Wie sich eine Migräne ankündigt: Symptome, Phasen und Behandlung

Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz. Sie ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch starke, meist einseitige Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Übelkeit und weitere Symptome äußert. Bei etwa 30 Prozent der Migränepatienten kündigt sich eine Kopfschmerzattacke im Vorfeld mit verschiedenen Symptomen an.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine häufige Erkrankung, von der allein in Deutschland um die 10 Millionen Menschen betroffen sind. Im Laufe eines Jahres sind etwa zehn bis 15 von 100 Menschen von Migräne betroffen. Die Attacken treten besonders oft zwischen dem 20. und dem 50. Lebensjahr auf. In dieser Lebensphase sind Frauen bis zu dreimal häufiger betroffen als Männer. Bereits Kinder können an Migräne leiden, typisch ist aber ein erstes Auftreten nach der Pubertät. Jungen und Mädchen sind in etwa gleich häufig betroffen.

Die typischen Migränekopfschmerzen werden durch verschiedene Vorgänge im Gehirn bewirkt, die noch nicht bis ins Detail geklärt sind. Dabei spielen vermutlich Botenstoffe, ein veränderter Blutfluss im Gehirn sowie entzündungsähnliche Prozesse eine Rolle. Auch erbliche Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen.

Typische Symptome der Migräne

Zu den wichtigsten Symptomen bei Migräne zählen:

  • Starke, meist einseitige Kopfschmerzen, selten auch beidseitig
  • Lichtempfindlichkeit
  • Lärmscheu
  • Übelkeit
  • Aura (neurologische Ausfälle) begleitet oder kündigt die Migräne-Attacke an

Die Kopfschmerzen fehlen nur selten bei Migräne. An den typischen Kopfschmerz-Attacken in Verbindung mit den erwähnten Begleitsymptomen kann man eine Migräne erkennen.

Lesen Sie auch: Anzeichen von Demenz

Weitere mögliche Symptome

Neben den genannten Beschwerden kann es auch dazu kommen, dass die Betroffenen frieren oder zittern. Zusätzlich ist bei Patienten und Patientinnen mit Migräne Schüttelfrost möglich. In seltenen Fällen können bei Migräne auch Ohrenschmerzen oder Ohrendruck auftreten. Die Ohren fühlen sich dann so an, als wären sie „zu“.

Häufig ändert sich bei einem Migräne-Anfall auch der Blutdruck: Bei manchen Betroffenen steigt der Blutdruck, bei anderen sinkt er, bei wieder anderen kommt es zu Schwankungen. Zudem ist besonders Bluthochdruck eine häufige Nebenwirkung von Migräne-Medikamenten. Daher lohnt sich eine Blutdruckmessung bei den betroffenen Patientinnen und Patienten.

Migräne kann in Verbindung mit Erbrechen und Übelkeit auftreten.

Migräne-Symptome in vier Phasen

Eine Migräne kann in vier verschiedene Stadien mit jeweils unterschiedlichen Symptomen eingeteilt werden. Die Beschwerden sind individuell und können sich in jeder Phase unterschiedlich stark äußern. Außerdem durchläuft nicht jeder Migräne-Anfall alle Phasen. Die vier Stadien sind:

  1. Vorphase (Prodromalstadium)
  2. Aura-Phase
  3. Kopfschmerzphase
  4. Rückbildungsphase

1. Symptome in der Migräne-Vorphase (Prodromalphase)

Diese so genannte Prodromalphase kann wenige Stunden vor der Migräneattacke eintreten, aber auch bis zu zwei Tage vorher einsetzen. Manchmal zeigen sich Stunden bis zwei Tage vor einer Migräne Anzeichen, die einen Anfall ankündigen. Dazu gehören beispielsweise:

Lesen Sie auch: Hirntumor Symptome

  • Stimmungsschwankungen, Stimmungsveränderungen
  • Heißhunger oder Appetitlosigkeit
  • Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben
  • vermehrtes Gähnen
  • gesteigertes Wasserlassen (Polyurie)
  • gesteigerter Durst (Polydipsie)
  • depressive Verstimmung, vermehrter Gereiztheit und Unruhe
  • Hochstimmung und einem Gefühl besonderer Leistungsfähigkeit
  • Verstopfungen, Müdigkeit oder Benommenheit

Viele Patienten bringen die frühen Symptome nicht mit ihrer Migräne in Verbindung, weil ihr Kopf noch nicht wehtut. Es kann allerdings hilfreich sein, wenn Sie diese frühen Anzeichen erkennen.

