Aktivierung des Belohnungszentrums: Ein umfassender Überblick

Viele Menschen hinterfragen gegen Ende des Jahres ihr Leben und denken über Veränderungen nach. Dieses Phänomen, oft als "Neues Jahr, neues Ich" bekannt, fällt typischerweise auf den Jahreswechsel. Der Wunsch nach einem Neuanfang entsteht oft aus einer Unzufriedenheit, nicht immer aus einer großen Krise, sondern aus dem Gefühl, festzustecken. Hinzu kommt der permanente gesellschaftliche Druck, sich selbst zu optimieren, wodurch der 1. Januar wie ein Versprechen wirkt.

Die Rolle des Belohnungszentrums im Gehirn

Das Belohnungssystem im Gehirn spielt eine zentrale Rolle bei der Motivation, dem Lernen und dem Wohlbefinden. Ohne dieses Zentrum würden wir wohl so gut wie gar nichts machen: nicht essen, nicht trinken, uns nicht fortpflanzen und ganz bestimmt keinen Sport treiben oder mit dem Rauchen aufhören. Es ist maßgeblich dafür verantwortlich, warum wir uns aufraffen, Ziele zu verfolgen, selbst wenn der Weg dorthin beschwerlich und mit Hürden gepflastert ist.

Wie funktioniert das Belohnungszentrum?

Die Laufrunde, die Klausurvorbereitung, der Wäscheberg, der endlich abgetragen werden muss: Wir alle kennen die alltäglichen Dinge, zu denen man eigentlich keine Lust hat, die man aber trotzdem erledigt. Warum aber tun wir das? Damit das schlechte Gewissen verschwindet? Damit der Partner oder die Eltern nicht sauer werden? Sicher, das können entscheidende Gründe sein. Damit allein ist es aber nicht getan. Wir motivieren uns, weil wir wissen: Es lohnt sich. Es fühlt sich schlicht und ergreifend gut an, unbequeme und anstrengende Aufgaben abzuhaken. Dieser ständige Belohnungsprozess im Gehirn läuft unbewusst ab, wenn wir Erfolge erzielen. Psychologen und Hirnforscher sprechen hierbei von der „Affektantizipation“: der Erwartung, dass Handlungen und Bemühungen von Erfolg gekrönt sind und wir anschließend mit Glücksgefühlen belohnt werden. Diese Aussicht motiviert uns zum Handeln.

Dopamin: Das Glückshormon

Ausgelöst werden die Hochgefühle durch ein ganz bestimmtes Hormon: Dopamin. Dieser auch als Glücks- und Motivationshormon bekannte Botenstoff wirkt sowohl über die Blut- als auch über die Nervenbahnen und setzt das Belohnungssystem in Gang. Dopamin leitet Reize unmittelbar ans Gehirn weiter und reagiert auf äußere Impulse: Es wird ausgeschüttet und verströmt gute Gefühle, wenn wir die Laufrunde oder Prüfung geschafft haben. Erst Dopamin sorgt also für einen Belohnungseffekt. Und einmal gespürt, wollen wir immer mehr davon. Wir wollen dieses Gefühl erneut haben und setzen uns neue Ziele, gehen neue Herausforderungen an. Die Vorfreude auf die Glücksmomente spornen uns an. Denn im Zusammenspiel mit dem Wohlfühlhormon Serotonin befördert uns Dopamin in eine Belohnungsspirale. Also schnüren wir die Laufschuhe einige Tage später erneut, weil wir uns danach fit und leichter fühlen. Also räumen wir das Zimmer auf, weil wir uns danach freuen, wie ordentlich und übersichtlich es aussieht. Wir wollen etwas schaffen, weil es sich gut anfühlt. Es entsteht ein innerer Antrieb nach Belohnung, der uns agieren und Ziele erreichen lässt. Kurzum: Es entsteht Motivation.

