Ein Schlaganfall ist ein einschneidendes Ereignis, das das Leben von Betroffenen und Angehörigen von einem Moment auf den anderen verändert. Die Nachsorge spielt eine entscheidende Rolle, um den Weg zurück in ein möglichst selbstständiges Leben zu ebnen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die wichtigsten Aspekte der Schlaganfall-Nachsorge, von praktischen Tipps für den Alltag bis hin zu Informationen über Selbsthilfegruppen und professionelle Unterstützung.
Die Bedeutung der Nachsorge nach einem Schlaganfall
Nach einem Schlaganfall ist eine umfassende Nachsorge unerlässlich, um die Rehabilitation zu fördern, Folgeschäden zu minimieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die Nachsorge umfasst verschiedene Aspekte, darunter medizinische Behandlung, Therapie, psychologische Unterstützung und soziale Integration.
Ziele der Nachsorge
- Wiederherstellung von Funktionen: Ziel ist es, verloren gegangene Fähigkeiten wie Gehen, Sprechen oder die Nutzung von Armen und Händen wiederzuerlangen oder zu verbessern.
- Minimierung von Folgeschäden: Durch gezielte Maßnahmen sollen Komplikationen wie Spastik, Schmerzen oder Depressionen verhindert oder behandelt werden.
- Förderung der Selbstständigkeit: Betroffene sollen so weit wie möglich in die Lage versetzt werden, ihren Alltag selbstständig zu gestalten.
- Psychische Stabilisierung: Die Verarbeitung des Schlaganfalls und seiner Folgen ist ein wichtiger Bestandteil der Nachsorge.
- Soziale Integration: Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben soll gefördert und Isolation vermieden werden.
Der Weg zurück ins Leben: Tipps für den Alltag
Nach der Entlassung aus der Klinik oder Reha-Einrichtung beginnt für die meisten Patienten der Alltag zu Hause. Dieser Übergang kann mit Herausforderungen verbunden sein, aber mit der richtigen Vorbereitung und Unterstützung ist es möglich, Schritt für Schritt in ein normales Leben zurückzukehren.
Wohnraumanpassung
Um die Selbstständigkeit im Alltag zu fördern, ist es wichtig, die Wohnung an die individuellen Bedürfnisse des Patienten anzupassen.
- Barrierefreiheit: Gefahrenquellen wie Türschwellen sollten entschärft werden, beispielsweise durch Rampen mit rutschfestem Bodenbelag.
- Sicherheit im Bad: Haltegriffe am Waschbecken, in der Dusche und an der Toilette geben Sicherheit bei der Körperpflege.
- Erreichbarkeit: Alle wichtigen Dinge sollten in greifbarer Nähe sein.
- Vertraute Umgebung: Um die Orientierung zu erleichtern, sollten möglichst viele Einrichtungsgegenstände an ihrem alten Platz stehen bleiben, insbesondere bei Hirnleistungsstörungen.
- Pflegebett: Ein elektromotorisch höhenverstellbares Pflegebett kann die Pflege erleichtern und die Mobilisation fördern. Bei einer Halbseitenschwäche sollte das Pflegebett auf Rollen stehen, um den Patienten von jeder Seite bequem zu erreichen. Nachttisch und Fernseher sollten auf der geschwächten Seite positioniert werden, um diese zu aktivieren.
Hilfsmittel
Eine Vielzahl von Hilfsmitteln kann den Alltag erleichtern und die Selbstständigkeit fördern.
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- Mobilitätshilfen: Rollstühle, Gehhilfen, Badelifter und Treppenlifte können die Mobilität verbessern. Es ist jedoch wichtig, diese Hilfsmittel nicht länger als unbedingt notwendig zu nutzen, um die Unabhängigkeit wiederzuerlangen.
- Alltagshelfer: Einhänderbrettchen mit erhöhtem Rand verhindern das Verrutschen des Brotes beim Schmieren mit einer Hand. Griffverdickungen und Griffanpassungen erleichtern das Greifen von Gegenständen.