2. Symptome in der Aura-Phase

Bei etwa 10 bis 15 Prozent der Migränepatienten kann im Anschluss dann eine Auraphase auftreten, die mit vorübergehenden neurologischen Reiz- und Ausfallerscheinungen verbunden ist. Sie besteht häufig aus Sehstörungen oder auch Schwäche, Taubheit oder einem Kribbeln im Gesicht oder den Extremitäten einer Seite. Einige Patienten leiden unter Sprachstörungen, Schwindel oder Gangunsicherheit.

Die Phase der Aura setzt langsam ein und geht langsam zurück und dauert meist 15 bis 60 Minuten. Manchmal ist Migräne mit einer sogenannten Aura verbunden, die der Kopfschmerzphase vorausgeht oder zeitgleich auftritt. Expertinnen und Experten unterscheiden folgende Arten von Symptomen bei einer Migräne mit Aura:

  • Visuelle Symptome: Diese Sehstörungen kommen am häufigsten vor. Dazu zählen Flimmern und gezackte Formen, manchmal entsteht auch ein Gesichtsfeldausfall (Skotom).
  • Sensorische Symptome: Nadelstichartige Missempfindungen (Parästhesien) sind das zweithäufigste Aura-Symptom. Sie betreffen Teile einer Körperseite.
  • Motorische Symptome: Seltener kommt es zu Bewegungsstörungen, zum Beispiel Schwächen oder Lähmungen, etwa in einem Arm.
  • Hirnstammsymptome: Sie sind typisch für eine Migräne mit Hirnstammaura. Dazu zählen Ohrgeräusche (Tinnitus), Doppelbilder, Sprach- und Bewusstseinsstörungen.
  • Retinale Symptome: Bei der Netzhautmigräne geht die Aura mit Flimmern oder einem Gesichtsfeldausfall einher. Möglich ist auch eine vorübergehende Erblindung.

Wenn es bei einem Migräne-Anfall zu zwei oder mehr Symptomen einer Aura kommt, folgen sie meist aufeinander, treten aber nicht zeitgleich auf. Beispielsweise können sich zuerst visuelle Symptome entwickeln, dann Sensibilitätsstörungen und anschließend - aufgrund der Migräne - Sprachstörungen.

3. Symptome in der Kopfschmerzphase

Das Hauptsymptom von Migräne ist der anfallsartig auftretende, oft starke Kopfschmerz, der meist nur eine Kopfseite betrifft. Er äußert sich individuell in verschiedenen Kopfregionen, meist aber hinter der Stirn, an den Schläfen oder hinter den Augen. Betroffene beschreiben ihn oft als pulsierend, bohrend oder hämmernd. Typischerweise nimmt die Intensität der Kopfschmerzen im Laufe von Stunden langsam zu. Die Kopfschmerzen halten zwischen einigen Stunden und bis zu drei Tagen an. Der Zeitraum kann sich von Anfall zu Anfall immer wieder verändern.

Lesen Sie auch: Was sind Wadenkrämpfe? Symptome, Ursachen und was hilft

Einseitige Migränekopfschmerzen können während eines Anfalls oder auch von Attacke zu Attacke die Kopfseite wechseln. Häufige Begleitsymptome bei Migräne sind Übelkeit und Erbrechen. Wissenschaftler vermuten den Grund dafür im gestörten Serotoninhaushalt bei vielen Betroffenen. Serotonin ist ein Botenstoff (Transmitter) im Körper, der sowohl im Gehirn als auch im Magen-Darm-Trakt und in vielen anderen Bereichen des Körpers wirkt.

Während eines akuten Migräne-Anfalls reagieren viele Betroffene sehr sensibel auf helles Licht und laute Geräusche. Der Grund dafür ist bislang nicht sicher geklärt. Jedenfalls ist es sinnvoll, sich während einer Kopfschmerz-Attacke möglichst in einen ruhigen und abgedunkelten Raum zurückzuziehen.

