Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die das extrapyramidal-motorische System (EPS) und die Basalganglien betrifft. Die Erkrankung manifestiert sich durch eine Vielzahl motorischer und nicht-motorischer Symptome, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Zu den bekanntesten motorischen Symptomen zählen Akinese, Rigor und Tremor, die oft als Kardinalsymptome der Parkinson-Krankheit bezeichnet werden.
Die Kardinalsymptome der Parkinson-Krankheit
Die Diagnose Parkinson kann erst dann gestellt werden, wenn mindestens zwei der folgenden Symptome ausgeprägt vorhanden sind:
- Akinese: Verlangsamung oder Verminderung der Bewegungen bis hin zur Bewegungsstarre.
- Rigor: Muskelverspannung und Steifigkeit des Körpers.
- Tremor: Zittern, meist in Ruhe auftretend.
- Haltungsinstabilität: Unsicherheit beim Stehen und Gehen, tritt meist erst im späteren Verlauf auf.
Zusätzlich zu diesen Kardinalsymptomen können vegetative Störungen und psychische Veränderungen auftreten, die das Krankheitsbild weiter verkomplizieren.
Akinese: Die motorische Gebundenheit
Die Akinese umfasst die Verlangsamung, Verminderung oder das völlige Fehlen spontaner Willkürbewegungen. Sie wird auch als "motorische Gebundenheit" bezeichnet und führt dazu, dass Patienten Schwierigkeiten haben, zielgerichtete Bewegungen zu initiieren oder zu beenden. Betroffen sind sowohl Muskeln, die an Knochen ansetzen und für die Bewegung zuständig sind, als auch die Bauchdecken-, Atem- und Gesichtsmuskulatur.
Die Akinese macht sich besonders beim Gehen bemerkbar: Die Schritte werden kürzer, die Patienten schlurfen, die Arme pendeln wenig oder gar nicht mehr mit, und die Füße scheinen am Boden zu kleben. Es fällt schwer, den ersten Schritt zu tun oder abrupt anzuhalten. Enge Stellen, wie Türdurchgänge, können zu Stocken führen. Oft nehmen die Betroffenen eine typische nach vorne gebeugte Körperhaltung ein, wobei Kniegelenke und Ellenbogen angewinkelt sind. Bewegungen können nicht mehr gleitend ausgeführt werden, und alle Bewegungen gegen die Schwerkraft bereiten große Schwierigkeiten.
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Die Gesichtsmuskulatur arbeitet nur noch eingeschränkt mit, wodurch das Gesicht starr und maskenhaft wirkt. Die Anzahl der Lidschläge ist herabgesetzt, die Augen bewegen sich nicht mehr lebhaft, und Emotionen können nicht mehr adäquat zum Ausdruck gebracht werden. Da auch die an Stimm- und Sprachbildung beteiligten Muskeln betroffen sein können, wird die Sprache leiser, monoton und klanglos, bisweilen auch heiser bis unverständlich. Das Schriftbild ist durch die motorischen Einschränkungen verändert: Die Schrift beginnt meist groß und wird zum Zeilenende hin immer kleiner (Mikrografie).
Als Freezing bezeichnet man das plötzliche "Einfrieren" von Bewegungen oder Bewegungsabläufen. Der Betroffene verharrt förmlich in der Bewegung und kann enge Stellen nicht mehr passieren. Freezing kann auch durch emotionalen Stress ausgelöst werden.
Rigor: Die Muskelverspannung
Die Muskelspannung (Tonus) ist bei Parkinson-Patienten ständig erhöht. Diese Muskelverspannung betrifft sowohl die Beuge- als auch die Streckmuskeln, was zu einer allgemeinen Steifigkeit des Körpers führt. Bewegt man beispielsweise einen Arm oder ein Bein eines Erkrankten passiv, lässt sich ein wächserner Widerstand beobachten. Bewegung ist zwar möglich, aber nur zäh, obwohl der Patient keinen aktiven Widerstand leistet. Dies kann in der Folge zu Fehlstellungen führen.
