Die Hemiplegie, auch Halbseitenlähmung genannt, ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, die meist das Gehirn betrifft und zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Lähmung einer Körperseite führt. Während die Hemiparese eine unvollständige Lähmung einer Körperseite darstellt, handelt es sich bei der Hemiplegie um eine vollständige Lähmung. Die Ausprägung der Symptome hängt vom Schweregrad der Verletzung und dem betroffenen Gehirnareal ab. Die Schädigung einer Gehirnhälfte und somit die Grunderkrankung einer Hemiparese kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden.
Ursachen der Hemiplegie
Die Hemiplegie kann verschiedene Ursachen haben, die sich grob in erworbene und angeborene Ursachen unterteilen lassen.
- Schlaganfall (Apoplex): Ein Schlaganfall ist eine der häufigsten Gründe für eine Hemiparese oder sogar eine vollständige Hemiplegie. Er tritt auf, wenn die Blutversorgung des Gehirns plötzlich unterbrochen wird, wodurch Gehirnzellen in den betroffenen Arealen (meist in einer Gehirnhälfte) absterben. Solange der Patient eine fortgesetzte Behandlung des akuten Schlaganfalls und der unmittelbaren Folgen (Defizite) erhält, ist ein Kode aus den Kategorien I60-I64 (Zerebrovaskuläre Krankheiten) mit den jeweils passenden Kodes für die Defizite (z.B. Körperhälfte unvollständig gelähmt ist) zu verwenden. Der Patient hat die Anamnese eines Schlaganfalls mit gegenwärtig bestehenden neurologischen Ausfällen. In diesem Fall werden die neurologischen Ausfälle (z.B. spastische Hemiparese) kodiert. Ein Patient wurde mit einer Pneumokokken-Pneumonie aufgenommen. Der Patient hatte vor drei Jahren einen akuten Schlaganfall und erhält seitdem Thrombozytenaggregationshemmer zur Rezidivprophylaxe. Es besteht eine residuale spastische Hemiparese.
- Multiple Sklerose (MS): Diese Autoimmunerkrankung führt dazu, dass das Immunsystem die Schutzschicht der Nervenfasern angreift.
- Tumore: Claire lebt seit ihrem zwölften Lebensjahr mit einer halbseitigen Lähmung, die durch einen Tumor im Gehirn verursacht wurde.
- Traumatische Hirnverletzungen: Verletzungen des Gehirns durch Unfälle oder Gewalteinwirkung können ebenfalls eine Hemiplegie verursachen.
- Infektionen: Entzündungen des Gehirns oder der Hirnhäute (Enzephalitis, Meningitis) können zu neurologischen Schäden und somit auch zu einer Hemiplegie führen.
- Angeborene Ursachen: Manche Hemiparesen treten bereits bei Neugeborenen oder in den ersten Lebensjahren auf. In diesen Fällen sind sie Folgen der Schädigung des Gehirns während der Schwangerschaft oder Geburt.
Symptome der Hemiplegie
Die Symptome einer Hemiplegie sind vielfältig und können je nach Ursache, betroffenem Gehirnareal und Schweregrad der Lähmung variieren.
- Verminderte Muskelkraft: Ein zentrales Merkmal der Hemiparese ist die verminderte Muskelkraft auf einer Körperseite.
- Spastik: Bei vielen Betroffenen einer Halbseitenlähmung entwickelt sich im Laufe der Zeit eine Spastik.
- Sensibilitätsstörungen: Neben den motorischen Einschränkungen sind viele Patient*innen von Sensibilitätsstörungen auf der entsprechenden Körperhälfte betroffen.
- Koordinationsprobleme: Viele Betroffene haben Schwierigkeiten, gezielte Bewegungen zu kontrollieren oder ihr Gleichgewicht zu halten.
- Fazialisparese: Falls die Hemiparese durch eine Schädigung der Hirnhälfte entstanden ist, die das Gesicht mitsteuert, kann es zu einer Fazialisparese kommen. Dabei erschlaffen die Gesichtszüge und die Sprachfähigkeit kann beeinträchtigt werden. Dies kann sich zum Beispiel äußern, indem der Mundwinkel auf der betroffenen Seite herab hängt, was das Sprechen oder Essen beeinträchtigen kann.
- Einschränkungen der Mobilität: Die Lähmung kann das Gehen beeinträchtigen wird.
- Sprachstörungen (Aphasie): Wenn das Sprachzentrum im Gehirn betroffen ist, kann es zu Schwierigkeiten beim Sprechen, Verstehen oder Lesen kommen.
- Schluckstörungen (Dysphagie): Dysphagie (R13.-) ist nur zu kodieren, wenn sie im Vordergrund steht oder die Hauptursache für die Aufnahme darstellt.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Je nach betroffenem Gehirnareal können auch Gedächtnis, Aufmerksamkeit oder andere kognitive Funktionen beeinträchtigt sein.
