Zunehmende Vergesslichkeit, Orientierungsprobleme und der Verlust alltäglicher Fähigkeiten können erste Anzeichen einer Alzheimer-Erkrankung sein. Davon betroffen sind vor allem ältere Menschen. Aber was genau bedeutet diese Erkrankung? Welche Risikofaktoren begünstigen die Erkrankung junger Menschen? Und welche Fortschritte und Entwicklungen gibt es im Bereich der Diagnostik?
Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Alzheimer-Diagnostik und zielt darauf ab, ein umfassendes Verständnis der verfügbaren Methoden, ihrer Sicherheit und ihrer Bedeutung für eine frühzeitige Intervention zu vermitteln.
Die Herausforderung der Früherkennung
Der schleichende Beginn der meisten Demenzerkrankungen ist die Ursache dafür, dass Einschränkungen und auffällige Verhaltensweisen der Betroffenen oft erst im Rückblick als erste Symptome einer Demenz erkannt werden. Nicht jede Beeinträchtigung des geistigen Leistungsvermögens muss für sich genommen schon ein Alarmsignal sein. Antriebsschwäche kann sich jedoch bereits vor dem Auftreten der „Vergesslichkeit“ ausbilden: Hat jemand stets gern Sport getrieben und äußert jetzt wiederholt seine Unlust, zum wöchentlichen Training zu gehen, könnte dies bereits auf eine Demenzentwicklung hinweisen. Allerdings sollten auch andere mögliche Erklärungen wie zum Beispiel eine depressive Störung in Betracht gezogen werden.
Die Alzheimer-Früherkennung ist essenziell, damit gezielte Maßnahmen ergriffen werden können, um Gehirnschäden und Kognitionsverlust entgegenzuwirken. Fast 70% (68%) der Hausärzt:innen in Deutschland sind sich bewusst, wie wichtig ihre Rolle bei der Frühdiagnose der Alzheimer-Krankheit ist. Hinzu kommt, dass der Umgang mit Alzheimer-Patient:innen und ihren Angehörigen in der Praxis erhebliche Kräfte kostet und bindet.
Subjektive Wahrnehmung vs. Objektivierbare Symptome
Wir gehen heute davon aus, dass die Alzheimer-Erkrankung kontinuierlich fortschreitet und dass die klinische Manifestation einer Alzheimer-Erkrankung als Kontinuum von den Vorstadien der Demenz angesehen wird. Charakteristische neuropathologische Veränderungen können festgestellt werden, bevor klinische Symptome auftreten. Kognitive Einschränkungen sind gegebenenfalls früh subjektiv wahrnehmbar, aber erst zu einem späteren Zeitpunkt objektivierbar. Objektivierbare klinische Symptome manifestieren sich erstmals im Stadium der leichten kognitiven Störungen (mild cognitive impairment, MCI) aufgrund der Alzheimer-Erkrankung. Im MCI-Stadium sind Betroffene noch weitgehend selbstständig. Der Übergang zu einer Demenz ist fließend und hängt unter anderem von der Beurteilung der Alltagskompetenzen ab. Wird eine Demenz diagnostiziert, wird zwischen leichter, mittelschwerer und schwerer Alzheimer-Demenz unterschieden. Bislang wurde die Alzheimer-Krankheit häufig erst im Stadium der Demenz basierend auf einem typischen klinischen Syndrom und nach Ausschluss anderer Demenzursachen diagnostiziert.
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Der Diagnoseprozess
Oft ist es nicht einfach, Menschen mit Demenz von einem Arztbesuch zu überzeugen. Gerade im Anfangsstadium der Demenz versuchen viele Betroffene, ihr Handicap vor anderen zu verbergen und Gedächtnislücken mithilfe von Merkzetteln zu überspielen. Manchmal reagieren sie aggressiv oder ablehnend, wenn Angehörige sie auf Probleme oder Missgeschicke ansprechen. In einem solchen Fall hilft es, das Verhalten der Betroffenen über einen längeren Zeitraum zu dokumentieren. Dabei sollten möglichst viele Personen wie Verwandte, Nachbarn oder Freunde miteinbezogen werden.
