Das zentrale Nervensystem (ZNS), bestehend aus Gehirn und Rückenmark, ist die Steuerzentrale des Körpers. Seine komplexen Funktionen erfordern eine präzise und störungsfreie Arbeitsweise. Eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür ist eine ausreichende Durchblutung, die das Gehirn mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.
Die Rolle der Durchblutung für das Gehirn
Das Gehirn hat aufgrund seiner hohen Aktivität einen enormen Energiebedarf. Obwohl es nur etwa 3 % des durchschnittlichen Körpergewichts ausmacht, benötigt es etwa 20 % der gesamten Blutmenge, die vom Herzen in den Körperkreislauf gepumpt wird. Durch dieses Blut gelangen Sauerstoff und Nährstoffe zu den Nervenzellen im Gehirn, die für ihre Funktion unerlässlich sind.
Eine Unterbrechung der Blutversorgung, beispielsweise durch Herzstillstand, Ersticken oder Blutunterzuckerung, kann zu einer Schädigung oder sogar zum Absterben von Nervenzellen führen. Auch andere Faktoren wie Gehirntumoren, krankhafte Veränderungen von Blutgefäßen, mechanische Verletzungen durch Unfälle, Blutungen ins Gehirn und Entzündungen können die Ursache für Funktionsstörungen sein.
Ursachen und Folgen von Durchblutungsstörungen im Gehirn
Die häufigste Ursache für eine Schädigung von Gehirn und Nervensystem ist eine mangelnde Durchblutung. Es gibt verschiedene Faktoren, die zu Durchblutungsstörungen im Gehirn führen können:
- Schlaganfall: Ein Schlaganfall ist eine plötzlich auftretende Störung des Blutflusses im Gehirn, die zu einer Unterversorgung des Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen führt. Ursache kann ein verstopftes Blutgefäß (ischämischer Schlaganfall) oder eine Hirnblutung sein.
- Arteriosklerose: Die Arteriosklerose, auch Arterienverkalkung genannt, ist eine Verengung der Blutgefäße durch Ablagerungen. Sie kann die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigen und das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Erkrankungen wie Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen können die Pumpleistung des Herzens beeinträchtigen und somit die Durchblutung des Gehirns reduzieren.
- Niedriger Blutdruck: Ein zu niedriger Blutdruck kann dazu führen, dass das Gehirn nicht ausreichend mit Blut versorgt wird.
- Entzündungen: Entzündungen der Hirngefäße können die Durchblutung beeinträchtigen.
Die Folgen von Durchblutungsstörungen im Gehirn können vielfältig sein und hängen von der Schwere und dem Ort der Schädigung ab. Mögliche Symptome sind:
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- Bewusstseinsstörungen
- Taubheitsgefühle
- Lähmungen
- Schwäche
- Sprachstörungen
- Schwindel
- Gangstörungen
- Kopfschmerzen
Das vegetative Nervensystem und seine Bedeutung für die Durchblutung
Das vegetative Nervensystem (auch autonomes Nervensystem genannt) reguliert lebenswichtige Körperfunktionen, die nicht bewusst steuerbar sind, wie beispielsweise die Herzfrequenz, den Blutdruck, die Atmung, die Verdauung, den Stoffwechsel, die Körpertemperatur oder die sexuelle Reaktion. Es unterteilt sich in das sympathische Nervensystem (Sympathikus) und das parasympathische Nervensystem (Parasympathikus).
Der Sympathikus bereitet den Organismus auf körperliche und geistige Leistungen vor. Er sorgt dafür, dass das Herz schneller und kräftiger schlägt, erweitert die Atemwege, damit man besser atmen kann, und hemmt die Darmtätigkeit. Der Parasympathikus kümmert sich um die Körperfunktionen in Ruhe: Er aktiviert die Verdauung, kurbelt verschiedene Stoffwechselvorgänge an und sorgt für Entspannung.