Tremor: Das Zittern
Der Tremor ist das auffälligste und von den Patienten meist zuerst wahrgenommene Symptom von Parkinson. In den meisten Fällen handelt es sich um einen Ruhetremor, der in Bewegung verschwindet. Obwohl er im Alltag an sich zu keiner Behinderung führt, wird er von den Betroffenen als sehr störend empfunden, da er ein sehr auffälliges Symptom darstellt. Es gibt auch Erkrankungsformen mit einem Halte- bzw. Aktionstremor, der Verrichtungen des Alltags erheblich erschweren kann. Für die Diagnose Parkinson ist das Zittern aber nicht unbedingt erforderlich; nur etwa die Hälfte der Patienten zeigt einen Ruhetremor gleich zu Beginn der Erkrankung, und bei 10% verläuft die Erkrankung sogar völlig ohne dieses Symptom. Der Ruhetremor hat meist eine Frequenz von etwa 5 bis 7 Hertz und betrifft in der Regel vor allem die oberen Extremitäten und den Kopf.
Posturale Instabilität: Das Gleichgewichtsproblem
Parkinson-Patienten haben Mühe, ihr Gleichgewicht zu halten, da es ihnen nicht mehr gelingt, Bewegungen schnell genug auszugleichen.
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Parkinson-Syndrome: Eine Unterteilung
Parkinson-Syndrome werden in vier Gruppen unterteilt:
- Idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS) bzw. Parkinson-Krankheit (PK): Die häufigste Form, deren Ursachen bis heute nicht vollständig verstanden sind.
- Genetische Formen des Parkinson-Syndroms: Seltene, autosomal vererbte Formen, bei denen Mutationen in verschiedenen Genen als Ursache detektiert wurden.
- Symptomatische Parkinson-Syndrome (SPS): Durch andere Ereignisse, Erkrankungen oder Arzneimittel verursachte Parkinson-Syndrome.
- Atypische Parkinson-Syndrome (APS): Parkinson-Syndrome im Rahmen anderer neurodegenerativer Krankheiten.
Pathophysiologie von Parkinson
Parkinson betrifft das extrapyramidal-motorische System (EPS) und die Basalganglien. Pathophysiologisch ist die Krankheit vor allem durch den Verlust dopaminerger Neuronen in der Substantia nigra pars compacta im Mittelhirn definiert, was zu einem Dopaminmangel führt. Degenerieren die Neuronen, kann der Neurotransmitter Dopamin nicht mehr ins Putamen transportiert werden, wodurch die Thalamus-induzierte motorische Aktivierung der Großhirnrinde ausbleibt, was zu Bewegungsbeeinträchtigungen führt.
Die Braak-Hypothese
Die Braak-Hypothese beschreibt die Krankheitsentwicklung in sechs Stadien, beginnend im Darm mit dem Frühsymptom Obstipation oder im Bulbus olfactorius mit Geruchsstörungen. Dies soll Folge einer Akkumulation von fehlgefalteten α-Synuclein im enterischen Nervensystem und dem retrograden Transport ins zentrale Nervensystem (ZNS) sein. Die Proteine gelangen über den Vagusnerv zum Hirnstamm und breiten sich von dort weiter aus, bis das ganze Gehirn betroffen ist.
Symptomkomplex TRAP
Parkinson-Syndrome zeigen unabhängig ihrer Ätiologie die gleiche Kernsymptomatik, die mit dem Akronym TRAP (Tremor, Rigor, Akinese und Posturale Instabilität) zusammengefasst wird. Als fakultative Begleitsymptome sind sensible, vegetative, psychische und kognitive Störungen möglich.
Frühsymptome von Parkinson
Den motorischen Kardinalsymptomen geht meist eine oft jahrelange Prodromalphase mit unklaren Beschwerden voraus. Typische Frühsymptome sind:
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- REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD): Atypische Bewegungsmuster während der Traumschlafphase.
- Riechstörungen: Verminderung oder Verlust des Geruchssinns.
- Stimmungsschwankungen: Reizbarkeit, Ruhelosigkeit, Angst und Depressionsneigung.
- Obstipation: Verstopfung.
Detaillierte Betrachtung der Kardinalsymptome
Bradykinese/Hypokinese/Akinese
Die Bradykinese (Bewegungsverlangsamung) ist das zentrale Kardinalsymptom des idiopathischen Parkinson-Syndroms. Sie ist durch eine erschwerte und verzögerte Initiierung von Willkürbewegungen und eine Verlangsamung paralleler motorischer Tätigkeiten definiert. Im klinischen Alltag sind auch die Begriffe Akinese (gestörte Bewegungsinitiation und Bewegungsblockade) oder Hypokinese (verminderte Bewegungsamplitude und verminderte Spontanbewegungen) gebräuchlich.