Die Erstdiagnose wird oft von der Hausärztin oder vom Hausarzt gestellt. Sie sollte grundsätzlich die Einschätzung einer Fachärztin oder eines Facharztes für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie oder Nervenheilkunde einbeziehen, die eine neurologische und psychiatrische Diagnostik durchführen. Die Diagnose „Alzheimer-Demenz“ ist in der Regel eine „Ausschlussdiagnose“, das heißt: Wenn keine andere Ursache gefunden wird, die zu den beobachteten Symptomen passt, wird eine „Demenz vom Alzheimer-Typ“ vermutet.
Standarduntersuchungen
Neben einer körperlichen Untersuchung sind Blutproben erforderlich, um beispielsweise Schilddrüsenerkrankungen auszuschließen. Hinzu kommt eine Aufnahme des Gehirns mit sogenannten bildgebenden Verfahren wie der Computer-Tomografie (CT) oder der Magnet-ResonanzTomografie (MRT), um sonstige Hirnerkrankungen auszuschließen. Oftmals ist auch eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquordiagnostik) erforderlich, zum Beispiel, um eine entzündliche Erkrankung des Gehirns auszuschließen. Jedoch gibt es Liquor-Biomarker, die Hinweise auf das Vorliegen einer Demenz vom Alzheimer-Typ geben können. Bluttests zum Nachweis der für Alzheimer typischen Biomarker sind noch in der wissenschaftlichen Erprobung und finden momentan im Versorgungsalltag noch keine Anwendung. Sekundäre Demenzen können durch Intoxikationen einen Vitaminmangel oder eine Schilddrüsenfehlfunktion ausgelöst werden und sind zum Teil heilbar.
Zunächst findet ein Anamnese-Gespräch statt: Die Ärztin oder der Arzt fragt nach aktuellen Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamenten und möglichen Risikofaktoren. Im Anschluss an das Gespräch folgt eine allgemeine körperliche Untersuchung. Kognitive oder auch neuropsychologische Tests können wichtige Hinweise auf das Vorliegen einer Demenzerkrankung geben.
Bildgebende Verfahren
Die Magnetresonanztomographie (MRT) spielt eine zentrale Rolle in der Demenzdiagnostik. In den S3 Leitlinien Demenzen ist der Empfehlungsgrad für die Durchführung von struktureller Bildgebung stark (⇑⇑); die Evidenz für Spezifität, Sensitivität bzgl. Alzheimer-Pathologie wurde als hoch (⊕⊕⊕⊕) beurteilt. Die Quantifizierung der fokussierten Atrophie nach Scheltens wurde als Vorschlag (⇑) formuliert und die zugrundeliegende Evidenz für Spezifität, Sensitivität bzgl.
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Eine Magnettomographie (MRT) wird im Vergleich zu einer cranialen Computertomographie (cCT) bevorzugt, weil die MRT sensitiver für relevante Befunde im Rahmen der ätiologischen Demenzdiagnostik, insbesondere in Bezug auf vaskuläre Läsionen ist. Das MRT ist deutlich sensitiver als cCT, insbesondere bzgl. behandelbarer Ursachen.
Molekulare Bildgebung
Molekulare Bildgebungsverfahren zur Erkennung oder zum Ausschluss einer Alzheimer-Pathologie kommen zum Einsatz, wenn eine Lumbalpunktion kontraindiziert ist oder bei spezifischen Fragestellungen. Sehr sensitive, aber teure und aufwendige Methoden. Aktuell nicht für den Klinikalltag geeignet.
Liquordiagnostik
Die Liquordiagnostik dient der Erkennung möglicher nicht primärer Demenzerkrankungen als Ursache einer kognitiven Störung (z. B. entzündliche Gehirnerkrankungen) und zur Bestätigung oder zum Ausschluss der Alzheimer-Pathologie. Die Liquordiagnostik grenzt nicht primäre neurodegenerative Erkrankungen als Ursache einer kognitiven Störung (z.B. *Eine Alzheimer-Pathologie ist durch ein niedriges Amyloid β42 oder Amyloid β42/40-Ratio, bzw. durch einen hohem gesamt-Tau oder pTau charakterisiert.
