Zahnprothese drückt auf Nerv: Ursachen und Lösungen

Zahnprothesen sind heutzutage eine gängige Lösung, um fehlende Zähne zu ersetzen und die Lebensqualität von Betroffenen erheblich zu verbessern. Allerdings kann es, insbesondere in der Eingewöhnungsphase, zu Problemen wie Druckstellen und Nervenschmerzen kommen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für diese Beschwerden und zeigt Möglichkeiten zur Behandlung und Vorbeugung auf.

Ursachen für Druckstellen und Nervenschmerzen bei Zahnprothesen

Druckstellen und Nervenschmerzen können verschiedene Ursachen haben, die oft miteinander zusammenhängen. Es ist wichtig, die genaue Ursache zu identifizieren, um die richtigen Maßnahmen ergreifen zu können.

Mechanische Ursachen

  • Schlecht sitzender oder fehlerhaft hergestellter Zahnersatz: Wenn die Prothese nicht optimal an das Zahnfleisch, den Kiefer und die Mundschleimhaut angepasst ist, entstehen Druckpunkte, die zu Reizungen und Schmerzen führen können. Eine ungenaue Passform kann durch eine zu große, zu kleine oder ungleichmäßig gestaltete Prothese verursacht werden.
  • Veränderung des Kiefers: Nach dem Verlust der natürlichen Zähne bilden sich Kiefer und Zahnfleisch allmählich zurück. Diese Veränderungen führen dazu, dass die Prothese nicht mehr exakt auf dem Kiefer aufliegt, was ungleichmäßigen Druck erzeugen kann. Besonders bei Vollprothesen, die das gesamte Gebiss ersetzen, ist dieses Phänomen oft ein Grund für wiederholte Besuche beim Zahnarzt.
  • Mundtrockenheit: Ältere Menschen leiden oft unter Mundtrockenheit. Ohne ausreichend Speichel hat die Zahnprothese keine gute Haftung. In der Folge kann es zum Scheuern der Prothese an der empfindlichen Schleimhaut kommen, was wiederum zu Entzündungen an Gaumen und Zahnfleisch führen kann.
  • Unsachgemäße Pflege der Zahnprothese: Eine gründliche Reinigung verhindert, dass sich Ablagerungen bilden, die die Passform beeinträchtigen.

Materialunverträglichkeiten und Allergien

  • Metallallergien: Besonders Metalle können im Körper zu erheblichen Problemen führen. Ungefähr jeder sechste Mensch hat eine Nickelunverträglichkeit. Möglicherweise reagiert er anfangs mit einer Entzündung der Mundschleimhaut. Diese gehört zu den typischen Symptomen einer Materialunverträglichkeit. Winzig kleine Partikel wandern vom Mundraum aus in den Verdauungstrakt, wo wiederum entzündliche Reaktionen ausgelöst werden können, die sich auf weitere Organe und Körperregionen ausdehnen können.
  • Amalgamfüllungen: Wir beobachten sehr häufig Unverträglichkeiten auf Amalgamfüllungen, die verschiedene Allergene und Giftstoffe, vor allem Quecksilber, freisetzen können. Bei Menschen mit Amalgamfüllungen konnte eine erhöhte Quecksilberkonzentration im Blut und im Körper nachgewiesen werden. Das kommt daher, dass durch den Abrieb bei Kaubewegungen kleinste Mengen an Quecksilber freigesetzt werden und in den Körper gelangen.
  • Allergische Reaktionen: Eine Unverträglichkeit oder Allergie entsteht durch eine erhöhte Abwehrreaktion des Immunsystems auf einen Fremdstoff. Häufig sind es Metalle und Kunststoffe, auf die Patienten allergisch reagieren. Das kann sich beispielsweise anhand von Entzündungen der Mundschleimhaut zeigen, durch Zungenbrennen oder allgemeines Mundbrennen.

