Memantin bei Alzheimer: Wirkung, Nebenwirkungen und aktuelle Erkenntnisse

Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die mit einem Verlust kognitiver Funktionen einhergeht. Memantin ist ein Medikament, das zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz eingesetzt wird. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkungsweise von Memantin, die empfohlene Dosierung, mögliche Nebenwirkungen und aktuelle Forschungsergebnisse zu seiner Wirksamkeit.

Wirkungsweise von Memantin

Memantin ist ein nicht-kompetitiver NMDA-Rezeptorantagonist. Das bedeutet, dass es die Wirkung von Glutamat, einem Neurotransmitter im Gehirn, reguliert. Glutamat ist wichtig für die Signalübertragung zwischen Nervenzellen. Bei Alzheimer-Patienten kann es jedoch zu einem Überschuss an Glutamat kommen, der Nervenzellen schädigen kann. Memantin blockiert die NMDA-Rezeptoren, wodurch die schädliche Wirkung von übermäßigem Glutamat reduziert wird, ohne die normale Signalübertragung zu stören. Es greift in die Übermittlung von Signalen im Gehirn ein, indem er die Wirkung von bestimmten, krankhaft im Übermaß vorhandenen Botenstoffen reguliert.

Anwendungsgebiete und Dosierung von Memantin

Memantin ist zugelassen für die Behandlung von Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz. Es soll die kognitiven Fähigkeiten, den Antrieb, die soziale Kompetenz und die Funktionen des täglichen Lebens verbessern.

Die Dosierung von Memantin wird in der Regel von einem Arzt langsam erhöht, um eine passende Erhaltungsdosis einzustellen. Für die einzelnen Dosierungsschritte stehen Arzneimittel mit verschiedenen Wirkstoffstärken zur Verfügung. Abhängig von der Erkrankung und dem Stadium der Behandlung, wird das Arzneimittel von Ihrem Arzt in der Regel folgendermaßen dosiert:

  • Behandlungsbeginn (1.-7. Tag der Therapie):
    • Erwachsene: 1 Tablette (5 mg) einmal täglich.
  • Folgebehandlung (8.-14. Tag der Therapie):
    • Erwachsene: 1 Tablette (10 mg) einmal täglich.
  • Folgebehandlung (15.-21. Tag der Therapie):
    • Erwachsene: 1 Tablette (15 mg) einmal täglich.
  • Erhaltungsdosis (ab 22. Tag der Therapie):
    • Erwachsene: 1 Tablette (20 mg) einmal täglich.

Die Einnahme erfolgt einmal täglich, möglichst zur gleichen Zeit, unabhängig von der Nahrungsaufnahme. Die Gesamtdosis sollte nicht ohne Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker überschritten werden. Das Arzneimittel wird mit Flüssigkeit eingenommen, z.B. mit einem Glas Wasser.

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Bei Patienten mit Nierenfunktionsstörung muss die Dosis gegebenenfalls reduziert werden. Bei einer mittelschweren Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance unter 50 ml/min) wird die halbe tägliche Dosis gegeben. Bei guter Verträglichkeit über mindestens sieben Tage kann auf 20 mg pro Tag auftitriert werden. Bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance 5 bis 29 ml/min) sollte die Dosis von 10 mg beibehalten werden.

Die Anwendungsdauer richtet sich nach Art der Beschwerde und/oder Dauer der Erkrankung und wird deshalb nur von Ihrem Arzt bestimmt. Prinzipiell ist die Dauer der Anwendung zeitlich nicht begrenzt, das Arzneimittel kann daher längerfristig angewendet werden.

Gegenanzeigen und wichtige Hinweise

Memantin darf nicht eingenommen werden bei Überempfindlichkeit gegen die Inhaltsstoffe. Unter Umständen sollte vor der Einnahme ein Arzt oder Apotheker konsultiert werden bei:

  • Bluthochdruck
  • Herzerkrankungen (z.B. Herzinfarkt, der erst kurze Zeit zurückliegt, Herzschwäche)
  • Neigung zu Krampfanfällen (z.B. Epilepsie)
  • Eingeschränkter Leberfunktion

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren dürfen das Arzneimittel nicht anwenden.

In der Schwangerschaft sollte Memantin nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt eingenommen werden. Während der Stillzeit wird von einer Anwendung abgeraten.

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Das Reaktionsvermögen kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch beeinträchtigt sein. Daher ist Vorsicht geboten bei der Teilnahme am Straßenverkehr und der Bedienung von Maschinen. Die Einnahme von Alkohol sollte vermieden werden.

