Ein zerebraler Krampfanfall ist ein einschneidendes Ereignis, das durch eine Fehlfunktion von Nervenzellen im Gehirn ausgelöst wird. Viele Menschen sind unsicher, wie sie reagieren sollen, wenn jemand einen epileptischen Anfall hat. Dabei ist das richtige Verhalten gar nicht so kompliziert. Einige wenige Regeln können helfen.
Was ist ein zerebraler Krampfanfall?
Ein Krampfanfall (epileptischer Anfall) entsteht durch eine überschießende Entladung von Neuronen im Gehirn. In Abhängigkeit vom Ort und der Ausprägung der Anfälle variiert die Phänomenologie erheblich. Sie reicht z. B. von feinschlägigen Tremor bis hin zu generalisierten tonisch-klonischen Anfällen (früher „Grand mal“).
Ein Krampfanfall ist ein plötzlich eintretendes Erlebnis, bei dem der Betroffene Verkrampfungen, Zuckungen und Bewusstseinsausfälle erleidet. Häufig ist ein Krampfanfall ein Synonym für einen epileptischen Anfall, auch wenn es nicht zwingend zu einer Verkrampfung kommt. Es kann nämlich auch nur zu Bewusstseins- und Wahrnehmungsstörungen kommen.
Ursachen und Auslöser
Ein hirnbedingtes Krampfleiden ist z. B. die Epilepsie. Epilepsie ist eine Erkrankung, bei der beide Gehirnhälften oder einzelne Bereiche vorübergehend übermäßig oder fehlerhaft aktiv sind und zu viele Signale abgeben. Dadurch kommt es zu einem sogenannten epileptischen Anfall.
Die Ursachen für Krampfanfälle sind vielfältig. Neben Epilepsie können auch andere Faktoren eine Rolle spielen, wie z.B.:
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- Zerebrale Raumforderungen (z.B. Tumore)
- Hirnmangeldurchblutung
- Infektion (insbes. Meningitis, Enzephalitis)
- Neurologie (Epilepsie, akuter/Z.n. Apoplex)
- Elektrolyte (insbes. Natrium, Kalium, Kalzium, Magnesium)
- Entzug oder Abusus von Suchtmitteln (z.B. Alkohol)
- Hypoxie (z.B. Ertrinken)
Anfallsformen
Es gibt verschiedene Anfallsformen. Zudem hängt es von der Stärke des Anfalls und der Situation ab, wie man sich am besten verhält. Grundsätzlich kann man zwischen fokalen und generalisierten epileptischen Anfällen unterscheiden. Diese können wenige Sekunden bis mehrere Minuten andauern. Hält ein epileptischer Anfall länger als 5 Minuten an, spricht man von einem „Status epilepticus“. In der Regel haben Menschen mit Epilepsie zwischen den Anfällen keine körperlichen Beschwerden.
Die verschiedenen Formen von epileptischen Anfällen kann man grob unterteilen in sogenannte fokale Anfälle, die nur Teile des Gehirns betreffen, und generalisierte Anfälle, die das gesamte Gehirn betreffen.
Fokale Anfälle
Ein fokaler Krampfanfall betrifft nur einen bestimmten Teil des Gehirns, daher sind die Symptome aufgrund der verschiedenen betroffenen Areale oft sehr unterschiedlich. So kann es beispielsweise zu Bewegungsstörungen im linken Bein kommen, wenn der Krampfanfall durch genau diese Hirnregion ausgelöst wird. Neben Bewegungsstörungen, Krämpfen und Zucken kann der Betroffene auch Empfindungs- und Bewusstseinsstörungen erleben.