Gerät dieses Wechselspiel von Sympathikus und Parasympathikus aus dem Gleichgewicht, stört das den Ablauf lebenswichtiger Prozesse und Fachleute sprechen von einer vegetativen Dystonie oder von somatoformen Störungen. Eine vegetative Dystonie kann sich durch vielfältige unspezifische Symptome äußern, wie beispielsweise Verdauungsbeschwerden, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Schwindel oder Schlafstörungen.
Vegetative Dystonie: Ursachen, Symptome und Behandlung
Für eine vegetative Dystonie gibt es oft keine konkrete Ursache. Es können sowohl körperliche als auch psychische Faktoren eine Rolle spielen. Nicht selten ist es eine Kombination aus beiden. Zu den häufigsten körperlichen Ursachen zählt Diabetes mellitus (Typ 2). Ebenso kann die vegetative Dystonie durch neurologische Erkrankungen, wie Parkinson oder Erkrankungen des peripheren Nervensystems ausgelöst werden. Da Körper und Psyche über das vegetative Nervensystem eng miteinander verbunden sind, können sich auch psychologische und soziale Faktoren wie Stress, Sorgen oder Überforderung auf das vegetative Nervensystem auswirken.
Die Behandlung erfordert eine individuelle Herangehensweise, die sich an der eigentlichen Ursache und der Lebenssituation der Patienten orientiert. Wenn kein Hinweis auf eine organische Ursache zugrunde liegt, zählen sowohl psycho- und physiotherapeutische Maßnahmen, als auch der Einsatz bestimmter Medikamente zu den möglichen Behandlungsmethoden.
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Vorbeugung von Durchblutungsstörungen im Gehirn
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die man ergreifen kann, um Durchblutungsstörungen im Gehirn vorzubeugen:
- Gesunde Lebensweise: Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und der Verzicht auf Rauchen können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und somit auch für Durchblutungsstörungen im Gehirn senken.
- Blutdruckkontrolle: Ein zu hoher Blutdruck sollte behandelt werden, um das Risiko für einen Schlaganfall zu reduzieren.
- Diabetes-Management: Eine gute Kontrolle des Blutzuckerspiegels bei Diabetes kann das Risiko für Gefäßschäden und somit auch für Durchblutungsstörungen im Gehirn senken.
- Stressabbau: Chronischer Stress kann sich negativ auf das vegetative Nervensystem und die Durchblutung auswirken. Entspannungsmethoden wie Yoga, Meditation oder andere Achtsamkeitsübungen können helfen, das Stresslevel zu senken und das Nervensystem wieder zu beruhigen.
- Ausreichend Schlaf: Ein gesunder Schlaf ist unerlässlich für die Stressbewältigung und Regeneration des Nervensystems.
Die Rolle des Nervensystems im Alltag
Das Nervensystem steuert bewusste und unbewusste Prozesse. Es besteht aus Abermilliarden Nervenzellen. Das komplexe Netz steuert bewusste und unbewusste Prozesse - wie die folgende, für die meisten von uns ganz alltägliche Szene an der Kaffeemaschine deutlich macht. Das Nervensystem leistet viel, wenn man sich eine Tasse Kaffee schmecken lässt.
Wenn man eine Tasse greifen will, laufen unzählige Prozesse im motorischen Nervensystem ab. Aus den Infos der Sinneswahrnehmung berechnet das Gehirn, wohin man greifen muss. Über das Rückenmark und die an Muskeln andockenden Nervenzellen gibt es den Befehl zum Ausstrecken der Hand. Die Bewegung wird fortlaufend mit den Reizen abgeglichen, die das sensorische Nervensystem ans Hirn zurücksendet: damit man nicht danebengreift, nicht kleckert oder sich am heißen Kaffee verbrennt. Auch wenn man dabei nicht nachdenkt, ist das ein bewusster Prozess.