Eine Demenz aufgrund von Alzheimer kann mit dem Nachweis von Amyloid und Tau im Liquor von anderen Demenzen (z.B. Etabliert sind die drei Biomarker Amyloid β42, Gesamt-Tau und phospho-Tau (pTau). Amyloid- und Tau-Biomarker sollen bevorzugt als Ratio (im Vergleich zu einzelnen Biomarkern) evaluiert werden.
Um herauszufinden, wie aussagekräftig die Ergebnisse der Liquor-Untersuchung im Verhältnis zum Goldstandard PET-Bildgebung sind, haben die Münchner Forschenden Daten von über 400 Patienten mit Verdacht auf eine Alzheimer-Demenz ausgewertet, die zwischen 2013 und 2024 am LMU Klinikum sowohl eine Liquor-Untersuchung auf Amyloid als auch ein PET des Gehirns bekommen hatten. Die Ergebnisse: Wer im Nervenwasser einen Amyloid-Wert von über 7,1 aufwies, war im PET zumeist nicht auffällig - Alzheimer-Befund mithin negativ. Patienten mit einem Amyloid-Wert von weniger als 5,5 im Liquor waren auch im PET überwiegend auffällig - Alzheimer-Befund mithin höchstwahrscheinlich positiv. Doch besonders wichtig ist, dass es eine Grauzone zwischen 5,5 und 7,1 im Nervenwasser gab - bei etwa 15 bis 20 Prozent der Patienten. „Die Hälfte dieser Studienteilnehmer hatte im PET einen auffälligen Amyloid-Befund“, sagt Brendel, „die Liquor-Untersuchung ist also hier nicht verlässlich genug.“ In einer unabhängigen Patienten-Kohorte der Universität Wien erzielten die Forschenden ein genau gleiches Ergebnis.
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Blutbasierte Biomarker
Die Datenlage für die blutbasierten Biomarker zur Alzheimerdiagnostik ist sehr valide. Sie können in Zukunft eine nicht-invasive und breitflächig einsetzbare Diagnostik ermöglichen. Aktuell wird die Bestimmung einiger blutbasierter Biomarker (phosphorylierte Tau-Proteine und Amyloid-Werte) schon angeboten, allerdings nicht überall mit validen Cut-Off-Werten und teilweise ohne CE-Zertifikat. Eine Kostenübernahme der GKV-Versicherungsträger erfolgt bisher nicht. Die S3 Leitlinien Demenzen sind aktuell stark dagegen (⇓⇓) die Diagnostik von zerebraler Amyloidpathologie oder anderen neuropathologischen Aspekten neurodegenerativer Erkrankungen alleine auf blutbasierte Biomarker zu gründen. Die zugrundeliegende Evidenz für Spezifität und Sensitivität bzgl. Alzheimer-Pathologie von blutbasierten Biomarkern wurde als moderat (⊕⊕⊕⊝) beurteilt. bei unauffälligem Biomarkerstatus das Risiko für eine Demenz in den kommenden Jahren bei ca.
Dank der Fortschritte in der Forschung ist es mittlerweile möglich, die Alzheimer-Krankheit auch per Bluttest zu erkennen. Allerdings können Bluttests die etablierten Diagnoseverfahren bislang noch nicht ersetzen.
FDA-Zulassung für Bluttest
Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat erstmals einen Bluttest zur Diagnose von Alzheimer zugelassen. Es handelt sich um den weltweit ersten Test dieser Art für den Einsatz in der Routineversorgung - also außerhalb von klinischen Studien. Der Test ist für Menschen im Alter ab 55 Jahren vorgesehen, die Symptome einer Alzheimer-Erkrankung aufweisen.
