Epileptische Anfälle sind eine unspezifische Reaktion des Gehirns, die im Rahmen verschiedener Erkrankungen auftreten können. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Risikofaktoren und Behandlungsmöglichkeiten von epileptischen Anfällen, insbesondere im Zusammenhang mit Meningitis (Hirnhautentzündung) und Enzephalitis (Gehirnentzündung).
Einleitung
Epileptische Anfälle können als akut symptomatische Anfälle im Rahmen einer akuten Hirnerkrankung, einer akuten metabolischen oder anderen systemischen Erkrankung, beim Gebrauch oder Entzug von Drogen oder Medikamenten und als Fieberkrämpfe in der Kindheit auftreten. Sie können aber auch unprovoziert auftreten. Akut symptomatische Anfälle sind häufig und machen einen beträchtlichen Anteil aller Anfälle aus.
Ursachen und Häufigkeit von epileptischen Anfällen
Epileptische Anfälle sind eine unspezifische Reaktion des menschlichen Gehirns und können einerseits auftreten als akut symptomatische Anfälle im Rahmen einer akuten Hirnerkrankung, einer akuten metabolischen oder anderen systemischen Erkrankung, beim Gebrauch oder Entzug von Drogen oder Medikamenten und als Fieberkrämpfe in der Kindheit sowie andererseits als unprovozierte Anfälle. Akut symptomatische Anfälle sind häufig und repräsentieren 40% aller Anfälle (exkl. Fieberkrämpfe) und 50-70% aller Status epileptici. Die kumulative Inzidenz bis zum Alter von 80 Jahren beträgt 3,6%, die jährliche Inzidenz akut symptomatischer Anfälle 29-39/100000 Personen/Jahr. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Die häufigsten Ursachen von akut symptomatischen Anfällen bei Erwachsenen sind zerebrovaskuläre Erkrankungen (16%), Schädel-Hirn-Traumen (16%), ZNS-Infektionen (15%) sowie der Gebrauch oder Entzug von Drogen und Medikamenten (14%).
Epileptische Anfälle im Kontext von ZNS-Infektionen
Akut symptomatische Anfälle treten bei 20-40% der Patienten mit ZNS-Infektionen (Meningitiden, Enzephalitiden, Hirnabszesse, subdurale Empyeme) auf. Enzephalitiden, ein Glasgow Coma Scale Score <12, eine kortikale Beteilung in der MRT und ein jüngeres Alter stellen Risikofaktoren für akut symptomatische Anfälle bei ZNS-Infektionen dar. Virale Enzephalitiden gehen mit einem 14-fach höheren Risiko für akut symptomatische Anfälle einher als bakterielle Enzephalitiden. Bei der Herpes-Enzephalitis besteht ein Risiko von 60% für akut symptomatische Anfälle, bei der Japanischen Enzephalitis von 41%. Bei Kindern mit bakteriellen Meningitiden treten in 31% akut symptomatische Anfälle auf, Risikofaktoren hierfür sind ein Alter <2 Jahre, eine Streptokokkenmeningitis, eine Bewusstseinstrübung und eine Leukozytenzahl von <1000 im Liquor. Bei Erwachsenen mit bakteriellen Meningitiden kommt es in 17-27% zu akut symptomatischen Anfällen, die erstmals zumeist innerhalb der ersten 24 Stunden der Erkrankung auftreten. Sowohl bei bakteriellen als auch bei viralen Infektionen sind akut symptomatische Anfälle mit einem schlechteren Outcome und einer erhöhten Mortalität assoziiert.
Meningitis
Bei einer Meningitis entzünden sich die Hirn- und Rückenmarkshäute (Meningen). Meist wird diese Entzündung durch Viren oder Bakterien verursacht. Typische Symptome der Hirnhautentzündung sind starke Kopfschmerzen, hohes Fieber, Nackensteifigkeit, Übelkeit und Erbrechen, mitunter auch Bewusstseinsstörungen. Eine Meningitis ist ein medizinischer Notfall, der sofort im Krankenhaus behandelt werden muss.
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Enzephalitis
Eine Enzephalitis ist eine Gehirnentzündung. Am häufigsten wird sie von Viren verursacht. Sie kann mild, aber auch sehr schwer mit bleibenden Folgeschäden verlaufen. Typische Beschwerden sind Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit, epileptische Anfälle sowie Fieber und Kopfschmerzen. Oft kommen Verhaltensänderungen und Denkstörungen hinzu.
