Ständig gereizt? Diese Frage müssten unsere Nervenzellen wohl eindeutig mit Ja beantworten. Doch auch wenn sie dauernd unter Strom stehen, ist von Chaos im Nervensystem keine Spur. Mit höchster Präzision und Schnelligkeit arbeiten Milliarden von Nervenzellen koordiniert zusammen, um Informationen auszutauschen und uns so Handlungen, Gedanken und Emotionen zu ermöglichen. Nervenzellen, auch Neuronen genannt, sind die grundlegenden Bausteine unseres Nervensystems. Sie sind hochspezialisierte Zellen, die für die Aufnahme, Weiterleitung und Verarbeitung von Nervenimpulsen zuständig sind (sog. Erregungsleitung). Damit die Nervenzellen ihre Funktion als Kommunikationsspezialisten gut erfüllen können, sind sie zu einem großen Netzwerk, dem Nervensystem zusammengeschaltet. Allein in unserem Gehirn, dem Schalt- und Kontrollzentrum des Nervensystems, sind rund 100 Milliarden Nervenzellen im Einsatz.
Grundlegender Aufbau einer Nervenzelle
Alle Nervenzellen bestehen aus einem Zellkörper (Soma) mit Dendriten, das sind fein verzweigte Fortsätze des Zellkörpers der Nervenzelle. Der Zellkörper enthält auch den Zellkern. Der Zellkörper besitzt einen langen, dünnen Fortsatz, der als Axon der Nervenzelle bezeichnet wird. Der Axonhügel bildet den Übergang zwischen Soma und Axon. Das Axon ist von Hüllzellen (Schwannsche Zellen) umwickelt. An einigen Stellen fehlt diese Umwicklung. Die frei bleibenden Stellen tragen die Bezeichnung Schnürringe. Das Axon endet mit dem Endknöpfchen, das mit benachbarten Nervenzellen oder Muskelzellen in Verbindung steht. Der hier beschriebene und gezeigte Aufbau einer Nervenzelle ist der einer multipolaren Nervenzelle.
Eine Nervenzelle ist aus folgenden Bestandteilen aufgebaut: Dendriten, Zellkörper, Axon, Schnürringen, Hüllzellen und Endknöpfchen.
Der Aufbau einer Nervenzelle ist komplex und faszinierend zugleich. Im Folgenden werden die einzelnen Bestandteile und ihre Funktionen genauer erläutert.
Zellkörper (Soma)
Der Zellkörper eines Neurons, auch Soma genannt, ist der zentrale Teil der Zelle, der den Zellkern und andere Organellen enthält. Diese Struktur ist wichtig für den Erhalt der Zellfunktion und das Verarbeiten eingehender Signale. Der Zellkörper der Nervenzelle, auch Soma genannt, enthält den Zellkern sowie alle Zellorganellen, die für die Funktionsfähigkeit der Zelle wichtig sind, darunter Nissl-Schollen, Golgi-Apparat und Mitochondrien. Von letzteren ist das Neuron aufgrund seines hohen Energiebedarfs in besonderem Maße abhängig. Das Soma wird auch als Perikaryon bezeichnet.
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Dendriten
Dendriten sind kurze, verästelte Fortsätze, die vom Soma ausgehen. Sie dienen als Empfänger für Signale von anderen Neuronen oder sensorischen Rezeptoren. Dendriten sind feine Verästelungen des Zellkörpers (sog. Zellfortsätze), die über Synapsen mit anderen Nervenzellen in Kontakt stehen. Sie empfangen deren Signale und leiten sie anschließend an den Zellkörper weiter. Dendriten stellen also gewissermaßen die Antennenregion der Nervenzelle dar. Ein Neuron kann mehr als tausend Dendriten haben, was ihm die Fähigkeit verleiht, gleichzeitig Signale von zahlreichen anderen Neuronen zu verarbeiten.
Axon
Als Axon bzw. Neurit wird der Neuron Fortsatz bezeichnet, der aus dem Axonhügel hervorgeht und die elektrischen Impulse vom Zellkörper zum Ende der Nervenzelle leitet. Das Axon ist ein langer, schlanker Fortsatz, der elektrische Signale vom Zellkörper zu anderen Zellen, wie Neuronen, Muskeln oder Drüsen, leitet. Es ist die primäre Leitung für Informationsübermittlung innerhalb des Nervensystems. Im Gegensatz zu den kürzeren Dendriten kann die Länge des Axons je nach Funktion und Lokalisation der Nervenzelle bis zu einem Meter und mehr betragen. Ein Axon kann beim Menschen bis zu einem Meter lang sein.
