Zentrales Fieber bei Epilepsie: Ursachen, Symptome und Behandlung

Fieberkrämpfe sind ein häufiges und oft beängstigendes Ereignis im Kindesalter. Obwohl sie in den meisten Fällen harmlos sind, ist es wichtig, die Ursachen, Symptome und notwendigen Maßnahmen zu kennen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über zentrale Fieber bei Epilepsie, einschließlich der Ursachen von Fieberkrämpfen, Symptome, wann man einen Arzt aufsuchen sollte und was Eltern tun können.

Was sind Fieberkrämpfe?

Ein Fieberkrampf ist ein Anfall, der bei einem Kind im Zusammenhang mit Fieber auftritt. Definitionsgemäß handelt es sich um einen Krampfanfall, der ausschließlich durch Fieber verursacht wird, ohne dass eine andere zugrunde liegende Erkrankung vorliegt. Fieberkrämpfe treten typischerweise bei Kindern im Alter von sechs Monaten bis fünf Jahren auf. Etwa zwei bis vier Prozent der Kinder unter fünf Jahren erleben mindestens einmal einen Fieberkrampf.

Ursachen von Fieberkrämpfen

Die genaue Ursache von Fieberkrämpfen ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass das Gehirn in einer bestimmten Entwicklungsphase empfindlicher auf Temperaturerhöhungen reagiert, was zu einem Krampfanfall führen kann. Daher treten Fieberkrämpfe normalerweise bei Kindern im Alter von sechs Monaten und fünf Jahren auf. Insbesondere Kinder zwischen zwölf und 18 Monaten sind häufig betroffen.

Es gibt auch Hinweise auf eine familiäre Veranlagung. Risikofaktoren können ein niedriges Geburtsgewicht oder ein längerer Krankenhausaufenthalt nach der Geburt sein. Grundsätzlich kann ein Fieberkrampf bei jedem fieberhaften Zustand auftreten, einschließlich Erkältungen, Grippe, Magen-Darm-Infekten, Mandel- oder Mittelohrentzündungen sowie nach Impfungen. Meist sind harmlose Virusinfektionen die Ursache des Fiebers. Zum Beispiel werden beim Dreitagefieber häufig Fieberkrämpfe beobachtet.

Genetische Ursachen

Studien haben eine genetische Komponente bei Fieberkrämpfen aufgedeckt. Mutationen im Gen STX1B und die damit verbundene Fehlfunktion des Proteins Syntaxin-1B sollen dafür verantwortlich sein, dass es zu Fieberkrämpfen kommt. Diese Genmutationen führen bereits bei einem moderaten Anstieg der Temperatur zu einer Störung der Botenstoffe an den Synapsen, also der Verbindungsstelle zwischen zwei Nervenzellen. Einem internationalen Forscherteam um Experten der Universitäten Tübingen, Löwen und Luxemburg ist es gelungen, eine bislang unbekannte Ursache für diese häufigste Form epileptischer Anfälle von Kleinkindern nachzuweisen. Wie eine aktuell im Fachmagazin Nature Genetics erschienene Studie zeigt, sind Mutationen im Gen STX1B für die krankhaften Reaktionen auf Fieber verantwortlich. Die neu entdeckten Genveränderungen können langfristig zudem schwere Epilepsien und geistige Behinderungen verursachen.

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Fieberkrämpfe nach Impfungen

Fieberkrämpfe nach einer Impfung sind insgesamt selten. Sie werden durch eine impfbedingte Fieberreaktion ausgelöst und treten normalerweise innerhalb von 72 Stunden nach der Impfung auf. Bei Lebendimpfstoffen können Fieber und Krampfanfall auch in einem Zeitraum von sieben bis 14 Tagen nach der Impfung auftreten. Der Nutzen einer Impfung überwiegt normalerweise das Risiko eines Fieberkrampfes. Ärztinnen und Ärzte beraten dazu.