Risikofaktoren für epileptische Anfälle nach ZNS-Infektionen
Verschiedene Faktoren erhöhen das Risiko für das Auftreten von epileptischen Anfällen im Zusammenhang mit ZNS-Infektionen:
- Art der Infektion: Virale Enzephalitiden, insbesondere die Herpes-Enzephalitis und die Japanische Enzephalitis, sind stärker mit Anfällen assoziiert als bakterielle Enzephalitiden.
- Alter: Bei Kindern mit bakterieller Meningitis ist ein Alter unter 2 Jahren ein Risikofaktor.
- Schweregrad der Erkrankung: Ein niedriger Glasgow Coma Scale Score (<12) deutet auf eine schwerere Erkrankung hin und erhöht das Anfallsrisiko.
- MRT-Befunde: Eine kortikale Beteiligung, die in der Magnetresonanztomographie (MRT) sichtbar ist, ist ein Risikofaktor.
- Liquorbefunde: Bei Kindern mit bakterieller Meningitis ist eine niedrige Leukozytenzahl im Liquor (<1000) ein Risikofaktor.
Langfristiges Epilepsie-Risiko
Für die spezifische Beurteilung der Prognose nach einem akut symptomatischen Anfall besteht grundsätzlich eine Korrelation zwischen der Dauer der zerebralen Hyperexzitabilität und dem Risiko für weitere Anfälle bzw. dem Risiko, eine Epilepsie zu entwickeln. So besteht bei akuten metabolischen oder anderen systemischen Erkrankungen, dem Gebrauch oder dem Entzug von Drogen oder toxischen Substanzen lediglich eine kurze Phase der zerebralen Hyperexzitabilität und somit ein geringes langfristiges Epilepsierisiko. Umgekehrt besteht bei Hirnerkrankungen mit bleibenden strukturellen Veränderungen (ischämischer Schlaganfall, intrazerebrale Blutung, Schädel-Hirn-Trauma, bestimmte Autoimmunenzephalitiden [GAD65, Ma2, Hu/ANNA]) eine prolongierte Phase der zerebralen Hyperexzitabilität und somit ein höheres langfristiges Epilepsierisiko. Eine Zwischenstellung mit subakuter zerebraler Hyperexzitabilität und intermediärem Epilepsierisiko nehmen das posteriore reversible Enzephalopathie-Syndrom (PRES), die schwere Sepsis bzw. der septische Schock, das reversible zerebrale Vasokonstriktionssyndrom (RCVS) und bestimmte Autoimmunenzephalitiden (LGI1, GABABR, NMADR) ein.
Nach einer Herpes-Enzephalitis entwickelt sich in 40-65% der Fälle eine Epilepsie, nach einer bakteriellen Meningitis in Abhängigkeit vom Erreger: nach einer Streptokokken-Meningitis in 14,8%, nach einer Hämophilus-Meningitis in 6,1% und nach einer Meningokokken-Meningitis in 1,4%.
Behandlung und Prophylaxe
Nach einem akut symptomatischen Anfall wird üblicherweise mit einer anfallssuppressiven Therapie begonnen, die in Abhängigkeit von der Schwere und Art der Anfälle für 6-12 Monate fortgeführt wird.
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Akutbehandlung
Die Akutbehandlung von epileptischen Anfällen zielt darauf ab, die Anfallstätigkeit zu stoppen und Komplikationen zu vermeiden. Hierzu werden in der Regel Benzodiazepine intravenös verabreicht.
Anfallsprophylaxe
Bei Patienten mit einem hohen Risiko für wiederholte Anfälle kann eine anfallsprophylaktische Behandlung mit Antiepileptika in Erwägung gezogen werden. Die Entscheidung für oder gegen eine solche Behandlung sollte individuell getroffen werden, wobei die potenziellen Risiken und Vorteile der Behandlung sorgfältig abgewogen werden müssen.
Vorbeugung von ZNS-Infektionen
Impfungen können vor einigen Erregern schützen, die eine Meningitis oder Enzephalitis verursachen können. Dazu gehören Impfungen gegen Haemophilus influenzae Typ B (Hib), Pneumokokken, Meningokokken, Masern, Mumps, Röteln und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).
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