Bei der Alzheimer-Erkrankung sammeln sich im Gehirn zwei Arten von Eiweißstoffe an: Amyloid-Beta-Proteine und Tau-Proteine. Von dort können sie ins Nervenwasser gelangen. Sie sind aber auch im Blut nachweisbar. Hier setzt dieser Test an, er misst die Konzentration dieser Proteine im Blut. Genaugenommen wird das Konzentrationsverhältnis dieser beiden Proteine bestimmen. Liegt der Wert jenseits einer bestimmten Schwelle, ist das ein starkes Indiz für eine Alzheimer-Erkrankung. Richtig, die Testergebnisse sind als Ergänzung zu weiteren Untersuchungen gedacht, um den Verdacht einer Alzheimer-Erkrankung zu erhärten oder zu entkräften. Für die Diagnose einer Alzheimer-Erkrankung sind also zusätzliche Untersuchungen erforderlich. Insbesondere ein Gedächtnistest.
Das Ergebnis liegt in der Regel nach wenigen Tagen vor, da der Test in spezialisierten Laboren durchgeführt wird, die mit der sogenannten Lumipulse-Technologie arbeiten. Diese basiert auf automatisierten immunchemischen Messungen. Der Test kann bereits im frühen Krankheitsstadium pathologische Veränderungen erfassen - und zwar sowohl Amyloid-β42/40-Verhältnisse als auch phosphoryliertes Tau (pTau-217), das mit neurodegenerativen Prozessen assoziiert ist. Damit ist er deutlich aussagekräftiger als Tests, die nur Amyloid messen.
Seit Jahren wird an einem Bluttest für Alzheimer geforscht. Konkret die Amyloid-Beta-Proteine und Tau-Proteine stehen schon lange im Fokus. Warum gibt es erst jetzt einen Bluttest für die Routineversorgung? Was macht die Messung dieser Proteine im Blut so schwierig? Eine Herausforderung war die extrem niedrige Konzentration beider Marker im Blut.
Alternativer Ansatz: microRNAs
Sie selbst arbeiten auch an einem Bluttest für Alzheimer. Allerdings messen sie keine Amyloid-Beta-Proteine und Tau-Proteine sondern sogenannte microRNAs, verkürzt nennt man diese Moleküle „miRNAs“. Worin liegen die Unterschiede zum nun zugelassenen Test? Während Tests wie Lumipulse auf Amyloid und Tau-Proteine zielen, erfassen miRNAs andere sehr frühe, regulatorische Veränderungen, oft lange vor dem klinischen Ausbruch. Wir analysieren, wie bestimmte miRNAs im Blut das Krankheitsrisiko anzeigen können, auch in Kombination mit anderen Biomarkern. Außerdem gehen wir davon aus, dass ein einziger Marker kaum alle Patienten abdecken wird. Alzheimer verläuft komplex und in Phasen. Ein multiparametrischer Ansatz, der Amyloid, Tau, miRNAs und digitale Marker etc.
In unserer aktuellen Studie konnten wir zeigen, dass bestimmte miRNA-Profile eine spätere Alzheimer-Erkrankung bei Personen mit milden kognitiven Einschränkungen frühzeitig vorhersagen. Langfristig ist es das Ziel, molekulare Bluttests so zu entwickeln, dass sie auch in hausärztlichen Praxen eingesetzt werden können - nicht nur in spezialisierten Gedächtnisambulanzen.
Testverfahren wie ELISA, digitale PCR oder automatisierte Immunoassays sind grundsätzlich standardisierbar und lassen sich in klinischen Routinelaboren umsetzen. Derzeit werden die meisten dieser Tests noch in Speziallaboren durchgeführt, aber die Entwicklung geht klar in Richtung vereinfachter, schneller durchführbarer Verfahren. Die größte Chance dieser Bluttests liegt darin, künftig eine niederschwellige Frühdiagnostik zu ermöglichen und so Risikopatienten zu erkennen - unabhängig von komplexer Bildgebung oder invasiven Verfahren.
Elecsys® pTau181
Aktueller Stand der Diagnostik zur Alzheimer-Früherkennung: Die Alzheimer-Demenz betrifft weltweit Millionen Menschen. Frühe Stadien der Erkrankung werden jedoch häufig übersehen: Schätzungsweise 92 % der Patienten mit milder kognitiver Beeinträchtigung (MCI) erhalten keine Diagnose. Der Mangel an zugänglichen, nicht-invasiven Diagnoseverfahren gilt als zentrales Hindernis für eine frühzeitige therapeutische Intervention, die nun durch Antikörpertherapien wie Lecanemab prinzipiell möglich ist. Bisherige diagnostische Ansätze wie Positronen-Emissions-Tomographie (PET) oder Liquoranalysen sind kostenintensiv, invasiv und vorwiegend Spezialzentren vorbehalten.
