Die Chlamydien-Neuropathie ist eine seltene, aber potenziell schwerwiegende Komplikation einer Chlamydieninfektion. Chlamydien sind Bakterien, die Entzündungen verursachen und verschiedene Folgeerkrankungen auslösen können. Die Infektion mit Chlamydien wird medizinisch Chlamydiose genannt. Im Volksmund sprechen die meisten aber von Chlamydien, auch wenn damit streng genommen nur die Erreger und nicht die Infektion gemeint ist.
Ursachen der Chlamydien-Neuropathie
Die genauen Mechanismen, die zu einer Chlamydien-Neuropathie führen, sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass die Bakterien oder Bakterienbestandteile im Körper verbleiben und dort als »Fremdstoffe« eine Entzündung hervorrufen. Diese Entzündung kann dann die Nerven schädigen und zu neurologischen Symptomen führen.
Eine reaktive Arthritis ist eine Gelenkentzündung, die als Reaktion nach einer gelenkfernen Infektion auftritt. Auslösend können bakterielle Infektionen des Darmes, der Harn- und Geschlechtsorgane oder der Atemwege sein. Häufig wird allerdings der auslösende Infekt nicht bemerkt.
Die genauen Mechanismen, die zu einer reaktiven Arthritis führen, unterscheiden sich je nach auslösendem Erreger und sind zum Teil noch unklar. Mit der Entwicklung neuer molekularbiologischer Methoden ist es gelungen, bestimmte Bakterien oder Bakterienbestandteile in der Gelenkflüssigkeit oder -innenhaut von Patienten mit reaktiver Arthritis nachzuweisen. Man vermutet daher, dass lebende Erreger, die sich allerdings im Gelenk nicht vermehren, oder Erregerbestandteile im Gelenk bleiben und dort als »Fremdstoffe« eine Entzündung hervorrufen. Die Immunreaktion auf den Erreger wird unter anderem von genetischen Merkmalen der betroffenen Patienten bestimmt.
Eine wesentliche Rolle spielt dabei das so genannte HLA-B27, ein Erbfaktor, den in Deutschland acht Prozent der Bevölkerung haben. HLA-B27 ist bei etwa der Hälfte der Patientinnen und Patienten nachweisbar und gilt als Risikofaktor für einen entzündlichen Befall des Achsenskeletts und für einen längeren Krankheitsverlauf. HLA-B27 ist ein Protein, das auf der Oberfläche von Immunzellen lokalisiert ist und eine Rolle bei der Immunaktivierung spielt.
Lesen Sie auch: Massagegeräte zur Neuropathie-Behandlung
Bei Betroffenen mit einer Chlamydien-Infektion des Urogenitaltraktes (Harn- und Geschlechtsorgane) werden die Bakterien durch ungeschützten Sex an den Sexualpartner oder die Sexualpartnerin übertragen. Mit den Bakterien infizieren kann man sich beim Vaginal-, Oral- oder Analverkehr. Sie werden über Körperflüssigkeiten wie Urin, Ausfluss aus der Vagina und Sperma übertragen. Die Erreger infizieren die Schleimhäute der Harnröhre oder des Enddarms. Bei Frauen befallen die Bakterien auch die Schleimhäute des Gebärmutterhalses und der Scheide, beim Mann die Schlei…
Symptome der Chlamydien-Neuropathie
Die Symptome einer Chlamydien-Neuropathie können vielfältig sein und hängen davon ab, welche Nerven betroffen sind. Einige häufige Symptome sind:
- Schmerzen
- Taubheit
- Kribbeln
- Schwäche
- Brennen
Diese Symptome können in verschiedenen Körperteilen auftreten, einschließlich der Hände, Füße, Arme und Beine. In einigen Fällen können auch die Hirnnerven betroffen sein, was zu Symptomen wie Gesichtslähmung, Sehstörungen oder Hörverlust führen kann.
Die akute Fazialisparese ist eine polyätiologisch ausgelöste komplette oder inkomplette ein- oder beidseitig auftretende motorische und sensible Neuropathie der vom 7. Hirnnerven innervierten Gesichts- und Halsmuskulatur sowie sensorisch der Geschmacksqualitäten der Zunge auf der betroffenen Seite. Darüber hinaus ist eine Beeinträchtigung der Tränensekretion sowie des Hörvermögens im Sinne einer Hyperakusis bei erloschenem Stapediumreflex zu verzeichnen.
Bell´sche Lähmung: darunter verstehen die meisten Untersucher eine akute isolierte einseitige periphere Fazialislähmung unbekannter Ursache (idiopatische Fazialisparese).