Symptome eines Fieberkrampfes

Ein Fieberkrampf kann sich auf verschiedene Weisen äußern. Normalerweise ist das Kind bewusstlos und nicht ansprechbar. Der Körper verkrampft sich und wird steif, dann beginnen Arme und Beine zu zucken. Zudem wirkt die Haut blass, die Lippen können sich blau färben und die Augen zurückrollen. Eventuell verliert das Kind Urin oder Stuhl, erbricht oder hat Schaum vor dem Mund. Selten können Versteifung und / oder Zucken auch fehlen und der Körper kann stattdessen völlig erschlaffen.

Der Anfall dauert meistens nicht länger als drei Minuten und hört dann von selbst auf. Danach kann das Kind erschöpft sein, erholt sich aber rasch wieder. Während eines Fieberkrampfes leidet das Kind nicht an Schmerzen, da es meist bewusstlos ist.

Wann sollte man einen Arzt verständigen?

Es ist wichtig, in bestimmten Situationen sofort ärztliche Hilfe zu suchen. Zögern Sie nicht, im Zweifelsfall den Notruf zu verständigen. Eine schnelle medizinische Versorgung ist insbesondere wichtig, wenn:

  • Ihr Kind zum ersten Mal einen Fieberkrampf hat - unabhängig davon, wie lange er dauert.
  • Der Krampfanfall länger als fünf Minuten dauert.
  • Das Kind sich nach dem Anfall nicht rasch erholt.
  • Es Hinweise auf eine Hirnhautentzündung gibt wie einen steifen Nacken, extreme Schläfrigkeit, ein sehr schlechter Allgemeinzustand oder bei Babys eine extreme Trinkschwäche.
  • Es etwas "anders ist" als bei vorangegangenen Fieberkrämpfen, insbesondere dann, wenn es starke Kopfschmerzen hat, den Kopf nicht nach vorne beugen kann oder lichtscheu ist; dies sind Hinweise auf eine Hirnhautentzündung.
  • Ihr Kind auffallend inaktiv und bewegungslos ist.
  • Es nicht ansprechbar ist, blass wird, die Augen verdreht, den Körper versteift und krampfartig zuckt.
  • Die Muskulatur völlig erschlafft, die Atmung langsamer wird und der Körper blau anläuft.
  • Ihr Kind Lähmungserscheinungen zeigt und z. B. unfähig ist, eine Körper- oder Gesichtshälfte richtig zu bewegen.

In der Regel müssen Kinder nach einem Fieberkrampf ärztlich untersucht werden, um die Ursache des Fiebers zu klären und schwerwiegende Erkrankungen wie eine Hirnhautentzündung zu erkennen. Auch müssen sie einen vermeintlichen Fieberkrampf beispielsweise von einem Schüttelfrost, einem Ohnmachtsanfall oder einer Epilepsie abgrenzen. Ärztinnen und Ärzte entscheiden, ob sie dafür etwa Blut oder Hirnwasser untersuchen müssen oder die Hirnströme im Elektroenzephalogramm (EEG) messen sollten, um Hinweise auf eine Epilepsie zu finden. Eventuell empfehlen sie auch eine Untersuchung des Kopfes mittels Magnetresonanztomographie (MRT). Sie entscheiden auch, ob das Kind im Krankenhaus behandelt werden sollte. Dafür sind unter anderem die Ergebnisse der körperlichen Untersuchung, die Angaben der Eltern und das Alter des Kindes entscheidend.

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Was Eltern tun können

Wenn ein Kind einen Fieberkrampf hat, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und darauf zu achten, dass es sich während des Anfalls nicht verletzt. Hier sind einige Maßnahmen, die Eltern ergreifen können:

  • Das Kind nicht festhalten und nichts zu Essen oder Trinken geben oder in den Mund tun. Das Kind könnte sich verletzen oder verschlucken.
  • Das Kind behutsam seitlich lagern - am besten auf einer weichen Unterlage. Mund und Nase müssen dabei frei sein. Speichel und Erbrochenes sollte ablaufen können und nicht in die Lunge gelangen.
  • Harte Gegenstände in der Umgebung des Kindes entfernen oder polstern, damit sich das Kind nicht verletzt.
  • Rasch ärztliche Hilfe verständigen und beobachten, wie lange der Anfall dauert und wie er aussieht. Zum Beispiel: Sind die Augen offen oder geschlossen? Zucken Arme und Beine oder nur ein kleiner Bereich des Körpers? Diese Informationen benötigen Behandler, um die Diagnose zu stellen und eventuell weitere Untersuchungen zu veranlassen.