Bradykinese, Hypokinese und Akinese betreffen alle Bewegungsabläufe. Willkürliche und zielgerichtete Bewegungen fallen zunehmend schwerer und werden entsprechend seltener. Infolge bewegen sich Parkinson-Patienten weniger und verbringen viel Zeit im Sitzen. Sie fühlen sich unsicher und ungewöhnlich träge. Das Gangbild wird schlurfend und kleinschrittig-trippelnd, die Sprache hypophon (Dysarthrophonie, verminderte Prosodie), die manuelle Geschicklichkeit lässt nach und die Schrift wird kleiner (Mikrographie). Angehörigen bzw. Außenstehenden fällt vor allem die nachlassende Mimik auf. Die Gesichtszüge wirken starr, fast maskenhaft (Hypomimie). Die Patienten schlucken seltener, wodurch sich Speichel im Mund ansammelt (Pseudohypersalivation), was ein Verschlucken zur Folge hat.
Tremor
Beim Tremor werden drei Formen unterschieden:
- Klassischer Parkinsontremor: Tritt bei unterstützten Armen in Ruhe mit einer Frequenz von ca. 4-6 Hz in Erscheinung, wegweisend ist die Amplitudenabnahme beim Beginn von Willkürbewegungen, hat oft ein Pillendreher-Erscheinungsbild, typisch ist die Aktivierbarkeit des Tremors durch geistige Beschäftigung oder Emotionen.
- Haltetremor: Beim Heben des betroffenen Körperteils, meist feinschlägig und hochfrequent, mittlere Frequenz zwischen 5-7 Hz, häufig kombiniert mit einem Ruhetremor.
- Aktionstremor: Tritt bei willkürlicher Muskelaktivität auf, Frequenz 8-12 Hz.
Die verschiedenen Tremorformen können unterschiedlich auf eine Behandlung ansprechen.
Rigor und das Zahnradphänomen
Rigor beschreibt eine Tonuserhöhung, die während des gesamten Bewegungsumfangs auftritt und unabhängig von der Geschwindigkeit der Gelenksbewegung ist. Die Beschwerden werden anfangs häufig als Muskelverspannungen fehlgedeutet und nicht selten als orthopädisches Problem behandelt. Wird ein Rigor vom Tremor überlagert, kommt es zum sogenannten Zahnradphänomen. Die Symptomatik wird verstärkt, wenn eine zweite Person die Extremitäten passiv streckt oder beugt. Körpernahe Muskeln sind oft stärker betroffen als körperferne Muskelgruppen (axialer Rigor).
Das Zahnradphänomen ist ein typisches Parkinson-Anzeichen, um einen Rigor im fortgeschrittenen Stadium zu erkennen. Hierbei versuchen die Ärztinnen und Ärzte, den Arm der Patientinnen und Patienten zu bewegen, zum Beispiel an Ellenbogen oder Handgelenk. Durch den Rigor ist dies nur ruckartig und in kleinen Abständen möglich, als könnte die Bewegung jeweils nur bis zum Einrasten des Gelenks in der nächsten Kerbe eines imaginären Zahnrads ausgeführt werden. Denn die Symptome des Rigors werden stärker, wenn eine zweite Person die Gliedmaßen passiv beugt oder streckt, ohne dass die Patientinnen und Patienten selbst diese Bewegung initiieren. Gleichzeitig gibt der Muskeltonus sozusagen rhythmisch für eine kurze Zeit nach, wodurch sich der Arm temporär normal bewegen lässt, bevor die Anspannung wieder zunimmt und der Arm erneut „einrastet“, bevor die Anspannung dann wieder kurz nachlässt, wodurch der Arm weiter bewegt werden kann.
Ein wesentlicher Unterschied zur Spastik ist, dass beim Rigor der spürbare Widerstand durch die erhöhte Muskelanspannung unabhängig von der Geschwindigkeit der Bewegungsausführung besteht. Bei der Spastik nimmt die Muskelsteifheit erst mit der Geschwindigkeit einer Bewegung zu, wodurch sich die betroffenen Gliedmaßen immer schwerer bewegen lassen.