Aktivierung des Belohnungszentrums durch Ernährung

Was viele nicht wissen: Auch bestimmte Inhaltsstoffe in Lebensmitteln können das Belohnungszentrum im Gehirn aktivieren. Ein prominentes Beispiel ist Bier.

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Bier und das Belohnungszentrum

Dass Bier vielen Menschen ein seeliges Lächeln ins Gesicht zaubert, ist erstmal nichts Neues. Was allerdings neu ist: Die gute Stimmung kommt nicht allein vom Alkohol. Ein bestimmter Inhaltsstoff von Bier aktiviert nach Erkenntnissen von Forschern das Belohnungszentrum im Gehirn. Der Stoff Hordenin, der auch in Gerstenmalz vorkommt, wirke ähnlich wie der als "Glückshormon" bekannte körpereigene Neurotransmitter Dopamin, teilte die Universität Erlangen-Nürnberg am Freitag mit. Ob die im Bier enthaltenen Hordenin-Mengen jedoch für eine spürbare Beeinflussung des Belohnungszentrums ausreichend sind, untersuchen die Forscher zurzeit noch. Möglicherweise sei es die Kombination aus Hordenin und Alkohol, warum Bier so zufrieden mache, sagte die Forscherin Monika Pischetsrieder. Der Stoff Salsolinol in Schokolade sowie ein Schimmelpilz hätten eine ähnliche Wirkung wie das Hordenin.

Für ihre Studie, die im Fachmagazin "Scientific Reports" veröffentlicht wurde, haben die Wissenschaftler zunächst am Computer 13.000 Inhaltsstoffe von Lebensmitteln darauf untersucht, ob sie auf den Dopamin-D2-Rezeptor passen - wie ein Schlüssel in ein Schlüsselloch. Die Forscher legten dafür eine virtuelle Datenbank mit Molekülen an. Schließlich blieben 17 Stoffe übrig, die im Labor getestet wurden.

Weitere Möglichkeiten zur Ankurbelung der Dopamin-Produktion

Wer nichts dem Zufall überlassen will, der kann die Dopamin-Produktion auch mit der passenden Ernährung ankurbeln. Gerade Lebensmittel mit vielen Omega-3-Fettsäuren erhöhen die Versorgung, weil sie Strukturen für die Dopamin-Bahnen im zentralen Nervensystem aufbauen. Omega-3-Fettsäuren sind vor allem in Fisch wie Lachs und Makrele zu finden, aber auch in hochwertigen Ölen, Leinsamen, Algen und Nüssen. Genauso empfehlenswert sind vitamin- und nährstoffreiche Lebensmittel wie Obst, Gemüse, aber auch Vollkornprodukte, Reis und Kartoffeln, weil sie viele B- und C-Vitamine enthalten.

Um das Schlafhormon Melatonin bilden zu können, braucht der menschliche Organismus die essenzielle Aminosäure L-Tryptophan. Der Körper kann den Eiweißbaustein nicht selbst herstellen. Im Gehirn wird Tryptophan in mehreren biochemischen Schritten zu Serotonin umgewandelt. Dieser Botenstoff ist vor allem als Glückshormon bekannt. Der Grund: Er aktiviert das Belohnungszentrum im Gehirn und sorgt dafür, dass wir uns zufrieden, ausgeglichen und wohl fühlen.

Dopamin-Mangel und seine Folgen

Das Verlangen nach Belohnung und die Aussicht auf Erfolg motivieren uns also zum Handeln. Was aber, wenn wir nie laufen gehen? Wenn der Wäscheberg immer größer wird? Wenn wir uns einfach nie motivieren können? Die zentrale Aufgabe von Dopamin ist es, Informationen ans Gehirn weiterzugeben. Befindet sich der Dopamin-Spiegel aber im Keller, bleiben Reize unbeantwortet - und eine Folge davon kann fehlende Motivation sein. Ein Dopamin-Mangel kann verschiedene Ursachen haben: Dahinter können eine Unterversorgung mit bestimmten Vitaminen und Stoffen stecken. Aber auch der schlichte Umstand, schon lange kein Erfolgserlebnis mehr gehabt zu haben. Das Gehirn verlernt sozusagen, wie schön es sich anfühlt, Ziele zu erreichen.