Mit der FDA-Zulassung des Elecsys pTau181 hat Roche in Kooperation mit Eli Lilly ein diagnostisches Verfahren eingeführt, das die Alzheimer-Abklärung in die Primärversorgung verlagern soll. Der Test misst die Konzentration des phosphorylierten Tau-Proteins (pTau181) im Blutplasma, ein zentraler Biomarker, der mit Amyloid- und Tau-Pathologien im Gehirn korreliert. Ziel ist es, bei Personen ab 55 Jahren mit ersten kognitiven Symptomen eine Alzheimer-assoziierte Pathologie mit hoher Sicherheit auszuschließen und so eine effizientere Zuweisung an Fachärzte zu ermöglichen.
Die Zulassungsentscheidung der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) basierte auf einer multizentrischen, nicht-interventionellen Studie mit 312 Teilnehmern. In einer für die Primärversorgung typischen Kohorte mit niedrigem Erkrankungsanteil zeigte der Elecsys pTau181-Test einen negativen prädiktiven Wert (NPV) von 97,9 %. Damit kann bei negativem Testergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass eine Alzheimer-typische Amyloid-Pathologie vorliegt.
Durch die vollautomatisierte Integration in mehr als 4.500 bereits installierte Roche-Systeme kann der Test rasch in bestehende Laborstrukturen eingebunden werden. Dies ermöglicht einen breiten Zugang ohne zusätzliche technische Hürden.
Die Integration der Alzheimer-Diagnostik in die hausärztliche Versorgung eröffnet neue Möglichkeiten für eine frühere und gezieltere Abklärung. Ärzte in der Primärversorgung können nun kognitive Beschwerden effizienter einordnen und unnötige Überweisungen vermeiden. Gleichzeitig werden neurologische Fachressourcen auf Patienten mit hoher Wahrscheinlichkeit für Alzheimer fokussiert.
Darüber hinaus kann der Einsatz des Elecsys pTau181 zur Reduktion invasiver Verfahren beitragen - insbesondere von PET-Untersuchungen oder Liquoranalysen - und somit Kosten und Belastung für Betroffene senken.
Elecsys pTau181 trägt zur Verbesserung der Alzheimer-Früherkennung bei: Erstmals steht ein FDA-zugelassener Bluttest zur Verfügung, der im hausärztlichen Umfeld eine differenzierte Einschätzung ermöglicht. Der Test liefert zwar keinen endgültigen Nachweis einer Alzheimer-Erkrankung, ermöglicht jedoch eine deutlich verbesserte Diagnostik durch den sicheren Ausschluss amyloidassoziierter Pathologien. Während der Test von Roche zum Ausschluss von Alzheimer dient, detektiert der Lumipulse G pTau217/β-Amyloid 1-42 Plasma Ratio-Test Amyloid-Plaques im Gehirn bei Erwachsenen ab 55 Jahren mit kognitiven Symptomen. Der Test hat bereits im Mai diesen Jahres die Zulassung durch die FDA erhalten.
Neben der Zulassung in den USA hat Roche auch die CE-Kennzeichnung in Europa für den Test erhalten, wie der Hersteller mitteilte.
Digitale Tests
Abgesehen von Bluttests wird ja auch sogenannten digitalen Tests geforscht - auch am DZNE. Dabei geht es zum Beispiel um Gedächtnistests auf dem Smartphone oder um Auffälligkeiten in der Sprache. Es ist ganz klar, dass die Zukunft der Alzheimer-Diagnostik multimodal und vernetzt sein wird. Kein einzelner Test - weder molekular noch digital - wird vermutlich ausreichen, um der Komplexität der Erkrankung gerecht zu werden. Digitale Verfahren wie sprachbasierte Analysen, kognitive Tests per Smartphone oder sensorgestützte Bewegungsprofile haben den Vorteil, dass sie kontinuierlich, nicht-invasiv und im Alltag anwendbar sind. Sie liefern wertvolle Hinweise auf funktionelle Veränderungen - oft bevor klassische Symptome auftreten. Auch hier ist das DZNE an vorderster Front der Forschung aktiv. Kollegen aus Magdeburg um Prof. Emrah Düzel und Dr.