Diagnostik der Hemiplegie
Die Diagnose einer Hemiplegie umfasst in der Regel mehrere Schritte:
- Anamnese und körperliche Untersuchung: Zunächst erhebt der Arzt oder die Ärztin die Krankengeschichte und fragt nach dem Auftreten der Symptome, möglichen Begleiterscheinungen wie Sprach- oder Sehproblemen sowie bestehenden Vorerkrankungen. Anschließend wird die Muskelkraft getestet, indem der oder die Patient*in Arm und Bein auf der betroffenen Seite anheben soll.
- Neurologische Untersuchung: Hierbei werden verschiedene neurologische Funktionen wie Reflexe, Sensibilität, Koordination und Sprachfähigkeit überprüft.
- Bildgebende Verfahren: Zur Abklärung der Ursache kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz. Eine MRT zeigt mögliche Durchblutungsstörungen oder Entzündungen im Gehirn und wird häufig zur Schlaganfalldiagnose genutzt.
- Elektrophysiologische Tests: Ergänzend können elektrophysiologische Untersuchungen die Nerven- und Muskelaktivität messen.
Therapie der Hemiplegie
Die Therapie einer Hemiplegie zielt darauf ab, die Funktionalität der betroffenen Körperseite zu verbessern, die Lebensqualität zu steigern und die Selbstständigkeit der Patient*innen zu fördern. Die Behandlung ist individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt und umfasst in der Regel mehrere Bausteine:
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- Akuttherapie: Bei einer plötzlich auftretenden Hemiparese, beispielsweise durch einen Schlaganfall, ist eine schnelle medizinische Versorgung entscheidend. In diesem Fall versuchen Ärzt*innen, das blockierte Hirngefäß wieder freizulegen, um Folgeschäden zu minimieren. Dies kann medikamentös durch Thrombolyse (Gerinnselauflösung) oder mechanisch durch eine Thrombektomie (Entfernung eines Blutgerinnsels) erfolgen.
- Rehabilitation: Sobald die akute Phase überstanden ist, beginnt die Rehabilitation, die darauf abzielt, verlorene Fähigkeiten wiederzuerlangen oder zu kompensieren.
- Physiotherapie: Durch gezielte Übungen werden Muskelkraft, Koordination und Beweglichkeit verbessert.
- Ergotherapie: Hier lernen Patienten, alltägliche Aufgaben wie Essen, Anziehen oder Waschen selbstständig zu bewältigen.
- Logopädie: Bei Sprach- und Schluckstörungen hilft die Logopädie, die Kommunikationsfähigkeit und die Nahrungsaufnahme zu verbessern.
- Psychologische Betreuung: Die Hemiplegie kann eine große Belastung für die Betroffenen und ihre Angehörigen darstellen. Eine psychologische Betreuung kann helfen, mit den emotionalen Folgen der Erkrankung umzugehen.
- Medikamentöse Therapie: Um die Muskelspannung zu regulieren, können Medikamente eingesetzt werden. Bei einer spastischen Hemiparese helfen Muskelrelaxantien, um Verkrampfungen zu lösen und Bewegungen zu erleichtern.
- Hilfsmittel: Viele Betroffene profitieren von Hilfsmitteln, die ihre Mobilität und Selbstständigkeit unterstützen. Orthesen können durch das Schienen von Armen und Beinen Gelenke stabilisieren. Beispielsweise kann man bei einer schlechten Unterarmfunktion eine myoelektrische Orthese nutzen. Diese kann auch in Kombination mit einer Oberarmschiene zur mechanischen Ellenbogenunterstützung genutzt werden. Durch die Unterarmschiene kann der Oberarm stabilisiert und das Ellenbogengelenk unterstützt werden. Bewegungsabläufe werden dadurch erleichtert. Claire nutzt eine Handorthese, um ihre gelähmte Hand, für mehr Lebensqualität wieder bewusster nutzen zu können. Mit einer speziellen Handorthese kann sie ihre gelähmte Hand wieder bewusster wahrnehmen und in den Alltag integrieren. Moderne Handorthesen können bei Funktionseinschränkungen durch eine Plexusparese eine wichtige Rolle spielen. Handorthesen sind speziell entwickelte Hilfsmittel, die Menschen mit eingeschränkter Hand- und Armfunktion dabei unterstützen, alltägliche Bewegungen wieder auszuführen. Sie können Greif-, Halte- und Bewegungsfunktionen übernehmen und erleichtern, die aufgrund einer Plexusparese oder anderer neurologischer Erkrankungen beeinträchtigt sind. Ein führendes Unternehmen in diesem Bereich ist HKK Bionics, das innovative bionische Handorthesen entwickelt. HKK Bionics ist ein innovatives Medizintechnikunternehmen, das sich auf die Entwicklung hochmoderner bionischer Handorthesen spezialisiert hat.
Prognose der Hemiplegie
Die Prognose bei Hemiparese variiert je nach Ursache, Schweregrad und Zeitpunkt der Behandlung. Frühzeitige Rehabilitation und interdisziplinäre Betreuung kann die Funktionalität verbessern und Komplikationen vorbeugen. Unvollständige Lähmungen, Paresen und vollständige Lähmungen, Plegien, werden nach verschiedenen Faktoren eingeteilt, unter anderem nach den betroffenen Körperregionen.
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