Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Gesundheitsproblem, das oft mit erheblichen Einschränkungen und volkswirtschaftlichen Kosten verbunden ist. Die Ursachen für Rückenschmerzen sind vielfältig und reichen von unspezifischen Beschwerden aufgrund von Fehlbelastungen bis hin zu spezifischen Erkrankungen wie Bandscheibenvorfällen oder Spinalkanalstenosen. Neben den konventionellen Behandlungsmethoden hat sich die Ozontherapie als eine minimal-invasive Option etabliert, die insbesondere bei chronischen Schmerzen und Entzündungen vielversprechende Ergebnisse zeigt.
Rückenschmerzen: Ein Überblick
Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, von dem Frauen etwas häufiger betroffen sind als Männer. Die Prävalenz liegt bei etwa 33 %, wobei 84 % der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens Rückenschmerzen erfahren. In Deutschland leiden etwa 20 % der Erwachsenen an intensiven oder einschränkenden Rückenschmerzen, wobei 10 % unter Schmerzen hoher Intensität und teils invalidisierenden Beeinträchtigungen leiden. Dies führt zu hohen volkswirtschaftlichen Kosten.
Die genaue Ursache von Rückenschmerzen ist oft schwer zu bestimmen. Neben unspezifischen Rückenschmerzen, die häufig auf körperliche Fehlbelastungen oder Bewegungsmangel zurückzuführen sind, gibt es eine Reihe spezifischer Ursachen. Dazu gehören Schmerzen durch Bandscheibenvorfälle, Wirbelgleiten, Facettengelenkarthrosen oder Spinalkanalstenosen sowie myofasziale Ursachen. Diese Veränderungen treten meist im Rahmen von Alterungsprozessen auf, können aber auch Folge eines Traumas oder von Wirbelsäuleneingriffen sein.
Die Ursprünge von Rückenschmerzen können in verschiedenen Geweben liegen, darunter Muskeln, Bänder, Gelenke oder Gefäße. Es wird zwischen nozizeptiven Schmerzen (entzündlicher Schmerz, Frakturschmerz, Arthritis etc.) und neuropathischen Schmerzen (posttherapeutische Neuropathie, diabetische Polyneuropathie, posttraumatische Nervenschädigung, Phantomschmerz) sowie deren Mischformen unterschieden. Nozizeptive Schmerzen dienen dem Körper als Warnhinweis auf mögliche Schädigungen, während neuropathische Schmerzen durch eine Schädigung des somatoafferenten Systems gekennzeichnet sind und keine Warnfunktion haben.
Die Behandlungsoptionen richten sich nach der Ursache der Rückenschmerzen. Das therapeutische Vorgehen ist von den subjektiven Beschwerden sowie vor allem von der neurologischen Symptomatik abhängig. Wenn immer möglich, sollten bildgesteuerte minimal-invasive Verfahren in einem multimodalen Therapiekonzept Anwendung finden. Bei Vorliegen von "red flags" ist eine notfallmäßige Abklärung einschließlich operativer Versorgung notwendig.
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Minimal-invasive Verfahren in der Rückenschmerztherapie
Aufgrund des geringeren Gewebetraumas sind minimal-invasive Verfahren den offen-chirurgischen Operationsverfahren vorzuziehen, sofern möglich. Für die Behandlung von Bandscheibenvorfällen hat sich die mikrochirurgische Diskektomie als Standard etabliert. Bei pseudoradikulären Schmerzen, dem sogenannten Facettensyndrom, hat sich die gezielte intra- bzw. periartikuläre Infiltration der Gelenke mit Kortikoiden/Lokalanästhetika bewährt. Die etablierten minimal-invasiven Verfahren zur Behandlung des Epiduralraums und der Nervenwurzeln umfassen die periradikuläre bzw. erweiterte minimal-invasive Verfahren schließen zudem die Behandlung der Bandscheibe und des Wirbelknochens mit ein, hierzu zählt insbesondere die intradiskale Kortisoninjektion, die Kryoablation bzw. die Chemonukleolyse.
Die Ozontherapie als minimal-invasive Option
Als wichtige Option im Rahmen minimal-invasiver Therapien wird weltweit zudem die spinale Ozontherapie eingesetzt. Sie ist im europäischen Raum vor allem in Italien etabliert und kann z.B.
Was ist Ozon?
