Trigeminusneuralgie: Ursachen, Diagnose, Behandlungsmethoden und Krankenhausaufenthalt

Die Trigeminusneuralgie, auch als Gesichtsschmerz bekannt, ist eine chronische Schmerzerkrankung, die durch heftige, einschießende Schmerzen im Gesicht gekennzeichnet ist. Diese Schmerzen werden oft als die stärksten vorstellbaren Schmerzen beschrieben und können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Trigeminusneuralgie, einschliesslich ihrer Definition, Ursachen, Diagnose und verschiedenen Behandlungsoptionen, sowie Informationen über den typischen Krankenhausaufenthalt im Zusammenhang mit chirurgischen Eingriffen.

Was ist Trigeminusneuralgie? Definition und Ursachen

Die Trigeminusneuralgie ist ein Reizungszustand des fünften Hirnnerven, des sogenannten Trigeminusnervs. Dieser Nerv ist für die Gefühlswahrnehmung im Gesicht, der Nasenhöhle, der Mundhöhle und der Kaumuskeln verantwortlich. Der Trigeminusnerv teilt sich in drei Hauptäste auf:

  • V1: Augenast (Nervus ophthalmicus) - versorgt den Stirnbereich
  • V2: Oberkieferast (Nervus maxillaris) - versorgt den Oberkiefer
  • V3: Unterkieferast (Nervus mandibularis) - versorgt den Unterkiefer

Man unterscheidet zwischen der klassischen (idiopathischen) und der symptomatischen Trigeminusneuralgie. Diese Unterscheidung ist wichtig, da sie das therapeutische Vorgehen beeinflusst.

Ursachen der Trigeminusneuralgie

Die Ursachen der Trigeminusneuralgie können vielfältig sein:

  • Symptomatische Trigeminusneuralgie: Hier kann eine klare Ursache identifiziert werden, wie z.B. ein Entzündungsprozess (z.B. bei Multipler Sklerose) oder ein raumfordernder Hirntumor. Wenn der Trigeminusneuralgie eine Multiple Sklerose oder eine andere Grunderkrankung zugrunde liegt, wird diese ebenfalls behandelt.
  • Idiopathische Trigeminusneuralgie: Bei der klassischen Form wird die Ursache oft als unbekannt bezeichnet. In den meisten Fällen liegt jedoch ein anatomisches Korrelat für die Schmerzursache vor. Häufig ist ein neurovaskulärer Konflikt verantwortlich, bei dem ein enger Kontakt zwischen dem Nerv und einem pochenden Blutgefäß besteht. Diese Kompression führt zu einer dauerhaften Reizung des Nervs. Ein Kontakt zwischen dem Nerv und einem Blutgefäß ist bei vielen Menschen vorhanden, ohne dass Beschwerden bestehen. Nur wenn die beschriebenen Schmerzen auftreten, handelt es sich um einen behandlungsbedürftigen Befund.

Diagnose der Trigeminusneuralgie

Die Diagnose der Trigeminusneuralgie erfolgt in mehreren Schritten:

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  1. Klinische Untersuchung: Die Symptome und die Krankengeschichte des Patienten werden erfasst. Die Schmerzqualität wird objektiv geprüft. Typisch sind blitzartige, stechende Schmerzen, die durch Berührungen, Kauen, Sprechen oder sogar Luftzüge ausgelöst werden können. Die Gesichtsschmerzen gehören zu den stärksten vorstellbaren Schmerzen. Sie werden häufig auf einer VAS Schmerzskala von 0 bis 10 mit der höchsten Stufe angegeben. Am häufigsten sind der Oberkieferast (Nervus maxillaris) und Unterkieferast (Nervus mandibularis) bzw. beide kombiniert einseitig betroffen. Beidseitige Trigeminusneuralgien sind sehr selten.
  2. Bildgebung (MRT): Eine MRT-Untersuchung des Kopfes wird durchgeführt, um andere Ursachen wie Multiple Sklerose, Tumore, Chiari-Fehlbildungen oder Gefäßfehlbildungen auszuschließen. Die MRT kann auch neurovaskuläre Kompressionen erkennen.