Die Symptome bei einem fokalen Anfall hängen davon ab, in welchem Teil des Gehirns die Nervenzellen übermäßig stark feuern. Das, was du als Außenstehender beobachten kannst, sind Zuckungen, Verkrampfungen oder Versteifungen bestimmter Körperteile. Manchmal lässt die Muskelanspannung in einem Körperteil abrupt nach. Einige Betroffene spüren nur ein Kribbeln, plötzliche Wärme oder Kälte und einige haben sogar Halluzinationen. Dann riechen, schmecken, hören oder sehen sie etwas, das gar nicht da ist. In anderen Fällen ist das Bewusstsein der Betroffenen gestört. Sie wirken benommen, verwirrt oder abwesend. Hier spricht man von einem komplexen fokalen Anfall. Häufig kannst du auch Automatismen beobachten wie Kauen und Schmatzen, Scharren mit den Füßen oder Nesteln an der Kleidung. Die Betroffen können sich hinterher nicht daran erinnern.
Generalisierte Anfälle
Im Gegensatz zu dem fokalen Krampfanfall, ist bei einem generalisierten Krampfanfall das gesamte Gehirn betroffen. Einen generalisierten Krampfanfall teilt man in fünf Untergruppen ein. Zu diesen gehören Absence, klonischer Krampfanfall, tonischer Krampfanfall, atonischer Krampfanfall und der tonisch-klonische Krampfanfall. Die Symptome der einzelnen Untergruppen werden im nächsten Abschnitt behandelt.
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Bei generalisierten Anfällen gibt es eine Bandbreite an Symptomen.
- Tonisch-klonische Anfälle (Grand-Mal-Anfälle): Zunächst meist Sturz zu Boden, evtl. mit einem Schrei und Bewusstlosigkeit, danach oft tonische Phase mit steif gestreckten Gliedmaßen, Atemstillstand (Patient wird blau) und weiten, lichtstarren Pupillen, anschließend klonische Phase mit Zuckungen am ganzen Körper, evtl. Zungen- oder Wangenbiss (Schaum vor dem Mund) und Urin- oder Stuhlabgang. Aufhören der Zuckungen in aller Regel nach wenigen Minuten, nach dem Anfall Schlaf- und Orientierungsphase, später oft Amnesie (Patient erinnert sich nicht).
- Klonische Anfälle: Rhythmische Muskelzuckungen, oft langsamer werdend.
- Tonische Anfälle: Muskelverkrampfungen (Streckung der Extremitäten), teilweise über Minuten.
- Atonische Anfälle: Sturz durch Tonusverlust der Muskulatur.
- Absencen: Diese generalisierten Anfälle sind charakterisiert durch eine Bewusstseinspause, meist ein kurzes Innehalten.
Ein fokaler Anfall kann sich zu einem generalisierten epileptischen Anfall ausweiten, wenn die Nervenzellen im gesamten Gehirn überreagieren. Es kommt zu Muskelzuckungen oder -krämpfen im ganzen Körper, häufig mit Bewusstseinsstörungen. Eine eher milde Form sind die sogenannten Absencen, eine kurze geistige Abwesenheit. Die Betroffenen wirken für einige Sekunden abwesend und blicken ins Leere. Manchmal ist es, als würden sie bei ihren Tätigkeiten einfrieren. Sie stoppen, was sie tun, für ein paar Sekunden. Wenn sie weitermachen, erinnern sie sich nicht daran. Die häufigste Form des generalisierten epileptischen Anfalls ist der sogenannte große Krampfanfall, auch „Grand Mal“ genannt.
Status epilepticus
Selten hält ein epileptischer Anfall lange an. Wenn er länger als 5 Minuten dauert oder eine Serie von Anfällen auftritt, spricht man von einem „Status epilepticus“. Dies ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der schnell mit Medikamenten behandelt werden muss.
Ein epileptische Anfall, welcher länger als 5 Minuten anhält, oder mehr als 2 aufeinanderfolgende Anfälle über einen Zeitraum von mehr als 5 Minuten ohne Wiedererlangen des Bewusstseins, werden als Status epilepticus bezeichnet stellen ein dringend therapiebedürftiges Notfallbild dar! Bei Patienten mit einer Neigung zu Anfallsserien kann die Gabe von Notfallmedikamenten abweichend bereits nach dem ersten Anfall erwogen werden.