Axonhügel
Der Axonhügel bildet den Ursprung des Axons am Zellkörper der Nervenzelle. Hier werden die einkommenden elektrischen Impulse gesammelt und verrechnet, bis sie eine bestimmte Schwelle überschreiten. Haben sie das sogenannte Schwellenpotenzial erreicht, wird der Reiz (Aktionspotenzial) über das Axon zur nächsten Zelle weitergeschickt. Die elektrischen Signale werden hier solange gesammelt und summiert, bis eine bestimmte Schwelle oder ein Schwellenpotential überschritten wird. Erst dann wird ein Signal an das Axon weitergeleitet. Diese Signale nennst du Aktionspotentiale. Das verhindert, dass unser Körper jedes kleinste Signal weiterleitet.
Myelinscheide und Schwannsche Zellen
Um die Effizienz der Signalübertragung zu erhöhen, sind viele Axone von einer Myelinscheide umhüllt. Diese aus Lipiden bestehende Schicht isoliert das Axon und ermöglicht eine schnellere Signalweiterleitung. Schwannsche Zellen sind Stütz- und Hüllzellen der Neuronen im peripheren Nervensystem. Sie sind nicht direkt an der Reizweiterleitung beteiligt, sondern haben die Aufgabe, die Nervenzelle zu stabilisieren und zu ernähren. Während der Embryonalentwicklung winden sich diese mehrmals um die Axone. Die dabei entstehende Ummantelung wird als Myelinscheide oder auch Schwann-Scheide bezeichnet.
Als Myelinscheide oder Markscheide wird die von Schwannschen Zellen gebildete elektrische Isolationsschicht bezeichnet. Wie ein Verband legt sie sich um das Axon der Neuronen des peripheren Nervensystems herum und sorgt so nicht nur für deren Schutz, sondern auch für die Beschleunigung der Erregungsleitung. Im zentralen Nervensystem (ZNS), also dem Gehirn und Rückenmark, werden die Nervenzellen ebenfalls von einer Myelinscheide umgeben.
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Ranviersche Schnürringe
Entlang des Axons ist die Myelinscheide immer wieder durch freiliegende Axonbereiche, die sogenannten Ranvierschen Schnürringe, unterbrochen. Freiliegende Abschnitte der Axonmembran nennt man Ranvier-Schnürringe. Diese Unterbrechungen ermöglichen es dem elektrischen Impuls, über längere umhüllte Bereiche zu springen und so eine höhere Geschwindigkeit zu erlangen. Den nicht-umhüllten Bereich eines Axons nennst du Ranvierschen Schnürring. erhöht wird. Denn die Erregung kann auch von einem Schnürring zum nächsten „springend“ weitergeleitet werden.
Synaptische Endknöpfchen und Synapsen
Synaptische Endknöpfchen bilden das Ende der Nervenzelle, an dem mithilfe von Synapsen ankommende elektrische Signale zur nächsten Nervenzelle oder einer anderen Zelle (z. B. Meist wird das elektrische Potenzial dazu in sogenannten Neurotransmitter (Nervenbotenstoffe) „umgewandelt“. Die synaptischen Endknöpfchen bilden das Ende eines Neurons. Das elektrische Signal wird hier auf die nächste Nervenzelle oder zum Beispiel auf eine Sinnes- oder Muskelzelle übertragen. Dazu wird das elektrische Signal meist in ein chemisches Signal umgewandelt. Die Verbindung am Ende einer Nervenzelle mit einer anderen Zelle nennst du Synapse. In den meisten Fällen sind das chemische Synapsen. Das Endknöpfchen setzt chemische Moleküle in den synaptischen Spalt - die Lücke zwischen den zwei Zellen - frei. Dort binden sie an Rezeptoren und geben die Erregung weiter.
Funktion der Nervenzelle: Reizweiterleitung und Kommunikation
Die Nervenzellen sind also für die Weiterleitung von Reizen verantwortlich. Die Aufgabe einer Nervenzelle ist also die Reizweiterleitung. Nervenzellen, die Reize von den Sinnesorganen zum Gehirn weiterleiten, werden als sensorische Nervenzellen bezeichnet. Motorische Nervenzellen leiten Befehle vom Gehirn zu den Muskeln. Die Dendriten stehen mit Sinneszellen oder anderen Nervenzellen in Kontakt. Am Axonhügel werden alle Signale, die in eine Nervenzelle eingehen, gesammelt.
