Zahnschmerzen bei Demenz: Ursachen und Behandlung

Eine gute Zahngesundheit trägt entscheidend zur Gesamtgesundheit bei. Doch was passiert, wenn Demenz ins Spiel kommt? Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Zahnschmerzen bei Demenzpatienten und zeigt Behandlungswege auf.

Demenz und Zahngesundheit: Eine wachsende Herausforderung

In Deutschland leben etwa 1,5 Millionen demente Menschen in 13.000 Heimen. In 30 Jahren wird sich diese Zahl voraussichtlich verdoppeln. Die Demenz hat viele Ursachen und verläuft sehr unterschiedlich. Im Durchschnitt verbringen Betroffene drei bis vier Jahre in einem Pflegeheim. Die Pflege ist entscheidend für das Wohlbefinden der Betroffenen.

Die Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie zeigt, dass Menschen ihre Zähne immer länger behalten. Während 1997 noch jeder vierte 65- bis 74-Jährige unter Zahnverlust litt, ist es heute nur noch jeder achte jüngere Senior. Es ist wichtig, Zahnverlust im Alter rechtzeitig vorzubeugen und Zahnerkrankungen zu vermeiden. Moderne Behandlungsmethoden tragen dazu bei, Zähne bis ins hohe Alter zu erhalten.

Ursachen von Zahnschmerzen bei Demenz

Zahnschmerzen bei Demenzpatienten können vielfältige Ursachen haben. Es ist wichtig, diese zu erkennen, um angemessen reagieren zu können.

  • Parodontitis: Rund 50 Prozent der über 35-Jährigen in Deutschland leiden unter Parodontitis, einer bakteriellen Entzündung des Zahnhalteapparates. Diese chronische Entzündung im Körper kann sich systemisch auswirken. Bei Alzheimer-Patienten wurde vermehrt das Parodontitis-Bakterium Porphyromonas gingivalis in bestimmten Hirnbereichen nachgewiesen. Dieses Bakterium dringt über den Blutkreislauf in die Gehirnsubstanz ein. Studien haben einen Zusammenhang zwischen Parodontitis und Alzheimer festgestellt. Regelmäßige Parodontitis-Behandlungen können möglicherweise den Verlust von Gehirnsubstanz in Alzheimer-relevanten Arealen verlangsamen.
  • Karies: Im Laufe des Lebens wird der Zahnschmelz durch säurehaltige Lebensmittel oder Zähneknirschen geschwächt. In den Rissen können sich Bakterien ansiedeln und Zahnerkrankungen begünstigen.
  • Mundtrockenheit: Im Alter wird der Speichelfluss geringer und die Neigung zu Mundtrockenheit steigt. Bestimmte Medikamente wie Blutdrucksenker können den Mund zusätzlich austrocknen. Dadurch lässt die Remineralisierung nach und die Zähne sind anfälliger für Karies.
  • Zahnfleischrückgang: Ein natürlicher Alterungsprozess ist zurückweichendes Zahnfleisch, das die Zahnhälse empfindlicher und anfälliger für Karies macht.
  • Sekundärkaries: Diese Form der Karies entsteht am altersbedingt zurückgehenden Zahnfleisch oder an Risikostellen wie Füllungs- oder Kronenrändern.
  • Mundschleimhautveränderungen: Abnehmender Speichelfluss begünstigt Veränderungen der Mundschleimhaut. Auch das Tragen von Zahnersatz kann zu Verletzungen und Druckstellen führen, die bakterielle Infektionen nach sich ziehen.
  • Grunderkrankungen: Diabetes und andere Stoffwechselerkrankungen können ebenfalls zu Zahnverlust führen und Entzündungen der Mundschleimhaut begünstigen. Es besteht ein erhöhtes Risiko, an Parodontitis zu erkranken.
  • Zahnverfall im fortgeschrittenen Stadium: Im Laufe einer demenziellen Entwicklung kann ein weitreichender Zahnzerfall entstehen, der erstaunlicherweise oft schmerzfrei ist.

Erkennen von Schmerzen bei Demenzpatienten

Schmerzen sind ein Warnsignal des Körpers. Je älter wir werden, desto eher leiden wir an altersbedingten, schmerzhaften Erkrankungen. Menschen mit Demenz im Anfangsstadium können ihre Schmerzen in der Regel noch gut artikulieren. Schwieriger wird es, wenn die Sprachfähigkeit nachlässt.

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Anzeichen für Schmerzen bei Demenzpatienten, die sich nicht mehr ausreichend verständlich machen können:

  • Kürzlicher Sturz oder Anschlagen
  • Ablehnung von Essen und Trinken (kann auf Zahnfleischentzündungen oder schlecht sitzende Zahnprothesen hindeuten)
  • Schmerzverzerrter Gesichtsausdruck
  • Verkrampfte Körperhaltung
  • Leises Jammern
  • Verhaltensänderungen
  • Gesichtsausdruck
  • Lautäußerungen
  • Körperhaltung
  • Soziales Verhalten

Es ist wichtig, diese Anzeichen ernst zu nehmen und den Patienten von Fachärzten untersuchen zu lassen. Auch wenn medizinisch keine Ursache für die geäußerten Schmerzen gefunden wird, sollte man die Äußerungen ernst nehmen und versuchen, Abhilfe zu schaffen.