Phasen eines Krampfanfalls
Der Ablauf eines Grand-Mal Anfalls verläuft in mehreren Phasen ab.
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- Präiktale Phase (Prodromalphase): In manchen Fällen bemerken Patienten schon vor dem Anfall, dass etwas nicht stimmt. Den Zeitraum bevor ein epileptischer Anfall beginnt, bezeichnet man als präiktale Phase oder Prodromalphase. Diese Phase dauert wenige Minuten bis mehrere Tage und Betroffene verhalten sich eventuell anders oder fühlen sich merkwürdig. Das sogenannte Warnsignal des Körpers bezeichnet man als Prodrom und es wird auch oft mit der Aura in Verbindung gebracht.
- Iktale Phase: Der Zeitraum während eines Anfalls nennt sich iktale Phase. Hier herrscht ein Gewitter im Kopf und es kommt zu physikalischen Veränderungen. Diese können mit medizinischen Geräten, wie EEG und EKG gemessen werden.
- Postiktale Phase: Eine postiktale Phase bezeichnet das Ende vom Anfall und den Übergang in den körperlichen Normalzustand. Sie wird gekennzeichnet durch die Erholungsphase des Gehirns und kann wenige Sekunden bis Stunden andauern. Nach einem epileptischen Anfall befinden sich die Patienten häufig in einer Reorientierungsphase, der postiktalen Phase. Diese Phase kann einige Minuten bis mehrere Stunden andauern. In dieser kommt es zu Symptomen wie Sprachstörungen, Vigilanzminderungen, Lähmungen, Gedächtnisstörungen und teilweise psychischen Störungen bis hin zu aggressivem Verhalten.
- Interiktale Phase: Die interiktale Phase beschreibt die Zeit zwischen zwei Krampfanfällen. Vor allem in diesem Zeitraum haben Betroffene mit psychischen Störungen zu kämpfen, die sich in Ängstlichkeit und Depressionen ausdrücken. Diese Beschwerden dauern wenige Stunden bis mehrere Tage an und verschwinden dann meist spontan.
Erkennungsmerkmale
Erkennungsmerkmale für den hirnbedingten Krampfanfall sind u. a.:
- Plötzliches Hinfallen
- Zuckende Bewegungen/Verkrampfungen
- Bewusstlosigkeit
Erste Hilfe Maßnahmen bei einem Krampfanfall
Grundsätzlich ist es am wichtigsten, ruhig zu bleiben und Betroffene vor Verletzungen zu schützen. Die meisten Anfälle sind nicht gefährlich und nach wenigen Minuten vorbei. Manche Menschen sind nur kurz abwesend oder haben Muskelzuckungen. Bei solchen kleinen Anfällen besteht in der Regel keine Gefahr. Dennoch können die Betroffenen hinterher sehr verunsichert oder ängstlich sein und sich schlecht fühlen. Dann kann es wichtig sein, ihnen beizustehen und Sicherheit zu geben.
Wenn ein Mensch plötzlich einen starken epileptischen Anfall (Grand Mal) mit Verkrampfungen, Zuckungen oder erheblicher sonstiger Bewegungsunruhe erleidet, gilt es, Ruhe zu bewahren und den Patienten vor Verletzungen zu schützen.
Während des Anfalls
- Schützen: Bringen Sie Gegenstände, die eine Verletzungsgefahr darstellen, außer Reichweite. Nehmen Sie dem Betroffenen, wenn möglich, die Brille ab. Sollte der Patient liegen, stützen Sie seinen Kopf mit Kleidungsstücken oder Kissen. Den Kopf abpolstern, um ihn vor Verletzungen zu schützen.
- Nicht Festhalten: Halten Sie die betroffene Person nicht fest und schieben Sie nichts zwischen die Zähne. Keinesfalls sollten die Betroffenen festgehalten werden oder ihnen ein Beißkeil in den Mund geschoben werden, weil dadurch Lippen, Zähne und Gaumen verletzt werden können. Auch sollten ihnen wegen der Aspirationsgefahr keine Flüssigkeiten oder Arzneimittel oral eingeflößt werden. Die krampfenden Arme und Beine nicht festhalten. Dem Anfall sollte man soweit es geht seinen Lauf lassen.