Reize, die wir z. B. mit unseren Sinnesorganen aufnehmen, werden in elektrische Signale übersetzt. Diese Signale werden über die Nervenzellen an das Gehirn weitergeleitet.
Nehmen wir an, jemand tippt dir von hinten auf die Schulter. Die Dendriten der Nervenzelle leiten den Reiz zum Zellkörper weiter. Die Erregung durch das Antippen ist stark genug, dass am Axonhügel ein Aktionspotential entsteht. An der chemischen Synapse wird das elektrische Signal in ein chemisches Signal umgewandelt. Dazu setzen die synaptischen Endknöpfchen chemische Moleküle (Neurotransmitter) in den synaptischen Spalt frei. Die Moleküle binden an Rezeptoren auf der anderen Seite des Spalts. Das führt zur Entstehung eines elektrischen Signals in der nächsten Zelle. Das Signal wird so über Nervenzellen bis in dein Gehirn geleitet. Dort wird es verarbeitet und das Gehirn erhält das Signal „Du wurdest berührt“.
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Informationsweiterleitung durch Aktionspotentiale
Die Übertragung von Informationen innerhalb eines Neurons erfolgt hauptsächlich durch elektrische Impulse, auch Aktionspotenziale genannt. Diese Impulse werden über das Axon weitergeleitet und durch Öffnen und Schließen von speziellen Ionenkanälen erzeugt.
Diese Kanäle lassen spezifische Ionen durch die Zellmembran strömen und verändern somit das elektrische Potential der Zelle. Dies führt zu einem fortlaufenden Strom, welcher das Aktionspotenzial zur Präsynapse des Axons transportiert. Ein Aktionspotential entsteht grob gesagt durch den Einstrom positiv geladener Ionen. Dies führt zu einer rapiden Umkehrung des Membranpotenzials, sodass die Innenseite der Zelle nun positiver geladen ist, als die Außenseite. Anschließend leiten die aktivierten Neuronen das Aktionspotenzial über ihre Axone weiter. Das Axon endet meist in Verbindungsstellen (Synapsen), wo das elektrische Signal einen weiteren Mechanismus auslöst. Oft führt das Signal zur Ausschüttung von Neurotransmittern Diese Neurotransmitter werden anschließend in den synaptischen Spalt freigesetzt und binden an spezifische Rezeptoren auf der Membran der Zielzelle.
Nervenzellen können mit Geschwindigkeiten von bis zu 120 Metern pro Sekunde Signale weiterleiten.
Kommunikation zwischen Nervenzellen an den Synapsen
Die Kommunikation zwischen Nervenzellen erfolgt an den Synapsen. An diesen Kontaktstellen wird das elektrische Signal in ein chemisches Signal umgewandelt. Neurotransmitter, chemische Botenstoffe, werden in den Synaptischen Spalt freigesetzt und wandern zur Postsynapse des nächsten Neurons. Diese chemische Kommunikation ist entscheidend für die Feinabstimmung und Anpassungsfähigkeit der Informationsübertragung zwischen Neuronen. Die empfangenden Rezeptoren auf der Postsynapse erkennen und binden diese Neurotransmitter, was zu einem neuen elektrischen Signal in der nächsten Zelle führt.
Ein einzelnes Neuron kann mit Tausenden anderer Neuronen über Synapsen verbunden sein, was eine extrem komplexe Kommunikationsstruktur schafft.
Neurotransmitter: Botenstoffe der Nervenzellen
Neurotransmitter sind chemische Substanzen, die eine essentielle Rolle bei der Kommunikation zwischen Nervenzellen spielen. Sie ermöglichen die Übertragung von Signalen über den synaptischen Spalt und beeinflussen so zahlreiche Körperfunktionen.