Weitere Ursachen

  • Somatogene Unverträglichkeit: Bei der sogenannten somatogenen Unverträglichkeit spielt die individuelle körperliche Reaktion und Konstitution der Patientin oder des Patienten die Hauptrolle.
  • Psychische Faktoren: Auch die Psyche kann Überempfindlichkeiten gegen Zahnersatzmaterialien im Mundraum auslösen. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass Allergien durch die bestehenden Lebensumstände in den modernen Industrieländern begünstigt werden. Die Menschen sind verschiedenen Umweltbelastungen ausgesetzt, beispielsweise der Luftverschmutzung oder immer mehr chemischen Stoffen. Dass sich die Hygiene zunehmend verbessert hat, hat neben vielen Vorteilen auch Schattenseiten. Es muss aber auch beachtet werden, dass allergische Symptome eine gesteigerte Aufmerksamkeit erhalten, im Gegensatz zu früher.
  • Bruxismus (Zähneknirschen): Ein weiterer Indikator für schlecht sitzenden Zahnersatz kann das nächtliche Zähneknirschen sein, das zu zusätzlichen Schmerzen und Abnutzung führt.

Symptome von Druckstellen und Nervenschmerzen

Die Symptome von Druckstellen sind oft leicht zu erkennen und sollten ernst genommen werden, um Folgeschäden zu vermeiden. Sie können unterschiedliche Formen annehmen, die von leichten Rötungen bis hin zu schmerzhaften Entzündungen reichen.

  • Schmerzen und Empfindlichkeiten im Mundbereich: Schmerzen, die bei Kontakt der Prothese mit dem Zahnfleisch oder der Mundschleimhaut auftreten, sind ein häufiges Anzeichen für Druckstellen. Diese Schmerzen können sowohl beim Kauen als auch im Ruhezustand spürbar sein und beeinträchtigen die Nutzung des Zahnersatzes.
  • Rötungen und Schwellungen: Oft zeigt sich eine Druckstelle in Form von Rötungen oder Schwellungen an der betroffenen Stelle. Diese Reaktionen sind das Ergebnis einer gereizten Mundschleimhaut und weisen auf eine ungleichmäßige Druckverteilung hin.
  • Entzündungen und wunde Stellen: Wenn Druckstellen unbehandelt bleiben, können sie sich zu Entzündungen entwickeln, die das Tragen der Prothese erschweren.
  • Einschränkungen beim Kauen und Sprechen: Die Funktionalität der Prothese wird durch Druckstellen beeinträchtigt, was das Kauen und Sprechen erschwert. Besonders feste oder harte Speisen werden oft gemieden, da sie die Druckstellen zusätzlich reizen. Für viele Betroffene bedeuten diese Einschränkungen einen erheblichen Verlust an Lebensqualität.
  • Risiko für Entzündungen der Mundschleimhaut: Bleiben Druckstellen unbehandelt, steigt das Risiko für Entzündungen in der Mundschleimhaut.

Diagnose von Materialunverträglichkeiten

Ein herkömmlicher Allergietest auf der Haut (Epikutantest) ist nicht verlässlich genug. Genauer kann es mit einem Lymphozytentransformationstest (LTT) bestimmt werden. Er prüft die systemische Reaktion des Immunsystems. Wir von vident setzen ihn speziell zur Abklärung von Unverträglichkeiten und Allergien ein. Dabei handelt es sich um einen Bluttest, welcher die spezifische zelluläre Sensibilisierung ermitteln kann.

Behandlung von Druckstellen und Nervenschmerzen

Zum Glück gibt es verschiedene Möglichkeiten, um Druckstellen zu behandeln und den Tragekomfort der Prothese zu verbessern.

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Professionelle Anpassung der Prothese beim Zahnarzt

  • Anpassung der Prothese: Der Zahnarzt kann die Prothese durch gezieltes Schleifen oder Polieren anpassen, um Druckstellen zu beseitigen. Eine professionelle Anpassung ist oft die effektivste Maßnahme, um das Problem zu beheben, da der Zahnarzt die Ursache genau analysieren und gezielt korrigieren kann.
  • Unterfütterung: Die „Unterfütterung“ ist eine Möglichkeit, eine Zahnprothese nachträglich anzupassen. So können Druckstellen durch Zahnprothesen oder Schmerzen beim Kauen unterbunden werden. Dafür fertigt der Zahnarzt mit der gegenwärtigen Prothese einen neuen Abdruck an. Die Prothese wird dann im Zahnlabor mit dem gleichen oder einem weicheren Material aufgefüllt beziehungsweise „unterfüttert“.

