Eine Demenzerkrankung, deren häufigste Form die Alzheimer-Krankheit ist, verläuft schleichend und betrifft nicht nur die Erkrankten selbst, sondern auch ihre Familien. Es ist daher wichtig, frühzeitig Anzeichen zu erkennen und sich umfassend zu informieren. Dieser Artikel bietet einen Überblick über Demenz, ihre Symptome, Diagnosemöglichkeiten und Unterstützungsangebote in Deutschland.
Was ist Demenz?
Demenz ist mehr als nur Gedächtnisverlust. Sie beeinträchtigt das gesamte Sein eines Menschen, seine Wahrnehmung, sein Erleben und sein Verhalten. Typische Symptome sind Störungen des Gedächtnisses, der Merkfähigkeit, des Denkens, der Sprache, der Wahrnehmung, der logischen Argumentation und des Verhaltens. Oft beginnt es mit Vergesslichkeit: Gegenstände werden verlegt, Termine verpasst, Namen und Worte vergessen. Betroffene können in fremden Umgebungen zunehmend orientierungslos sein.
Im weiteren Verlauf nehmen die Beeinträchtigungen im Denkvermögen zu. Erinnerungen aus dem Langzeitgedächtnis verblassen, Gegenstände verlieren ihre Bedeutung, Sprachstörungen treten auf, und auch körperlich baut der oder die Demenzkranke ab. Persönlichkeitsveränderungen und Verhaltensstörungen, wie Aggressivität, Streitlust, Ablehnung, starke Anhänglichkeit und Angstreaktionen, können für Familie und Freunde sehr belastend sein. Manche Betroffenen leben wieder in ihrer Kindheit oder Jugend und erkennen Angehörige nicht mehr.
Demenz oder Altersvergesslichkeit?
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jede Vergesslichkeit auf eine Demenz hindeutet. Nur ein Arzt kann feststellen, ob es sich um normale Altersvergesslichkeit, eine Demenz oder eine andere Erkrankung wie Depression handelt.
Anonyme Selbsttests zur ersten Orientierung
Bei Verdacht auf Demenz können anonyme Selbsttests eine erste Orientierung bieten. Diese Tests, oft in Form von Fragebögen, können helfen, Symptome besser einzuschätzen. Beispiele hierfür sind der Online-Selbsttest der AOK oder der Fragebogen „Ist es Demenz?“. Es ist jedoch entscheidend zu verstehen, dass solche Tests keinen Arztbesuch ersetzen.
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Risiken von Selbsttests
Selbsttests bergen Risiken, da sie unvollständige Informationen liefern können und die Gefahr falscher Ergebnisse besteht. Demenzen wie Alzheimer erfordern eine umfassende Diagnose durch Fachleute, einschließlich persönlicher Gespräche, körperlicher Untersuchungen, medizinischer Demenztests und bildgebender Verfahren, um andere Ursachen wie Depressionen oder Tumore auszuschließen. Zudem fehlt bei Selbsttests die wichtige medizinische und psychologische Begleitung.
Diagnose durch den Arzt
Deutet ein Selbsttest auf eine Demenz hin, ist ein Arztbesuch unerlässlich. Die erste Anlaufstelle ist der Hausarzt, der den Patienten oft schon lange kennt und Veränderungen gut einschätzen kann. Bei Verdacht auf Demenz erfolgt eine Überweisung zu einem Facharzt für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie oder Geriatrie.
Diagnoseverfahren
Verschiedene Diagnoseverfahren kommen zum Einsatz:
- Mini-Mental-Status-Test (MMST): Ein bekannter Fragebogentest, der Merk- und Rechenaufgaben umfasst.
- Uhrentest: Ein einfacher Test, bei dem der Patient eine Uhr zeichnen soll.
- DemTect: Ein kurzes und einfaches Verfahren zur Demenz-Erkennung.
- Montreal-Cognitive-Assessment-Test (MoCa-Test): Ein umfassenderer Test, der von geschultem Personal durchgeführt werden sollte.