Körperpflege und Ernährung
- Körperpflege: Bei einer Halbseitenschwäche sollte die betroffene Seite zuerst angezogen und zuletzt ausgezogen werden.
- Ernährung: Eine fettarme und ausgewogene Ernährung ist wichtig. Es sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mindestens 1,5 Liter pro Tag) geachtet werden. Zigaretten sind tabu.
- Sitzhaltung: Beim Essen ist eine gerade Sitzhaltung wichtig. Ein Kissen oder eine Decke im Rücken kann die richtige Position unterstützen. Der Patient sollte nur gefüttert werden, wenn es unbedingt notwendig ist.
Bewegung und Sport
Regelmäßige Bewegung und Sport sind wichtig, um die Muskulatur zu stärken, Bewegungsabläufe zu verbessern und die Lebensfreude zu steigern. Geeignet sind beispielsweise (Wasser-)Gymnastik und Schwimmen.
Medikamente
Die regelmäßige Einnahme der vom Arzt verordneten Medikamente ist entscheidend. Es kann hilfreich sein, die benötigten Medikamente jeden Morgen in Schälchen für die Einnahme morgens, mittags und abends zu legen. Auch Blutdruck, Puls und Blutzucker sollten regelmäßig kontrolliert werden.
Die Rolle der Angehörigen
Angehörige spielen eine zentrale Rolle in der Nachsorge von Schlaganfallpatienten. Ihr Verhalten kann maßgeblich dazu beitragen, den psychischen Zustand des Patienten zu stabilisieren und die Rehabilitation zu fördern.
Unterstützung und Motivation
- Ruhe und Zuwendung: Bereits beim ersten Besuch im Krankenhaus sollten Angehörige Ruhe ausstrahlen. Durch Berührungen können sie dem Patienten ihre Liebe, Anteilnahme, Verständnis und Fürsorge zeigen.
- Kommunikation: Im Falle einer Sprachstörung können einfache Zeichen der Verständigung dienen.
- Unterstützung bei der Rehabilitation: Angehörige können die therapeutischen Maßnahmen aktiv unterstützen und sich im Gespräch mit den Therapeuten informieren, was sie im Umgang mit dem Schlaganfall-Betroffenen beachten sollten und welche Übungen sinnvoll sind.
- Vorbereitung des Zuhauses: Angehörige sollten die Zeit nach der Rehabilitation vorbereiten, indem sie Hilfsmittel rechtzeitig beantragen und beschaffen und das Zuhause an die neue Situation anpassen.
- Motivation zu Sport und Aktivität: Wenn es der körperliche Zustand des Patienten zulässt, sollten Angehörige ihn motivieren, sich sportlich zu betätigen.
Psychische Unterstützung
- Akzeptanz: Die Krankheit und ihre Folgen müssen angenommen werden.
- Austausch: Patienten und Angehörige sollten sich nicht scheuen, die Hilfe und Unterstützung anderer in Anspruch zu nehmen, beispielsweise in Selbsthilfegruppen.
- Partnerschaft: Für den Lebenspartner ist es wichtig zu wissen, dass ein Schlaganfall die sexuellen Bedürfnisse und Leistungsfähigkeit des Patienten nicht beeinträchtigt.
Selbsthilfegruppen: Gemeinsam stark
Selbsthilfegruppen sind ein wichtiger Bestandteil der Schlaganfall-Nachsorge. Sie bieten Betroffenen und Angehörigen die Möglichkeit, sich auszutauschen, gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam die Freizeit zu gestalten.
Vorteile von Selbsthilfegruppen
- Erfahrungsaustausch: Im Gespräch mit anderen Betroffenen können Lösungsansätze zur Bewältigung von Krankheit und Krisen entwickelt werden.
- Wissenszuwachs: Der Austausch von Erfahrungen ermöglicht einen Wissenszuwachs über die eigene Krankheitssituation.
- Soziale Kontakte: Die regelmäßigen Treffen in der Gruppe durchbrechen die krankheitsbedingte soziale Isolation und fördern Lebensfreude und Motivation.
