Wolfgang Schneider und die Alzheimer-Forschung: Ein Engagement für Betroffene und Angehörige

Die Alzheimer-Krankheit stellt eine der größten Herausforderungen unserer alternden Gesellschaft dar. In Deutschland sind schätzungsweise 1,2 Millionen Menschen von Alzheimer betroffen, einer von über 50 bekannten Formen von Demenz-Erkrankungen. Über 90 Prozent der Betroffenen werden zu Hause von ihren Angehörigen gepflegt, was eine immense Belastung darstellt. Die stetig fortschreitende Krankheit erfordert eine „Rund um die Uhr Pflege“, wobei sich die Krankheit individuell unterschiedlich entwickelt. Angehörige benötigen daher dringend Unterstützung und Hilfe, um den Belastungen, die mit der Krankheit einhergehen, gewachsen zu sein.

Das Alzheimer-Gespräch: Ein Forum für pflegende Angehörige

Das Alzheimer-Gespräch dient als Forum für pflegende Angehörige von Demenz-Erkrankten. Der Erfahrungs- und Informationsaustausch ist gerade bei dieser Krankheit besonders wichtig. Nur wer sich auch um das eigene Wohl kümmert, kann seinen Angehörigen pflegen. Entlastungsmöglichkeiten sind dabei ebenso notwendig wie seelischer Beistand.

Themen und Gäste im Alzheimer-Gespräch

In den verschiedenen Ausgaben des Alzheimer-Gesprächs werden unterschiedliche Themen behandelt und Experten eingeladen. So fassen Gabriela Zander-Schneider und Wolfgang Schneider in einer Ausgabe Höreranfragen zusammen. Im Mittelpunkt stehen Entlastungsangebote wie Familienentlastende Dienste, ambulante Tagespflege oder stationäre Kurzzeitpflege. Auch Themen zur Gedächtnis-Ambulanz und Medikation werden behandelt.

Regelmäßig zu Gast ist der Kölner Alzheimer-Experte und Nervenarzt Hans-Joachim Schirmer. Er erklärt, wie man eine beginnende Demenz bzw. Alzheimer-Erkrankung erkennt und beantwortet häufige Fragen pflegender Angehöriger. Neben Verhaltensauffälligkeiten sind innere Unruhe, Orientierungsschwierigkeiten und Weglauftendenzen die zumeist geschilderten Probleme. Er erklärt die Hintergründe bei Weglauftendenzen, zeigt auf, was es mit dem sogenannten „Sundown-Syndrom“ auf sich hat und warum Patienten, die Deutsch als zweite Sprache erst spät gelernt haben, diese zunehmend vergessen.

Weitere Gäste sind beispielsweise eine Ehefrau, die ihren an Alzheimer Demenz erkrankten Mann zu Hause pflegt, der Leiter einer Kölner Tagespflegeeinrichtung oder Frau Meyer zu Allendorf, Mitarbeiterin des gerontopsychiatrischen Beratungszentrums Köln-Mülheim. Auch Pflegeexperte Werner Schell, der sich seit vielen Jahren für menschenwürdige Pflege einsetzt, ist zu Gast. Bei einem Gespräch stehen die Fragen am Ende des Lebens im Mittelpunkt: Wie sehen die gesetzlichen Grundlagen für Sterbehilfe aus? Was ist aktive und was ist passive Sterbehilfe?

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Burn-out in der Pflege und Unterstützung für Berufstätige

Viele pflegende Angehörige von Alzheimer-Patienten leiden unter Burn-out. Häufig zerreiben sie sich in der anstrengenden Rund-um-die-Uhr-Pflege und vergessen darüber die eigenen Bedürfnisse. Doch es gibt zahlreiche Wege und Hilfen, wie man dem „Burn-out“-Syndrom vorbeugen kann.

Auch jüngere Alzheimer-Patienten, die im Alter von 50 oder 60 Jahren erkranken, haben mit zusätzlichen Problemen zu kämpfen, da sie oft noch im Berufsleben stehen. Es stellen sich Fragen wie: Wie rechtskräftig ist eine Kündigung des Arbeitsgebers aufgrund der Krankheit? Muss man bei Bekanntwerden der Diagnose den Arbeitgeber informieren? Rechtsanwalt Alexander Strähnz beantwortet regelmäßig Fragen zum Betreuungsrecht, wobei die Vorsorge im Fokus steht. Beim zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer sollte man seine Vorsorgevollmacht registrieren lassen. Im Ernstfall erhält z.B. Wann wird eine Betreuung eingerichtet und wer übernimmt dieses Amt?

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft und weitere Initiativen

Hans Jürgen Freter, stellvertretender Bundesgeschäftsführer der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, ist ebenfalls zu Gast. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft setzt sich bundesweit für die Interessen von Demenzerkrankten und ihren Angehörigen ein. Zu den satzungsgemäßen Aufgaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) gehört auch die Unterstützung der wissenschaftlichen Forschung. Die DAlzG unterstützt deshalb regelmäßig Forschungsvorhaben im Bereich Demenz. Die DAlzG schreibt alle zwei Jahre eine Forschungsförderung im Bereich der Versorgungsforschung aus.