Burchiel-Klassifikation der Trigeminusneuralgie

Die Burchiel-Klassifikation teilt die Trigeminusneuralgie in drei Typen ein:

  • Typ 1: Starke, sekundenkurze Schmerzen, die mehrmals täglich auftreten. Die Anfälle werden spontan oder durch Auslöser wie Wind, Essen, Trinken oder Zähneputzen ausgelöst. Patienten mit Typ-1-Trigeminusneuralgie haben nach jeder Behandlungsmethode die erfolgreichsten Therapieergebnisse.
  • Typ 2b: Zahn- oder Nasennebenhöhlenschmerzen. Der Schmerz ist langwierig, konstant und pochend. Auch diese Patient*innen können von einer chirurgischen Behandlung deutlich profitieren.
  • Typ 2a: Zu Beginn des Krankheitsverlaufs bestehen Typ1-Symptome. Im Laufe der Zeit kommt es zu einem konstanteren Schmerz mit Typ2b-Charakter. Der Therapieerfolg liegt zwischen den beiden anderen Typen.

Therapie der Trigeminusneuralgie

Bei der Therapie der Trigeminusneuralgie unterscheidet man zwischen konservativen und invasiven Behandlungen.

Konservative Behandlung

Die medikamentöse Behandlung ist die gängigste Therapie. Da Opioide und nichtsteroidale Entzündungshemmer bei neuropathischen Schmerzen unwirksam sind, werden krampflösende Medikamente (Antikonvulsiva) eingesetzt. Das am häufigsten verwendete Medikament ist Carbamazepin. Andere Mittel sind unter anderem Oxcarbazepin, Gabapentin, Phenytoin, Lamotrigin oder Baclofen. Typischerweise wird die medikamentöse Therapie mit Gabapentin oder Pregabalin begonnen. Beide Mittel stammen aus der Behandlung der Epilepsie und werden daher auch als Antikonvulsiva bezeichnet.

Nachteile der medikamentösen Therapie:

  • Die Wirkung der Medikamente kann mit der Zeit nachlassen.
  • Schmerzen können medikamentenresistent werden.
  • Die Medikamentendosen müssen möglicherweise erhöht werden.
  • Starke Müdigkeit und Schwindel können als Nebenwirkungen auftreten.
  • Durch die Medikamente können Störungen im Elektrolythaushalt auftreten.

Invasive Behandlung

Wenn die medikamentöse Therapie nicht ausreicht, kommen invasive Behandlungen in Frage.

Mikrovaskuläre Dekompression (MVD)

Die mikrovaskuläre Dekompression (MVD), auch als Janetta-Operation bekannt, ist die einzige Behandlung, die die Ursache der klassischen Trigeminusneuralgie beseitigt. Bei diesem Eingriff wird der Nervus trigeminus sowie die mit ihm in Verbindung stehende Arterie über einen Hautschnitt hinter dem Ohr zugänglich gemacht. Die Arterie wird vorsichtig vom Nerv getrennt und ein Stück Teflon-Watte zwischen die beiden eingebracht, so dass kein direkter Kontakt mehr besteht. Es findet keine Beschädigung nervaler Strukturen statt.

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Vorteile der MVD:

  • Geringstes Risiko für sensorische trigeminale Nebenwirkungen
  • Niedrigste relative Rezidivrate (Häufigkeit des Wiederauftretens der Erkrankung)
  • Nachlassen der extremen Schmerzen oft bereits unmittelbar nach der Operation
  • Weitere Reduktion der Beschwerden nach Erholung der Myelinscheiden in den folgenden Wochen
  • Treten erneute Beschwerden auf, kann ein erneuter Eingriff durchgeführt werden.