Ozon (O3) ist ein Gas, das aus drei Sauerstoffatomen besteht. Es kommt in größeren Mengen natürlich in höheren Schichten der Erdatmosphäre vor, wo es eine Konzentration von etwa 16-20 mg/m3 aufweist. In Wasser (H2O) ist Ozon etwa 10-fach besser löslich als molekularer Sauerstoff (O2), d.h. es reagiert sofort bei Kontakt mit wasserreichen Geweben. Unter normalen Bedingungen ist Ozon nicht lagerungsfähig und muss vor Ort elektrophoretisch mittels eines Ozongenerators hergestellt werden.
Wirkmechanismus der Ozontherapie
Ozon erzeugt in biologischen Systemen als sogenanntes "Pro-Drug" einen hohen oxidativen Stress, insbesondere in Systemen, die selbst einen hohen Wasseranteil besitzen. Der Wirkmechanismus des Ozons im biologischen Gewebe ist komplex und umfasst eine Hochregulation des endogenen antioxidativen Systems, eine Aktivierung des Immunsystems und eine Unterdrückung verschiedener Entzündungs- und Schmerzmediatoren. Es wird angenommen, dass Ozon indirekt über die Bildung von Sauerstoffradikalen wie Wasserstoffperoxid (H2O2) und Lipoperoxiden mit deren Oxidationsprodukten zur Aktivierung des deszendierenden antinozizeptiven Systems kommt, was eine schmerzlindernde Wirkung hat. Auf Ebene des 2. und 3. Neurons blockieren Endorphine zentral die Transmission.
Durchführung der Ozontherapie
Abgesehen von den bekannten Risiken, die minimal-invasiven Eingriffen an der Wirbelsäule inhärent sind, ist die korrekt durchgeführte, intradiskale Ozontherapie unter strenger Berücksichtigung geeigneter Ozonkonzentrationen risikoarm und gut verträglich. Bis heute sind ernste Komplikationen selten beschrieben. Schwächeanfälle bzw. vasovagale Reaktionen können selten auftreten. Es empfiehlt sich neben einer langsamen Injektion und Beachtung von Höchstkonzentrationen ein entsprechend angepasstes Blutdruck‑, Frequenz-Monitoring mittels EKG und Blutsättigungskontrolle sowie ein intravenöser Zugang, auch zur Schmerzmedikation und ggf. Anxiolyse. Allergische Reaktionen auf eine Ozonanwendung sind nicht zu erwarten, da sowohl Ozon als auch Sauerstoff keine allergene Potenz besitzen.
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Der einfachste Ansatz der Ozontherapie geht zurück auf den Italiener und Vorreiter der Ozontherapie C. Verga. Es werden 5-10 ml einer 20 %igen Sauerstoff-Ozon-Lösung direkt in Trigger-Punkte der Paravertebralmuskeln injiziert. Eine Bildsteuerung des ambulanten Eingriffs ist dazu nicht erforderlich.
Bei der intraartikulären Ozontherapie stehen klinisch Lumbalgie und pseudoradikuläre Schmerzen im Vordergrund, die bei langem Stehen und Gehen, insbesondere unter Reklination und Rotation in Richtung des pathologischen Gelenks, exazerbieren. Der Eingriff kann mittels Fluoroskopie oder CT durchgeführt werden. In der Durchführung und therapeutischen Effektivität entspricht die intraartikuläre Ozontherapie weitgehend der Standardtechnik mittels intra- bzw. periartikulärer Injektionsbehandlung mit Steroiden und Lokalanästhetika.
Die intradiskale Ozontherapie kann eine Behandlungsalternative zur mikrochirurgischen Diskektomie bzw. zur minimal-invasiven Chemonukleolyse darstellen. Ozon fördert in der Bandscheibe über H2O2 und OH-den Abbau verschiedener Kollagene des Nucleus pulposus (Kollagen Typ I und Typ II) und die Matrixdegeneration. So führt es zu einer beschleunigten Resorption und Volumenminderung des geschädigten Bandscheibengewebes und zu einer verminderten mechanischen Reizung und letztlich fokalen Entzündung des umliegenden Gewebes. Zudem vermutet man über die Freisetzung bestimmter Gewebefaktoren einen positiven Effekt auf die Reorganisation und beginnende Fibrosierung des Bandscheibengewebes.