Medikamentöse Behandlung

  • Salben und Mundspülungen: Zur Linderung der Beschwerden können spezielle Salben und Mundspülungen angewendet werden, die entzündungshemmend wirken und die Heilung der Druckstellen fördern. Diese Salben reduzieren nicht nur die Schmerzen, sondern wirken auch beruhigend auf die gereizte Mundschleimhaut. Empfehlenswerte Produkte aus der Apotheke sind z. B. InfectoGingi® Mundgel mit Kamille, Salbei und Lidocain oder Kamistad® Gel mit Kamille und Lidocain. Sie haften gut auf der Schleimhaut und werden drei- bis viermal täglich auf den Druckstellen einmassiert.
  • Lokalanästhetika: Bei stärkeren Schmerzen können Lokalanästhetika wie Lidocain auf die schmerzende Stelle aufgetragen werden.

Hausmittel und Selbstpflege

  • Entzündungshemmende Salben und Spülungen: Zu den effektivsten Hausmitteln gehören entzündungshemmende Salben und Mundspülungen, die die gereizten Stellen beruhigen. Auch Kamillentee-Spülungen haben eine entzündungshemmende Wirkung und tragen zur Heilung bei.
  • Pflege der Mundschleimhaut und des Zahnfleisches: Die regelmäßige Pflege der Mundschleimhaut und des Zahnfleisches ist entscheidend, um Entzündungen vorzubeugen.

Temporäre Maßnahmen

  • Polsterung der Zahnprothese: Eine weitere Möglichkeit, Druckstellen zu entlasten, ist das Einlegen weicher Polster zwischen Prothese und Zahnfleisch.
  • Haftcremes: Prothesenhaftcremes können in der Anfangszeit helfen, den Druck auf die Schleimhäute abzufedern. Gleichzeitig dichten sie die Prothese nach außen ab, erschweren das Eindringen von Speiseresten und beugen Reibungen durch minimale Bewegungen des Zahnersatzes vor. Diese Polsterung gibt den Kunden eine gewisse Sicherheit im Alltag und kann als unterstützender Faktor für den Umgang mit dem neuen Zahnersatz dienen. Die Haftcreme sollte sparsam mithilfe der feinen Applikatorspitze, welche in den Produkten enthalten ist, auf den entfernten Zahnersatz aufgetragen werden. Nach dem Einsetzen sollte die Prothese einige Sekunden angedrückt werden. Zu viel Haftcreme führt dazu, dass das Produkt beim Einsetzen überquillt, was den Halt negativ beeinflusst und die Reinigung erschwert. Generell sollte den Kunden mitgeteilt werden, dass die Haftcreme bei der täglichen Reinigung gründlich entfernt werden muss.

Vorbeugung von Druckstellen und Nervenschmerzen

Die richtige Anpassung und Pflege der Zahnprothese ist der Schlüssel, um Druckstellen zu vermeiden und den Tragekomfort zu sichern.

  • Regelmäßige Anpassung der Prothese: Regelmäßige Anpassungen durch den Zahnarzt tragen dazu bei, dass die Prothese immer optimal sitzt und keine Druckstellen entstehen. Besonders bei Vollprothesen ist es wichtig, den Sitz in regelmäßigen Abständen überprüfen zu lassen.
  • Vermeidung harter Lebensmittel: Um die Belastung der Prothese zu reduzieren, sollten besonders harte Lebensmittel vermieden werden. Diese erhöhen den Druck auf die Prothese und können Druckstellen verursachen oder verschlimmern.
  • Gründliche Reinigung und Pflege der Prothese: Die gründliche Reinigung der Zahnprothese beugt Ablagerungen vor, die den Sitz beeinträchtigen und Druckstellen fördern können.
  • Regelmäßige Zahnarztbesuche: Auch wenn keine Beschwerden auftreten und der Zahnersatz gut passt, sollte dieser ein- bis zweimal jährlich vom Zahnarzt kontrolliert werden.
  • Verwendung biokompatibler Materialien: Wir von vident verfolgen den ganzheitlichen Therapieansatz in der Zahnmedizin. Unser Augenmerk liegt dabei nicht ausschließlich auf der Mundregion, wie es normalerweise beim Zahnarzt der Fall ist, sondern wir sehen den ganzen Menschen. Vor allem die Erkennung von Unverträglichkeiten und allergischen Reaktionen liegt uns am Herzen. Dazu bieten wir verschiedene Testverfahren an und raten unseren Patienten überwiegend zur Zahnbehandlung mit biokompatiblen Materialien. Implantate aus Keramik können Titanimplantate in der Zahnheilkunde weitgehend ersetzen.