Risiken und Nebenwirkungen der MVD:

Wird sie von erfahrenen Neurochirurg:innen durchgeführt, gilt die mikrovaskuläre Dekompression als sichere Behandlungsmethode. Studien zeigen, dass das Komplikationsrisiko bei rund 1,4 Prozent liegt. Die häufigsten Nebenwirkungen - die für sich genommen mit rund einem Prozent trotzdem sehr selten auftreten - sind einseitige Taubheit oder Gefühlstörungen auf der operierten Seite.

Erfolgsquote der MVD:

Rund 75 Prozent aller Patient:innen sind nach der mikrovaskulären Dekompression über einen Zeitraum von zehn bis 20 Jahren schmerzfrei. Kommt der Schmerz zurück, kann die Operation noch einmal durchgeführt werden. In aller Regel sind die Patienten nach dem Eingriff sofort schmerzfrei. Die Erfolgsrate liegt bei weit über 90%. Im Laufe der Zeit ist eine Wiederkehr der Schmerzen möglich, aber in großen Studien betrug die Erfolgsrate nach zehn Jahren noch ungefähr 70%.

Stereotaktische Bestrahlung (Radiochirurgische Behandlung)

Eine weitere Behandlungsmethode ist die radioaktive Bestrahlung der Trigeminuswurzel im Hirnstamm mit ionisierenden Strahlen (GammaKnife®, CyberKnife®). Durch die gezielte Bestrahlung wird ein millimeterkleiner Strahlenschaden im Nerven verursacht. Die Schmerzlinderung setzt nach wenigen Wochen ein. Allerdings sind die Langzeitergebnisse nicht so gut wie bei der mikrovaskulären Dekompression. Der Vorteil liegt jedoch darin, dass sie ohne operativen Eingriff erfolgt.

Risiken und Nebenwirkungen der stereotaktischen Bestrahlung:

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Gefühlsstörungen im Gesicht, die auch die Hornhaut des Auges betreffen können.

Erfolgsquote der stereotaktischen Bestrahlung:

Rund 70 Prozent der Patient:innen berichten nach der Behandlung davon, keine Beschwerden mehr zu haben. Wenn die Schmerzen zurückkehren, kann man noch einmal bestrahlen.

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Perkutane Verfahren

Zu den perkutanen Verfahren zählen:

  • Ballonkompression
  • Glycerininjektion
  • Thermokoagulation

Bei diesen Verfahren wird ein Nervenknoten, das Ganglion Gasseri, mit einer Nadel (Kanüle) zugänglich gemacht und dann ein oder mehrere Äste des Trigeminusnervs durch Druck (Ballonkompression), Alkohol (Glycerininjektion) oder Hitze (Thermokoagulation) geschädigt. Meist führen die verschiedenen Verfahren über einige Jahre zu Schmerzfreiheit. Stellen sich die Schmerzen dann erneut ein, können die Eingriffe im Allgemeinen wiederholt werden. Jedoch sind die Erfolgsraten niedriger und es besteht ein kleines Risiko für bleibende Taubheitsgefühle im Gesicht.

Elektrostimulation

Bei der Elektrostimulation wird zunächst eine Teststimulation über eine Nadelelektrode durchgeführt. Wirkt diese, so wird über verschiedene Zugangswege eine Elektrode im Bereich des Nervenknotens (Ganglion) eingesetzt. Mit der dauerhaft implantierten Elektrode kann zum Teil eine gute Schmerzlinderung erzielt werden. Der Vorteil gegenüber den oben beschriebenen zerstörenden Techniken ist, dass die Nebenwirkungen umkehrbar (reversibel) sind.

Risiken und Nebenwirkungen der Elektrostimulation:

Bei der Teststimulation kann es zu leichten Blutergüssen und Schmerzen im Bereich der Elektrodeneinführung kommen. Ebenso wie beim Einsetzen einer dauerhaften Elektrode besteht ein geringes Risiko von Infektionen und Verletzungen des Nervens.

