Influencer-Kritik: Wenn Influencer nerven und Hate Watching zur Gewohnheit wird

Das Geschäft mit Influencer-Marketing boomt, doch nicht jeder ist begeistert von den ständigen Anfragen nach kostenloser Werbung. Ein Eismann aus Los Angeles hat nun genug von den Betteleien und setzt ein Zeichen gegen Influencer, die seiner Meinung nach überbewertet sind. Doch nicht nur Influencer, sondern auch bestimmte Serien und Formate im Fernsehen können Nerven kosten. Warum schauen wir uns solche Inhalte trotzdem an? Das Phänomen des Hate Watching gibt Aufschluss darüber.

Der Eismann und die Influencer: Ein Aufschrei gegen die Gratismentalität

Während es sich für einige Firmen lohnen mag, über Social-Media-Kanäle anderer Menschen zu werben, hat ein selbstständiger Eismann aus Los Angeles genug von den ständigen Anfragen. Joe Nicchi, der das Unternehmen 2012 mit seiner Frau Taylor gründete, fährt seither mit seinem Eiswagen durch die Stadt. Er war von den permanenten Betteleien so genervt, dass er zu einem drastischen Schritt schritt.

Auf Instagram schrieb er: "Influencer zahlen doppelt so viel. Es könnt uns nicht egaler sein, wie viele Follower du hast und wir schämen uns ziemlich doll für dich, wenn du es uns sagst." Inzwischen hat er sogar ein offizielles Schild angebracht, auf dem steht: "Wir werden dir niemals Eis umsonst geben, damit du auf einer Social-Media-Seite über uns postest. Das Eis kostet buchstäblich vier Dollar."

Gegenüber "Newsweek" erklärte er seine Entscheidung: "LA ist voll von diesen sogenannten 'Influencern' mit einem großen Following, das vermutlich ohnehin fake ist, weil sie sich die Likes und Follower gekauft haben. Jeder kann heutzutage ein großes Following haben, wenn er dafür bezahlt. Google mal 'Social Media Bots'."

Die einzige Person, die bislang ein Eis umsonst bekommen hat, war laut Joe Nicchi Schauspieler Bill Murray. 2014 teilte er ein Foto des "Und täglich grüßt das Murmeltier"-Stars vor dem Van und schrieb dazu: "Heute Abend habe ich mein Idol getroffen." Gegenüber "Newsweek" erklärte er, dass es sich hierbei allerdings um eine Ausnahme gehandelt habe: "Wir verpflegen jede Menge A-List-Stars in Hollywood und ich habe keinerlei Interesse daran, ihnen irgendetwas umsonst zu geben. Ich habe eine Familie und jede Menge Rechnungen, die bezahlt werden wollen."

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"CVT" steht übrigens für "Chocolate Vanilla Twist", da Schokolade und Vanille die einzigen beiden Sorten sind, die Nicchi in seinem Truck anbietet.

Nicchis Haltung verdeutlicht eine wachsende Skepsis gegenüber Influencern, die versuchen, kostenlose Produkte oder Dienstleistungen im Austausch für Werbung zu erhalten. Er betont, dass harte Arbeit und ehrliche Kunden wichtiger sind als gekaufte Follower und Likes.

Hate Watching: Wenn man das Schauen nicht lassen kann, obwohl es nervt

Doch nicht nur Influencer können nerven, auch bestimmte Serien und Formate im Fernsehen lösen oft gemischte Gefühle aus. Man schaut sie, obwohl man sie eigentlich blöd findet - ein Phänomen, das als Hate Watching bekannt ist.

Diese nervige Serie mit ihren anstrengenden Charakteren - und trotzdem schauen wir sie. Hate Watching ist menschlich und nicht verwerflich, sagt Psychotherapeutin Rosalie Weigand. Außerdem hilft es bei der Emotionsregulation. Nur bitte nicht übertreiben.

Doch warum schauen wir etwas, was wir eigentlich richtig blöd finden? Psychotherapeutin Rosalie Weigand sagt: Wir machen das auch aus sozialen Gründen. "Das Bonding zwischen zwei Personen ist stärker, wenn beide eine Sache nicht mögen, als wenn beide über etwas bonden, was sie mögen." Gemeinsame Ablehnung tut also gut.

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Dazu kommt eine gewisse Neugierde: "Menschen mögen es, wenn sie bei sich selbst Emotionen provozieren können und vorhersehen können, was das für Emotionen sind." Das ist zum Beispiel auch bei Horrorfilmen so. Diesen Effekt nutzen manche Serien sogar. Als Beispiel nennt Psychotherapeutin Rosalie Weigand die Netflix-Serie "Emily in Paris". Die spiele damit, gehasst zu werden - genauso wie Reality-TV.

Hate Watching ist normal und unbedenklich, betont Rosalie Weigand. Und Hate Watching ist auch nicht gleich Hass. Nur weil man eine Serie oder einen Influencer hatewatched, schreibe man ja nicht gleich Hasskommentare.

Dennoch: Die Dosis macht das Gift, sagt die Psychotherapeutin. Wenn wir viel Zeit damit verbringen, etwas nur zu schauen, um uns darüber aufzuregen, könne das auch problematisch sein. Wenn wir merken, dass Hate Watching zu viel Zeit einnimmt, sollten wir konsequent sein: Die Accounts blockieren oder Benachrichtigungen ausschalten. "Als wäre es ein Suchtmittel", sagt Rosalie Weigand. Wer aber nur hin und wieder und aus Spaß über die neue Dating-Serie lästert oder ein cringy Reel weiterschickt - alles gut.

Die Psychologie des Hate Watching: Warum wir das Unerfreuliche suchen

Hate Watching ist also mehr als nur Zeitverschwendung. Es kann soziale Funktionen erfüllen, uns helfen, unsere Emotionen zu regulieren und sogar eine gewisse Befriedigung verschaffen. Die Psychotherapeutin Rosalie Weigand erklärt, dass das gemeinsame Ablehnen von etwas das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken kann. Es entsteht eine Verbindung zwischen Menschen, wenn sie sich über die gleichen Dinge aufregen.

Ein weiterer Grund für Hate Watching ist die Neugierde. Menschen suchen nach Möglichkeiten, Emotionen in sich selbst hervorzurufen. Sie wollen wissen, wie sie auf bestimmte Reize reagieren und welche Gefühle ausgelöst werden. Serien und Formate, die zum Hate Watching einladen, spielen oft bewusst mit diesen Mechanismen. Sie provozieren, übertreiben und präsentieren Charaktere, die man einfach lieben oder hassen muss.

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Die Grenzen des Hate Watching: Wann es problematisch wird

Obwohl Hate Watching in gewissem Maße unbedenklich ist, gibt es auch Grenzen. Wenn das Schauen von Inhalten, die uns eigentlich nicht gefallen, zu viel Zeit in Anspruch nimmt und uns negativ beeinflusst, kann es problematisch werden. Es ist wichtig, ein gesundes Gleichgewicht zu finden und sich nicht von negativen Emotionen überwältigen zu lassen.

Wenn man merkt, dass Hate Watching zur Gewohnheit wird und man sich ständig über bestimmte Inhalte aufregt, sollte man konsequent sein und die entsprechenden Accounts blockieren oder Benachrichtigungen ausschalten. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass man selbst die Kontrolle darüber hat, welche Inhalte man konsumiert und welche nicht.

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