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Wie kann man Dopamin aktivieren?

Um das Gehirn daran zu erinnern, wie schön Erfolgserlebnisse sind, sollte man sich zunächst kleine Zwischenziele stecken. Kann man sich zum Beispiel nicht überwinden, fünf Kilometer zu laufen, fängt man eben klein an. Einen Kilometer zu laufen ist besser als sich gar nicht aufzuraffen, denn das Gehirn schüttet Dopamin auch bei kleinen Erfolgen aus. Und schon wächst die Motivation, weil der Körper das Glücksgefühl abspeichert und es wiederhaben will. Die Folge: Es kommt zu einem Rückkopplungseffekt und zu einer verstärkten Dopamin-Produktion. Je mehr kleine oder große Erfolge wir feiern, desto mehr Glückshormone schütten wir aus - und das Verlangen wächst und wächst. Also, was lernen wir daraus? Nicht so lange nachdenken, wann und wie man laufen oder aufräumen soll. Einfach anfangen!

Belohnungssystem und chronische Schmerzen

Chronische Schmerzen sind nicht nur körperlich unangenehm, sie zermürben viele Betroffene mit der Zeit auch seelisch. Ärzte beobachten daher häufig, dass ihre Patienten neben ihrer ursprünglichen Erkrankung auch noch erschöpft, antriebslos oder depressiv werden und eine ausgeprägte Scheu vor anstrengenden oder mühevollen Aktivitäten entwickeln. Forscher von der Stanford University haben das Phänomen im Versuch mit Mäusen genauer untersucht und kamen dabei zu dem Schluss: Offenbar verändert der Schmerz auf Dauer die Aktivität von Neuronen im Belohnungssystem des Gehirns, die ansonsten dafür sorgen, dass die Tiere für eine entsprechende Gegenleistung auch bereit sind, gewisse Mühen in Kauf zu nehmen. Für die damit verbundene Motivationslosigkeit könnten Neurone im Belohnungszentrum des Gehirns verantwortlich sein, die nicht mehr richtig arbeiten - darauf deuten zumindest Mäusestudien hin.

Neuronale Veränderungen bei chronischen Schmerzen

Bei Nagern mit chronischen Schmerzen war die Funktion von Glutamatrezeptoren beeinträchtigt - allerdings nur in den Nervenzellen mit den Dopamin-D2-Rezeptoren: Sie feuerten weniger. Als Schuldigen dafür machten die Forscher das Neuropeptid Galanin aus, das im Nervensystem die Ausschüttung verschiedener Botenstoffe steuert. Blockierten die Wissenschaftler die Aktivität von Galanin bei den Nagern, zeigten sie weder Antriebslosigkeit, noch veränderte sich die Aktivität der Neurone unter Schmerzen.

Wie genau die Dopamin-D2-Neurone die Motivation beeinflussen und ob Gleiches auch beim Menschen gilt, werden erst weitere Studien klären können. Die Forscher hoffen aber, mit den Zellen einen neuen Ansatzpunkt für zukünftige Medikamente gefunden zu haben, die Antriebslosigkeit und Erschöpfung bei Patienten mit anhaltenden Schmerzen vielleicht vertreiben können.