Neurotransmitter sind in vesikulären Strukturen innerhalb der Präsynapse gespeichert. Bei der Ankunft eines Aktionspotenzials werden sie in den synaptischen Spalt freigesetzt und binden an Rezeptoren auf der Postsynapse der nächsten Zelle. Zu den wichtigen Neurotransmittern gehören:
- Acetylcholin - beteiligt an Muskelbewegungen
- Dopamin - spielt eine Rolle bei Belohnung und Motivation
- Serotonin - beeinflusst Stimmung und Schlaf
- Glutamat - der Hauptexzitatorische Neurotransmitter
- GABA (Gamma-Aminobuttersäure) - der wichtigste inhibitorische Neurotransmitter im Gehirn
Diese Botenstoffe bestimmen die Reaktion der nachfolgenden Zelle und haben weitreichende Auswirkungen auf Verhalten und Empfindungen. Der Mensch hat über 100 verschiedene Arten von Neurotransmittern.
Rolle der Neurotransmitter
Neurotransmitter spielen eine Schlüsselrolle in der Regulierung des Nervensystems. Sie beeinflussen:
- Emotionen und Verhalten
- Motorische Kontrolle
- Körperliche Reaktionen auf Stress
- Kognitive Funktionen wie Lernen und Gedächtnis
Funktionsstörungen im Neurotransmitterhaushalt können zu neurologischen und psychischen Erkrankungen führen. Ein Defizit an Dopamin ist stark mit der Entwicklung von Parkinson-Krankheit verbunden, während Ungleichgewichte bei Serotonin häufig mit Depression in Verbindung gebracht werden.
Die Untersuchung von Neurotransmittersystemen hat dazu geführt, dass viele Medikamente zur Behandlung von Stimmungsstörungen und neurologischen Erkrankungen entwickelt wurden. Antidepressiva beispielsweise wirken oft durch die Erhöhung der Konzentration bestimmter Neurotransmitter im synaptischen Spalt. Dies zeigt die immense therapeutische Bedeutung der Neurotransmitterregulation und -forschung.
Synapsen: Schaltstellen der neuronalen Kommunikation
Synapsen sind die Verbindungsstellen zwischen Nervenzellen, an denen die Übertragung von Signalen erfolgt. Sie spielen eine zentrale Rolle in der Kommunikation innerhalb des Nervensystems und beeinflussen viele grundlegende Prozesse im Körper.
Aufbau und Funktion der Synapse
Eine Synapse besteht typischerweise aus drei Hauptkomponenten: der Präsynapse, dem synaptischen Spalt und der Postsynapse.
- Präsynapse: In diesem Bereich des axonalen Endknöpfchens werden Neurotransmitter in Vesikeln gespeichert und bei Bedarf freigesetzt.
- Synaptischer Spalt: Dies ist der Raum zwischen der präsynaptischen und postsynaptischen Membran, wo die Neurotransmitter diffundieren.
- Postsynapse: Die Membranregion eines nachfolgenden Neurons, die Rezeptoren zur Aufnahme von Neurotransmittern besitzt, wodurch das Signal an die nächste Nervenzelle weitergegeben wird.
Die Funktion einer Synapse liegt vor allem in der Umwandlung eines elektrischen Signals in ein chemisches und dessen Rückumwandlung, was es Neuronen ermöglicht, zu kommunizieren und Informationen zu verarbeiten.
Synapsen können hemmend oder erregend wirken. Erregende Synapsen fördern die Bildung neuer Aktionspotenziale, während hemmende ihren Eintritt verhindern.
Synaptische Übertragung
Die synaptische Übertragung ist der Prozess, durch den Signale zwischen Neuronen übertragen werden. Es handelt sich um einen mehrstufigen Vorgang:
- Ein Aktionspotenzial erreicht das axonale Endknöpfchen.
- Calciumionen strömen in die Präsynapse ein, was die Freisetzung von Neurotransmittern in den synaptischen Spalt auslöst.
- Die Neurotransmitter diffundieren durch den synaptischen Spalt und binden an Rezeptoren der Postsynapse.
- Die Bindung der Neurotransmitter an die Rezeptoren führt zur Öffnung von Kanälen in der Postsynapse und generiert dadurch ein neues Aktionspotenzial oder verändert die postsynaptische Zellantwort.
Dieser Prozess ist entscheidend für die Steuerung von Reaktionen, Emotionen und motorischen Funktionen.
Bei der synaptischen Übertragung spielen nicht nur klassische Neurotransmitter eine Rolle, sondern auch Neuropeptide, Hormone und sogar elektrische Synapsen, die eine direkte Weiterleitung von Ionen zwischen Neuronen ermöglichen. Dies zeigt die Vielfalt und Komplexität der Signalübertragung im Nervensystem.
