William Parkinson: Ein kritischer Archäologe im Spannungsfeld von Forschung, Interpretation und Erhaltung

Einleitung

Die Archäologie ist nicht nur die Ausgrabung und Analyse materieller Überreste vergangener Kulturen, sondern auch ein fortwährender Prozess der Interpretation und Neubewertung. William Parkinson, Archäologe an der University of Illinois at Chicago, verkörpert einen kritischen Ansatz in diesem Feld, der sowohl die Geschichte der Disziplin als auch die potenziellen Fallstricke subjektiver Interpretationen berücksichtigt. Dieser Artikel beleuchtet Parkinsons Arbeit und seinen Beitrag zu einer selbstreflexiven und verantwortungsvollen Archäologie.

Kritische Archäologie: Mehr als nur Ausgrabung

Der Begriff "kritische Archäologie" beschreibt einen Ansatz, der sich literarisch mit archäologischen Materialien und deren Interpretationen auseinandersetzt. Im Kern steht eine reflektierte und selbstkritische Perspektive. Dies beinhaltet die Auseinandersetzung mit der Forschungsgeschichte einzelner archäologischer Disziplinen, ihrer Schulen und spezialisierten Zentren. Parkinson betont die Notwendigkeit, sich der eigenen subjektiven Sichtweise bewusst zu sein und die potenziellen Einflüsse von persönlichen, sozialen und historischen Kontexten auf die Interpretation archäologischer Funde zu berücksichtigen.

Fallstudien: Nubische Kulturen und Sexualität im Alten Ägypten

Parkinson illustriert das Potenzial der "kritischen Archäologie" anhand von zwei Fallstudien:

  1. Die Interpretation nubischer Kulturen: Historisch wurden nubische Kulturen oft aus einer ägyptenzentrierten Perspektive mit einer kolonialen Haltung interpretiert. Kritische Archäologie hinterfragt diese Perspektive und untersucht, wie koloniale Vorurteile die Interpretation nubischer Geschichte und Kultur beeinflusst haben.
  2. Die ägyptologische Forschungsgeschichte zur Sexualität im Alten Ägypten: Dieses Forschungsfeld ist noch unvollständig und spiegelt deutlich die persönlichen und sozialen Hintergründe der jeweiligen Autoren wider. Eine kritische Analyse deckt auf, wie gesellschaftliche Normen und individuelle Perspektiven die Interpretation von Sexualität im Alten Ägypten geprägt haben.

Die Schwierigkeit der Rekonstruktion vergangener Leben

Parkinson räumt ein, dass es immer schwierig sein wird, die Biografien vergangener Individuen, ihre Gefühle, sozialen Interaktionen und täglichen Aktivitäten vollständig zu erfassen. Trotz dieser Schwierigkeiten betont er die Notwendigkeit, aktiv Muster des antiken Lebens zu rekonstruieren und den spekulativen Charakter unserer Interpretationen anzuerkennen.

Parkinsons Engagement für die Erhaltung archäologischer Stätten

Parkinsons Engagement geht über die reine Forschung hinaus. Er ist auch aktiv an Projekten zur Erhaltung archäologischer Stätten beteiligt. Ein Beispiel hierfür ist seine Arbeit in Vésztő-Mágor, Ungarn, einer bedeutenden Tellsiedlung.

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Vésztő-Mágor: Ein Fallbeispiel für archäologische Erhaltung

Vésztő-Mágor ist eine archäologische Stätte in Ostungarn, an der Menschen während der Jungsteinzeit, der Kupferzeit und der Bronzezeit (ca. 5200-1650 v. Chr.) lebten. Die Siedlungshügel (Tell) ist mit sieben Metern Höhe der größte bekannte in der heutigen Großen Ungarischen Tiefebene. Die ersten Ausgrabungen fanden dort bereits in den 1980er Jahren statt. Danach wurde der ausgehobene Graben offen gelassen und mit einer dauerhaften Konstruktion abgedeckt, um die archäologischen Funde in situ als Museumsexponat zu präsentieren. In den vergangenen Jahren wurden die erhaltenen Grabungsprofile jedoch immer instabiler und stürzten stellenweise bereits ein.

Parkinson war als Co-Direktor an dem Projekt „Time Will Tell: The Vésztő-Mágor Conservation and Exhibition Program“ beteiligt, das darauf abzielt, diesen Prozess zu verlangsamen und die Ausgrabung dauerhaft für Besucher zu erhalten. Im Laufe der Arbeiten stellte sich heraus, dass einige Profile so zerbrechlich und brüchig waren, dass die einzige Lösung darin bestand, sie hinter Ziegeln zu schützen. Zu diesem Zweck stellte das Team eigene Lehmziegel und Mörtel aus der Erde des Tells selbst her und errichtete eine Stützmauer gegen ein großes Profil im Graben.

Archäobotanische Funde und soziale Ungleichheit

Neben den Restaurierungs- und Konservierungsarbeiten war die Kampagne auch unter Forschungsgesichtspunkten erfolgreich. Die Experten entdeckten in den Profilen zwei ausgedehnte Schichten von verkohltem Getreide auf bronzezeitlichen Hausböden (ca. 1800 v. Chr.). Die Beprobung dieser Ablagerungen erbrachte reichhaltiges archäobotanisches Material. Messungen verschiedener Isotopenverhältnisse - darunter die von Stickstoffisotopen - können Aufschluss darüber geben, inwieweit in der Siedlung Ackerbau betrieben wurde und in welchem Zusammenhang er mit sozialer Ungleichheit stand.

Der Kampf gegen Bots und die Notwendigkeit des Fingerabdrucks

Obwohl nicht direkt mit Parkinsons archäologischer Arbeit verbunden, ist es wichtig zu erwähnen, dass er sich auch mit den Herausforderungen der modernen Technologie auseinandersetzt. Er beschäftigt sich mit der Problematik des Web Scraping und der Notwendigkeit, Bots zu identifizieren und zu blockieren. Sein Ansatz beinhaltet die Entwicklung von "Challenge Proof of Work"-Seiten, die für legitime Nutzer unauffällig sind, aber für Bots eine erhebliche Belastung darstellen. Er betont jedoch, dass dies nur eine vorübergehende Lösung ist und dass langfristig die Identifizierung von Bots durch Fingerprinting und die Analyse von Browser-Merkmalen (z.B. Font Rendering) erforderlich ist.

Die Bedeutung von JavaScript und JShelter

Parkinson weist darauf hin, dass bestimmte Sicherheitsmaßnahmen, wie z.B. das Deaktivieren von JavaScript-Funktionen durch Plugins wie JShelter, die Funktionalität bestimmter Anwendungen (wie z.B. Anubis) beeinträchtigen können. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, ein Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit zu finden.

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Cooks Reisen und die Darstellung der Südsee

Obwohl nicht direkt mit Parkinsons Forschung verbunden, bietet die Erwähnung von James Cooks Reisen und der begleitenden Künstler einen interessanten Kontext für die Diskussion über Interpretation und Repräsentation. Die Künstler, die Cook begleiteten, schufen Bilder der Südsee, die oft idealisiert und romantisiert waren. Diese Darstellungen prägten das europäische Bild der Südsee und beeinflussten die Wahrnehmung der dortigen Kulturen.

Die Rolle von Ethnographika und Museen

Die Sammlung von Ethnographika auf Cooks Reisen und deren Verbleib in Museen verdeutlichen die Bedeutung von Museen als Orte der Bewahrung und Präsentation kulturellen Erbes. Gleichzeitig werfen sie Fragen nach der Provenienz und der ethischen Verantwortung im Umgang mit solchen Sammlungen auf.

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