Behandlung von Zahnschmerzen bei Demenzpatienten

Die Behandlung von Zahnschmerzen bei Demenzpatienten erfordert ein besonderes Augenmerk auf die individuellen Bedürfnisse und Einschränkungen der Betroffenen.

  • Schmerzlokalisation: Ist die Schmerzlokalisation nicht möglich, sollte man mit ärztlicher Absprache eine Schmerztablette anbieten.
  • Beobachtung: Nach der Tabletteneinnahme sollte man beobachten, ob der Patient ruhiger und entspannter wird und ob die Schmerzen nachlassen.
  • Placebo-Effekt: Manche Patienten verlangen kurze Zeit nach der Tabletteneinnahme erneut ein Medikament, obwohl es bereits gewirkt hat. In diesem Fall kann man zwischen den regulären Verabreichungsterminen ein Placebo (z.B. Tee-Tropfen statt Schmerztropfen oder Vitamintabletten statt Schmerztabletten) verabreichen.
  • Ursachenbekämpfung: Die Behandlung von Zahnschmerzen sollte sich immer an der Ursache orientieren. Bei Parodontitis ist eine professionelle Zahnreinigung und die Entfernung von entzündetem Gewebe notwendig. Karies wird durch Füllungen oder, im fortgeschrittenen Stadium, durch eine Wurzelkanalbehandlung behandelt.
  • Zahnentfernung: In manchen Fällen ist die Entfernung eines Zahnes unumgänglich. Bei Demenzpatienten sollte dies jedoch so schonend wie möglich erfolgen. Ein reizarmer Eingriff bei Dämmerlicht und in vertrauter Umgebung kann helfen, Ängste zu reduzieren.
  • Mundpflege: Eine sorgfältige Mundpflege ist bei Demenzpatienten besonders wichtig. Angehörige oder Pflegepersonal sollten die Zähne regelmäßig mit einer weichen Zahnbürste und fluoridhaltiger Zahnpasta reinigen. Bei Bedarf kann eine elektrische Zahnbürste die Reinigung erleichtern. Auch die Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Interdentalbürsten ist wichtig.
  • Prothesenpflege: Trägt der Patient eine Prothese, sollte diese täglich gereinigt und auf Druckstellen kontrolliert werden.
  • Regelmäßige Zahnarztbesuche: Regelmäßige Kontrolltermine beim Zahnarzt sind unerlässlich, um Zahnerkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Einige Zahnarztpraxen bieten inzwischen auch Hausbesuche oder Behandlungen in Pflegeheimen an.

Musiktherapie als ergänzende Behandlung

Musiktherapie kann als nichtmedikamentöse Behandlung eine ergänzende Therapie bei demenziell veränderten Menschen sein. Musik ist eng an Erinnerungen und Gefühle geknüpft. Ihr gezielter Einsatz kann sich positiv auf die Lebensqualität sowie die Lebenszufriedenheit auswirken. In der Musiktherapie sind die Einsatzmöglichkeiten von Musik vielfältig: Musik hören, singen, Instrumentalspiel aber auch Tanzen und Bewegung zur Musik.

Prävention von Zahnerkrankungen im Alter

Um Zahnausfall im Alter vorzubeugen, ist eine Kombination aus regelmäßigen Zahnarztterminen und häuslicher Mundhygiene ideal.

  • Tägliche Reinigung: Besonders wichtig ist die tägliche Reinigung der Zähne und der Zahnzwischenräume. Dazu sollten Sie entweder Zahnseide oder eine Interdentalbürste verwenden. Wer unter motorischen Einschränkungen leidet, sollte bei der Zahnreinigung eine elektrische Zahnbürste nutzen.
  • Regelmäßige Kontrolltermine: Halbjährliche Kontrolltermine bei Ihrem Zahnarzt sind entscheidend, wenn Sie Zahnausfall im Alter vermeiden möchten. Zusätzlich zu diesen Terminen und der täglichen Mundhygiene ist eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung (PZR) zu empfehlen. Bei der Prophylaxe entfernt das Zahnarztteam Plaque und Zahnstein und reinigt auch schwer erreichbare Stellen.
  • Gesunde Ernährung: Eine gesunde und vitaminreiche Ernährung sowie der Verzicht auf Nikotin und Alkohol sind ebenfalls wichtig für die Zahngesundheit.
  • Ausreichend trinken: Viel trinken hilft, der zunehmenden Mundtrockenheit entgegenzuwirken.

Die Bedeutung der Mundgesundheit für die Allgemeingesundheit

Die Mundgesundheit steht in engem Zusammenhang mit der Allgemeingesundheit. Entzündungen im Mundraum können sich negativ auf andere Körperbereiche auswirken. Studien haben Zusammenhänge zwischen Parodontitis und Erkrankungen wie Alzheimer, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Atemwegserkrankungen festgestellt.

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Eine gute Mundhygiene ist somit nicht nur wichtig für gesunde Zähne, sondern auch für die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden.

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