.
- Thrombose: Das Risiko einer Thrombose wird durch vorbeugende Maßnahmen wie Thromboseprophylaxe minimiert.
- Spezifische Risiken:
- Verletzung von Nervenwurzeln: Eine Verletzung der Nervenwurzeln kann zu Sensibilitätsstörungen oder Lähmungen führen (ca. 1,9 %).
- Duralriss: Verletzung der Hirnhaut (Dura mater) mit Austritt von Liquor (ca. 2,9 %). Dies kann in der Regel während der Operation behoben werden.
- Instrumentenversagen: In seltenen Fällen kann es zu einem Versagen der eingesetzten Instrumente kommen (ca. 2,8 %).
- Narbenbildung: Narbenbildung im Bereich der Nervenwurzel kann erneut zu Schmerzen und Missempfindungen führen.
- Instabilität der Wirbelsäule: In seltenen Fällen kann es nach der Operation zu einer Instabilität der Wirbelsäule kommen, die eine weitere Operation erforderlich macht.
- Neurologische Defizite: Neurologische Defizite wie Taubheitsgefühl oder Lähmungen können auftreten, sind aber selten (ca. 3,8 %).
- "Failed Back Surgery Syndrome": Anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen nach der Operation.
- Störungen der Blasen- und Mastdarmfunktion: In sehr seltenen Fällen kann es zu Störungen der Blasen- und Mastdarmfunktion kommen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Komplikationsraten bei Operationen an der Halswirbelsäule (HWS) in der Regel niedriger sind als bei Operationen an der Lendenwirbelsäule (LWS).
Vorbereitung auf die Operation
Eine sorgfältige Vorbereitung auf die Operation ist entscheidend, um Risiken zu minimieren und den Erfolg des Eingriffs zu gewährleisten. Dazu gehören:
- Magnetresonanztomographie (MRT): Bildgebung zur genauen Beurteilung des Bandscheibenvorfalls und der umliegenden Strukturen.
- Körperliche Untersuchung: Umfassende körperliche Untersuchung zur Beurteilung des neurologischen Status und der allgemeinen Gesundheit des Patienten.
- Funktionsaufnahmen: Röntgenbilder in bestimmten Stellungen, um die Stabilität der Wirbelsäule zu beurteilen.
- Neurologische Untersuchungen: Elektromyografie (EMG) zur Messung der Muskelaktivität und Elektroneurographie (NLG) zur Messung der Nervenleitgeschwindigkeit.
- Anästhesiegespräch: Ausführliches Gespräch mit einem Anästhesisten zur Besprechung der Narkoseform und möglicher Risiken.
- Blutuntersuchungen und EKG: Zur Beurteilung des allgemeinen Gesundheitszustands und zur Erkennung von Risikofaktoren.
Nachsorge nach der Operation
Die Nachbehandlung ist abhängig vom Operationsverfahren. In der Regel bleibt der Patient 3-5 Tage in der Klinik. Nach der Operation ist eine konsequente Nachsorge wichtig, um den Heilungsprozess zu unterstützen und Komplikationen vorzubeugen. Dazu gehören:
- Physiotherapie: Beginn der Physiotherapie in der Regel 2-4 Wochen nach der Operation, zusätzliche Kräftigungstherapie nach etwa 6 Wochen.
- Schmerzmanagement: Anpassung der Schmerzmedikation zur optimalen Schmerzkontrolle.
- Vermeidung von Belastungen: Vermeidung von schwerem Heben und ungünstigen Körperhaltungen in den ersten Wochen nach der Operation.
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen: Um den Heilungsverlauf zu überwachen und mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen.
- Rehabilitation: Ambulante oder stationäre Rehabilitation zur Wiederherstellung derFunktionsfähigkeit und zur Integration in den Alltag.
- Wundpflege: Sorgfältige Wundpflege zur Vermeidung von Infektionen.
- Thromboseprophylaxe: Fortsetzung der Thromboseprophylaxe, falls erforderlich.
Vorteile der Wirbelsäulen-OP
Trotz der genannten Risiken bietet die Wirbelsäulen-OP bei Bandscheibenvorfällen viele Vorteile:
- Schmerzlinderung: In fast allen Fällen können die starken Schmerzen schnell und deutlich gelindert werden.
- Behebung neurologischer Ausfälle: Lähmungen, Taubheitsgefühle und sonstige neurologische Ausfälle können behoben werden.
- Verbesserung der Lebensqualität: Die Patienten können ihren Alltag wieder aktiver gestalten und ihre Lebensqualität verbessern.
- Vermeidung chronischer Schmerzen: Bei älteren Patienten kann die Operation das Fortschreiten der Wirbelsäulenerkrankung und chronische Schmerzen vermeiden.
Minimalinvasive Chirurgie
Die minimalinvasive Wirbelsäulenchirurgie ist ein schonendes Verfahren, das das umliegende Gewebe schont. Dies wird durch kleine Zugänge von in der Regel nicht mehr als 5mm und die Verwendung endoskopischer Verfahren erreicht. Vorteile sind:
- Weniger Schmerzen nach der Operation.
- Kürzere Krankenhausaufenthalte.
- Schnellere Genesung.
- Geringere Narbenbildung.
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