Aktionspotential: Das elektrische Signal der Nervenzelle
Das Aktionspotential ist ein rapides elektrisches Signal, das entlang der Membran einer Nervenzelle läuft und Grundlage der neuronalen Kommunikation ist. Es stellt sicher, dass Informationen schnell und effizient über große Entfernungen im Nervensystem übertragen werden können.
Entstehung eines Aktionspotentials
Ein Aktionspotential entsteht durch eine kurzfristige Änderung in der elektrischen Spannung der Zellmembran, verursacht vorwiegend durch den Fluss von Ionen. Hauptakteure sind Natrium- (\text{Na}^+) und Kalium- (\text{K}^+) Ionen.
Der Prozess beginnt mit einer Depolarisation: \text{Na}^+-Kanäle öffnen sich, Natrium strömt schnell in die Zelle, was das Membranpotential von \text{-70mV} auf etwa \text{+30mV} erhöht. Dies führt zu einer nachfolgenden Repolarisation, da \text{K}^+-Kanäle sich öffnen und Kalium aus der Zelle strömt. Die Rückkehr zum Ruhepotential erfolgt durch den Na/K-ATPase Pumpen, die Ionen über die Membran zurückführen: \text{ATPase}: 3 \text{Na}^+\text{out} / 2 \text{K}^+\text{in} pro Molekül ATP
Ein Aktionspotential entsteht erst, wenn das Schwellenpotential (ca. -55mV) überschritten wird. Die Alles-oder-Nichts-Regel beschreibt dieses Prinzip: Ein Aktionspotential tritt entweder vollständig auf oder gar nicht. Die maximale Frequenz von Aktionspotentialen ist durch die Refraktärzeit begrenzt, die eine kurze Pause darstellt, in der die Na\text{+}-Kanäle nicht erneut aktivierbar sind.
Weiterleitung des Aktionspotentials
Das Aktionspotential reist entlang des Axons eines Neurons in Richtung synaptischer Enden. Der Mechanismus der Weiterleitung hängt von myelinisierten oder unmyelinisierten Axonen ab.
In myelinisierten Neuronen erfolgt die Weiterleitung mittels saltatorischer Erregungsleitung, wobei das Signal in den Nodes of Ranvier regelrecht springt. Die Myelinscheide erhöht die Leitungsgeschwindigkeit signifikant durch Isolation:
- Der Strom kann sich schnell über myelinisierte Abschnitte bewegen.
- Da sich die Kanäle nur in Ranvier-Knoten öffnen, wird weniger Energie für die Rückführung der Ionen benötigt.
Das elektrische Feld in den unmyelinisierten Zellen breitet sich kontinuierlich entlang der Membran aus, was langsamer ist als die saltatorische Ausbreitung.
Die Steigerung der Leitungsgeschwindigkeit ermöglicht es Tieren effizientere Bewegungs- und Reaktionsmuster zu haben, was evolutionäre Vorteile mit sich bringt.
Die Refraktärzeit ist der Zeitraum nach einem Aktionspotential, in dem ein Neuron nicht durch einen weiteren Reiz erregt werden kann. Während dieser Phase sind die Neurotransmitter und die synaptischen Übertragungsmechanismen vorübergehend inaktiv, was die saltatorische Erregung…
Klassifikation von Nervenzellen
Die Klassifikation von Nervenzellen erfolgt auf unterschiedliche Weise, basierend auf Beobachtungen einzelner Zellen oder den ihnen zugeordneten Eigenschaften in Zellverbänden. In Bezug auf die Morphologie werden Nervenzellen in verschiedene Typen unterteilt, abhängig von ihrer äußeren Form und Struktur. Hierzu gehören zum einen unipolare Nervenzellen, die in der Lage sind, sensorische Informationen von der Peripherie zum Zentralnervensystem zu leiten. Typisch für das periphere Nervensystem sind pseudounipolare Nervenzellen, die sensorische Signale von den Rezeptoren zum Zentralnervensystem weiterleiten. Der am häufigsten vorkommende Typ von Neuronen sind jedoch multipolare Nervenzellen. Diese sind für komplexe Verarbeitungsprozesse und motorische Steuerung verantwortlich. Apolare Nervenzellen hingegen weisen weder ein Axon noch Dendriten auf. Diese sind noch nicht entwickelt und haben daher noch keine Polarität.