Digitalisierung und das Belohnungszentrum bei Kindern und Jugendlichen

An kaum einer Frage scheiden sich derzeit so die Geister wie an der als notwendig erachteten Digitalisierung von Ausbildung und Kindererziehung. Für Kinder im Kita oder Grundschulalter liegen keine präzisen Zahlen vor, dennoch lässt sich in der Öffentlichkeit - ob im ÖPNV oder beim Restaurantbesuch - vielfach beobachten, dass auch kleine Kinder von Ihren Eltern oder Betreuern per Smartphone oder Tablet richtiggehend ruhig gestellt werden - und das manchmal über Stunden. Das Problem: Smartphones und Tablets wirken bei den Heranwachsenden - auch wenn es viele gute Lerninhalte im Netz oder als App gibt - weniger wie der erhoffte Lehrer oder Erzieher, sondern in erster Linie wie Drogen. Das Belohnungszentrum wird aktiviert und die notwendige Dosis steigt ständig an. Konsequenterweise steigt die Nutzungsdauer von Lebensjahr zu Lebensjahr immer mehr an. So sind ein bereits ein Drittel der 14-17-Jährigen täglich mehr als 4h (!) online.

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Die Gefahren übermäßiger Mediennutzung

Klar ist: Beim Posten, Liken und Geliktwerden wird im Gehirn das Belohnungszentrum aktiviert wie sonst beim Essen, Trinken, Sex und Geld - oder beim Drogenkonsum. Daher warnen manche vor den Gefahren übermäßiger Mediennutzung. So wie die Autoren der BLIKK-Studie, die die Bundesregierung in Auftrag gegeben hat. Kinder- und Jugendärzte haben dafür rund 5.500 Eltern und deren Kinder befragt. Ihr Ergebnis: Teenager, die viel am Smartphone oder Tablet hängen, leiden häufig an Hyperaktivität, Übergewicht und Konzentrationsstörungen. Mehr als jeder sechste Jugendliche habe zudem Probleme, die eigene Internetnutzung zu kontrollieren - ein Anzeichen für ein klassisches Suchtverhalten.

Umgang mit der digitalen Welt

Smartphones und Tablets gehen nicht dadurch weg, dass man sie aus bestimmten Lebensbereichen entfernt. Entscheidend ist, dass wir die richtigen Weichen im Umgang mit der Technik stellen. Trotzdem rät sie Eltern von pauschalen Verboten ab. „Dann schließt man das Kind nur sozial aus und setzt es ungewollt einer anderen psychischen Belastung aus.“ Besser schützen könne man die Kinder, wenn sich die Eltern selbst mit den Plattformen beschäftigen und dann mit den Kindern über Probleme sprechen.

Das Belohnungssystem im medizinischen Kontext

Im medizinischen Kontext wird das Belohnungssystem als neuronales Netzwerk betrachtet, das für die Verarbeitung von Belohnungen und das Gefühl der Zufriedenheit verantwortlich ist. Es ist wichtig für:

  • Motivation zur Ausführung von Überlebens- und Fortpflanzungsrelevanten Handlungen
  • Lernen durch positive Verstärkung
  • Regulation von Emotionen und Stimmung

Ein effektives Belohnungssystem fördert gesundes Verhalten und kann helfen, Abhängigkeiten zu vermeiden.

Neurotransmitter und ihre Rolle

Mehrere Neurotransmitter sind am Belohnungssystem beteiligt, darunter:

  • Dopamin: Zentrale Rolle bei der Belohnungsverarbeitung und Motivation
  • Serotonin: Reguliert Stimmung und Zufriedenheit
  • Endorphine: Lindern Schmerzempfindungen und erhöhen das Wohlbefinden

Die Balance dieser Neurotransmitter ist entscheidend für das psychische Wohlbefinden und kann durch Ernährung, Bewegung und soziale Interaktionen beeinflusst werden.

Struktur des Belohnungssystems

Das Belohnungssystem besteht aus mehreren strukturellen Komponenten, die zusammenwirken. Wichtige Teile sind:

  • Nucleus accumbens: Verarbeitet Belohnungssignale und Motivation.
  • Ventrales Tegmentum: Ursprung vieler dopaminerger Neuronen.
  • Präfrontaler Cortex: Reguliert Entscheidungsfindung und Kontrolle von Impulsen.

Diese Regionen sind über neuronale Bahnen miteinander verbunden und ermöglichen ein schnelles und koordiniertes Ansprechen auf belohnende Reize.

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