- Test zur Früherkennung von Demenzen mit Depressionsabgrenzung (TFDD): Um eine Depression als mögliche Ursache auszuschließen.
- Syndrom-Kurztest (SKT): Erfasst Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, der Aufmerksamkeit und der Informationsverarbeitung.
- CT und MRT: Bildgebende Verfahren, die Einblicke in das Gehirn geben und Demenzauslöser wie Durchblutungsstörungen und Schlaganfälle erkennen lassen.
- Untersuchung von Blut und Nervenwasser: Eine Blutabnahme erfolgt, um behandelbare Ursachen wie Vitaminmangel zu erkennen. Eine Analyse des Nervenwassers kann die Konzentration von Beta-Amyloid und Tau-Protein ermitteln, die bei der Entstehung von Demenz eine Rolle spielen.
Bedeutung der Früherkennung
Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, da eine effektive Demenztherapie den Verlauf der Krankheit verzögern kann. Zudem bietet die Diagnose eine Erklärung für bislang unerklärliches Verhalten und andere Auffälligkeiten.
Therapie und Behandlung
Obwohl Demenz nicht heilbar ist, gibt es Möglichkeiten, den Verlauf zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Dazu gehören medikamentöse Therapien, Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie.
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Demenz vorbeugen?
Studien zeigen, dass ein gesunder Lebensstil das persönliche Risiko, an Demenz zu erkranken, deutlich senken kann. Bis zu 45 Prozent aller Demenzerkrankungen könnten durch einen gesunden Lebensstil und die Beeinflussung von Risikofaktoren verhindert oder hinausgezögert werden. Bewegung, gesunde Ernährung, soziale Kontakte und geistige Aktivität spielen dabei eine zentrale Rolle.
Unterstützung für Betroffene und Angehörige
Die Diagnose Demenz ist für die gesamte Familie eine Herausforderung. Es gibt jedoch zahlreiche Unterstützungsangebote:
- Pflegeberatung der AOK: Hilft bei der Erstellung eines individuellen Versorgungsplans und unterstützt bei der Organisation.
- Familiencoach Pflege der AOK: Ein Online-Selbsthilfeprogramm für pflegende Angehörige.
- digiDEM Bayern-Angehörigenampel: Ein kostenloser und anonymer Online-Selbsttest zur Einschätzung der persönlichen Belastung pflegender Angehöriger.
- Gedächtnissprechstunden und Memory-Kliniken: Bieten Beratung und Unterstützung für Betroffene und Angehörige. Eine gute Auflistung finden Sie bei der Selbsthilfe Übersicht der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.
- Regionale Anlaufstellen: Bieten Unterstützung und Aufklärung zum Thema Demenz.
- Initiative „Demenz braucht Dich“: Eine Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit, die das Ziel hat, das Wissen über Demenz in der Bevölkerung zu erhöhen und den Umgang mit Betroffenen zu verbessern.
- Pflegestützpunkte: Bieten Beratung und Unterstützung rund um das Thema Pflege.
- Seniorenbeiräte: Setzen sich für die Belange älterer Menschen ein und bieten Informationen und Veranstaltungen. Ein Beispiel ist der Seniorenbeirat der Stadt Augsburg.
Verschiedene Formen von Demenz
Es gibt mehr als 50 verschiedene Krankheitsbilder, die sich unter dem Oberbegriff Demenz einordnen. Die häufigsten Formen sind:
- Alzheimer: Stehen Gedächtnisstörungen im Vordergrund.
- Vaskuläre Demenz: Eher Konzentrationsschwäche und Antriebsminderung.
Jede dieser Demenzen hat ein leicht verändertes Symptombild.
Anonymes Online-Tool zur Risikoeinschätzung
Ein Forschungsteam der englischen Universität Oxford hat ein neues Instrument vorgestellt, das eine Einschätzung des Demenzrisikos innerhalb der nächsten 14 Jahre ermöglicht. Das Tool basiert auf etablierten Risikofaktoren und ist öffentlich zugänglich. Es dient jedoch lediglich zu Veranschaulichungszwecken und ist nicht für klinische Anwendungen geeignet.
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