Lesen Sie auch: Small Fiber Neuropathie verstehen: Ursachen, Symptome, Therapie
Ramsay-Hunt-Syndrom: hierbei handelt es sich um eine Fazialisparese im Rahmen eines Zoster oticus, bzw. eines H.
Diagnose der Chlamydien-Neuropathie
Die Diagnose einer Chlamydien-Neuropathie kann schwierig sein, da die Symptome unspezifisch sind und auch durch andere Erkrankungen verursacht werden können. Um die Diagnose zu stellen, wird der Arzt in der Regel eine gründliche Anamnese erheben und eine körperliche Untersuchung durchführen. Darüber hinaus können verschiedene Tests erforderlich sein, um andere Ursachen der Neuropathie auszuschließen und den Erreger nachzuweisen. Dazu gehören:
- Blutuntersuchungen
- Urinuntersuchungen
- Nervenleitgeschwindigkeitsmessungen
- Liquoruntersuchung
Ein weiterer wichtiger »Mosaikstein« bei der Diagnose der reaktiven Arthritis ist der Nachweis des auslösenden Erregers, zum Beispiel im Urin oder Stuhl. Da der auslösende Effekt meist schon mehrere Wochen zurück liegt, gelingt der Nachweis jedoch nicht immer. Dann wird mit verschiedenen Testsystemen nach Antikörpern (Abwehrstoffen) gegen die Krankheitserreger gesucht, die Hinweise auf eine abgelaufene Infektion geben und in der Regel im Blut nachweisbar sind.
Außerdem werden das HLA-B27-Merkmal sowie allgemeine Entzündungswerte, wie die Blutsenkungsgeschwindigkeit, das C-reaktive Protein (CRP), bestimmt.
Behandlung der Chlamydien-Neuropathie
Die Behandlung der Chlamydien-Neuropathie zielt darauf ab, die Infektion zu beseitigen, die Entzündung zu reduzieren und die Symptome zu lindern. Die Behandlung umfasst in der Regel:
Lesen Sie auch: Ursachen und Behandlung von Polyneuropathie in den Füßen
- Antibiotika zur Beseitigung der Chlamydieninfektion
- Schmerzmittel zur Linderung von Schmerzen
- Physiotherapie zur Verbesserung der Muskelkraft und Beweglichkeit
Wenn es gelungen ist, den auslösenden Erreger der reaktiven Arthritis nachzuweisen, z. B. Chlamydien, wird eine kurzzeitige antibiotische Therapie verordnet. Da Chlamydien durch Sexualkontakt übertragen werden, muss auch der Partner kurzzeitig behandelt werden, um eine erneute Infektion zu vermeiden. Antibiotika haben zwar auf die aktuelle Arthritis keinen Einfluss, dienen aber dazu, den Erreger an der Eintrittspforte zu beseitigen und damit das Risiko späterer Rückfälle zu verringern. Ob eine mehrmonatige antibiotische Kombinationstherapie die Arthritis zur Ausheilung bringen kann, ist weiterhin umstritten.
Da die Symptome von leichten Gelenkschmerzen bis zu starken Gelenkentzündungen variieren können, muss auch die Therapie an die jeweiligen Beschwerden angepasst werden. Für die medikamentöse Therapie kommen in erster Linie kortisonfreie (nicht-steroidale) Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac oder Ibuprofen in Frage. Diese Medikamente haben neben ihrer schmerzstillenden Wirkung auch einen entzündungshemmenden Effekt, so dass die meisten Patienten unter dieser Therapie beschwerdefrei werden. Bei schweren, auf NSAR nicht ausreichend ansprechenden Verläufen kann eine kurzzeitige Therapie mit Kortison, einem sehr stark entzündungshemmenden, körpereigenen Hormon, notwendig sein. Kortison kann auch direkt in das entzündete Gelenk gespritzt werden, wenn zuvor eine bakterielle Gelenkinfektion ausgeschlossen wurde.
Zusätzlich zur medikamentösen Therapie sollten physiotherapeutische Maßnahmen wie Kältetherapie (Kaltluft, Kryopacks), Bewegungsübungen und Manualtherapie durchgeführt werden, um so die Schmerzen zu lindern, die Gelenkbeweglichkeit zu erhalten bzw.
Prävention der Chlamydien-Neuropathie
Die beste Möglichkeit, einer Chlamydien-Neuropathie vorzubeugen, ist die Vermeidung einer Chlamydieninfektion. Dies kann durch sicheren Sex mit Kondomen und regelmäßige Tests auf sexuell übertragbare Krankheiten erreicht werden.
tags: #neuropathie #durch #chlamydien