Die geschädigte Bandscheibe wird über den posterolateralen Kambin-Zugang unter bildgebender Kontrolle mittels Durchleuchtung oder CT mit der 22G-Nadel punktiert. Anschließend werden 3-10 ml Sauerstoff-Ozon-Lösung langsam unter Bildkontrolle injiziert. Generell reichen im Bandscheibengewebe bereits niedrige O3-Konzentrationen, um ausreichend oxidativen Stress für eine adäquate Reaktion zu induzieren (etwa 20 μg/ml). Einige Autoren empfehlen eine limitierte Konzentration von 18-25 μg/ml, da Konzentrationen > 20 μg/ml als schmerzhaft erlebt werden können und die Gefahr vasovagaler Reaktionen steigt. Konzentrationen über 30 μg/ml sollten nicht überschritten werden. Bei Dosierungen < 18 μg/ml sinkt die Effektivität der Behandlung. Der Patient wird über etwa 3 h nach dem Eingriff überwacht.
Über die gezielte epidurale Ozonbehandlung gibt es noch nicht viele publizierte Studien. Analog zu den oben beschriebenen prinzipiellen Mechanismen reagiert das Ozon mit organischen Molekülen und hat über mehrere enzymatische und nichtenzymatische Puffersysteme eine entsprechende entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkung. Bei der epiduralen Behandlung unterscheidet man zwischen dem interlaminären und transforaminalen Zugang. Der epidurale Zugang über den Hiatus sacralis scheint für die Ozontherapie aktuell nicht relevant. Bei Einsatz von Kortikoiden und Lokalanästhetika scheint der transforaminale Zugang in der Regel dem interlaminären Zugang überlegen. Bei Einsatz von Ozon ist hingegen unklar, welcher Zugang zu bevorzugen ist. Wahrscheinlich spielt hier die Lokalisation der Fibrosierung eine Rolle.
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Die Ozontherapie kann auch mit Steroiden und Lokalanästhesie kombiniert werden. Sie scheint bei der intradiskalen und transforaminalen Behandlung der reinen Behandlung mit Steroid und Lokalanästhetikum überlegen. So berichtete beispielsweise die Arbeitsgruppe um Bonetti et al., dass eine mit Ozon behandelte Gruppe innerhalb der 6‑monatigen Nachbeobachtungszeit eine deutlichere Verbesserung zeigte als Patienten, die nur eine Steroidinjektion erhielten.
Weitere Anwendungsformen der Ozontherapie
Neben den oben beschriebenen Verfahren gibt es weitere Anwendungsformen der Ozontherapie, die sich in der Art der Verabreichung und der Konzentration des Ozons unterscheiden. Dazu gehören:
- Ozon-Eigenbluttherapie: Hierbei wird dem Patienten Blut entnommen, mit einem Ozon-Sauerstoff-Gemisch angereichert und anschließend wieder in den Körper infundiert. Diese Methode soll die Durchblutung verbessern, das Immunsystem aktivieren und Entzündungen reduzieren. Es gibt die kleine Eigenbluttherapie (einige Milliliter Blut, intramuskulär) sowie die große Eigenbluttherapie (180-200 ml Blut, intravenös).
- Lokale Ozonanwendungen: Ozon kann auch lokal angewendet werden, z.B. durch Injektionen in Gelenke, Sehnen, Bänder oder Muskeln zur Schmerzlinderung und Entzündungskontrolle. Auch die Aufnahme über Beutel an Händen/Füßen ist möglich.
- Ozonisiertes Wasser und Öl: Ozonisiertes Wasser wird zur Wundreinigung, Mundspülung und Desinfektion eingesetzt. Ozonisiertes Olivenöl kann zur Hautpflege verwendet werden, da es aktiven Sauerstoff an geschädigtes Gewebe abgibt und so die Regeneration fördert.
Anwendungsgebiete der Ozontherapie
Die Ozontherapie wird bei einer Vielzahl von Beschwerden eingesetzt, darunter:
- Rückenschmerzen, Ischiasbeschwerden und Bandscheibenvorfälle
- Arthrose und andere Gelenkerkrankungen
- Muskelschmerzen und -verspannungen
- Durchblutungsstörungen
- Infektionen
- Chronische Entzündungen
- Allergien und Hautkrankheiten
- Fibromyalgie und chronisches Erschöpfungssyndrom
Kontraindikationen und Risiken
Die Ozontherapie ist nicht für alle Patienten geeignet. Kontraindikationen sind unter anderem:
- Gerinnungsstörungen
- Herzinfarkt oder Schlaganfall in den letzten 3 Monaten
- Unbehandelte Schilddrüsenüberfunktion
- Bestrahlungsgebiet (Tumorbehandlung)
Bei fachgerechter Anwendung sind Nebenwirkungen selten. Gelegentlich können Schwächeanfälle oder vasovagale Reaktionen auftreten.
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