Nervenbahnen durchziehen wie Stromkabel den gesamten Körper und leiten Reize zum Hirn und Befehle aus der Zentrale wieder zurück zu der Körperstelle. Eine Nervenbahn besteht aus gebündelten Nervenzellen und ist mit einer Schutz-Hülle umgeben. Jeder Mensch hat Abermilliarden Nervenzellen (Neuronen). Mit ihren „Zweigen“ (Dendriten) empfangen sie Signale aus den Nachbarzellen und schicken sie über den Stamm (Axon) zu den Synapsen, den Kontaktstellen zur nächsten Zelle. Nervenzellen sind im Durchmesser nur bis 0,1 Millimeter groß, das Axon kann aber bis zu einem Meter lang sein. Eine Nervenzelle kann bis zu 100.000 Synapsen haben. Wenn Nervenzellen einen Kaffeeklatsch machen wollen - also ein Reiz von einer Zelle zur nächsten weitergeleitet werden soll, arbeiten die meisten Synapsen mit chemischen Botenstoffen, andere mit elektrischen Signalen.
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Das Nervensystem umfasst alle Nervenzellen des menschlichen Körpers. Mit ihm kommuniziert er mit der Umwelt und steuert gleichzeitig vielfältige Mechanismen im Inneren. Das Nervensystem nimmt Sinnesreize auf, verarbeitet sie und löst Reaktionen wie Muskelbewegungen oder Schmerzempfindungen aus. Wer zum Beispiel auf eine heiße Herdplatte fasst, zieht die Hand reflexartig zurück - und die Nervenbahnen senden gleichzeitig ein Schmerzsignal ans Gehirn.
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Das Nervensystem enthält viele Milliarden Nervenzellen, sogenannte Neuronen. Allein im Gehirn sind es rund 100 Milliarden. Jede einzelne Nervenzelle besteht aus einem Körper und verschiedenen Fortsätzen. Die kürzeren Fortsätze (Dendriten) wirken wie Antennen: Über sie empfängt der Zellkörper Signale, zum Beispiel von anderen Nervenzellen.
Nach der Lage der Nervenbahnen im Körper unterscheidet man zwischen einem zentralen und einem peripheren Nervensystem. Das zentrale Nervensystem (ZNS) umfasst Nervenbahnen in Gehirn und Rückenmark. Es befindet sich sicher eingebettet im Schädel und dem Wirbelkanal in der Wirbelsäule. Das willkürliche Nervensystem (somatisches Nervensystem) steuert alle Vorgänge, die einem bewusst sind und die man willentlich beeinflussen kann. Dies sind zum Beispiel gezielte Bewegungen von Gesichtsmuskeln, Armen, Beinen und Rumpf.
Das vegetative Nervensystem (autonomes Nervensystem) regelt die Abläufe im Körper, die man nicht mit dem Willen steuern kann. Es ist ständig aktiv und reguliert beispielsweise Atmung, Herzschlag und Stoffwechsel. Hierzu empfängt es Signale aus dem Gehirn und sendet sie an den Körper. In der Gegenrichtung überträgt das vegetative Nervensystem Meldungen des Körpers zum Gehirn, zum Beispiel wie voll die Blase ist oder wie schnell das Herz schlägt. Das vegetative Nervensystem kann sehr rasch die Funktion des Körpers an andere Bedingungen anpassen. Ist einem Menschen beispielsweise warm, erhöht das System die Durchblutung der Haut und die Schweißbildung, um den Körper abzukühlen.
Sowohl das zentrale als auch das periphere Nervensystem enthalten willkürliche und unwillkürliche Anteile. Das sympathische und parasympathische Nervensystem (Sympathikus und Parasympathikus) wirken im Körper meist als Gegenspieler: Der Sympathikus bereitet den Organismus auf körperliche und geistige Leistungen vor. Er sorgt dafür, dass das Herz schneller und kräftiger schlägt, erweitert die Atemwege, damit man besser atmen kann, und hemmt die Darmtätigkeit. Der Parasympathikus kümmert sich um die Körperfunktionen in Ruhe: Er aktiviert die Verdauung, kurbelt verschiedene Stoffwechselvorgänge an und sorgt für Entspannung.
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