Nervverletzungen bei Implantaten

In der Gruppe der Nervverletzungen im Zusammenhang mit Zahnimplantaten ist die Schädigung des Unterkiefernerv-Astes dabei mit großem Abstand das bedeutendste Risiko von Zahnimplantaten. Im Unterkieferknochen des Seitenzahnbereichs verläuft der Unterkiefernerv (Nervus alveolaris inferior) in einem Kanal unterhalb der Wurzelspitzen und versorgt den Knochen und die Zähne der betreffenden Seite mit Sensibilität. Wenn für die Implantateinbringung zu tief gebohrt und das Implantat zu tief platziert wird, kann der Unterkiefernerv gequetscht, teilweise oder ganz durchtrennt werden. Je nach Verletzungsgrad resultiert daraus ein zeitweiliges bis dauerhaftes Taubheitsgefühl im Kinn-Lippen-Bereich der betroffenen Seite. Auch sind Missempfindungen und Schmerzen neben einem Sensibiltätsverlust möglich.

Vorbeugung von Nervverletzungen

  • Sorgfältige Planung: Bei nervnahen Implantaten sind heutzutage Planungen unter Zuhilfenahme von 3D-Röntgen (CT, DVT) State-of-the-Art. Auch helfen spezielle Bohrerstopps bei der exakten Implantatbettaufbereitung um ein zu tiefes Bohren zu verhindern.
  • Sicherheitsabstand: Allerdings sollte jede Implantatbehandlung einen Sicherheitsabstand von 2 mm zum Nerv einhalten, so dass Nervverletzungen, die typischerweise durch Planungsfehler und Unachtsamkeit des Implantologen beim Bohren verursacht werden, vermieden werden können.

Behandlung von Nervverletzungen

  • Sofortige Maßnahmen: Bei Implantaten, die in den Nervkanal reichen ist aber die umgehende Entfernung bzw.
  • Weitere Behandlung: Ödem, Bluterguß: Zuwarten; evtl. Kortisongabe nach Absprache mit einem Neurologen/Neurochirurgen. Schmerztherapie, evtl.

Wann sollte man einen Zahnarzt aufsuchen?

Es ist ratsam, bei anhaltenden Druckstellen einen Zahnarzt aufzusuchen. Der Zahnarzt kann die Prothese überprüfen und gegebenenfalls neu anpassen.

  • Warnzeichen für eine zahnärztliche Untersuchung: Anhaltende Schmerzen, Rötungen oder Entzündungen sind Warnzeichen, die eine Untersuchung erforderlich machen. Bleiben diese Symptome unbehandelt, können sich die Druckstellen verschlimmern und die Mundgesundheit negativ beeinflussen.
  • Risiken bei unbehandelten Druckstellen: Unbehandelte Druckstellen können nicht nur die Nutzung der Prothese einschränken, sondern langfristig auch das Zahnfleisch schädigen und chronische Entzündungen verursachen.
  • Benötigt der Kunde in letzter Zeit besonders viel Haftcreme oder nutzt sie häufiger als gewöhnlich, sollte ein Zahnarztbesuch angeraten werden. Es könnte ein Hinweis auf einen schlecht sitzenden Zahnersatz sein, was eine Korrektur der Prothese notwendig macht.

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