Eine Möglichkeit zur Früherkennung sind neue digitale Tools, wie z. B. die App neotivCare. Sie kann Neurolog:innen, Psychiater:innen und Hausärzt:innen dabei unterstützen, bei Menschen mit leichten kognitiven Störungen bzw. Die neotivCare-App basiert auf der Entwicklung neuartiger kognitiver Gedächtnistests. Regelmäßige Gehirn-Check ups können helfen, frühe Hinweise zu entdecken. Liegen Anzeichen für eine beginnende Demenz vor, sollte der Erstverdacht durch eine Differentialdiagnose abgesichert werden, z. B. durch spezialisierte Gedächtnisambulanzen bzw. Fachärzt:innen. Dazu kann eine Computer- oder Kernspintomographie des Kopfes, eine Liquor-Untersuchung und ggf. eine Gendiagnostik durchgeführt werden.
Die Zukunft der Alzheimer-Diagnostik
Weltweit arbeiten Demenzforscherinnen und -forscher daran, die Diagnostik von Demenzerkrankungen zu verbessern. Ein wichtiges Ziel ist es, Demenzerkrankungen wie Alzheimer früher zu erkennen. Ein weiteres wichtiges Forschungsfeld ist die korrekte Abgrenzung von Demenzerkrankungen: Während die Alzheimer-Krankheit mittlerweile sehr gut zu Lebzeiten eindeutig diagnostiziert werden kann, sind andere, seltenere Demenzen diagnostisch nach wie vor eine Herausforderung, zum Beispiel die Frontotemporale Demenz oder die Chronisch Traumatische Enzephalopathie (CTE), die durch Kopfverletzungen hervorgerufen wird. Hier kann oft erst eine Untersuchung des Gehirns nach dem Tod endgültig Gewissheit bringen. Die Forschung arbeitet daran, auch diese Diagnosen frühzeitig und eindeutig zu ermöglichen.
Molekulare Bluttests hingegen erfassen biologische Veränderungen auf Zellebene, etwa in Form von Amyloid, Tau oder regulatorischen RNAs. Sie liefern objektive Messwerte, die eine biologische Subtypisierung ermöglichen - was besonders für zukünftige gezielte Therapien wichtig ist. Langfristig wird die Stärke darin liegen, diese beiden Welten zu integrieren: also biologische, kognitive und digitale Daten gemeinsam auszuwerten - idealerweise mithilfe von künstlicher Intelligenz. So könnten wir ein individuelles Risikoprofil erstellen und den Krankheitsverlauf viel früher und präziser erkennen als heute.
Bedeutung einer frühen Diagnose
Warum eine frühe Diagnose hilft: Die meisten Menschen mit Gedächtnisstörungen sind stark verunsichert. Viele verbergen oder überspielen ihre Schwächen, nicht selten werden sie dabei von engen Angehörigen unterstützt.
Auch wenn kurativ bislang noch kein Durchbruch bei der Alzheimer-Krankheit erfolgt ist: Bei der Erforschung und Entwicklung verschiedenster Wirkstoffe werden kontinuierlich Fortschritte gemacht. In den frühen Stadien einer Alzheimer-Krankheit sind z.B. ACE-Hemmer hinsichtlich einer Verbesserung der Kognition und der Verrichtung von Alltagsaktivitäten wirksam. Immun-Therapien greifen in zugrunde liegende Pathomechanismen der Alzheimer-Krankheit ein und werden derzeit in klinischen Studien geprüft.
Für die Mehrzahl der Demenzformen gibt es derzeit noch keine Therapie, die zur Heilung führt. Deshalb liegt das Hauptziel der Behandlung darin, die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen zu verbessern.