Fraktionierte Thermokoagulation

Die fraktionierte Thermokoagulation (auch als radiofrequente Thermokoagulation bezeichnet) ist ein minimal-invasives Verfahren, bei dem hochfrequente Radiowellen genutzt werden, um gezielt Nervenfasern zu veröden (koagulieren). Das Hauptziel dieser Methode ist die signifikante Reduktion oder Beseitigung der starken Schmerzen, die mit der Trigeminusneuralgie einhergehen. In vielen Fällen führt die Behandlung zu einer sofortigen oder kurzfristigen Schmerzlinderung. Die fraktionierte Thermokoagulation ist eine der etablierten minimal-invasiven Methoden zur Behandlung von Trigeminusneuralgie und wird oft als Option für Patienten betrachtet, die nicht auf Medikamente ansprechen oder die eine chirurgische Intervention scheuen. Die Wirksamkeit der Behandlung variiert jedoch je nach Patient, wobei etwa 60-80% der Patienten nach der Behandlung eine Verbesserung oder eine komplette Schmerzlinderung erfahren können.

Therapie mit Botox

Die Injektion von Botulinumtoxin in den schmerzhaften Bereich ist ein neuer Therapieansatz, der vor allem bei Patient:innen nützlich sein kann, die auf andere Medikamente nicht mehr ansprechen. Bisher liegen nur wenige Studien zu dieser Therapieform vor, keine davon aus dem europäischen oder nordamerikanischen Raum. Da noch weitere Forschungsarbeit zu dieser Behandlung nötig ist, stellt sie noch keine gängige Therapie dar, sondern wird nur nach Einzelfall entschieden.

Alternative Medizin

Alternative Methoden bei der Behandlung der Trigeminusneuralgie wurden bisher nicht so gründlich untersucht wie die medikamentösen oder chirurgischen Verfahren. Deshalb gibt es auch wenig Gewissheit, welche die Wirksamkeit solcher Methoden belegt. Dennoch konnte manchen Patient:innen mit alternativen Behandlungen geholfen werden, zum Beispiel mit Akupunktur, Biofeedback, Chiropraktik, Vitaminen oder Nahrungsergänzungsstoffen. Besprechen Sie solche Behandlungen bitte mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, weil es zu Wechselwirkungen mit anderen Behandlungen kommen kann.

Krankenhausaufenthalt nach Operationen

Die Dauer des Krankenhausaufenthalts nach einer Trigeminusneuralgie-Operation variiert je nach Art des Eingriffs und dem individuellen Heilungsverlauf des Patienten.

  • Mikrovaskuläre Dekompression (MVD): Obwohl bei dem Eingriff der Schädel eröffnet wird, sind die meisten Patienten nach einem einwöchigen stationären Aufenthalt wieder weitgehend mobil und die meisten Patienten sind oft lebenslang beschwerdefrei.
  • Nach Operation eines Bandscheibenvorfalls: ist üblicherweise ein stationärer Krankenhausaufenthalt für drei Tage erforderlich, einschließlich des Operationstages. Die Operationsvorbereitungen erfolgen ambulant und die stationäre Aufnahme erst am OP-Tag. Bei stabilisierenden Eingriffen beträgt die Dauer des Krankenhausaufenthaltes normalerweise fünf Tage.

Krankheitsbewältigung und Unterstützung

Das Leben mit einer Trigeminusneuralgie ist oft schwierig. Die Erkrankung kann den Umgang mit Freunden und Familie beeinträchtigen, ebenso wie die Produktivität bei der Arbeit und die generelle Lebensqualität. In Patientenorganisationen können Sie Verständnis und Unterstützung finden. Die Mitglieder in diesen Organisationen kennen sich oft mit den neuesten Behandlungsmethoden aus und können ihre eigenen Erfahrungen weitergeben.

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