Es ist wichtig, die Zeit im Blick zu haben, da Fieberkrämpfe meist innerhalb von drei Minuten von selbst aufhören. Ärztinnen und Ärzte unterscheiden auch einen einfachen von einem komplizierten Fieberkrampf. Der einfache Fieberkrampf ist häufiger. Per Definition dauert er maximal 15 Minuten, tritt maximal einmal innerhalb von 24 Stunden auf und betrifft nicht nur eine Körperregion.

Folgen von Fieberkrämpfen und wiederholte Fieberkrämpfe

Ein einfacher Fieberkrampf hat normalerweise keine gesundheitlichen Folgen oder negative Auswirkungen auf die geistige Entwicklung. Etwa ein Drittel der Kinder hat aber zu einem späteren Zeitpunkt wieder einen Fieberkrampf. Das passiert zum Beispiel eher bei Kindern, die beim ersten Anfall unter 18 Monate alt waren, schon bei Fieber niedriger Temperatur mit einem Anfall reagiert haben oder einen langanhaltenden oder komplizierten Fieberkrampf hatten.

Auch haben Kinder, die einen Fieberkrampf hatten, ein höheres Risiko später eine Epilepsie zu entwickeln. Aber: Das Risiko ist noch immer klein und gegenüber der Allgemeinbevölkerung nur leicht erhöht. Als Risikofaktoren gelten zum Bespiel ein junges Alter des Kindes beim ersten Fieberkrampf, komplizierte Fieberkrämpfe und eine bereits bestehende neurologische Erkrankung.

Epilepsie

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte, unprovozierte Anfälle gekennzeichnet ist, die aus einer plötzlichen, abnormalen elektrischen Aktivität im Gehirn resultieren. Die Diagnose wird anhand des Anfallgeschehens und durch Zusatzbefunde, die auf eine Prädisposition für weitere epileptische Anfälle hindeuten - zum Beispiel epilepsietypische Potenziale im Elektroenzephalogramm (EEG) und/oder zum Anfallsereignis passende strukturelle Läsionen in der Bildgebung - erhoben. Die Behandlung basiert nahezu immer auf einer medikamentösen Therapie, ggf. begleitet von nicht pharmakologischen Maßnahmen wie ketogener Diät und Psychotherapie.

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Es gibt verschiedene Formen epileptischer Anfälle, die sich in ihren Symptomen und Ursachen unterscheiden. Zu den häufigsten Anfallsformen gehören:

  • Fokale Anfälle: Diese Anfälle beginnen in einem bestimmten Bereich des Gehirns und können sich auf andere Bereiche ausbreiten. Die Symptome hängen davon ab, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist.
  • Generalisierte Anfälle: Diese Anfälle betreffen das gesamte Gehirn und führen in der Regel zu Bewusstseinsverlust und Muskelkrämpfen.
  • Absencen: Diese Anfälle sind kurze Bewusstseinsaussetzer, die oft unbemerkt bleiben. Sie treten häufig bei Kindern auf.
  • Myoklonische Anfälle: Diese Anfälle sind kurze, ruckartige Zuckungen der Muskeln.
  • Tonisch-klonische Anfälle: Diese Anfälle sind die bekannteste Form von epileptischen Anfällen. Sie beginnen mit einer Versteifung des Körpers (tonische Phase), gefolgt von rhythmischen Zuckungen (klonische Phase).