Die Symptome einer Migräne können durch körperliche Aktivität verstärkt werden, was etwa bei Spannungskopfschmerzen - der häufigsten Art von Kopfschmerzen - nicht der Fall ist. Selbst bei mäßiger Bewegung wie Treppensteigen oder dem Tragen von Einkaufstüten können sich bei Migräne die Kopfschmerzen und das Unwohlsein verschlimmern.

4. Symptome in der Rückbildungsphase

In der Rückbildungsphase klingen die Migräne-Symptome allmählich ab. Unmittelbare Symptome in der Rückbildungsphase sind zum Beispiel Müdigkeit, Erschöpfung und Reizbarkeit. Konzentrationsstörungen, Schwäche und Appetitlosigkeit können noch Stunden nach einem Migräne-Anfall anhalten. In seltenen Fällen erleben Patienten danach eine Art Euphorie. Bis zur vollständigen Erholung können weitere zwölf bis 24 Stunden vergehen.

Ursachen und Auslöser der Migräne

Obwohl die genauen Ursachen der Migräne noch nicht vollständig geklärt sind, gibt es eine Reihe von Faktoren, die eine Attacke auslösen können. Die sogenannten Trigger, die eine Migräne auslösen können, sind sehr individuell. Zu den häufigsten Triggern gehören:

  • Stress: Besonders bei unregelmäßigem Tagesablauf, emotionalem Stress oder auch nach einer anstrengenden, stressigen Zeit treten Migräneanfälle auf.
  • Schlafmangel: Zu wenig Schlaf oder ein unregelmäßiger Schlafrhythmus erhöhen das Risiko.
  • Flüssigkeitsmangel: Häufig beginnen Migräneanfälle, wenn zu wenig getrunken wurde.
  • Hormonelle Schwankungen: Viele Frauen berichten von Migräneanfällen kurz vor und während der Menstruation.
  • Ernährung: Bestimmte Lebensmittel gelten als Auslöser, wie zum Beispiel Rotwein. Aber auch der Verzicht auf Lebensmittel kann Anfälle triggern. So kann beispielsweise Fasten Migräne fördern.
  • Wetter und Reizüberflutung: Migräne kann außerdem durch Überflutung mit Licht- und Lärmreizen ausgelöst werden.

Diagnose von Migräne

Um eine Migräne zu diagnostizieren, erkundigt sich die Ärztin oder der Arzt zunächst nach den Beschwerden ihrer Patienten. Unter anderem wird nach der Häufigkeit und Dauer der Anfälle, Art und Stärke der Kopfschmerzen und nach Begleitsymptomen gefragt. Auch ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, diese Fragen zu beantworten. Meist kann bereits auf diese Weise Migräne diagnostiziert werden. Es ist wichtig, die Erkrankung von anderen Kopfschmerzen oder weiteren Krankheiten abzugrenzen. Ist das allein anhand der Beschwerden nicht möglich, können eine bildgebende Untersuchung oder weitere Tests nötig werden.

Behandlung von Migräne

Migräne ist eine chronische Erkrankung, die nicht heilbar ist. Sie ist aber gut behandelbar, so dass die Lebensqualität der Betroffenen weniger eingeschränkt wird.

Vorbeugung von Migräne

Bei häufiger Migräne sind möglicherweise vorbeugende Maßnahmen sinnvoll - etwa regelmäßiger Sport oder Entspannungsübungen. Die Daten zur Wirksamkeit von Akupunktur sind widersprüchlich.

Bei häufigen oder schweren Migräne-Attacken können Medikamente helfen vorzubeugen (Prophylaxe). Dafür kommen beispielsweise bestimmte Betablocker oder Krampflöser wie Topiramat oder das Antidepressivum Amitriptylin infrage. Welche Mittel wann helfen, erfahren Sie hier.

Seit einigen Jahren ist in Deutschland eine besondere Antikörpertherapie zur Vorbeugung von Attacken bei chronischer Migräne zugelassen. Die ist gut wirksam, kommt aber nicht für jeden infrage. Ähnlich verhält es sich mit der neuen Wirkstoffgruppe der Gepante.