- Atemwege freihalten: Sitzt die Kleidung am Hals eng, sollte man sie lockern. Es kann passieren, dass sich der Betroffene auf die Zunge beißt. Dennoch sollte man während des Anfalls nicht den Mund öffnen oder einen Gegenstand zwischen die Zähne schieben. Nach dem Anfall ist es wichtig zu kontrollieren, ob die Atemwege frei sind.
- Da bleiben: Den Betroffenen nicht allein lassen; auch nicht, um Hilfe zu holen - außer es wird unbedingt nötig, weil der Anfall nicht aufhört. Pflegekräfte sollten während des Krampfanfalls unbedingt die Ruhe bewahren und beruhigend auf den Patienten einwirken. Sie sollten ihn nicht allein lassen und bei unklarer Diagnose sofort einen Arzt benachrichtigen.
- Auf die Uhr schauen: Meist beginnt ein Anfall plötzlich und ist nach 1 oder 2 Minuten wieder vorbei. Selten dauert ein Anfall länger als fünf Minuten. Wenn doch, ist dies ein Notfall - dann muss unter der Nummer 112 eine Notärztin oder ein Notarzt gerufen werden. Auch sollten sie den Betroffenen gut beobachten, damit sie die Dauer, Uhrzeit, den Ablauf und die Besonderheiten des Krampfanfalls später genau dokumentieren können. Eine möglichst genaue Beschreibung über Ablauf und Dauer des Krampfes ist entscheidend für die Einordnung der Anfalls und die Festlegung weiterer therapeutischer Maßnahmen.
Nach dem Anfall
- Dableiben und helfen: Eine Person, die einen Anfall hinter sich hat, kann einige Zeit benötigen, um wieder zu sich zu kommen. Vielleicht hat sie einen Wunsch oder braucht Orientierung. Manche Menschen sind sehr müde und möchten sofort schlafen. Sie werden am besten in die stabile Seitenlage gebracht. Nach dem „Anfall" bei andauernder Bewusstlosigkeit und vorhandener Atmung lagern Sie ihn in der stabilen Seitenlage. Nach dem Anfall sollten die Pflegenden die Betroffenen in die stabile Seitenlage bringen, bis sie ihr Bewusstsein vollständig wiedererlangt haben (Aspirationsprophylaxe) und ggf. Erbrochenes entfernen.
- Schamgefühle beachten: Wichtig ist außerdem, Schamgefühle zu beachten und zu vermeiden, dass sich etwa bei einem Anfall in der Öffentlichkeit viele Menschen ansammeln. Es kann auch passieren, dass während eines Anfalls ungewollt Urin abgeht.
- Atemwege sichern: Um die Atemwege zu sichern, sollte der Patient in die Bauch- oder stabile Seitenlage gedreht werden.
- Ggf. Notruf wählen: Bei einem großen Anfall muss nicht immer der Rettungsdienst gerufen werden: Geht er schnell vorüber und kommt die Person schnell wieder zu sich, kann man besprechen, ob eine Notärztin oder ein Notarzt gerufen werden soll.
Wann den Notarzt rufen?
Einige Betroffene haben einen Epilepsie-Notfallausweis dabei, der Informationen über die Erkrankung, benötigte Medikamente und Kontaktpersonen enthält. Manche Menschen mit Epilepsie tragen ständig ein Notfallmedikament bei sich, damit Personen, die einen Anfall miterleben, es einsetzen können. Dauert ein Anfall länger an, kann das Medikament als Tablette in die Wangentasche gelegt oder als Creme über eine kleine Tube in den After gespritzt werden, um den Anfall zu beenden. Die Notärztin oder der Notarzt kann Medikamente in die Vene spritzen.
Es gibt bestimmte Situationen, in denen ein Notarzt gerufen werden sollte:
- Der Anfall dauert länger als fünf Minuten.