Risikofaktoren für Epilepsie nach Fieberkrämpfen

Obwohl das Risiko, nach einem Fieberkrampf eine Epilepsie zu entwickeln, gering ist, gibt es bestimmte Risikofaktoren, die dieses Risiko erhöhen können:

  • Junges Alter des Kindes beim ersten Fieberkrampf
  • Komplizierte Fieberkrämpfe
  • Bereits bestehende neurologische Erkrankung
  • Familienanamnese mit Epilepsie

Ärztliche Beratung und Behandlung

Neigt ein Kind zu Fieberkrämpfen, beraten Kinderärztinnen und -ärzte entsprechend, was bei einem erneuten Anfall zu tun ist. Eventuell verschreiben sie ein Medikament, das Eltern geben können, um ihn zu unterbrechen. Diese Medikamente werden entweder über eine Rektiole, eine Art Zäpfchen, gegeben oder als Medikamentenlösung in den Mund. Wird beim nächsten fieberhaften Infekt das Fieber nach ärztlicher Vorgabe mit Medikamenten gesenkt, kann sich das Kind dadurch zwar besser fühlen.

Medikamentöse Behandlung

Bei Kindern mit einem hohen Risiko für wiederholte Fieberkrämpfe kann eine vorbeugende Behandlung mit fiebersenkenden Medikamenten in Betracht gezogen werden. Diese Medikamente können helfen, das Fieber zu senken und das Risiko eines erneuten Krampfanfalls zu verringern. In einigen Fällen kann auch eine Dauermedikation mit krampflösenden Medikamenten erforderlich sein. Empfehlenswert ist es, ein krampfhemmendes Medikament mit dem Wirkstoff Diazepam (rezeptpflichtig) im Haus zu haben. Diazepam wird rektal verabreicht, als Mikroklistier (eine kleine Tube) oder als Zäpfchen. Damit lässt sich ein erneuter Fieberkrampf selbst behandeln. Zur Prophylaxe weiterer Krampfanfälle verschreibt die Ärzt*in manchmal als Dauertherapie Valproat oder Phenobarbital.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen

Neben der medikamentösen Behandlung gibt es auch eine Reihe von nicht-medikamentösen Maßnahmen, die Eltern ergreifen können, um das Risiko von Fieberkrämpfen zu verringern:

  • Regelmäßige Temperaturkontrolle bei fieberhaften Erkrankungen
  • Fiebersenkende Maßnahmen wie Wadenwickel oder fiebersenkende Medikamente
  • Vermeidung von Überhitzung des Kindes
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr

Erste Hilfe bei einem Fieberkrampf

Die Erste-Hilfe-Maßnahmen bei einem Fieberkrampf bestehen aus der Entfernung des Kindes von Treppen oder ähnlich gefährlichen Orten, dem Rufen der Notärzt*in beim ersten Fieberkrampf und der stabilen Seitenlage nach dem Anfall.

  • Ruhe bewahren: Ein Anfall wirkt oft extrem und dramatisch, in den meisten Fällen hört er jedoch bereits nach wenigen Minuten von selbst auf und Betroffene nehmen keinen Schaden.
  • Ggf. Notarzt rufen: Sie haben nicht gesehen, wie die oder der Betroffene zu Boden gegangen ist? In diesem Fall sollten Sie Notärztin oder Notarzt rufen, damit Verletzungen durch einen möglichen Sturz ausgeschlossen werden können. Der Einsatz einer Notärztin oder eines Notarztes ist auch dann wichtig, wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert oder die betroffene Person nach dem Anfall nicht normal atmet.
  • Gefahren minimieren: Krampfende Menschen haben keine Kontrolle über ihren Körper.
  • Abschirmen: Der dramatische Effekt eines Krampfanfalls zieht häufig Blicke von Passanten an, gerade, wenn dieser mitten in der Öffentlichkeit stattfindet. Versuchen Sie daher, die betroffene Person zu schützen, indem sie diese vor unerwünschten Blicken abschirmen.
  • Nichts in den Mund stecken: Häufig hält sich das Gerücht, krampfenden Personen Gegenstände in den Mund zu stecken, um einen Biss auf die Zunge zu verhindern.
  • Nach dem Anfall folgt die stabile Seitenlage: Nach dem Anfall kann die betroffene Person bewusstlos sein.

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