Die sogenannte Remote Electrical Neuromodulation (REN) ist eine weitere Möglichkeit, einer Migräne vorzubeugen oder sie zu behandeln. Dabei werden Nervenfasern außerhalb der Migräneschmerzregion stimuliert. In der Folge schüttet das Gehirn Botenstoffe aus - und der eigentliche Migränekopfschmerz wird unterdrückt.

Auch Migräne-Apps können dabei helfen, Trigger zu meiden und Migräne-Attacken vorzubeugen.

Akut-Therapie von Migräne-Attacken

Zur Linderung akuter Migräne-Anfälle werden Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure sowie koffeinhaltige Kombinationspräparate eingesetzt. Migränespezifische Medikamente wie Triptane oder Ditane sind wirksam gegen starke Symptome und sollten frühzeitig eingenommen werden. Gegen Übelkeit helfen zum Beispiel Metoclopramid und Domperidon.

Die neue Wirkstoffgruppe der Gepante kann eingesetzt werden, wenn Schmerzmittel oder Triptane nicht wirksam sind oder nicht vertragen werden. Außerdem ist die Remote Electrical Neuromodulation eine Ergänzung oder Alternative zur Standardtherapie - etwa dann, wenn etwas gegen Medikamente spricht.

Auch Kinder können von Migräne betroffen sein. Für sie sind aber nicht alle Medikamente zugelassen. Schmerzmittel müssen in der Dosierung entsprechend angepasst werden. Auch aufgrund der möglichen Nebenwirkungen sollte eine Behandlung mit Medikamenten bei ihnen immer genau mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt abgestimmt sein.

Auch in der Schwangerschaft lässt sich Migräne behandeln. In jedem Fall sollte eine Therapie dann mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen werden, um Schäden am Ungeborenen durch Medikamente zu vermeiden. Glücklicherweise verlieren viele betroffene Frauen während der Schwangerschaft vorübergehend ihre Migräne.

Medikamente gegen den Kopfschmerz

Eine Migräneattacke mit leichten bis mittelgradigen Schmerzen kann mit rezeptfreien Wirkstoffen behandelt werden, wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen. Bei schweren Attacken können so genannte Triptane angewandt werden. Sie sollten nach der Aura, zu Beginn der Kopfschmerzphase eingenommen werden. Triptan können aber auch noch während einer Migräneattacke erfolgreich angewendet werden.

Tripatane und auch freiverkäufliche Schmerzmittel dürfen nicht zu häufig eingenommen werden, da es sonst zu einem Dauerkopfschmerz kommen kann.

Was tun während einer Attacke?

Zusätzlich zur Medikation sollten Migräne-Patienten während einer Attacke idealerweise vor Reizen geschützt werden und sich in einem ruhigen, abgedunkelten Raum aufhalten. Weil Menschen mit Migräne grelles Licht und laute Geräusche als störend empfinden, benötigen sie während der Attacke vor allem eines: Ruhe. Deshalb sollten sich Betroffene - wenn möglich - in einen abgedunkelten Raum zurückziehen und so früh wie möglich Schmerztabletten einnehmen.

Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz

Noch immer tun viele Menschen Migräne als eine Lappalie ab. Die Kopfschmerzen sind zwar das Leitsymptom bei einer Migräne, jedoch unterscheiden sie sich in ihrem Charakter und ihrer Ausprägung stark von normalen Spannungskopfschmerzen. Zusätzlich kommen bei einer Migräne meist noch weitere, belastende Symptome hinzu.

Chronische Migräne

Bei einer chronischen Migräne bestehen seit 3 Monaten oder länger Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen im Monat, davon 8 oder mehr Tage mit Migräne. Haben Sie im Monat mehr Tage mit Kopfschmerzen als ohne, kann das ein Hinweis auf Chronische Migräne sein.

Begleiterkrankungen

Menschen mit Migräne leiden häufig zusätzlich an Angststörungen und Depressionen. Zudem haben Migränepatienten ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Auch zeigt sich ein Zusammenhang von Migräne und hohem Blutdruck sowie Herzkreislauf-Erkrankungen und anderen Schmerzerkrankungen.

Kopfschmerztagebuch

Ein Kopfschmerztagebuch kann Ihnen außerdem helfen, Ihre Auslöser (Trigger-Faktoren) zu finden.

tags: #wie #kundigt #sich #eine #migrane #an