- Es kommt zu mehreren Anfällen hintereinander.
- Es gibt Atemprobleme.
- Es kam zu Verletzungen.
- Man weiß, dass es der erste Anfall war.
- Die Person kommt nicht wieder zu sich.
- Bei unklarer Diagnose sofort einen Arzt benachrichtigen.
- Dauert der Anfall länger als drei Minuten, sollte die Notärztin oder der Notarzt gerufen werden. Bei einem Anfall mit einer Dauer von mehr als fünf Minuten wird von einem Status epilepticus gesprochen.
Medikamentöse Therapie im Notfall
Ein Status epilepticus (Anfall ≥ 5 Min. oder Serie von Anfällen ohne zwischenzeitliche Erholung) ist lebensbedrohlich und muss immer medikamentös unterbrochen werden. Ein Status epilepticus kann dazu führen, dass das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, sodass Herz und Lunge versagen.
Die Leitlinie „Status epilepticus im Erwachsenenalter“ empfiehlt zur Akuttherapie:
- Bei Vorhandensein eines venösen Zugangs sollte i.v.-Injektion zur Krampfunterbrechung gegeben werden: Lorazepam, Clonazepam, Midazolam oder Diazepam.
- Bei Patienten ohne i.v.-Zugang sollte Midazolam intramuskulär per Applikator oder intranasal (als Einzelgabe) appliziert werden.
- Alternativ zu Midazolam können bei fehlendem i.v.-Zugang Diazepam rektal oder Midazolam bukkal (in der Wangentasche) angewendet werden.
Als Medikament kommt bei den meisten Rettungsdiensten Midazolam aufgrund seiner umfangreichen Applikationswege zum Einsatz.
Pflegerische Maßnahmen
Während des Krampfes kann sich der Betroffene durch die unkontrollierten Bewegungsabläufe weitere Verletzungen zuziehen.
Während eines Krampfanfalls gilt es, den Betroffenen vor weiteren Gefahren zu schützen. Das umfasst:
- Atemwege sichern
- Gegenstände aus dem Weg räumen
- Betroffene zur Sturzprävention auf den Boden gleiten lassen
- Den Kopf abpolstern, um ihn vor Verletzungen zu schützen.
Keinesfalls sollten die Betroffenen festgehalten werden oder ihnen ein Beißkeil in den Mund geschoben werden, weil dadurch Lippen, Zähne und Gaumen verletzt werden können. Auch sollten ihnen wegen der Aspirationsgefahr keine Flüssigkeiten oder Arzneimittel oral eingeflößt werden.
Nach dem Anfall sollten die Pflegenden die Betroffenen in die stabile Seitenlage bringen, bis sie ihr Bewusstsein vollständig wiedererlangt haben (Aspirationsprophylaxe) und ggf. Erbrochenes entfernen. Bei Bedarf: Mund- und Körperpflege durchführen, Wäsche nach unkontrolliertem Urinabgang wechseln, Mundraum auf Zungen- oder Wangenbiss kontrollieren, für Ruhe sorgen sowie Bewusstsein und Vitalzeichen engmaschig überwachen.
Grundsätzlich gilt: Ein epileptischer Anfall, der maximal 2 Minuten dauert, kann nicht medikamentös unterbrochen werden.
Diagnostik
Um die Diagnose Epilepsie zu stellen, ist vor allem die Krankengeschichte wichtig: Wann und unter welchen Umständen ist der Anfall aufgetreten? Wie hat er sich geäußert? Hier ist es hilfreich, dass eine Person mit zum Arzttermin kommt, die den Anfall miterlebt hat und ihn beschreiben kann. Auch wird bei einem Epilepsie-Verdacht eine körperliche und neurologische Untersuchung durchgeführt und ein Elektroenzephalogramm (EEG) gemacht, das auf eine erhöhte Anfallsneigung hindeuten kann. Ein EEG allein reicht aber für die Diagnose Epilepsie nicht aus. Daher gehört eine Magnetresonanztomografie (MRT) grundsätzlich zur Absicherung einer Epilepsie-Diagnose. Dabei können Veränderungen im Gehirn entdeckt werden, die die Anfälle auslösen könnten.