- Unterstützung: Selbsthilfegruppen vermitteln neue Lebensfreude und liefern wichtige Informationen, therapeutische Angebote und Kontakte zu weiteren Anlaufstellen.
Selbsthilfegruppen finden oder gründen
In Deutschland gibt es mehr als 350 Schlaganfall-Selbsthilfegruppen. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe bietet eine Liste von Selbsthilfegruppen im gesamten Bundesgebiet und unterstützt bei der Gründung neuer Gruppen.
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Professionelle Unterstützung
Neben der Unterstützung durch Angehörige und Selbsthilfegruppen ist es wichtig, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Medizinische Behandlung
- Neurologe: Spezialist für alle Erkrankungen des Gehirns und der Nerven.
- Hausarzt: Koordiniert die weitere Behandlung nach der Klinik-Entlassung.
Rehabilitation
- Neurologische Reha: Hier trainieren Schlaganfall-Patienten intensiv, um verloren gegangene Fähigkeiten wiederzuerlangen.
- Geriatrische Reha: Ältere Schlaganfall-Patienten haben unter Umständen einen Rechtanspruch auf eine sogenannte geriatrische Rehabilitation.
Pflege
- Ambulanter Pflegedienst: Übernimmt die medizinische Behandlungspflege zu Hause.
- 24-Stunden-Pflege: Bietet Betreuung und Pflege rund um die Uhr.
Schlaganfall-Helfer
Ehrenamtliche Schlaganfall-Helfer stehen Betroffenen im Alltag zur Seite. Sie gehen mit den Patienten spazieren, hören zu und helfen bei der Bewältigung von Herausforderungen im Alltag.
Finanzielle Unterstützung
Bei Pflegebedürftigkeit leistet die Pflegeversicherung finanzielle Unterstützung. Es ist wichtig, einen Antrag auf Pflegeleistungen umgehend zu stellen.
- Pflegegrad: Grundvoraussetzung für Leistungen der Pflegeversicherung ist ein anerkannter Pflegegrad.
- Pflegegeld: Kann für Betreuungsaufwand durch Angehörige oder 24-Pflegekräfte aufgewendet werden.
- Pflegesachleistungen: Können genutzt werden, damit ein ambulanter Pflegedienst für die medizinische Behandlungspflege ins Haus kommt.
Checkliste für die Schlaganfall-Nachsorge
Um Langzeitfolgen des Schlaganfalls zu erkennen und die bestmögliche Behandlung zu gewährleisten, kann folgende Checkliste hilfreich sein:
- Aktivitäten des täglichen Lebens: Haben Sie Schwierigkeiten beim Anziehen, Waschen, Zubereiten von Mahlzeiten oder Verlassen des Hauses?
- Mobilität: Fällt es Ihnen schwerer, zu gehen oder Ihre Gliedmaßen zu bewegen?
- Spastik: Nehmen Sie eine zunehmende Steifheit in Armen, Händen und/oder Beinen wahr?
- Schmerzen: Treten neue Schmerzen im Zusammenhang mit Versteifung, Anspannung oder Krämpfen auf?
- Krämpfe: Kommt es zu unvorhersehbaren Krämpfen/Zuckungen, ausgelöst durch Bewegung?
- Kommunikation: Fällt es Ihnen schwerer, mit anderen zu kommunizieren?
- Stimmung: Sind Sie ängstlicher oder niedergeschlagener als vorher?
- Inkontinenz: Haben Sie mehr Probleme bei der Kontrolle von Blase oder Stuhlgang?
- Kognition: Fällt es Ihnen schwerer, zu denken, sich zu konzentrieren oder sich an Dinge zu erinnern?
- Leben nach dem Schlaganfall: Fällt es Ihnen schwerer, für Sie wichtige Dinge zu tun (z. B. Freizeitaktivitäten, Hobbys, Arbeit, Beziehungen)?
- Beziehung zur Familie: Ist die Beziehung zu Ihrer Familie komplizierter oder schwieriger geworden?
Bei Auftreten von Problemen in einem dieser Bereiche sollte ein Arzt konsultiert werden.
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