Zecken sind nicht nur lästig, sondern können auch gefährliche Krankheiten wie die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Während das FSME-Risiko traditionell eher in Süddeutschland verortet wurde, mehren sich die Anzeichen, dass auch Norddeutschland zunehmend betroffen ist. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Situation, die Risikogebiete, die Symptome der FSME und die wichtigsten Schutzmaßnahmen.
Zeckenaktivität und Klimawandel
Zecken, insbesondere der gemeine Holzbock, werden ab Temperaturen von etwa 8 Grad Celsius aktiv. Sie lauern im hohen Gras und in Gebüschen und klammern sich an vorbeistreifende Menschen und Tiere. Während die Hauptsaison üblicherweise im Frühjahr, Frühsommer und Herbst liegt, beobachten Experten aufgrund des Klimawandels und milder Winter eine Ausweitung der Zeckenaktivität auf das ganze Jahr. Milde Winter führen zu einer höheren Zeckenpopulation, während ein zu trockener Frühling die Entwicklung der Tiere beeinträchtigen kann, da sie ein feuchtwarmes Milieu bevorzugen.
FSME-Risikogebiete in Deutschland
Das Robert Koch-Institut (RKI) stuft Kreise als FSME-Risikogebiete ein, wenn dort über einen längeren Zeitraum FSME-Fälle auftreten, bei denen die Infektion am Wohnort erfolgt ist. Im Jahr 2025 wurden drei neue Kreise als Risikogebiete eingestuft: der Stadtkreis Augsburg in Bayern, der Landkreis Elbe-Elster in Brandenburg und der Landkreis Celle in Niedersachsen. Damit gelten in dieser Saison 183 Kreise als FSME-Risikogebiete.
Die meisten FSME-Risikogebiete liegen in Süddeutschland, insbesondere in Bayern und Baden-Württemberg. Es gibt aber auch Risikogebiete in Hessen, Thüringen, Sachsen, Brandenburg, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Nordrhein-Westfalen. Mit dem Landkreis Celle gibt es nun auch ein FSME-Risikogebiet in Niedersachsen, das nicht direkt an andere Risikogebiete angrenzt.
FSME-Fälle in Deutschland
Im Jahr 2024 wurden dem RKI bundesweit 686 FSME-Erkrankungsfälle gemeldet. Das ist die zweithöchste Zahl seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2001 und fast eine Verdopplung des jährlichen Medianwerts von 352 Erkrankungen. Die meisten Fälle traten in den südlichen Bundesländern auf. Allerdings gab es auch vereinzelt FSME-Infektionen außerhalb der ausgewiesenen Risikogebiete.
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Übertragung und Symptome der FSME
FSME-Viren werden durch den Stich infizierter Zecken übertragen. Anders als bei der Borreliose, bei der die Bakterien erst nach mehreren Stunden übertragen werden, erfolgt die FSME-Übertragung sofort beim Stich, da sich die Viren in den Speicheldrüsen der Zecke befinden. Um unbemerkt saugen zu können, injiziert die Zecke schmerzstillende Stoffe mit ihrem Speichel, wodurch auch die Viren in den Blutkreislauf des Opfers gelangen.
Nicht alle mit FSME-Viren infizierten Menschen entwickeln Symptome. Bei denjenigen, die Symptome zeigen, können diese bis zu 20 Tage nach dem Stich auftreten und mit Kopf- und Gliederschmerzen sowie Fieber beginnen. In einigen Fällen kommt es zu einem zweiten Fieberschub, begleitet von ersten Anzeichen einer Hirnhautentzündung, wie Erbrechen oder - in schweren Fällen - Bewusstseinsstörungen und Lähmungen, schlimmstenfalls der Atmung.
Verlauf und Behandlung der FSME
Meist heilt eine FSME innerhalb einer Woche ohne weitere Folgen aus. Die Beschwerden können aber auch über Monate andauern. Ein schwerer Verlauf ist bei Erwachsenen wesentlich häufiger als bei Kindern. Bei manchen Erkrankten klingen die grippeähnlichen Beschwerden zunächst ab. Wenige Tage nach der Besserung kommt es aber erneut zu Fieber, starker Müdigkeit und Kopfschmerzen. Zusätzlich treten Bewusstseins- und Koordinationsstörungen oder Lähmungen auf, etwa im Gesicht, an den Armen oder Beinen. Auch Schluck-, Seh- und Sprachstörungen sind möglich. Diese Beschwerden entstehen durch eine Entzündung des Gehirns oder der Hirnhäute. Sie sind meist vorübergehend, können selten aber dauerhaft bestehen bleiben.
Sehr selten ist eine zusätzliche Entzündung des Rückenmarks (Myelitis), die sich durch Muskelschwäche, Lähmungen und Gefühlsstörungen bemerkbar macht. Sie kommt bei älteren Menschen häufiger vor als bei jüngeren. Das Risiko für Folgeschäden ist bei einer Myelitis sehr hoch.
Da es sich bei FSME um eine Viruserkrankung handelt, sind Antibiotika wirkungslos. Es gibt bislang keine Medikamente, die direkt gegen das FSME-Virus wirken. Die Behandlung beschränkt sich daher auf die Linderung der Symptome und die Behandlung von Komplikationen.
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Schutz vor FSME
Der beste Schutz vor FSME ist die Impfung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die FSME-Impfung allen Personen, die in Risikogebieten leben oder sich dort aufhalten und einer Zeckenexposition ausgesetzt sind. Für einen vollständigen Impfschutz sind in der Regel drei Impfungen innerhalb eines Jahres erforderlich, gefolgt von Auffrischungsimpfungen alle drei bis fünf Jahre. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten der Impfung für Menschen, die in einem Risikogebiet leben.
Neben der Impfung gibt es weitere Maßnahmen, um sich vor Zeckenstichen zu schützen:
- Lange, helle Kleidung tragen: Helle Kleidung erleichtert das Erkennen von Zecken. Lange Ärmel und Hosenbeine verhindern, dass Zecken auf die Haut gelangen.
- Insektensprays verwenden: Insektensprays können Zecken abwehren.
- Körper nach Zecken absuchen: Nach einem Aufenthalt in der Natur sollte der Körper gründlich auf Zecken abgesucht werden. Besonders gründlich sollten dabei Hautfalten, Kniekehlen, Achseln und der Kopfbereich untersucht werden.
- Zecken richtig entfernen: Zecken sollten so schnell wie möglich mit einer Pinzette oder einem Zeckenentferner entfernt werden. Dabei sollte die Zecke möglichst nah an der Haut gefasst und langsam herausgezogen werden. Die Wunde sollte anschließend desinfiziert werden.
Die Rolle des Naturschutzbundes Deutschland (NABU)
Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) ruft dazu auf, gefundene Zecken zu melden. Wer eine Zecke entdeckt, kann nach dem Entfernen ein Foto davon machen und dem "NABU-Naturgucker" mitteilen. Es handelt sich dabei um eine gemeinsame Aktion mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo). Mit der Aktion soll untersucht werden, wie sich die Verbreitung von Buntzecken und anderen Zeckenarten in Deutschland im Zuge des Klimawandels entwickelt.
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