Ein Arzt klärt zunächst ab, ob es sich tatsächlich um einen Krampfanfall gehandelt hat. Hier müssen andere mögliche Ursachen mit ähnlichen Symptomen ausgeschlossen werden. Dabei hilft es eine genaue Schilderung der Symptome parat zu haben, die der Patient entweder selbst oder durch einen Angehörigen, der den Anfall mitbekommen hat, dem Arzt mitteilt.
Für weitere Untersuchungen wird ein EEG, also ein Elektroenzephalogramm, durchgeführt. Damit werden die Hirnströme untersucht, welche Auskunft über den Krampfanfall geben können. Zusätzlich führt man auch oft ein MRT, Magnetresonanztomographie, durch.
Therapie
In der Regel ist nach dem zweiten Anfall eine medikamentöse Behandlung mit Antiepileptika erforderlich, bei hohem Risiko auch schon nach dem ersten. Die Therapie muss über mindestens 2 Jahre durchgeführt werden, oft sogar lebenslang. Die Therapie erfolgt mit Antiepileptika (Arzneimittel, die epileptische Anfälle unterdrücken). Es sollte zunächst versucht werden, mit nur einem Antiepileptikum auszukommen (Monotherapie). Erst wenn die Dosis wegen starker Nebenwirkungen nicht mehr erhöht werden kann und die Person immer noch nicht anfallsfrei ist, sollte das Arzneimittel gewechselt oder eine Kombination unterschiedlicher Medikamente versucht werden. Das Ansetzen, Umstellen oder Absetzen der Antiepileptika erfolgt in der Regel schrittweise („Ein-, Ausschleichen“). Um die richtige Dosis zu finden, wird der Arzneimittelspiegel regelmäßig kontrolliert.
Treten Krampfanfälle häufiger auf oder es wird eine Epilepsie festgestellt, behandelt man diese mit speziellen Medikamenten, wie Antiepileptika. Diese heilen die Krankheit zwar nicht, reduzieren aber die Anfallhäufigkeit. Die Medikamente haben häufig zahlreiche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen. Selbst wenn der letzte Krampfanfall schon einige Zeit zurückliegt, sollte man die Erkrankung auf keinen Fall vergessen oder unterschätzen. Mit Medikamenten kann man die Häufigkeit zwar reduzieren, jedoch nicht komplett ausschließen.
Prävention
Ein wichtiger Aspekt in der Betreuung von Menschen mit Epilepsie ist die Prävention. Betroffene sollten einen regelmäßigen Tagesablauf einhalten und anfallsauslösende Faktoren meiden, z. B. Schlafmangel, Flackerlicht (Diskothek, Videospiele) oder Alkohol in größeren Mengen. Wird ein regelmäßiger Anfallskalender geführt, ist es möglich, Auslöser und Medikamentenwirkungen nachvollziehen zu können. Zudem sollten Betroffene immer einen Notfallausweis mit Erste-Hilfe-Maßnahmen mitführen und Kollegen bzw. Lehrer informieren.
Wichtig ist auch, die Betroffenen im Umgang mit Antiepileptika zu schulen: Diese dürfen nicht eigenmächtig umgestellt oder abgesetzt werden. Oft gibt es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, z. B. gegen Schmerzen oder Fieber. Hier sollte der behandelnde Arzt gefragt werden, welche zusätzlichen Medikamente eingenommen werden können. Auch sollten die Betroffenen Kenntnis über mögliche Nebenwirkungen haben. Alle behandelnden Ärzte sollten über die Epilepsie informiert sein. Sinnvoll sind auch spezielle Schulungsprogramme.
Anzustreben ist ein selbstbestimmtes, weitgehend „normales“ Leben mit Epilepsie. Dennoch sollten die Betroffenen:
- sich mit Alkohol zurückhalten,
- keinen Beruf mit erhöhter Selbst- oder Fremdgefährdung (z. B. Kraftfahrer) oder unregelmäßiger Lebensführung (Schichtarbeit) wählen,
- keinen Sport mit erhöhter Selbst- oder Fremdgefährdung treiben.