Posturale Instabilität
Posturale Instabilität beschreibt die Unfähigkeit, den Körper stabil aufrechtzuerhalten. Die posturalen Reflexe gehen meist im mittleren Stadium der Erkrankung verloren. Auffallend ist eine gebückte Körperhaltung mit leicht gebeugten Knien. Gestörte Stellreflexe führen zu einer zunehmenden Gang- und Standunsicherheit. Plötzliche und rasche Bewegung können nicht mehr ausbalanciert und abgefangen werden. Ausgleichs- und Wendebewegungen fallen immer schwerer, woraus eine große Angst zu stürzen resultiert.
Begleitsymptome
Neben der Kernsymptomatik gibt es noch eine Reihe fakultativer Anzeichen bzw. Begleiterscheinungen. Dazu gehören vor allem sensible, psychische, vegetative und kognitive Störungen. Diese müssen nicht zwingend auftreten und können individuell unterschiedlich ausgeprägt sein. Typisch sind Parästhesien und/oder Dysästhesien, Hyposmien sowie dermatologische Probleme. Viele Parkinson-Betroffen haben eine vermehrte Talgsekretion.
Diagnose von Parkinson
Aufgrund des häufig schleichenden Beginns der Erkrankung werden die meisten Patienten anfangs beim niedergelassenen Neurologen oder Nervenarzt untersucht. Die Diagnose basiert auf der klinischen Untersuchung und der Anamnese des Patienten. Mögliche zusätzliche Tests sind der L-Dopa-Test oder Apomorphin-Test, bei dem dem Patienten L-Dopa beziehungsweise Apomorphin verabreicht wird. Die Trefferquote lässt sich verbessern, wenn die Patienten mithilfe von Test auf eine Hyposmie geprüft werden.
Behandlung von Parkinson
Obwohl Parkinson nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die Behandlung umfasst in der Regel eine Kombination aus medikamentöser Therapie, Physiotherapie, Ergotherapie und gegebenenfalls chirurgischen Eingriffen.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie zielt darauf ab, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen. Häufig eingesetzte Medikamente sind:
- Levodopa: Wird im Körper zu Dopamin umgewandelt und gleicht so den Dopaminmangel aus.
- Dopaminagonisten: Imitieren die Wirkung von Dopamin im Gehirn.
- MAO-B-Hemmer: Verhindern den Abbau von Dopamin im Gehirn.
- COMT-Hemmer: Verlängern die Wirkdauer von Levodopa.
Nicht-medikamentöse Therapie
Neben der medikamentösen Behandlung spielen nicht-medikamentöse Therapien eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Parkinson. Dazu gehören:
- Physiotherapie: Hilft, die Beweglichkeit, das Gleichgewicht und die Koordination zu verbessern.
- Ergotherapie: Unterstützt bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben und der Anpassung des Wohnumfelds.
- Logopädie: Verbessert die Sprach- und Schluckfunktion.
Chirurgische Therapie
In einigen Fällen kann eine tiefe Hirnstimulation (DBS) in Erwägung gezogen werden. Bei diesem Verfahren werden Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns implantiert, die elektrische Impulse abgeben und so die Symptome lindern können.
Änderungen des Lebensstils
Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige körperliche Betätigung können dazu beitragen, den allgemeinen Gesundheitszustand und die Lebensqualität von Menschen mit Morbus Parkinson zu verbessern. Es wird eine Kombination aus Aerobic-, Kraft- und Gleichgewichtsübungen empfohlen.
Tipps für den Alltag
- Lockerungsprogramm am Morgen: Da die Muskelsteifheit oft besonders ausgeprägt ist, empfiehlt sich ein Lockerungsprogramm mit großen Bewegungen und häufigen Wiederholungen.
- Gezielte Befehle: Geben Sie dem Körper gezielte Befehle, die große Bewegungen fördern, z. B. "Gehe große Schritte!".
- Reminder: Verwenden Sie Reminder, um sich daran zu erinnern, die Muskeln zu lockern und große Bewegungen zu machen.
- Mikrobewegungen: Fördern Sie die Durchblutung und reduzieren Sie die Grundanspannung durch kleine Mikrobewegungen.
- Regelmäßiges Training: Durch regelmäßiges Training und gezielte Übungen können die Missempfindungen und Verkrampfungen reduziert werden.
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