Eine andere Möglichkeit zur Klassifikation ist die Betrachtung der Funktion der Neuronen. Motorische Nervenzellen sind für die Steuerung von Bewegungen verantwortlich, sowohl im somatomotorischen Bereich als auch im vegetativen Bereich, wo sie viszeromotorisch wirken und den sympathischen oder parasympathischen Zweig des autonomen Nervensystems regulieren.
Das Nervensystem: Ein komplexes Netzwerk
Das Nervensystem umfasst alle Nervenzellen des menschlichen Körpers. Mit ihm kommuniziert er mit der Umwelt und steuert gleichzeitig vielfältige Mechanismen im Inneren. Das Nervensystem nimmt Sinnesreize auf, verarbeitet sie und löst Reaktionen wie Muskelbewegungen oder Schmerzempfindungen aus. Wer zum Beispiel auf eine heiße Herdplatte fasst, zieht die Hand reflexartig zurück - und die Nervenbahnen senden gleichzeitig ein Schmerzsignal ans Gehirn. Das Nervensystem enthält viele Milliarden Nervenzellen, sogenannte Neuronen. Allein im Gehirn sind es rund 100 Milliarden.
Nach der Lage der Nervenbahnen im Körper unterscheidet man zwischen einem zentralen und einem peripheren Nervensystem. Das zentrale Nervensystem (ZNS) umfasst Nervenbahnen in Gehirn und Rückenmark. Es befindet sich sicher eingebettet im Schädel und dem Wirbelkanal in der Wirbelsäule. Das willkürliche Nervensystem (somatisches Nervensystem) steuert alle Vorgänge, die einem bewusst sind und die man willentlich beeinflussen kann. Dies sind zum Beispiel gezielte Bewegungen von Gesichtsmuskeln, Armen, Beinen und Rumpf. Das vegetative Nervensystem (autonomes Nervensystem) regelt die Abläufe im Körper, die man nicht mit dem Willen steuern kann. Es ist ständig aktiv und reguliert beispielsweise Atmung, Herzschlag und Stoffwechsel. Hierzu empfängt es Signale aus dem Gehirn und sendet sie an den Körper. In der Gegenrichtung überträgt das vegetative Nervensystem Meldungen des Körpers zum Gehirn, zum Beispiel wie voll die Blase ist oder wie schnell das Herz schlägt. Das vegetative Nervensystem kann sehr rasch die Funktion des Körpers an andere Bedingungen anpassen. Ist einem Menschen beispielsweise warm, erhöht das System die Durchblutung der Haut und die Schweißbildung, um den Körper abzukühlen. Sowohl das zentrale als auch das periphere Nervensystem enthalten willkürliche und unwillkürliche Anteile.
Das sympathische und parasympathische Nervensystem (Sympathikus und Parasympathikus) wirken im Körper meist als Gegenspieler: Der Sympathikus bereitet den Organismus auf körperliche und geistige Leistungen vor. Er sorgt dafür, dass das Herz schneller und kräftiger schlägt, erweitert die Atemwege, damit man besser atmen kann, und hemmt die Darmtätigkeit. Der Parasympathikus kümmert sich um die Körperfunktionen in Ruhe: Er aktiviert die Verdauung, kurbelt verschiedene Stoffwechselvorgänge an und sorgt für Entspannung.
Neuronale Plastizität: Anpassungsfähigkeit der Nervenzellen
Ein bemerkenswerter Aspekt der Neuronen ist ihre Plastizität. Diese bezeichnet die Fähigkeit der Neuronen, sich an Veränderungen anzupassen. Plastizität ermöglicht es den Neuronen, sich durch wiederholte Aktivierung und Lernprozesse zu verändern und Verbindungen zu verstärken / abzuschwächen oder neue Verbindungen auszubilden. Unser Gedächtnis wird einem bestimmten Hirnareal, dem Hippocampus, zugeschrieben. Bei Lernvorgängen kommt es hier zu funktionellen Veränderungen an bestimmten Synapsen, die dazu führen, dass die elektrischen Antworten in den Empfängerzellen stärker werden. Man kann sich das wie einen Trampelpfad durch den Wald vorstellen: Je häufiger er benutzt wird, desto leichter zugänglich wird er - man kann ihn leichter wiederfinden und sich immer besser auf ihm fortbewegen. Genauso kann er aber wieder zuwuchern, wenn er nicht gebraucht wird. Das passiert auch im Gehirn - Neues lernen lässt neue Verbindungen entstehen, werden sie nicht gebraucht, werden sie auch wieder abgebaut.
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