Das Führen eines (Privat-)Fahrzeugs ist nur erlaubt, wenn Anfallsfreiheit von wenigen Monaten bis 2 Jahren (je nach Erkrankungsform) und ein unauffälliges EEG vorliegen. Schwangerschaften sind in aller Regel möglich. Frauen sollten vorher Rücksprache mit dem Arzt halten, um ggf. die verschriebenen Medikamente konsequent einnimmt.
Besonderheiten in der Pflege
In der ambulanten und stationären Pflege sind folgende Aspekte zu beachten:
- Der Bewohner soll ggf. Anfallstagebuch oder einen Anfallskalender führen.
- Dokumentation von Anfallstyp und die Dauer. (Hinweis: Dieses ist wichtig, um die Dauer des Anfalls zu erfassen.
- Kenntnis der Bedarfsmedikation.
- Mögliche Auslöser identifizieren: Schlafmangel, Alkoholkonsum usw.
- Frühzeitiges Erkennen von Anzeichen: Reizbarkeit, Unruhe oder Apathie. Angstzustände, Übelkeit oder Kopfschmerzen. Der Bewohner soll ggf. Anfallstagebuch oder einen Anfallskalender führen. Es ist wichtig, dass das Pflegepersonal in der Lage ist, diese Zeichen richtig zu deuten.
- Anpassung der Umgebung: Bewohner, die häufig Anfälle haben und unruhig sind, sollten möglichst in einem Zimmer im Dienstzimmer bewohnen. Gegenstände, an denen sich der Betroffene verletzen könnte, werden weggeräumt, etwa Stühle, Beistelltische usw. Ist der Bewohner sehr gefährdet, wird in den Ruhezeiten das Bettgitter hochgefahren. Ggf. gepolstertes Bettgitter angebracht. Bei der Mobilisation ist Vorsicht geboten: Der Bewohner wird vorsichtig auf den Boden mobilisiert. Anfalls dort belassen. Treppenabsätzen sind gleichermaßen gefährlich.
- Während des Anfalls: keine oralen Medikamente oder sonstige Flüssigkeiten eingegeben. Dabei muss behutsam vorgegangen werden. Ist der Bewohner bewusstlos, darf keine Flüssigkeit in den Mund geschoben. Dabei muss behutsam vorgegangen werden.
- Nach dem Anfall: Den Bewohner nach dem Anfall nach seinem Namen fragen oder ihn sich drei Begriffe einzuprägen, etwa "Haus", "Baum" oder "Tisch". Nach einiger Zeit wieder abfragen. So kann festgestellt werden, ob der Bewohner sein Bewusstsein vollständig oder nur teilweise verloren hat. Bei Bedarf: Mund- und Körperpflege durchführen, Wäsche nach unkontrolliertem Urinabgang wechseln, Mundraum auf Zungen- oder Wangenbiss kontrollieren, für Ruhe sorgen sowie Bewusstsein und Vitalzeichen engmaschig überwachen.
- Medikamentengabe: Wenn eine Bedarfsmedikation besteht, werden (ggf. Injektion) krampflösende Arzneimittel verabreicht. Diese sollten immer bereitstehen und sofort verabreicht werden sollten. Ist der Bewohner bewusstlos, muss ggf. der Bewohner beatmet werden.
- Weitere Maßnahmen: Den Bewohner nach dem Anfall in der stabilen Seitenlage belassen, um eine Aspiration zu vermeiden. Den Bewohner beruhigen und versorgen. Ggf. fachärztliche Versorgung angeregt. Bei Bedarf kann der Brustkorb des Bewohners mit Pfefferminzöl eingerieben werden. Dem Bewohner ausreichend Zeit geben, sich zu erholen. Mitbewohner werden zu entsprechender Rücksichtnahme aufgefordert, um den Bewohner nicht unnötig zu stören.
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