Im Rahmen des Projektes PraWiDem, wurde 2022 eine Arbeitsgruppe Demenz und Forschung aufgebaut. Sie hat das Projekt kontinuierlich begleitet und einmal im Monat aktuelle Forschungsfragen diskutiert.

Erfahrungen und Berichte von Betroffenen und Angehörigen

Frau Douglas-Hillmann aus Berlin berichtet über den 4-wöchigen Aufenthalt mit ihrem demenzkranken Ehemann im Alzheimer-Therapiezentrum Bad Aibling. Christa hat ihren an Alzheimer erkrankten Mann über 10 Jahre zuhause gepflegt. In einer Angehörigengruppe erhielt sie erstmals praxistaugliche Informationen über den Verlauf der Erkrankung und Entlastungsangebote in der Nähe. Ihr Mann, ein im Ausland erfolgreicher Chirurg erlernte die deutsche Sprache erst in fortgeschrittenem Alter, als vierte Fremdsprache. Die Fähigkeit, sich auf Deutsch zu unterhalten oder auszudrücken ging als erste verloren. Aufgrund der fortschreitenden Alzheimer Krankheit und einer Parkinson-Erkrankung war letztlich eine Heimunterbringung unausweichlich. Christa ist ihrer Angehörigengruppe treu geblieben und gibt ihre Erfahrungen an andere pflegende Angehörige weiter.

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Hannelore hat lange Zeit ihren erkrankten Mann zu Hause versorgt, bis es eines Tages unvermeidlich war, ihn in einer stationären Einrichtung unterzubringen. Stefan Kleinstück gibt uns einen Einblick in die Arbeit der Landesinitiative Demenz-Service NRW und stellt das Projekt „Wir tanzen wieder!“ vor. Hier treffen sich Demenzkranke und ihre Angehörigen einmal im Monat zum gemeinsamen Tanzen in einer Tanzschule.

Wohnen und Pflege im Alter

Eine Mitarbeiterin der Wohnberatung „wohn mobil Köln“ zeigt an verschiedenen Beispielen auf, wie viele Probleme schon mit wenig Kosten und Aufwand beseitigt werden können. Eine Demenzerkrankung stellt besondere Bedingungen an den Wohnraum.

Herr Wagner, engagierter Leiter eines Seniorenzentrums berichtet wie in seiner Einrichtung auf die Bedürfnisse von Demenzkranken eingegangen wird. Abgestimmt auf die Bedürfnisse der Bewohner gehen die Uhren dort anders.

Gewalt in der Pflege und Palliativversorgung

Prof. Dr. Dr. Rolf D. Hirsch, Chefarzt der Abt. für Gerontopsychiatrie, Bonn und Gründer der Initiative „Handeln statt Misshandeln“ spricht mit uns über ein Tabu-Thema „Gewalt in der Pflege“. Wie schnell es zu Gewalttätigkeiten in der häuslichen wie auch stationären Pflege kommen kann erfahren Sie in der heutigen Sendung. Wohin wendet man sich, wenn man Hilfe braucht? Wie kann man Eskalationen verhindern?

Jeder Mensch mit einer schweren chronischen Krankheit, mit begrenzter Lebenserwartung oder starker Gebrechlichkeit hat einen Anspruch auf Palliativversorgung.

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Forschung und Früherkennung

Prof. Kessler, Neuropsychologe an der medizinischen Fakultät der Universität Köln erläutert, was es mit der sogenannten „Nonnenstudie“ aus den USA auf sich hat. Er berichtet über neueste Ergebnisse der Forschung.

Mit speziellen Testaufgaben auf dem Smartphone lassen sich „leichte kognitive Beeinträchtigungen“ - die auf eine Alzheimer-Erkrankung hindeuten können - mit hoher Genauigkeit erkennen.

Auszeichnungen für Engagement

Herr Wolfgang J. Schneider wurde durch den Bundespräsidenten Joachim Gauck mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Seit eineinhalb Jahrzehnten setzt sich Wolfgang J. Schneider erfolgreich dafür ein, dass das Thema Alzheimer Demenz mit all seinen Facetten in der Öffentlichkeit Beachtung findet. Darüber hinaus ist Wolfgang J. Schneider seit 10 Jahren 1. Zahlreiche Forschungsprojekte wurden u.a. durch seine Anregung und Mitwirkung erfolgreich durchgeführt. Mit der Verleihung der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Wolfgang J. Schneider und des Bundesverdienstkreuzes an seine Ehefrau Gabriela Zander-Schneider ist somit ein Ehepaar für das gemeinsame, außergewöhnliche soziale Engagement für demenzkranke Menschen und ihre Pflegenden ausgezeichnet.

Aktuelle Initiativen und Veranstaltungen

In Köln fand zum ersten Mal in Nordrhein-Westfalen ein „Demenz Meet“ statt. Am 21. Experten. Im September 2024 findet ein Online-Schulungskurs für Angehörige und Interessierte „Leben mit Demenz Digital“ statt. „Leben mit Demenz Digital“ wird in Form von Videokonferenzen realisiert. Am 21.09.2024 veranstalten die Regionalbüros Alter, Pflege und Demenz NRW zusammen mit vielen weiteren lokalen und landesweiten Akteuren in der Motorworld in Köln zum ersten Mal ein Demenz Meet.

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