Es ist wichtig, den Arzt oder Apotheker über alle eingenommenen Medikamente zu informieren, da es zu Wechselwirkungen kommen kann. Die gleichzeitige Anwendung von Memantin mit NMDA-Antagonisten wie Amantadin, Ketamin oder Dextromethorphan sollte vermieden werden.

Nebenwirkungen von Memantin

Wie alle Medikamente kann auch Memantin Nebenwirkungen verursachen. Häufige Nebenwirkungen sind:

  • Allergische Reaktionen
  • Schläfrigkeit
  • Schwindel
  • Gleichgewichtsstörung
  • Bluthochdruck
  • Kurzatmigkeit (Dyspnoe)
  • Verstopfung
  • Anstieg der Leberfunktionswerte
  • Kopfschmerzen
  • Pilzinfektionen

Gelegentlich können Verwirrtheit und Halluzinationen auftreten, vor allem bei schwerer Demenzerkrankung.

Bei einer Überdosierung kann es unter anderem zu Müdigkeit, Durchfall, Benommenheit, Schwindel, Aggressionen oder Gangstörungen kommen. Setzen Sie sich bei dem Verdacht auf eine Überdosierung umgehend mit einem Arzt in Verbindung.

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Wenn während der Behandlung eine Befindlichkeitsstörung oder Veränderung bemerkt wird, sollte ein Arzt oder Apotheker konsultiert werden.

Aktuelle Forschungsergebnisse und Studienlage

Die Wirksamkeit von Memantin bei der Behandlung der Alzheimer-Demenz ist Gegenstand aktueller Forschung. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat in einem Abschlussbericht festgestellt, dass es keine wissenschaftlichen Belege dafür gibt, dass Patienten mit mittelschwerer oder schwerer Alzheimer-Demenz von Medikamenten profitieren, die den Wirkstoff Memantin enthalten. Allerdings zeigen andere Studien, dass Memantin den Abbau geistiger Fähigkeiten leicht verlangsamen und möglicherweise auch alltagspraktische Fähigkeiten länger erhalten kann.

Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2019 kommt zu dem Schluss, dass Memantin eine kleine nutzbringende Wirkung bei Menschen mit mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Krankheit haben kann, insbesondere in Bezug auf das Denken, die Ausübung von Alltagsaktivitäten sowie auf die Schwere der Verhaltens- und Stimmungsprobleme.

Es gibt auch Hinweise darauf, dass die Zugabe von Memantin zur etablierten Behandlung mit Acetylcholinesterase-Hemmern die Progression der Erkrankung verlangsamen kann.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Studienlage zu Memantin insgesamt noch unzureichend ist. Es fehlen Studien mit längerer Laufzeit, die es ermöglichen, die langfristigen Auswirkungen einer Memantin-Therapie einzuschätzen.

Alternativen und ergänzende Behandlungen

Neben Memantin gibt es weitere Medikamente, die zur Behandlung der Alzheimer-Demenz eingesetzt werden, insbesondere Acetylcholinesterasehemmer wie Donepezil, Galantamin und Rivastigmin. Diese Wirkstoffe sind zur Behandlung leichter bis mittelschwerer Symptome zugelassen.

In der Selbstmedikation kommen vor allem Extrakte aus Blättern des Ginkgobaums zum Einsatz, es gibt Hinweise darauf, dass diese die Kognition bei leichten bis mittelschweren Krankheitsbildern verbessern.

Zusätzlich zu medikamentösen Behandlungen spielen nicht-medikamentöse Therapieansätze eine wichtige Rolle, wie z.B. Gedächtnistraining, Förderung von sozialen Aktivitäten und die Unterstützung von Angehörigen.

Eine weitere Behandlungsoption ist die Transkranielle Pulsstimulation (TPS), ein wissenschaftlich immer besser geprüftes und untersuchtes Behandlungsverfahren. Die niedrigenergetischen Stoßwellen-Pulse infiltrieren den menschlichen Organismus nicht wie medikamentöse Mittel, sondern aktivieren und fördern die Regenerationsfähigkeit des Gehirns und sind somit ein rein unterstützendes Verfahren für körpereigene Regulierungsprozesse. Dabei ist die Transkranielle Pulsstimulation eine additive Behandlungsform, die als ergänzende Maßnahme zur bestehenden Medikation der Patient:innen eingesetzt wird.

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